Dienstag, 23. März 2010

Sternendieb - Colin Greenland ♥♥♥♥♥


Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Blanvalet-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken!

Tabea Jute ist eine junge Frau mit eigenem Raumschiff, der Alice Lidell. Obwohl sie mit ihren Frachtaufträgen nicht umwerfend verdient, ist sie mit ihrem Leben zufrieden, denn sie ist ihr eigener Herr. Doch das knappe Budget macht ihr zu schaffen, denn Alice braucht einige Ersatzteile. Die allerdings kann sie ihr nur mit einem neuen Auftrag beschaffen. Auf dem Weg dahin, gerät sie ohne eigenes Verschulden in eine desolate Situation und da Tabea nicht auf den Mund gefallen ist, bringt sie sich in noch größere Schwierigkeiten.
Aber der Bühnenkünstler Marco Metz, zu dem sie sich auch körperlich hingezogen fühlt, bietet ihr einen Auftrag an und so scheint sich alles zum Guten zu wenden.
Was Tabea nicht weiß ist, dass Marco und seine drei Mitstreiter nicht ganz die sind, die sie vorgeben zu sein. Schon nach kurzer Zeit begreift Tabea, dass etwas nicht stimmt, kann die Passagiere jedoch nicht abschütteln. Und die tun ihr bestes, sie in immer größere Schwierigkeiten zu bringen.
Als sich dann auch noch die mächtigsten Wesen im bekannten Universum für sie interessieren, begreift Tabea, dass viel mehr auf dem Spiel steht, als sie ahnt ...

"Sternendieb" ist der Auftakt zu einer Trilogie, von der ich hoffe, dass sie komplett übersetzt wird. Teil 2 ist nach Aussage des Verlages für Februar 2011 geplant. Sie stammt tatsächlich schon aus dem Jahre 1990, was aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll. Wichtig hierbei ist sicherlich, dass es sich um keine Neuauflage handelt, sondern bereits in den 90er Jahren auf deutsch erschienen ist, damals unter dem Titel "Begegnungen auf dem Möbiusband".
Der Roman wechselt zwischen fortlaufender Handlung und einem persönlichem Dialog zwischen Tabea und ihrem Schiff Alice, das etwa alle zwei Kapitel stattfindet. In diesen erzählt Tabea von ihren Erlebnissen in Kindheit und Jugend und ihren ganz individuellen Werdegang. Nicht nur ihre berufliche Karriere wird dabei thematisiert, sondern auch ihr Liebesleben.
Am Beginn war es für mich problematisch, dass ich immer wieder aus der Handlung geworfen wurde und dann etwas, im ersten Moment Unzusammenhängendes lesen sollte. Nach und nach wurde mir aber klar, dass diese Informationen sehr wichtig waren und ich Tabea ohne diese völlig anders gesehen hätte.
Zum Roman griff ich, weil er mir als Space Opera mit starker weiblicher Hauptperson verkauft wurde, die nicht auf den Mund gefallen ist und auch einige romantische Verwicklungen erlebt. Stimmt alles, bis auf den letzten Punkt. Wirklich romantisch geht es hier nicht zu, keine Dates, kein Hin und Her, kein Herzschmerz. Tabea aber sucht sich ihre Liebhaber(innen) nach eigenem Gutdünken aus, manchmal einfach aus Langeweile, manchmal, weil sie sich etwas davon erhofft.
Als Persönlichkeit hat sie mir ganz wunderbar gefallen. Sie wird von einer Notlage in die nächste geworfen, versucht stets sich und ihr Schiff durchzubringen - hier vor allem das Avatar Alice - und niemand sagt ihr, worum es wirklich geht. Auf die Abenteuer, die sie dabei erlebt, könnte sie wahrscheinlich gut und gerne verzichten. Nicht so der Leser! Einige der Situationen sind urkomisch, andere spannend, andere sehr emotional. So wie Tabea rutscht auch der Leser von einer Emotion in die nächste. Unterhaltsamer geht es kaum.
Als Science Fiction Anfänger brauchte ich aber meine 100 Seiten, um wirklich in den Roman zu finden. Das lag nicht an den Begrifflichkeiten, da dies mehr Opera, als Space ist. Greenland bleibt schon am Genre und hat viel recherchiert. Aber er hat sich auch viele Freiheiten herausgenommen, in etwa in den Völkern und Rassen die er geschaffen hat. Daher vermute ich, dass hier mehr auf Unterhaltung Wert gelegt wurde und weniger auf Authentizität.
In die Geschichte eingetaucht, las ich in einem Rutsch durch. Das Geheimnis muss gelüftet und die Nerven beruhigt werden. Tabea wird sehr gebeutelt und nicht immer laufen ihre Erlebnisse glimpflich ab. Kein männlicher Held kommt im letzten Moment um sie zu retten, das muss sie schon selbst machen - und nicht immer klappt es. So ist das Leben und so ist Tabea.
Sie ist eine sehr gut charakterisierte Figur, die ich wirklich mochte und die mir hier und da ein Lächeln entlockt hat.
Im letzten Drittel legt Greenland auf all diese Großartigkeiten noch eine Schippe drauf und Seite um Seite fliegt vorbei. Dennoch muss ich auch erwähnen, dass ich mitunter etwas mit einer gewissen Langatmigkeit zu kämpfen hatte, einige Szenensequenzen sind sicher nicht zwingend für die Handlung notwendig, wenn sie aber auch gut zu lesen sind.
Neben Tabea können sich alle hier geschaffenen Figuren sehen lassen, egal ob sie humanoid sind (und das sind die wenigsten) oder nicht. Dieser Detailreichtum besticht sofort und lässt über so manche Kleinigkeit hinwegsehen.
Colin Greenland erzählt mit formvollendeten Charakteren, denen er eine so persönliche Note verpasst, dass sie jeden Moment aus den Seiten zu springen scheinen. Die Handlung ist breit angelegt und verspricht einiges, was sie bis zum Ende auch zu halten vermag.
"Sternendieb" ist der Auftakt einer Trilogie, die ihre ganze eigene Melodie komponiert und den Leser dann wie ein Ohrwurm nicht mehr los lässt.


Der Autor
Colin Greenland ist ein britischer Science-Fiction-Schriftsteller. Bereits mit seiner ersten Erzählung gewann er den zweiten Preis des Faber & Faber-Wettbewerbs. Sein Roman Take back Plenty (1990) ("Sternendieb") wurde schließlich mit den wichtigsten britischen Science Fiction-Preisen ausgezeichnet: British Science Fiction Association Award und Arthur C. Clarke Award.
Colin Greenland lebt seit 1996 mit der Schriftstellerin Susanna Clarke (Jonathan Strange & Mr. Norrell) zusammen. Seine Werke wurden bisher in zwölf Sprachen übersetzt.


Kommentare:

  1. SF ist ja gar nicht meins - was mich nur aufhorchen hat lassen, ist der Name des Schiffes "Alice Lidell" ob das einen Bezug zu der Alice Liddell hat, die Model für Carrols Alice war?

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  2. Ja, der Name des Schiffes stammt aus einem Roman und wurde von Tabea danach ausgesucht.

    Ich versuche es immer mal wieder, wenn sich eine Geschichte wie diese in mein Blickfeld drängt. Wäre das Buch kürzer würde ich sagen: Versuchs einfach!

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  3. Ich hab einen SF-Roman von Dean Koontz gelesen (besser gesagt, das war der einzige den ich ausgelesen habe) und das reicht mir xD

    Ah, der Zufall wär auch zu schlimm gewesen, wenn das Schiff einfach nur so so geheißen hätte :)

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  4. Ah, falsch! Es gibt ja einen SF-Roman, den ich mag xD Scott Westerfeld - Leviathan. Aber da sprechen mich halt die geschichtlichen und Steampunk Elemente an :D

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