Mittwoch, 19. Januar 2011

Amour Fou-Leidenschaft unter zwei Sonnen - Kathrin von Potulski


Jean-Luc, Sohn eines Herzogs, zieht junge Männer den Damen in Liebesdingen vor. Seinem Vater gefällt das gar nicht und er schickt seinen Sohn so weit fort, wie er nur kann - nach Versaille.
Der unerfahrene Adelssprössling trifft dort buchstäblich auf eine andere Welt. Und auf einen wunderschönen Asiaten, den Lackmaler Toshiro. Nach anfänglichem Zögern, zieht es beide zueinander hin und sie verlieben sich. Doch obwohl man in Versaille dieser Paarkonstellation gegenüber etwas offener ist, als der Rest der Welt, stehen zwei Hindernisse einem glücklichen Zusammenleben im Weg. Zum einen, dass Offizielles nicht geduldet wird. Und zum anderen die junge Adelige Victoire, die sich in Jean-Luc verliebt hat. Um ihn in ihr Bett zu bekommen, schmiedet sie einen perfiden Plan: Mithilfe des Okkultmeisters Danceny soll Toshiro verunglimpft werden. Nachdem Jean-Luc überzeugt ist, dass sein Geliebter nur hinter seinem Geld her war, würde er zu Victoire flüchten. Beinahe scheint alles aufzugehen und mehr als ein Herz wird gebrochen ...

Das Cover ist ein bisschen einfach, wenngleich dafür auch ausdrucksstark und irgendwie auch passend. Etwas pathetisch und übertrieben, aber damit passt es sich auch hervorragend der Geschichte an.

Ich muss gestehen, dass ich mit sehr wenig Erwartung an das Buch herangegangen bin. Allerdings wurde ich positiv überrascht, denn die Geschichte liest sich flott weg und unterhält. Dennoch war ich sehr angemosert davon, dass "Gay Historical Romance" auf dem Cover steht und dann ein Geschlechtsakt den nächsten reitet, ohne dass es die Handlung voranbringt und sie manchmal sogar behindert. Irgendwann habe ich das Buch umgedreht und ganz unten steht "Erotischer Roman" versteckt. Ja, was denn nun?
Von ausgewiesenen erotischen Romanen lasse ich nämlich die Finger, denn ich mag das dort sehr oft verwendete Vokabular nicht. Erotische Szenen, sofern geschmackvoll und anregend, lese ich gern. Aber die Mischung muss stimmen.
In "Leidenschaft unter zwei Sonnen" fehlt ganz eindeutig der Romance Aspekt, was ich sehr schade finde, denn dafür gibt es einiges Potential. Dann küssen sich Jean-Luc und Toshiro ein Mal und sind unsterblich und für immer aneinander gebunden. Weil das so unglaubhaft ist, kommt absolut kein Feeling rüber, auch wenn sie es dann noch durch verschiedene Stellungen (und Orte) versuchen zu vertiefen.
Insgesamt gesehen sind die meisten Charaktere sympathisch, aber leider strohdumm. Jean-Luc beispielsweise wird vom Oberbösewicht Danceny angelogen und als er herausfindet, hinter welchen Machenschaften dieser steckt, zweifelt er nicht etwa dessen Wort an, sondern das seines Geliebten. Und als sei das nicht schon schlimm genug, scheint Daceny auch die Autorin übers Ohr gehauen zu haben, denn plötzlich stimmten alle Anschuldigungen wirklich. Das hat mich zutiefst verwirrt und es wirkte, als sei das Frau von Potulski selbst erst gegen Ende eingefallen.
Etwas ernsthafter hätte ich mir die Geschichte gewünscht oder vielleicht auch erwachsener. Mir war, als würde ich die große Verbundenheit zu diversen Mangas spüren. Dabei geht es um erwachsene Menschen in Versaille und ihre Abenteuer.
Wer hier großartig schwarze Messen erwartet, wird enttäuscht sein. Wie alles andere auch, wird stets umrissen, aber nie genau gezeigt. Bei knapp 161 Seiten mag es auch schwer gewesen sein, alles in der Handlung unterzubringen, da hätte es einer Ausweitung bedurft. Ausgehend vom Plot wäre deutlich mehr drin gewesen, dieser verspricht nämlich durchaus eine großartige Geschichte, mit Spannung, Intrigen, Liebe und Herzschmerz.
Die erotischen Szenen sind ein bisschen zu gleich geraten und einige Dinge wiederholen sich die gesamte Handlung und über verschiedene Personen hinweg andauernd. Auch hier hatte ich den Eindruck, als hätte alles, was es so gibt in der viel zu geringen Seitenzahl untergebracht werden wollen. Weniger, dafür aber atmosphärisch dichter, wäre deutlich mehr gewesen.
Es gibt noch mehr nicht ganz zusammenpassende Dinge, weil ich damit aber zu viel verraten würde, lasse ich das jetzt mal so stehen. Insgesamt gesehen bekommen Leser von Gay Erotik genau das, was sie möchten und das noch in einer romantisch angelegten Geschichte. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht sein, das Hauptaugenmerk liegt nur auf Erotik, nicht den Gefühlen. Die Charaktere sind nicht immer glaubhaft, dafür umso attraktiver.
Gut lesbar für die schnelle Nummer zwischendurch.

Kathrin von Potulski wurde 1965 in Mannheim geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft arbeitete sie mehrere Jahre im Bereich Marketing und werbliche Kommunikation. Seit 2009 veröffentlicht sie erotische Romane. Bei Blue Panther Books erschien ihr Roman "Anwaltshure" unter dem Pseudonym Helen Carter.
Wikipedia ist anderer Meinung: Dort wurde die Autorin 1975 geboren und schreibt unter den oben berits genannten Pseudonymen, aber auch noch als Cassandra Norton. Die Homepages verraten leider nichts Näheres zur (Autoren-)Person.

Kommentare:

  1. "Gut lesbar für die schnelle Nummer zwischendurch."

    Großartig, wie sich Deine Formulierung dem Romaninhalt anpasst! ;o)

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  2. Ich habe das Buch seit kurzem im SUB, da ich die Romane, die die Autorin als Cassnandra Norton geschrieben hat, recht gerne mag.

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  3. Hallo Ihrs,

    @Kirsten:
    Danke. :)

    @Marina:
    Vielleicht sind die ähnlich, dann wünsch ich Dir schon mal viel Spaß beim lesen!
    Aber auch dort sehe ich eine sehr geringe Seitenanzahl und nehme an, dass es nur um die Erotikseite geht. Das finde ich schade, denn die Autorin hat wesentlich mehr zu bieten.

    LG
    Soleil

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  4. Hi Soleil,

    ich nehme an, diese Kategoriezuordnung "Gay Historical Romance" verwirrt Dich deshalb, weil im M/M-Bereich solche Kategorien in Deutschland noch ziemlich neu und im Fluss sind. Romanzen gibt es bei dieser Art von Literatur wenig, meistens sind erotische Handlungen vorherrschend, auch wenn Romance draufsteht.

    Schon am Verlag, dead soft, kann man erkennen, dass es sich um erotische Literatur handelt. Bei der dead soft-Kategorie JuLi (junge Liebe), wirst Du eher auf Romanzen treffen, denke ich. Diese Reihe ist vom Konzept her eher auf Leser ausgerichtet, die es etwas dezenter wollen.

    Diese Rezension ist jetzt auch für mich interessant, denn ich verwende beispielsweise die Kategorie gay romance für meine Hefte.

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  5. Hallo Norma,

    na ja, ich dachte und würde das auch wesentlich besser finden, dass da kein Unterschied gemacht wird, ob hetero oder homo. Wenn Romance drauf steht, weill ich auch Romance haben. Gegen Erotik habe ich absolut nichts, nur die Hardcore gefällt mir generell wegen der Wortwahl nicht. Ansonsten gibt es ja heute kaum noch LiRos -ohne- erotische Szenen ;)
    Den Verlag kannte ich bereits, auch zwei Autoren habe ich vor Jahren mal interviewt. Was Du aber erklärend schreibst, war mir neu.
    Ich glaube, ich finde einfach nur schade, dass der tolle Plot nicht breiter angelegt worden ist. Dann wäre wesentlich mehr Gefühl drin gewesen und die vielen erotischen Szenen hätten ja bleiben können ;)
    Was bedeutet denn bei Dir "gay romance"? Auch eher Erotik, als Romance?

    LG
    Soleil

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  6. Hallo Soleil,

    "Darklight Sea Cruiser" ist beispielsweise deutlich erotisch gespickt, aber auch mit romantischen Elementen. Man könnte das Heft auch als SF-Gay-Erotik-Komödie bezeichnen, während "Im Fischernetz" die Entwicklung einer zarten Liebe beschreibt, mit weniger Erotikfaktor (gehört in diese Story auch nicht hin).

    Das übernächste Heft, welches ich veröffentlichen werde, ist ebenfalls deutlich auf die Entwicklung der Liebesgeschichte angelegt und deshalb kann ich da wieder im klassischen Sinne gay fantasy romance draufschreiben. Bei Heften mit höherem Erotikfaktor werde ich dann länger drüber nachdenken.

    "Amour Fou" habe ich jetzt gar nicht gelesen. Die Zeit, in der der Roman spielt, spricht mich gar nicht an.

    Herzliche Grüße
    Norma

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  7. Bei der Erwähnung von "SciFi" muss ich grinsen, bin ich doch erst vorgestern mit der Nase drauf gespickt worden, dass ich ja auch mal mehr SciFi lesen wollte. Stimmt! Aber irgendwie scheinen die vielen tollen Geschichten, von denen ich überall lese, auch überall ausverkauft zu sein. Na ja.
    Außerdem versuche ich gerade auch von einer Urban Fantasy Welle nicht überrollt zu werden und versuche dringend anderes zu lesen ;)

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