Freitag, 10. Dezember 2010

Versuchung des Zwielichts (Darkyn 01) - Lynn Viehl


Dr. Alexandra Keller ist eine talentierte Schönheitschirurgin, die nicht nur für Geld arbeitet, sondern auch sozial schwach gestellte Menschen unterstützt. Sie und ihr älterer Bruder John sind von den Eltern adoptiert worden und es ranken sich einige Geheimnisse um ihre Herkunft, um die aber nur ihr Bruder weiß. Er ist ein Kirchenmann geworden um all seine Schuldgefühle loszuwerden.
Eines Tages wendet sich der reiche Franzose Michael Cyprien an sie. Ein Unfall hat ihn entstellt und Alexandra soll ihm dabei helfen, seine Gesichtszüge wieder herzustellen. Als sie ablehnt, lässt der Mann sie entführen.
Zunächst ist sie geschockt und ausgesprochen wütend, lässt sich aber, aufgrund mangelnder Alternativen, auf den Handel ein. Doch da gibt es einige Besonderheiten: Michael will keine Betäubung und alle Verletzungen, die er erleidet - also auch alles, was ein Skalpellmesser anrichtet - heilen mit überdurchschnittlicher Geschwindigkeit. Denn Michael ist kein Mensch, sondern ein Darkyn; ein Vampir.
Die Operation gelingt, doch in seiner Raserei verletzt Michael seine Ärztin und der Verwandlungsprozess setzt bei ihr ein. Sie kann fliehen, aber ihr Körper verändert sich nun von Stund an. Mithilfe ihrer medizinischen Kenntnisse gelingt es ihr, den Prozes zu verlangsamen, doch ihrem neuen Meister kann sie sich nicht auf Dauer entziehen. Vor allem auch, weil der von der schönen, klugen Frau fasziniert ist. Alexandra aber will sich das alles nicht gefallen lassen. Da ist Ärger vorprogrammiert.
Im Hintergrund operieren die Feinde der Darkyn, eine geheime Sekte in der Kirche, denn diese haben nur ein Ziel: Die Vernichtung aller Vampire. Als sie merken, dass Alexandra übergelaufen ist, machen sie sich an ihren Bruder John heran.



Es ist wieder etwas Zeit vergangen, seit ich das Buch gelesen habe und das könnte sich auf meine Meinung auswirken. Ich habe keine Probleme mich an alles zu erinnern und das ist schon einmal positiv.
Zunächst sei gesagt, dass ich das Buch gar nicht lesen wollte. Die Verbindung zwischen "Schönheitschirurgin" und Cover (das mir hier und auch bei den Folgebänden nicht gefällt) haben mich glauben lassen, es handle sich um eine eher seichte Komödie. Als ich jedoch einige Seiten gelesen hatte, war ich sehr verdutzt. Die Darkyn dürften so ungefähr das düsterste sein, was das Genre momentan zu bieten hat. Das sollte sich jeder klar machen, der darüber nachdenkt, den Roman zu lesen. Hier wird niemand mit Samthandschuhen angefasst, niemand in letzter Minute gerettet, Romantik im eigentlichen Sinn gibt es nicht und bei Folterszenen wird nicht galant weggeblendet. Doch genau das macht auch den Reiz von Alexandras Erlebnissen aus. "Versuchung des Zwielichts" erfindet das Genre sicher nicht neu - auch wenn einige Ansätze drin stecken, die ich so noch nicht gelesen habe - die Art, wie das Geschehen dem Leser näher gebracht wird, aber gibt es nicht oft.
Der Beginn des Romans gestaltet sich düster und es wird schnell klar, dass Alex keine oberflächlichen Millionärsgattinen behandelt, sondern Unfall- und Brandopfer. Ihr überaus großer Gerechtigkeitssinn weckt schon hier die ersten Sympathien.
Was das erste Drittel etwas schwierig gestaltet sind die ganzen Fremdbegriffe und politischen Wirrungen, in denen sich die Kirche, die Darkyn und leider auch Lynn Viehl selbst verlieren. Es sind aber jeweils nur kurze Passagen und erfahrene Leser werden merken, dass sich alles schnell im weiterlesen aufklärt. Darum einfach durchhalten, die paar Seiten sind zu verschmerzen. Und selbst wer nicht weiß, was eine Tresora ist, wird an diesen Szenen Gefallen finden.
Fasziniert war ich von Alexandras großem medizinischen Fundus und wie sie sich das Vampirdasein mithilfe von Viren erklärt. Ja es sogar schafft, diese in ihrem Blut zu isolieren. Der Aufbau dieses Stranges, der sich sicher und hoffentlich in den Folgebänden fortsetzt, bietet unheimlich viel Potential.
Was mir an der Hintergrundgeschichte nicht gefiel, war die Erklärung, wie die Darkyn zu dem wurden, was sie seit vielen Jahrhunderten nun einmal sind. Mir war die ganze Zeit, als würde da ein gravierender Fehler drin stecken, den ich jedoch gedanklich nicht zu fassen bekam. Auch die Auflösung am Ende ergibt für mich wenig Sinn, wird sich in den Folgebänden aber vielleicht noch entnebeln.
Alexandra empfand ich als angenehmen Charakter, die nicht unnötig rumheult, sondern zupackt und die Lage erst sondiert, schließlich handelt. Auch dem Mann gibt sie sich nicht hin, obwohl allen klar ist, dass es genau darauf hinauslaufen wird. Eine Liebesgeschichte steckt da nur teilweise dahinter und diese steht auch selten im Vordergrund. Rote Rosen und Pralinen wird es hier nicht geben, aber dennoch sind es die feinen kleinen Details, die für sich sprechen. Da muss man schon genau hinsehen. Genau das ist es auch, was mir am Roman gesamt gesehen sehr gefallen hat. Ich bekomme nichts auf dem Silbertablett serviert, sondern muss mich wie die Heldin erst einmal hineinfinden, umsehen und mitdenken.
Hier wird eine erwachsene Geschichte erzählt und ich denke doch, dass es angebracht wäre, Lesern unter 16 Jahren von der Lektüre abzuraten. Zartbesaiteten, denen Gewalt und Kick-Ass-Handlungen nicht liegen, ebenfalls.
Die Handlungsstränge um John liegen bei der Kirche, in deren Mysterien sich der Leser allerdings nicht zwingend auskennen muss. Alexandras Bruder war der Charakter, der mich am meisten gefesselt hat. Er ist sehr emotional und aufrichtig, besitzt aber tief in sich einen sehr dunklen Fleck, der nur zutage tritt, als man ihn dazu nötigt. Wie er mit seinem persönlichen doch recht katastrophalen Ende zurechtkommen wird, wird mir die Fortsezung hoffentlich bald verraten.
Insgesamt vier Übersezungen sind schon erfolgt oder zumindest geplant, was deutsche Fans freuen wird, da sich die Serie wohl eher nicht zu einem OneShoot entwickeln wird. In den einzelnen Bänden stehen jeweils unterschiedliche Charaktere im Vordergrund, so dass keine stringente Handlung erzählt wird. Allerdings gibt es auf jeden Fall ein Wiedersehen mit Helden aus Vorläufern.
Ich habe das Lesen des Buches sehr genossen, weil Frau Viehl mich durch ihre eigens geschaffene Atmosphäre, die Charaktere und ihr actionreiches Geschehen gefesselt hat. "Versuchung des Zwielichts" ist nicht perfekt, denn es gibt einiges zu bemängeln, jedoch spielt das immer dann keine Rolle, wenn ich das Buch zufrieden zuklappen kann. Und das ist hier garantiert.


1. If Angels Burn (2005) - Versuchung des Zwielichts (2010)
2. Private Demon (2005) - Im Bann der Träume (2010)
3. Dark Need (2006) - Dunkle Erinnerung (Feb. 2011)
4. Night Lost (2007) - Blindes Verlangen (Aug. 2011)
5. Evermore (2008)
6. Twilight Fall (2008)
7. Stay the Night (2009)




"A pseudonym used by S. L. Viehl"
Sheila Kelly wurde 1961 geboren und ist amerikanische Autorin mit mehreren Pseudonymen.
Science Fiction als S.L.Viehl
Romantic Fiction als Lynn Viehl, Gena Hale und Jessica Hall
Christliche Romane als Rebecca Kelly
Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Florida.

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch vor einigen Monaten gelesen und fand es nicht gut. Aber so gehen die Geschmäcker auseinander.

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  2. Ich glaube auch, dass das nicht jedem liegt und hoffe, dass ich das in der Rezi zum Ausdruck gebracht habe.
    Mir gefiel es, weil ich finde, dass "erwachsen" an das Thema herangegangen ist und rau Viehl auf eine Art schreibt, die mir persönlich sehr zusagt. Jedenfalls bin ich froh, dass ich "überredet" wurde, das Buch zu lesen, allein wäre ich nie auf die Idee gekommen und hätte was Tolles verpasst. ;)

    AntwortenLöschen
  3. Ich bin immer noch erstaunt, dass dir das Buch gefallen hat – aber ich freu mich! Ich fand das Buch ja auch klasse, und im Gegensatz zu vielen anderen mochte ich die Protagonistin sehr.

    Dabei fällt mir ein: Vielleicht gefällt dir wider Erwarten ja doch auch Black Dagger. Haste noch nicht ausprobiert, oder hab ichs verpasst?!

    AntwortenLöschen
  4. Und ich bin immer noch irritiert, warum Du gedacht hast, dass es mir nicht gefallen würde. Weil es so düster ist? Das stört mich eher weniger, solange die Geschichte gut erzählt wird. Und solange es in eine phantastische/übersinnliche Handlung gepackt ist, lese ich sogar Krimi/Thriller.
    Die Heldin mochte ich auch, andere find eich oft zwar auch sympathisch, aber eben auch nervig. Diese hier nicht, die war angenehm zu lesen.
    Black Dagger habe ich noch nicht gelesen, nein. ;)

    AntwortenLöschen
  5. Ich weiß auch nicht, irgendwie hätte ich gedacht, dass dir das zu plakativ und niveaulos ist. Keine Ahnung … ;)

    AntwortenLöschen
  6. Mhm, ist das jetzt ein Kompliment oder nicht? ;)
    Ich lese Fantasy und Liebesroman, was sollte ich gegen Niveaulosigkeit ha... nein warte. Was ich sagen wollte war, dass ich kein hochgeistiges Zeug lese, jedenfalls nicht in meiner Freizeit. Und darum ... mache ich hier Schluss, ehe ich mich noch weiter reinreite ... ;)

    AntwortenLöschen
  7. Ich sag jetzt lieber auch nix mehr … jedes weitere Wort könnte mein Verhängnis sein! :D

    AntwortenLöschen
  8. Dann müssen wir unsere Unterhaltung wohl in eine etwas privatere Umgebung verlegen ;)

    AntwortenLöschen
  9. Ich fand es auch gut, ob ich was zu meckern hatte, weiß ich nicht mehr :D

    AntwortenLöschen
  10. Oh oh, so jung und schon so vergesslich? ;)

    AntwortenLöschen
  11. Das "Erwachsene" sagte mir auch zu. Ich lese gerade Band 2 und stelle fest, dass ich vieles aus Band 1 schon vergessen habe. Insgesamt ist Lynn Viehl sehr komplex und die Hauptcharaktere aus Band 1 sind momentan in der Fortsetzung nicht wirklich Statisten, sondern es wird fortgeführt, was begonnen wurde. Das gefällt mir gut. Allerdings habe ich unheimliche Probleme mit den ganzen Benennungen in ihrem Universum und weiß immer noch nicht, was was und wer wer ist. Ich wünsche mir, ehrlich gesagt, eine Art Glossar am Anfang der Bücher. Da ist man J.R. Ward verwöhnt (obwohl es da mittlerweile schon fast nervt). Ich war zwar damals der Meinung, dass Darkyn kein Muss ist, aber inzwischen sehe ich es als absolut gelungene Abwechslung, die weder banal noch profan ist und sich durchaus abhebt. Ich lese mal brav weiter.
    LG und schönen vierten Advent
    S.

    AntwortenLöschen
  12. Hallo Sinje,

    ich überlege noch, ob ich zu Band 2 greife, aber wahrscheinich werde ich nicht drumherum kommen ;)
    Glossare finde ich wichtig, auch wenn ich nur selten hinein sehe, hier bietet sich aber eines an.
    Bin gespannt, wie Dir Teil 2 gefallen wird.
    Danke Dir und ebenso einen wunderschönen 4. Advent!

    LG
    Soleil

    AntwortenLöschen