Freitag, 16. April 2010

Rune der Knechtschaft - Ange Guéro


Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Penhaligon-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken!

Das Türkisvolk - Menschen mit hellen Haaren und blauen Augen - kam vor Jahrtausenden über das Meer. Ein Priester fand kurz darauf eine Rune, die ihm und allen sagte, dass diese Menschen zum Sklavendienst geboren sind. Und so leben sie seitdem geknechtet und gefoltert. Aber es gibt eine Legende, die ihnen Hoffnung schenkt.

Arekh ist als Bestrafung für ein schweres Verbrechen zum Rudersklaven geworden. Auf seinem Schiff wird niemand anderer, als die zukünftige Königin Marikani von Harabec befördert. Als sie vom Emir angegriffen werden und das Schiff mit allen darauf sinkt, befreit die junge Thronanwärterin die Sklaven.
So machen Marikani, ihre Hofdame Lionor, die ganz offensichtlich zum Türkisvolk gehört, der junge Mîr und Arekh sich auf den Weg zurück in ihr Königreich. Dabei ist ihnen der Emir mit seinen Soldaten immer auf den Versen. Sollte es ihm gelingen, Marikani zu töten oder gar gefangen zu nehmen, bevor sie nach Harabec gelangen kann, ist ihr Reich dem Untergang geweiht. Zwar gibt es noch den Cousin, aber durch die jahrhunderte alte Tradition der Inzuchtheiraten ist er unfähig das Land zu regieren. Dabei will er nichts anders und behindert die junge Königin ebenfalls bei jedem ihrer Schritte.
Obwohl Arekh nicht vorhatte, ihr zu helfen, ist er bald an sie und ihr Schicksal gekettet. Mehr noch, er spürt, dass die schöne junge Frau Gefühle in ihm auslöst, von denen er nicht geglaubt hätte, dass er sie besitzt.
Durch Wald und Feld führt ihre Flucht, über Berge und Täler, doch die wahre Gefahr beginnt erst in Harabec ...

"Rune der Knechtschaft" ist der Auftakt einer Trilogie, die - und das ist ein riesen Pluspunkt - in diesem Jahr komplett erscheinen wird.
Leider bin ich vom Klapptext maßlos enttäuscht, denn er hat mich durch den Anfang des Buches regelrecht hindurchstolpern lassen und mich eine ganze Weile an der Nase herumgeführt. Es gibt nämlich niemanden, der Marikani für irgendeine Inkarnation hält; ganz im Gegenteil! Und so verstand ich nicht, warum eine Sklavin Königin sein kann und warum Sklaven ein eigenes Königreich besitzen. Aber so ist es ja gar nicht!
Wer also beginnt, das Buch zu lesen, sollte den Klappentext meiden und zwar rigoros, er enthält Unwahrheiten und passt nicht im geringsten zum Inhalt des Romans.

Die Legende von Ayesha ist keine Geschichte für Jugendliche, obwohl man das zunächst vermuten könnte. Die sehr erwachsene Story spiegelt sich in den Charakteren und dem Handlungsverlauf wieder.
Jede Figur hat ihr eigenes kleines oder großes Geheimnis und mit dem wachsenden Vertrauen zueinander, offenbart sich immer ein wenig mehr davon. Damit erschafft das Autorenpaar sehr individuelle Figuren, die teilweise erschreckend lebensecht wirken.
Die Handlung wird vornehmlich aus der Sicht von Arekh erzählt - nicht in der Ich-Form. Seine Geister der Vergangenheit, sein Herumtasten werden daher am eindringlichsten geschildert. Er ist nicht irgendwer, das ist sofort klar, er ist geschult und rettet die kleine Gruppe immer wieder vor Gefahren.
Zunächst wandern sie fast wild in der Gegend herum, finden zwar auch Hilfe, müssen aber immer auf der Hut sein. Obwohl dieser Strang einen Großteil des Buches einnimmt, wirkt nichts konstruiert oder unnötig in die Länge gezogen, wenngleich ich mir vorstellen kann, dass einige Leser eher weniger davon begeistert sein werden. Wem das so gar nicht liegt, rate ich dennoch durchzuhalten, denn es wird stetig besser.
Ange Guéro präsentieren eine rundum durchdachte und sehr detaillreiche Welt, die zwar auch vor kleineren Klischees nicht zurückscheckt, aber viele neue Ideen enthält. Der Spannungsbogen wird vom Beginn an sacht aufgebaut und schafft es tatsächlich, sich bis zum Ende zu spannen. Der Schluß ist in mehr als einer Hinsicht fulminant.
Die Liebesgeschichte steht nicht im Vordergrund, es gibt keine unnützen Schwärmereien, Händchenhalten oder Küsse. Dennoch zaubern Arekhs Erkenntnisse das ein oder andere (romantische) Lächeln auf das Gesicht des Lesers. Er und Marikani kommen sich nicht zwangsläufig näher, es geschieht einfach. Sie sind sehr unterschiedlich und vielleicht liegt es auch darin begründet. Und er erhält einen Widersacher!
Mit all den Kämpfen, der Flucht gesamt, der großen Welt, die Stück für Stück präsentiert wird, den Intrigen am Königshof und den Andeutungen rund um das Türkisvolk - und natürlich der Liebesgeschichte - dürfte für jeden Leser etwas dabei sein! Fantasy pur.
Das Ende ist trotz des großartigen Ausgangs etwas unbefriedigend, aber da Teil 2 schon demnächst erhältlich ist, verzeihlich.
Eine großartige Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte!


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Ange ist eines der Pseudonyme, hinter denen sich ein überaus produktives und vielseitiges Autorenpaar verbirgt: Anne und Gérard Guéro. Unter diesem Namen haben sie seit 1990 die Texte zu zahlreichen Comics (darunter „Die Legende der Drachenritter”), Science-Fiction-Romane für Erwachsene und Jugendliche und zahlreiche Übersetzungen verfasst. Kurz und gut: Ange ist ein vielbeschäftigter Autor. Das ist auch kein Wunder, wenn man wie Ange vier Arme, zwei Herzen, vier Augen und – zumindest im Augenblick – nur eine Brille hat ...


Kommentare:

  1. Hm... muß ich doch mal reinblättern und -lesen in das Buch :)
    Danke u. Lg Natira

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  2. Hm, klingt interessant. Erst einmal wart ich, was du zu den anderen zu sagen hast.
    Ich hoff mal, dass sie das dann auch in Taschenbuch rausbringen - ich mag das Format von Penhaligon nicht so gern und lieber die TB-Version von Blanvalet :)
    Deswegen muss "Sonea" auch warten, bis es ein TB wird :D

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  3. Ich mochte es gerne und das Ende ist nur wegen dem ollen Cliffhanger so blöd. Aber gut, man soll ja auch weiterlesen ;)
    Liest sich auch schnell weg.
    @Lisa: Es liegt schon gut in der Hand, aber ja der Preis ... ich kenn das.

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  4. ich habe schon mehrmals überlegt, ob ich mir dieses Buch zulege ... und endlich habe ich mal eine Rezension dazu gelesen ^^ vielleicht gebe ich dem Buch nun doch ne Chance =)

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  5. Ist aber eindeutig Fantasy. Trotzdem: Trau Dich! :)

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  6. Das hört sich ja wirklich nach einem Buch für mich an - Danke für deine tolle Rezi! Bisher konnte mich die Beschreibung nicht wirklich überzeugen, aber nun weiß ich ja schon etwas mehr. Und die Liebesgeschichte steht nicht im Vordergrund! :)

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  7. @Lisa:
    ich habe heute gelesen, dass Sonea der höchste Einsteiger ist.
    @Seychella:
    Vielen lieben Dank! Nein, das ist Fantasy, kein LiRo, wenn auch sacht gewisse Gefühle angedeutet werden. Die Fortsetzung ist leider noch nicht bei mir angekommen, aber das dauert sicher (hoffentlich) nicht mehr lange. Ich glaube, dafür würde ich sogar mein aktuelles Buch abbrechen.

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