Mittwoch, 9. Februar 2011

Die Wissende (Die Inseln des Ruhms 01) - Glenda Larke


Titel: Die Wissende
Autor: Glenda Larke
Originaltitel: The Isles of Glory 01. The Aware
Verlag: Blanvalet
ISBN: 3442267609
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2010
Seiten: 480
Serie: Die Inseln des Ruhms #1
Come in: Vom Verlag






 Inhalt

Glut Halbblut reist im Auftrag des Wahrers und Silbmagiers Dasrick zwischen den Inseln hin und her und erledigt seine zumeist schmutzige Arbeit. Sie ist eine Wissende und kann Magie nicht nur erkennen, sondern ist imun dagegen. Doch sie ist auch ein Halbblut, das Kind zweier Eltern, die nicht dem gleichen Volk angehören. Darum besitzt sie nicht das Bürgerrecht eines der Völker und den damit verbundenen Ohrring und darf sich auf keiner der Inseln länger als drei Tage aufhalten.
Auf Gorthen-Nehrung, einer Insel der Gesetz- und Bürgerlosen, soll sie für den Silbmagier das entflohene Burgfräulein Lyssal einfangen und zurück zu ihrem Vater und einer arrangierten Ehe bringen. Das könnte einer der letzten Aufträge sein, die sie erfüllen muss, denn der ersehnte Bürgerohrring ist nahe. Doch als sie nur wenige Stunden auf Gorthen weilt, spürt sie eine starke Konzentration von schwarzer Magie. Außerdem finden sich in ihrem Gasthaus einige geheimnisvolle Gestalten zusammen, von denen einige mehr wissen, als sie sagen und einige mehr sind, als sie zugeben. Der schweigsame Thor Rheyder beispielsweise, ebenfalls ein Halbblut und Wissender, kämpft als erster an ihrer Seite und gewinnt zudem ihr Herz. Aber es ist die junge Frau Flamme, die Silbmagie wirken kann, die Glut Freundschaft und Verbundenheit lehrt. Um die Bedrohung der Schwarzmagie auszuschalten, muss Glut sich mit ihnen zusammentun, doch sie ist Einzelgängerin und vertraut niemandem.


Cover

Das Cover ist so gut und so nichtssagend, wie die meisten, die es dieser Tage gibt. Es ist Gluts Erzählung und es geht um Inseln und viel Ozean, um Emotionen wie Freundschaft, Verbundenheit und auch Hass. Nicht so sehr um Action und Kampf, obwohl auch das enthalten ist. Gut, Glut - steht sie im Vordergrund? - ist in erster Linie eine Kriegerin, im Hintergrund könnten Flamme und Thor stehen und so passt es wieder.
Was mich am Cover stört ist eigentlich nur, dass es so viele ähnliche gibt. Ansonsten ist es sehr ansehnlich und zumindest teilweise passend.
Ich glaube aber, dass das auch die Autorin stört. Zumindest was Teil 2 "Der Heiler" angeht sind sie und einige Fans unzufrieden. Man erkennt die Figur auf dem Cover einfach nicht. Ist das nun Gilfeder oder Thor oder Dasrick? Ich kann das gut verstehen, denn ich habe mich das gleiche gefragt ...
Weil ich neugierig war, habe ich mal Glenda Larkes Meinung zum Cover #1 gesucht und hier ist sie: "Very generic indeed. Lovely design and colour and atmosphere to it, but doesn't tell you much about the story except that swords and magic is involved. There is no magical staff in the book. And I don't think there were any cloaks either, but cloaks are very much the in-thing at the moment. It's not clear if the central figure is a man or a woman."
(Ziemlich künstlich. Schönes Design und Farbe und Atmosphäre, aber es sagt nichts über die Geschichte aus, außer dass Schwerter und Magie beteiligt sind. Es gibt keine Zauberstäbe im Buch. Und ich glaube auch nicht, dass es irgendwelche Umhänge gibt, aber Umhänge sind irgendwie in zur Zeit. Es ist nicht klar, ob die zentrale Figur ein Mann oder eine Frau ist.)
So schlecht kann es bei den Fans aber nicht angekommen sein, denn in einem internen Wettbewerb belegte das deutsche Cover immerhin Platz 2.


Meinung

Glenda Larke setzt in "Die Wissende" auf eine starke weibliche Heldin, die dem Teenageralter lange entwachsen ist. Die mindestens dreißigjährige Glut hat in ihrem Leben einiges durchmachen müssen, was sie zu der Person geformt hat, die sie nun ist. Ihr Wunsch, endlich irgendwo dazu zu gehören und sich niederlassen zu können, ist daher sehr präsent und eine zwingende Motivation.
Der tägliche Überlebenskampf gehört seit sie denken kann zu ihrem Leben und so schnell schafft es niemand, sie zum Aufgeben zu bringen. Trotzdem hat sie sich ein menschliches Herz bewahrt, das fähig ist, Mitleid zu empfinden. Sie ist also eine durchaus ernst zu nehmende Gegenerin, sie geht aber nicht über Leichen, um das zu bekommen, was sie haben will.
Vertrauen ist allerdings etwas, das sie nicht kennt. Zwei Personen sind es, die ihr das näher bringen. Zum einen Flamme, die ihre eigenen Geheimnisse hütet, die sowohl Glut, als auch der Leser jedoch sehr rasch herausfinden. Durch das, was Flamme durchleben muss und was Glut an ihr eigenes Schicksal erinnert, weicht das Herz der Kriegerin noch mehr auf. Denn Flamme stellt sich nicht nur den Geschehnissen, sie fordert sie auch geradezu heraus. Dieser Mut und diese Verbissenheit sind es, die Glut tief berühren.
Allerdings wird das erst nach einem sehr langen Nachdenken auch dem Leser klar. Diese absolute Hartnäckigkeit, Flamme retten zu müssen, erklärt sich zunächst nicht. Zwar winkt eine Belohnung in Form von Geld - Bürgerohrringe kann man auch kaufen - doch Glut ist schließlich sogar bereit, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Ihre inneren Gedanken und Gefühle diesbezüglich, immerhin ist das eine sehr starke Motivation, fehlen leider. Da hätte es ein wenig mehr Tiefe verlangt, um diese starken Emotionen darzulegen. Schade auch, dass dann eine - eher am Rande ablaufende - Liebesgeschichte mit Thor beginnt. Als wäre Glenda Larke ein wenig vor den Gefühlen zurückgeschreckt und hätte Angst gehabt, die Freundschaft der Frauen hätte auch wie eine lesbische Liebe aussehen können. Die Geschichte an sich hätte das übrigens zugelassen und ich für meinen Teil hätte es nicht als bedenklich empfunden.
Thor ist ein verschlossener Mann, der ebenfalls Geheimnisse hütet, die allerdings nicht ganz so schnell zu durchschauen sind. Seine Vergangenheit liegt größtenteils im Dunkeln, wird auch nicht so ausgebreitet, wie die manch anderer Figur.
Seine Beziehung zu Glut scheint fast natürlich, denn sie haben ähnliche Biografien und sind sich generell in vielem gleich. Doch fast ahnt man, wie es ausgehen wird.
Das Zusammenkommen erfolgt allerdings eine Spur zu zackig und auch hier bleiben die Gefühle ziemlich oberflächlich dargestellt. Sind überhaupt welche im Spiel? Sie behaupten es jedenfals beide und da es sowohl Thor, als auch Glut nicht leichtfällt, offen zu zeigen, was in ihnen vorgeht, wird es dann wohl auch stimmen.
Die Handlung beginnt auf eine Weise, die selten überzeugt, hier jedoch gelingt und einen gewitzten Clou darstellt. So ist die eigentliche Rahmenhandlung die, dass ein Gelehrter vom Festland Glut als alte Dame besucht und sich von ihr die Ereignisse erzählen lässt. Er ist beeindruckt von dieser willensstarken Frau, denn in seiner Heimat, die ein wenig an das achtzehnte Jahrhundert erinnert, sind Frauen nicht gebildet und bleiben hübsch zu Haus. Glut allerdings flucht, glaubt offensichtlich an Magie (die es nicht mehr gibt) und erzählt auch von Geschöpfen, wie es sie unmöglich gegeben haben kann. Aber die Geschichte der Inseln zu erforschen, treibt ihn dazu, ihr zuzuhören und die Berichte unablässig seinem Onkel zu senden, die dieser dann vor der Gelehrtenversammlung, zu der immer mehr Frauen kommen, vorliest.
Das funktioniert, auch wenn Glut so manches Mal in eine brenzlige Situation gerät und klar ist, dass sie entkommen muss, da sie ja später davon erzählen kann.
Diese Briefe des Gelehrten deuten aber an, was in den vielen Jahren dazwischen geschah. Das baut eine unheimliche Spannung auf, weil diese Geschichte in der Geschichte die Wartezeit auf den Folgeband nur umso länger erscheinen lässt.
Was Glenda Larke ebenfalls unheimlich gut gelungen ist, ist die Darstellung der Inselwelt. Es ist gar nicht nötig, jede einzelne Insel mit ihren Gebräuchen und Völkern zu besuchen. Allein durch Erzählungen, Erinnerungen und politische Intrigen wird alles näher beleuchtet. Wie alles miteinander verknüpft ist und was es mit dem Burgfräulein auf sich hat, wird erst gegen Ende aufgeklärt.
Auch das Magiesystem ist einleuchtend und scheint nur auf den ersten Blick einfach gestrickt zu sein. Wie immer, wenn Menschen involviert sind, wird es erst im Detail kompliziert. Klar, dass die Silbmagier sich für etwas Besseres halten und sich die Welt zum Untertan machen wollen. Sind sie deswegen besser oder schlechter als andere? Aber so ganz perfekt eben doch nicht, so dass genug Ecken und Kanten vorhanden sind, sie eben nicht zu den reinen Guten zu machen und die Dunkelmagier zu den reinen bösen.
Die Handlung selbst folgt stringent ihrem roten Faden und weicht davon nicht ab. Nur ab etwa der Hälfte des Romans schleichen sich kleinere Längen ein, die vom grandiosen Ende aber mehr als wett gemacht werden.
Trotz der wenigen, kaum bemerkenswerten Abstriche handelt es sich bei "Die Wissende" um einen spannenden Fantasyroman auf hohem Niveau. Liebhaber und Neulinge im Genre gleichermaßen werden davon begeistert sein. Ein absoluter PageTurner, den man kaum aus der Hand zu legen vermag.


Die Inseln des Ruhms (The Isles of Glory)
1. Die Wissende (The Aware)
2. Der Heiler (Gilfeather)
3. folgt (The Tainted)

Die Australierin Glenda Larke lebt in Malaysia, wo sie ihre zwei größten Wünsche verwirklicht: das Verfassen von Fantasy-Romanen und der Vogelwelt des Regenwalds zu lauschen. Sie hat auch bereits in Tunesien und Österreich gelebt. In jeder freien Minute beobachtet sie Vögel.


Teil 2 "Der Heiler (Die Inseln des Ruhm 02)" erscheint am 15.08.2011

Gilfeder ist ein Heiler – und Schuld am Tod seiner Frau! Verbannt und heimatlos schließt er sich der Söldnerin Glut Halbblut an. Die Kriegerin hat ein großes Ziel, denn nur sie kann den machtgierigen Dunkelmagier aufhalten, der mit seinen Plänen die gesamten Inseln des Ruhms zu vernichten droht. Gilfeder ist entschlossen, Glut Halbblut beizustehen. Vielleicht kann er sich so eines Tages selbst vergeben ...

Kommentare:

  1. Hm, klingt nun irgendwie doch interessant, in der Buchhandlung hab ich es witzigerweise keines Blickes gewürdigt.

    Ich glaub, mit "magical staff" meint sie den "Stab" und nicht "staff" im Sinne von einer Personengruppe ,-) Denn wenn ich deine Rezension richtig verstehe, gibt es ja durchaus Magier ...

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  2. Jetzt wo Du es sagst, weiß ich wieder, was mich an meiner Übersetzung gestört hat. Richtig, es gibt Magier, aber keine Zauberstäbe oder ähnliches. Aber das sagt sie ja selbst ... *an den Kopf schlag* Es war spät, was soll ich sagen? ;)
    Ich glaube, es könnte Dir gefallen, auch wenn sich manches etwas zieht.
    Mich zieht es ja immer noch zur Erbin der Welt, obwohl ich die Leseprobe nicht mochte. Aber es sind so viele Leser begeistert - auch welche, von denen ich es nicht gedacht habe.

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