Mittwoch, 6. Oktober 2010

Wilder Zauber (Hex Hall 01) - Rachel Hawkins


Die sechzehnjährige Sophie Mercer ist eine Hexe.
Als sie auf dem Schulball einer Mitschülerin helfen will und der Zauber mächtig danebengeht, wird sie als Strafe nach Hecate Hall geschickt. Doch das ist kein normales Internat, denn hier gehen Hexen, Werwesen, Feen und Vampire zur Schule - all jene zumindest, die sich in der Menschenwelt daneben benommen haben. Denn dort werden sie gejagt. Drei größere Institutionen sind drauf und dran sich zusammen schließen zu wollen und alles, was nichtmenschlich ist zu vernichten.
Sophie jedoch kämpft mit ganz anderen Problemen. Schon am ersten Tag verknallt sie sich in den Schulschwarm Archer, stößt drei schwarze Hexen vor den Kopf, die sie in ihren Zirkel aufnehmen wollen und erfährt von einem kurz zurückliegenden Mordfall. Die Tatverdächtige ist ausgerechnet ihre vampirische Zimmergenossin Jenna ...

Das Originalcover passt zur Geschichte, wie die berühmte Faust aufs Auge. Das Mädchen in der Schuluniform könnte Sophie sein, sie steht am See, den sie desöfteren besucht und es spiegelt sich der Geist im grünen Kleid darin.
Das deutsche Cover folgt der momentanen Tradition, auf Bücher für jüngere Leser Gesichter und Köpfe abzubilden. Auch dieses Mädchen könnte Sophie darstellen. Die Blume, die sie sich hinter das Ohr gesteckt hat, wurde glänzend gemacht, während alles andere matt ist. Im Hintergrund ist ein sehr altes Gebäude zu sehen, bei dem es sich durchaus um Hecate Hall handeln könnte.
Im Laden hätte ich wohl nicht zugegriffen, weil mir das Cover zu jung wirkt, kann mir aber vorstellen, das Farbkombination und Motiv sehr viele Leser ansprechen.

Rachel Hawkins hat es geschafft, mich mit ihrem Debüt zu verzaubern. In nur wenigen Stunden war ich durch die knapp 300 Seiten durch und erstaunt, dass es inzwischen schon weit nach zwei Uhr Nachts war.
Aber obwohl ich wirklich begeistert vom Fortgang der Geschichte, der sehr sympathischen Hauptfigur und der verwendeten Sprache bin, gab es doch - gerade am Anfang des Buches - Szenen, die meinen Unmut erregten.
Unübersehbar ist, von welchem Werk sich die Autorin hat inspirieren lassen und bringt an der ein oder anderen Stelle auch den Vergleich selbst an. In der Handlung reiht sich eine Klischeefigur an die nächste. Zum einen das Hexentrio, die natürlich die "Cheerleadertruppe" darstellen, die machthungrigen, fiesen, super hübschen, tonangebenden Mädchen, die Sophie nur Böses wollen. Die gemeine Sportlehrerin, die gerade in amerikanischen Büchern, Filmen und Serien in der letzten Zeit häufiger auftaucht. Der Schulschwarm, der mit einem der Cheerleadermädels geht. Sophies Mitbewohnerin Jenna ...
Was mir auch nicht in den Kopf geht ist, dass diese Teenager erst nach Hecate Hall kommen, wenn etwas in der normalen Welt schief gelaufen ist. Warum aber werden diese Kids nicht schon von Anfang an hingeschickt? Und selbst wenn das eben nicht so ist, so hätte doch Sophie nur davon profitieren können, dort zu lernen, da sie ja keine Ahnung von ihren Kräften oder übersinnlichen Wesen im allgemeinen hat.
Bei den Eltern vermute ich noch eine Geschichte für sich, die hinter der Trennung steht, darum erwähne ich einfach, dass mich deren "Beziehung gestört hat".
Als ziemlich aufdringlich empfand ich es, dass Sophie stets und ständig auf Archer trifft, sie werden nicht nur zum Kellerdienst verdonnert, sie müssen auch im Sportunterricht zusammenarbeiten. Das sie sich so gar nicht aus dem Weg gehen können und dass es zudem keine anderen Jungen an der Schule gibt wirkte ein wenig unglaubhaft auf mich.
Die Beziehung der beiden ist von starker gegenseitiger Anziehungskraft, aber auch entsprechenden eifersüchtigen Momenten geprägt. Was sacht beginnt, schäumt irgendwann über und ergießt sich dann wohl vollends im zweiten Band der Serie.
Jenna übrigens, die lesbische Vampirin, muss zwar Blut trinken, ernährt sich ansonsten aber auch von gewöhnlichen Lebensmitteln, was mir sehr merkwürdig vorkam. Auch hier wieder alles ein wenig aufgesetzt.
Die Handlung der Geschichte zieht sich durch ein ganzes Schuljahr, ich hatte aber das Gefühl, es sei gar nicht so viel Zeit vergangen, weil es kleinere Sprünge beim Erzählen gab. Nach denen änderte sich schon mal die Beziehung zweier Figuren, wurde intensiver oder auch härter.
Der Endkampf und seine Auflösung konnte mir nur ein müdes Lächeln entlocken, das war wirklich extrem aufgesetzt. Gäbe es nicht eine einzige wirkliche Überraschung in der Endgeschichte, ich glaube nicht, dass ich die Vorhersehbarkeit und die damit fehlende Spannung hätte verzeihen können.
Und trotz dieser vielen Dinge, die ich einer anderen Geschichte und einem anderen Autoren sicher nicht verziehen hätte, fühlte ich mich durchweg sehr gut unterhalten. Sophie glänzt mit ihren Gedanken und Kommentaren, sie wirkt in sich sehr rund und dreidimensional (was nicht auf alle Charaktere zutrifft). Die Sprache ist flott und unterhaltend und passt haargenau zur Dynamik der Handlung.
Rachel Hawkins, die als Lehrerin tätig war, hat es geschafft, den Teenie-Geist komplett aufzunehmen und in eine paranormale Geschichte zu packen. Ältere Leser, die eher ungern zu Young-Adult-Romanen greifen, sollten sich auf dieses Abenteuer trotzdem einlassen und vielleicht in der ein oder anderen Erinnerung schwelgen.

Rachel Hawkins
Rachel Hawkins wurde in Virginia geboren, ist aber in Alabama aufgewachsen. Im Jahr 2007 begann sie zu schreiben, nachdem sie ihr Studium an der Auburn University in Alabama abgeschlossen und als Englischlehrerin gearbeitet hatte. Hex Hall ist ihr erster Fantasy-Roman.
Heute lebt sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem dreijährigen Sohn.

Kommentare:

  1. Eine ganz tolle Geschichte. Ich sehne den zweiten Band herbei :)

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  2. Oh, gut dass du es dann doch noch mochtest. Bin über eine andere Rezension bereits darauf gestossen und sehr neugierig und wenn du jetzt auch noch den Unterhaltungswert lobst, trotz der genannten Schwächen ... ;-)

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  3. *Hüstel*
    Irgendwie fühle ich mich gerade von deinem letzten Satz angesprochen.
    Irgendwann werde ich auch mal wieder Zeit haben, mich auf Abenteuer einzulassen :-)

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  4. Hallo Ihr drei,

    @Feenfeuer:
    na ja, so toll ist sie eigentlich nicht, aber sehr, sehr unterhaltsam erzählt!
    Deine Lieblingsfigur ist? ;)

    @anjasi:
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es Dir vielleicht gefallen kann, also trau Dich ;)

    @Sinje:
    Hast Du auch schnell durch!

    LG
    Soleil

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  5. Für mich war das Buch ja ein Überraschungshighlight. Freut mich, dass es dir ebenfalls gefallen hat, wenngleich deine Besprechung phasenweise gar nicht so klingt. ;) Ist manchmal wirklich komisch, dass einem Bücher so gut gefallen, obwohl man hunderttausend Sachen an ihnen auszusetzen hat, während andere nicht ein einen rangehen, obwohl man keine echten Kritikpunkte hat.

    Eine Frage hab ich aber doch noch: Von welchem Werk hat sich Hawkins denn inspirieren lassen? *verwirrt*

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  6. Hallo Irina,

    noch eine (Buchmesse) Zurückgebliebene?
    Beim Schreiben ist mir plötzlich eine ganze Menge eingefallen, was mich -eigentlich- gestört hat. Da ist dann doch eine Menge zusammengekommen. Aber das war auch irgendwie blöd, das Ende. Aber hat mich überhaupt nicht gestört und das muss man auch erstmal schaffen. ;) Ich sehe aber auch aus der Sicht einer (viellesenden) Erwachsenen rauf. Wer weiß, wie ich gedacht hätte, wäre ich eine Jugendliche ... Aber es geht ja um meine Meinung.
    Zur Frage: *ähem* Der "Gärtner" der in seiner Hütte alleine lebt? Der See? Die Schule an sich? Die Zauberkunststückchen, die sie lernen sollen? ;)

    LG
    Soleil

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  7. Och doch, die ist schon ganz toll mit netter Umsetzung ;)

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  8. Deine Lieblingsfigur hast Du mir aber immer noch nicht verraten ;)

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  9. Ich hatte ehrlich gesagt zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass sich Hawkins bei Rowling bedient hat – oder zumindest auch nicht mehr als bei Enid Blytons Internatsgeschichten! ;)

    Haste inzwischen schon mal in Viehl und/oder Ward reingeschnuppert? Ich bin ja echt soooo gespannt, wie du die findest.

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  10. @irina:
    Aber sie macht ja selbst Witze über ihren Vergleich?
    ZUm Rest eine Mail, ok? ;)

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  11. Wie schon erwähnt - mir hat die Geschichte total gefallen. Vor allem Sophie als Ich-Erzählerin. Ich hatte auch eher das Gefühl, daß die Autorin mit den Klischees spielt, als sie ernsthaft durchzuziehen (wenn ich mich richtig erinnere, das Buch liegt ziemlich weit oben in meinem das-muss-ich-noch-rezensieren-Stapel... ;-))
    Aber das deutsche Cover ist auch nichts, nachdem ich automatisch gegriffen hätte.

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  12. Hallo Sarah,

    ja klar, ohne Augenzwinkern wäre es nicht die gleiche Geschichte! :)
    Dann halt Dich mal ran, der Stapel wächst und wächst und wächst ... :)

    LG
    Soleil

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  13. Ui, da hast du aber einige Kritipunkte :). Ich fand es einfach nur toll :). Ich lese grade den zweiten Band!

    Übrigens hast du hier einen schönen Blog! :)
    LG

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  14. Mir hat das Buch im Grunde auch sehr gefallen, was verwunderlich im Hinblick auf die Kritikpunkte ist ;-)
    Danke für Dein Lob!

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