Mittwoch, 23. Februar 2011

Verlagsgeplauder - Der Tag hat 24 Stunden ...


Titel: Gefangen in der Ewigkeit (Blutiger Kuss 01)
Autor: Stephanie März
Originaltitel, 196 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-940036-08-7
Euro: 11,90
Bei Bestellung bis zum 27.02.2011 gilt der ermäßigte Subskriptionspreis von 10,90 Euro. Auslieferung ab dem 28.02.2011


Der Verleger Torsten Low plaudert aus dem Nähkästchen. Und das auch noch gern! In regelmäßigen Abständen wird er sich ein Thema wählen und einige Worte dazu aufschreiben. Alle, die sich näher dafür interessieren, sind herzlich eingeladen, sich diese Worte durchzulesen und zu kommentieren. Mehr noch: Interessiert ein Thema besonders? Dann her damit, Torsten antwortet gern.

Der Tag hat 24 Stunden ...

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich all das (Vollzeitjob in der IT-Branche, zwei Stunden Arbeitsweg je Richtung, das Schreiben, den Verlag und seit kurzem ein Kind) schaffen würde.
Oft liegt mir dann ein Spruch auf den Lippen, den ich vor Jahren mal gehört habe:
»Der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, nehme ich auch die Nacht dazu.«
Natürlich habe ich nicht mehr Zeit, als andere Menschen. Trotzdem scheint es manchem Beobachter so. Deswegen möchte ich an der Stelle einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben (außerdem hat Soleil sich das Thema gewünscht ;-) ).

Eine Frage der Zeit
Wie oft habe ich es schon gehört :»Wenn ich Zeit hätte, würde ich auch einen Roman schreiben!«
Blödsinn.
Wir alle haben die gleiche Zeit. Der Tag eines jeden Menschen hat 24 Stunden. Wenn wir uns die Zeit nehmen, etwas zu machen, dann deswegen, weil es uns wichtig ist.
Man geht arbeiten, weil es einem wichtig ist. Man schreibt einen Roman, weil es einem wichtig ist. Man eröffnet einen Verlag, weil es einem wichtig ist.
Wenn jemand sagt, er habe keine Zeit, dieses oder jenes zu tun, dann bedeutet das: »Es ist mir nicht wichtig genug.«
Und wenn jemand sagt, er habe keine Zeit, seinen Roman zu schreiben, dann bedeutet das: »Der Roman ist mir nicht wichtig genug. Mir ist meine Arbeit oder meine Familie, meine Freizeit, mein Sport, meine Freunde, mein Schlaf, meine Zeit vor dem Fernseher oder irgendetwas anderes wichtiger, als diesen Roman zu schreiben.«
Das ist nicht schlecht und auch nicht verkehrt. Im Gegenteil - es muss nicht jeder einen Roman schreiben oder einen Verlag gründen.
Aber es ist Quatsch zu behaupten, dass es nur an der Zeit liegen würde. Denn wenn es demjenigen so wichtig ist, dann findet er die Zeit dazu.

Eine Frage der Entscheidung
Es ist egal, ob ich mich auf einen Job bewerbe, oder einen Roman schreiben möchte. Ob ich gerne ein Kind möchte oder einen Verlag aufbauen möchte. Am Anfang steht immer die Entscheidung. Erst dann, wenn ich mich bewusst für oder gegen etwas entscheide, stelle ich die Weichen für die Zukunft.
Damit ist immer auch ein Verzicht verbunden. Entscheide ich mich für etwas, schließen sich automatisch einige andere Türen.
Vergebene Chancen? Vielleicht. Aber es muss nicht sein. Vor allem dann nicht, wenn diese Entscheidung mein Herzenswunsch ist.
Ich habe mich vor einigen Jahren bewusst für den Verlag entschieden. Das beinhaltete natürlich einen Verzicht. Ich hatte weniger Freizeit, weniger gemeinsame Zeit mit meiner Frau, weniger Zeit mit Freunden, ja sogar weniger Schlaf.
Klingt jetzt für manchen vielleicht wie ein großes Opfer. Ist aber nur eine Frage, wie man mit der Zeit, die einem gegeben ist, umgeht.

Verzichten und trotzdem Gewinnen
Beispielsweise verzichtete ich aufs Fernschauen. Früher ging oft der Fernseher an, sobald ich zu Hause war. Er lief einfach nebenher, bildete eine ständige Geräuschkulisse und lenkte ab. Deswegen beschloss ich mit der steigenden Arbeitslast im Verlag meinen Fernsehkonsum zu kontrollieren und einzuschränken. Später, als wir dann umzogen, verzichteten wir auf einen Antennenanschluss und leben seit mittlerweile drei Jahren ohne das Fernsehprogramm. Nachrichten gibt‘s übers Internet und Radio. Ab und zu schauen wir mal eine DVD, aber ansonsten ist die Flimmerkiste abgeschaltet.
Verzicht?
Wenn gerade ein Sportereignis läuft, schon. Ansonsten definitiv nicht. Stattdessen ein riesiger Zeitgewinn.

Auch meine Frau musste unter dem Verlag »leiden«. Statt jeden Abend vier Stunden gemeinsam zu verbringen, verbrachten wir plötzlich nur noch eine Stunde am Abend zusammen. Wobei, verbrachten wir die Zeit früher wirklich »zusammen«? Oder verbrachten wir sie nicht eher »nebeneinander«, auf dem Sofa sitzend und in die Röhre starrend? Nun redeten wir sehr viel über unsere gemeinsame Zukunft, schmiedeten Pläne, wie sich der Verlag entwickeln sollte. Wir waren nicht länger nur Lebenspartner, sondern Geschäftspartner, ein Team, ein Familienbetrieb. Dieses gemeinsame Ziel hat uns nur noch mehr zusammengeschweißt.
Verzicht?
Klar, wir haben weniger Zeit miteinander. Aber unsere Beziehung hat eindeutig an Qualität und Intensität gewonnen.

Die Zeit mit Freunden und Bekannten ist um einiges knapper geworden. In der Woche habe ich nur selten Zeit, mich mit ihnen zu treffen. Falsch – ich will ehrlich sein. Es ist mir nicht so wichtig, wie der Verlag. Und am Wochenende sind wir oft unterwegs auf Veranstaltungen, verkaufen Bücher und halten Lesungen.
Verzicht?
Eigentlich nicht. Viele gute Freunde verstehen das und haben sich drauf eingestellt. Man trifft sich dann halt mal außerhalb der Lesungs- und Veranstaltungssaison, plant ein Treffen schon ein paar Monate früher und richtet sich irgendwie ein. Für manchen ist es auch sehr spannend, direkt mitzuerleben, was in unserem Hause alles entsteht. Und wir haben so viele neue Bekanntschaften und Freundschaften durch die Veranstaltungen und Lesungen dazugewonnen.

Der ganze Rest
Ich habe mich also entschieden, den Verlag zu eröffnen. Ich habe geschaut, wie ich meine Zeit besser nutzen kann. Habe Fernsehen gestrichen und andere »Zeitfresser« ausfindig gemacht.
Und trotzdem ging es nicht so recht vorwärts.
Dann kam jemand auf mich zu und sagte mir einen wichtigen Satz: »Achte auf deine Gedanken, denn sie beherrschen dein Tun.«
Damit ist nicht gemeint, dass ich mir einen Sechser im Lotto vorstelle und ihn dann auch bekomme (davon abgesehen spiele ich auch kein Lotto). Damit ist gemeint, dass Gedanken das eigene Handeln und das Handeln anderer indirekt beeinflussen.
Sagt jemand »Das schaffe ich niemals«, dann ist die Wahrscheinlichkeit, es nicht zu schaffen, auch sehr groß. Man bringt dann unbewusst schon keine volle Leistung und andere Personen sehen, dass man nicht mit dem Herzen bei der Sache ist. Sagt jemand »Ich versuche es«, dann bleibt es wahrscheinlich auch bei dem Versuch. Im Versuchen liegt bereits das Scheitern. Erst im Tun liegt der Erfolg. Sagt jemand jedoch »Ich packe es an, ich schaffe es«, dann bewirkt dieses positive Denken bereits ein Hochgefühl, welches einen selbst und andere motiviert und vorantreibt.
Man kann zu solchen »Motivationsmantras« stehen, wie man mag, mir haben sie geholfen. Sonst würde ich heute nicht da stehen, wo ich stehe.

Gedanken und Entscheidungen sind nicht alles – bei mir muss das Arbeiten strukturiert sein.
Ich habe schon vor Jahren für mich das Listenprinzip entdeckt und setze alle Arbeiten in Listen um. Es gibt eine ToDo-Liste für nicht-projektgebundene Aufgaben (viel zu lange stand »Neuer Beitrag für's Verlagsgeplauder« darauf) und eine Liste mit Projekten. Zu jedem Projekt gibt es eine Liste, auf welcher ich die einzelnen Schritte aufgeführt habe – vom Lektorat und Korrektorat über die Novitätenmeldung ans VLB und Barsortiment bis hin zur Werbekampagne auf Facebook. Es gibt eine Liste mit Marketingmaßnahmen und eine Liste mit Rezensenten, eine Liste mit Ideen für Folgeprojekte und eine Liste mit zu kaufenden Büromaterial.
Ein zweites wichtiges Hilfsmittel sind selbstgesetzte Termine. Auch wenn ich mich gar nicht so unter Druck setzen müsste - ich stelle mir Termine für's Ende des Lektorats, für den Satz, für den Probedruck, für den Druck der Erstauflage oder für den nächsten Beitrag für's »Verlagsgeplauder«.

Bei aller Strukturiertheit darf man nicht vergessen: Nichts davon funktioniert so richtig, wenn der Ehepartner nicht unterstützend eingreift.
Wenn der Gatte den Wunsch zu Schreiben nicht toleriert, kann das an den Nerven zehren und jede Minute Schreibzeit wird sicher hart erkämpft sein. Wenn die Gattin kein Verständnis für die Idee von der eigenen Firma hat, muss man sich entscheiden (schon wieder).
Ich hatte unwahrscheinliches Glück, dass meine Frau meine Schreibversuche schon gut fand, bevor ich meinen Roman veröffentlicht hatte. Und dass sie nicht nur Verständnis für meine Idee aufbrachte, sondern sich ganz selbstverständlich Aufgaben in meinem – in unserem – Verlag suchte. Meine Frau unterstützt mich nicht nur, sie ergänzt mich.

Alles im Fluss ...
Seit kurzem hat sich einiges geändert. Uns wurde eine kleine Lektorin geschenkt, wir sind zu dritt.
Derzeit nehme ich Elternzeit und schaue zu, dass ich nebenher so viel wie möglich für den Verlag mache. Aber meine Tochter Emily hat erste Priorität.
Und ab August wird es sich wohl erneut ändern. Meine Elternzeit wird dann abgelaufen sein. Was dann kommt und welche Auswirkungen das auf den Verlag hat, bleibt abzuwarten.
Sollte ich dann jedoch weniger Zeit für den Verlag haben, wisst ihr, woran es liegt. Es bedeutet: »Meine Tochter ist mir wichtiger!«


Kommentare:

  1. Ich hoffe, Tina hat den Text gelesen, das ist ja eine kleine Liebeserklärung an Deine beiden Frauen! Hach, schön!

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  2. Anonym23.2.11

    Wieder einmal ein tolles Geplauder aus dem Verlagsleben. Viele nützlichen Ratschläge kann man dem Text entziehen und auch auf die To-Do Liste für die Umsetzung schreiben. ;)
    Wenn du weiter so fleißig aus dem Verlag plauderst, kannst du ja irgendwann ähnlich einer Kolumnensammmlung dein Geplauder zusammenbinden ... Nur so als Suggestion.^^
    LG

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  3. Wow, das war wirklich interessant und ich habe das "Geplauder" mehr als gerne gelesen! :)

    Liebe Grüße und kannst du das obige Buch empfehlen?

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  4. Hallo Ihr zwei,

    @Anonym:
    Ich sage mal nicht "Herzlich Willkommen", Du warst sicher schon mal da, wenn Du Torstens Plaudereien kennst. ;)
    Ich finde auch, dass er das mal sammeln kann, aber da fehlen noch ein paar Themen, also hilf ihm doch einfach und wünsch Dir eines? ;)

    @Charlousie:
    Das obige Buch ist noch nicht erschienen und so kenne ich es leider noch nicht und kann nichts dazu sagen. Die Autorin scheint aber sehr sympathisch zu sein und mag dieses Genre sehr gern.

    LG
    Soleil

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  5. Ein wirklich toller Artikel, der mal wirklich zum Nachdenken anregt - sehr interessant. Ich muss gestehen, ich habe mich doch ganz schön wieder gefunden. Wer kennt nicht die Ausrede: Ich habe keine Zeit? Keine Lust trifft es wohl eher. Mal in mich gehen und über das gesagte nachdenken. Das Buch klingt auch nicht schlecht, mit 196 Seiten aber sehr kurz... Vielleicht bestell ich es mir trotzdem mal. *Neugierig bin*.

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  6. "Ich hoffe, Tina hat den Text gelesen, das ist ja eine kleine Liebeserklärung an Deine beiden Frauen! Hach, schön!"
    Dem kann ich mich nur anschließen. Aber der Verlag kommt auch nicht zu kurz ;-)
    Weiter so Torsten, man kann nur dazu lernen, wenn man hier mit liest.
    LG Sue

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  7. @Reni:
    Ich teile Deine Gedanken ;)
    Wenn Du schnell bist, bekommst Du es ja etwas preiswerter und meine Erfahrungen mit dem Verlag sagen mir, dass Du da keine Mogelpackung a la große Schrift und viel Zeilenabstand bekommst. Die Seitenanzahl wird meist vom Format bestimmt.

    @slcalvi:
    Willkommen im Blog!
    Mir hat der beitrag sofort gefallen, als ich ihn das erste Mal gelesen habe, der ist rund und gut, genauso wie er ist :)

    LG
    Soleil

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  8. Danke für den Tip, ich hatte es mir jetzt eh schon bestellt, und dann kann ich es ja selbst herausfinden. :)
    Habe von dem Verlag bisher nur gutes gehört. Wenn ich zufrieden bin, hol ich mir vielleicht noch eine Anthologie (die sind ja mittlerweile auch ziemlich bekannt) für die Fantasy-Challenge (bekommst eh noch ne Mail). Ich liebäugel eh schon seit längerem mit "Lichtbringer".

    Liebe Grüße und schönes Wochenende
    Reni

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  9. Bin gespannt ob und wie es Dir gefallen wird :)
    Ich habe auch noch ungelesene Anthos des verlages rumliegen, werde sie aber bald lesen. Mit Kurzgeschichten ist das ja nicht so schwer. :)
    Hoffe, Du hattest ein schönes Wochenende, aber es kommt ja schon bald ein Neues!

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