Freitag, 4. Februar 2011

Jasmyn - Alex Bell


Titel: Jasmyn
Autor: Alex Bell
Originaltitel: Jasmyn
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 3862520056
Euro: 14,95
Veröffentlichungsdatum: Februar 2011
Seiten: 400
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag








Es klingt wie ein Märchen: Seit sie Kinder waren, haben Jasmyn und Liam Gracey sich geliebt, später geheiratet und zehn Monate als Ehepaar zusammengelebt. Doch nun ist alles vorbei, denn Jasmyn muss ihren Geliebten zu Grabe tragen.
Auf der Beerdigung geschehen merkwürdige Dinge: Fünf schwarze Schwäne fallen tot aus den dunklen Wolken mitten auf den Sarg. Auch ändert sich das Verhalten von Jasmyns Angehörigen. Ben war nie gut auf Liam zu sprechen und ein großer Streit vor der Hochzeit hat die Brüder entzweit. Auch die Schwiegereltern brechen den Kontakt fast gänzlich ab.
Einige Zeit nach der Beerdigung meldet sich ein geheimnisvoller Fremder bei Jasmyn und behauptet Dinge, die unmöglich stimmen können. Oder doch? Was hat der Mythos um König Ludwig II. und seine Leidenschaft für Richard Wagners Oper um den Schwanenritter "Lohengrin" mit Liams Tod zu tun?
Jasmyn reist nach Deutschland, um es herauszufinden. Dort lebt auch Ben und gemeinsam machen sie sich auf den Weg um das Geheimnis zu entschlüsseln. Dabei begegnen ihnen nicht nur weitere Schwäne und ein schwarzes Zauberpferd, sondern auch echte Feen. Aber Ben verheimlicht Jasmyn etwas, das sie in einen Abgrund zu reißen droht ...

 
Das Cover gibt schon allein farblich die Grundstimmung des Romans wieder. Mythische Dinge, die in der Geschichte eine Rolle spielen - seltsamerweise jedoch im Klappentext nicht erwähnt werden - sind abgebildet. Die Federn vermitteln vielleicht nicht unbedingt den besten Eindruck, es gibt keine Engel im Roman und das Motiv der Schwäne kommt deutlich zu kurz.
Trotzdem sehr ansehnlich und gegenüber dem Original eine deutliche Verbesserung.



Von den vier Romanen, die Alex Bell inzwischen veröffentlicht hat, ist "Jasmyn" das zweite.
Die Idee, die hinter der gesamten Geschichte steckt, ist absolut gelungen und durchaus mal etwas anderes. Deutsche Märchen und Sagen - mit realer Historie vermischt - werden zu Urban Fantasy gestrickt. Aber leider hat die Autorin es nicht geschafft, den Bogen, den sie ziemlich lang aufgebaut und erst spät abgerundet hat, zufriedenstellend auslaufen zu lassen. Sie hat schlicht und ergreifend "die Kurve nicht gekriegt".
Der Anfang hat es bereits in sich, denn die Beerdigung Liams steht an. Schon hier ist zu spüren, dass zwar atmosphärisch dicht, aber leider nicht sehr tief geschrieben wird. Ein wenig oberflächlich wird sowohl die Trauer, als auch der Fall der Schwäne abgehandelt. Dennoch ist das fast mit die einzige Szene, die fesselnd geschrieben ist. Sicher auch deswegen, weil hier noch alles klar und deutlich vor Augen des Lesers liegt. Doch schon im Fortlauf der Handlung werden die Dinge immer mysteriöser und teils recht verworren.
Diese und auch spätere Schlüsselszenen, seien es nun Handlungen mit phantastischen Wesen oder emotionale Momente, werden grausam banal abgehandelt. Das führt natürlich dazu, dass sich kein Feeling und noch weniger emotionale Spannung aufbaut.
Um authentisch zu bleiben, hat Alex Bell die Orte, die im Buch erwähnt sind, selbst besucht. Das ist unter anderem dann zu spüren, wenn es darum geht, dass die Heldin sich in München ihre Snacks bei Karstadt besorgt oder die Umgebung Neuschwansteins beschreibt. Das ist wichtig bei jeder glaubhaften Geschichte, doch neben all diesen Bemühungen schleichen sich doch hier und da ein paar Klischees ein, die beim kundigen Leser ein (unbeabsichtigtes) Lächeln hervorlocken.
Der Spannungsbogen, der sich bereits im ersten Drittel aufrichtet und den Mittelteil bis fast vor Schluss stark beherrscht, ist enorm. Und leider auch der einzige Grund, warum sich ein Weiterlesen lohnt. Denn von Magie, Mystik oder phantastischen Elementen ist weit und breit nichts zu sehen. Zwar gibt es immer mal wieder Andeutungen, aber das war's auch schon. Kein König Ludwig oder die Lösung des Rätsels um seinen Tod. Keine Schwäne, kein Lohengrin, kein nichts. Diese Elemente werden in "Jasmyn" mehr als stiefmütterlich behandelt und scheinen fast nur als eine Art Alibi zu dienen. Wer also nur deswegen zum Roman greift, sollte überlegen, ob es das Wert ist. Beachtet man dabei nämlich die oberflächliche Schreibweise, wird klar, dass das einzige, was zum Weiterlesen animiert, die Auflösung um Liams Tod ist. Ehrlich gesagt war ich froh, als ich das Buch endlich schließen konnte, obwohl ich es insgesamt nur mittelmäßig, aber nicht schlecht fand.
Hinzu kommt aber, dass nicht alle Handlungsstränge und Geheimnisse aufgeklärt werden und das ist nun wirklich ärgerlich. Was hat es beispielsweise mit der kleinen Ritterfigur (mit Nagel im Kopf) auf sich, die Liam bei sich trug, als er starb und die Jasmyn dann überall mit hin genommen hat? Was ist mit König Ludwig und seinem Anhang geworden? Was geschieht mit Bens Tätowierung, denn diese müsste sein persönliches Happy End eigentlich ausschließen? Welche Rolle spielt Jasmyns Albinismus?
Es gibt also sowohl positive, als auch negative Punkte und ich würde schon sagen, dass das Buch so für zwischendurch gut geeignet ist. In Anbetracht dessen aber, dass "Jasmyn" nicht zu den preiswerteren Romanen gehört und ich erleichtert war, die letzte Seite umblättern zu dürfen, würde ich nicht behaupten wollen, dass man die Geschichte gelesen haben muss.



Alex Bell, geboren 1986, träumte schon als Kind davon, Schriftstellerin zu werden. Um einen Plan B zu haben, studierte sie aber erst einmal Jura. Nebenbei schrieb sie an ihrem ersten Roman. Heute lebt sie als freie Schrifstellerin zusammen mit fünf Katzen, zwei Schildkröten und einem Hund in Hampshire.

Kommentare:

  1. Hallo Fayum,

    interessant, dass du das Buch eher nicht als empfehlenswert empfunden hast. Ich fand es nämlich nicht nur kurzweilig sondern endlich mal erfrischend neu und durchwegs spannend. Die Seiten verfliegen und die Handlung geht voran. Das die emotionale und ausgemalte Sicht zu den Märchen fehlt hab ich eher nicht so empfunden, aber ich kann gut verstehen, dass man in diesem Punkt eine gewisse Ausgereiftheit vermissen kann.

    Mich hats dennoch überzeugt. Für Zwischendurch geeigent? Ja, ich denk das bleibt am Schluss selbst mit Kritik in jedem Fall. Mindestens. :)

    Liebe Grüße,
    - Marie

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  2. Hallo Marie,

    ich finde die Idee großartig und es war schön zu sehen, dass sich mal aus einem etwas anderen (moderneren?) Sagenschatz bedient wurde. Der Spannungsbogen war enorm und das gefiel mir, immerhin konnte ich nicht aufhören zu lesen.
    Aber ich hätte eben gerne und das ist ja nie ein gutes Zeichen. Auch hätte ich deutlich mehr "Übersinnliches" erwartet und sicher keine offenen Fragen/Handlungsstränge. Manche Dinge vom Inhalt habe ich auch nicht richtig verstanden. Irgendwann gegen Ende ging es dann auch zu sprunghaft zu ... wie gesagt bei dem Preis und mit den Kritikpunkten muss man das Buch nicht haben. Es gibt genug andere auf dem Markt, die ebenfalls gut zu lesen sind. ;)

    LG
    Soleil

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  3. Offene Fragen sind schon geblieben, ja. Den Preis für ein solches (soft-)Hardcover find ich - gerade gerade noch - im Rahmen. Leider geht der Trend ja eindeutig in die Höhe was Aufmachung und "in-die-Tasche-greifen" betrifft. Was die offenen Fragen angeht, so hab ich ja Angst, dass dieser Roman vielleicht auf irgendeine Art fortgestzt wird. Was mir nicht gefällen würde. Einmal angestochen ist dieses Thema, mit dieser Umsetzung, meiner Meinung nach keinen zweiten Schub wert. :o)

    Liebe Grüße,
    - Marie

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  4. Huhu. ^-^

    Ich würde dir gerne einen Blog-Award schicken: http://buchgedanke.blogspot.com/2011/02/mein-erster-blogaward.html

    Liebe Grüße
    Lady of Mystery

    http://buchgedanke.blogspot.com/

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  5. Vielen Dank für deine Eindrücke! Jetzt hast du mich abgeschreckt, denn oberflächliche Geschichten mag ich ja so gar nicht. Das freut die Wunschliste... ;)

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  6. das wäre, glaube ich auch nicht so meins...

    Bin zwar nicht die erste, aber ich habe dir hier trotzdem was verliehen :)

    http://booksmybaby.blogspot.com/2011/02/mein-1-award-versatile-blogger.html

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  7. Hallo Ihrs,

    @Marie Seth:
    Ich glaube nicht, dass der Roman fortgesetzt wird, dafür gibt er nicht genug her. Es sei denn, es tritt ein neues Heldenpaar auf, dass zufällig mal dieses hier trifft und dadurch Fragen klärt. (Ich hoffe aber, dass das nicht der Fall sein wird.)
    Dass der Trend zu "hochwertigen" Büchern geht, macht mir auch Sorge. Aber wahrscheinlich will jemand, der nur zwei Bücher im Jahr liest auch etwas haben, dass dann im Regal gut aussieht. Man muss andere ja irgendwie beeindrucken ;)

    @Lady:
    Vielen lieben Dank!!

    @Sey:
    ;)
    Aber guck mal bei Marie Seth rein, die mag das Buch. Geschmäcker halt ... so vielfältig, wie auch die Geschichten, die wir lesen.

    @Marie:
    Vielen lieben Dank auch an Dich!

    LG
    Soleil

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  8. Ich war schon im Zweifel, ob das Buch was für mich ist, aber jetzt rutscht es definitiv von der Wunschliste.
    Danke für die Entscheidungshilfe! :-)

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  9. Bitte, gerne :) Ich möchte trotzdem nicht darauf verzichten, Dich auf Marie Seths und auch Darkstars Rezi zum Buch hinzuweisen ;)

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  10. Da ist ja die Besprechung ... hat mich mein Eindruck, dass ich schon einen anderen Eindruck kenne, doch nicht getäuscht :-)
    Ich glaube, dass der gute Ludwig wirklich nur ein Alibi für die Schwäne war. Immerhin wird er wenigstens gegen Ende noch einmal erwähnt. Ich gestehe aber, dass ich mir zwischenzeitlich beinahe eine kleine Krimimalgeschichte um Ludwigs Ableben gefreut hatte. Dass Jasmyn äußerlich so besonders war, ohne dass es von Bedeutung ist, stört mich auch. Auch, dass die Geige nichts weiter zu sagen hat, aber insgesamt fühlte ich mich, wie gesagt, ziemlich wohl im europäischen Märchenwinter :)

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    1. Ja, manchmal ist es seltsam, dass einem etwas bekannt vorkommt. Ich frage mich dann auch immer, ob ich alt werde. ;-)
      Vielleicht gibt es doch noch mal etwas ähnliches wie eine Fortsetzung. Der Männerverbund am Ende deutet irgendwie darauf hin. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr sooo gut an das Buch.

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