Montag, 29. März 2010

Leipziger Buchmesse - Erfahrungsbericht


Wer an einem sehr ausführlichen Bericht aller Buchmessetage interessiert ist, dem lege ich Natira ans Herz.
Tag 2 erzählt vom Donnerstag dem 18. März. Tag 3 vom Freitag dem 19.03., an dem auch ich zugegen war. Tag 4 und Tag 5 vom Wochenende.

Am Dienstag vor der Leipziger Buchmesse entschloss ich mich kurzfristig, doch noch hinzufahren. Schließlich hatte ich von vielen Leuten gehört, dass sie am Freitag da sein würden.
Die Fahrt von Berlin nach Leipzig Messe dauert nur knapp über eine Stunde und daher war es durchaus machbar, morgens hin und abends wieder zurück zu fahren.
Glücklicherweise hat meine Begleitung mir einen Platz frei gehalten und so musste ich wenigstens nicht auf der Hinfahrt stehen.
Mein erster Weg führte mich zu den Toiletten, wo sich schon Unmengen junger Mädchen mit ihren Koffern aufgebaut hatten, um sich auf Cosplay umzustylen. Vor dem Spiegel stand ein Mädchen mit einer langen schwarzen, lockigen Haarperücke, die ihre Freundin heftig mit der Schere bearbeitete. Eine ältere Dame zeigte sich entsetzt, wurde aber darüber aufgeklärt, dass der Figur die Haare nur bis knapp zur Schulter reichen würden, es aber keine anderen Perücke gegeben hätte. Das sei schade, weil Locke um Locke zu Boden fiel, aber ohne das Massaker sei es viel zu unrealistisch ... Wie langweilig war es, als ich fünfzehn war! Da gab es Gothics und die waren alle schwarz.
Es war noch etwa eine halbe Stunde zu warten, aber schon vor den Tunneln, die in die einzelnen Hallen führten, gab es eine Menge zu sehen. Fernseh- und Radiostationen bauten ihre Stände auf und verteilten/ verkauften die ersten Sachen.
Die gläserne Vorhalle macht einen grandiosen Eindruck!
Meine Begleitung(en) und ich trennten uns, denn sie waren verabredet. Ich selbst wollte mir Oliver Plaschka auf seiner Lesung ansehen und hören und steurte zielsicher die Leseinsel Fantasy an. Dort saß ich keine zehn Minuten, als mich der Verlag Torsten Low fand. Torsten hatte bereits am Donnerstag um 14.30 Uhr aus der Anthologie "Metamorphosen" gelesen und wie ich an den Fotos ersehen konnte, die mir vom Allroundgenie Tina gezeigt wurden, auch gut Zuhörer angelockt.
Der Bericht ist leider noch nicht online, aber hier gibt es Fotos und Texte zu all den bereits vergangenen. Beim Thema "BuCon" gibts ein Foto (fast)aller Herausgeber und eines mit Hardebusch und Plaschka, die in diversen Anthologien des Verlages vertreten sind.
Mir wurde dann von Torsten der Stand des Wunderwald-Verlages angetragen, aber weil ich es nicht so mit Nummern habe, sind wir zusammen mit Tina hingegangen. Vorgefunden haben wir nicht nur den Verlag, nebst zugehörigen lebenden Menschen, sondern auch Erik Schreiber ("Der phantastische Bücherbrief"). Wir hatten viel Spaß und zufälligerweise stand auch "Lichtbringer" im Regal. Die Fotos, die wir davor gemacht haben, gehen hoffentlich nie online, denn ich schaue auf allen ziemlich bekloppt.
Oliver Plaschkas Lesung im übrigen fand ich gut. Leider gehört das Buch "Die Magier von Montparnasse" zu meinen abgebrochenen. Ich habe mich in den vielen Nichtigkeiten der Handlung heillos verloren und nicht wirklich verstanden, worum es ging. Allerdings habe ich mir fest vorgenommen, es noch einmal mit dem Autor zu versuchen.
Um 12 Uhr wollte ich zur Lesung von Bernhard Hennen gehen, da ich dort Natira und Seychella vermutete. Offenbar waren wir auch alle da, haben uns aber leider dennoch verpasst.
Hennen macht es in seinen Lesungen (um 15 Uhr gab es noch eine) recht geschickt. Er weiß, dass er nicht zu den besten Lesern gehört, darum veranstaltet er immer eine Fragerunde. Die wird auch jedesmal gut genutzt. Ein junges Mädchen fragte ihn in etwa, ab welchem Alter er "Elfenkönigin" empfehlen würde. Er sah sie an und meinte dann, dass sicher schon der Umfang des Romans jüngere Leser abschrecken würde. Ha! Nein, sie nicht, sie lese gern. Super Antwort!
Nach der Lesung machte ich mich endlich auf, um Halle 2, die der Fantasy und dem Manga/ Cosplay vorbehalten war zu erkunden. Deprimiert wurde ich schon nach einigen Schritten. Ich kenne tatsächlich schon viele der neu vorgestellten Romane oder bekomme sie in Kürze (das ist natürlich nicht deprimierend!). Darum boten die Stände wenig Neues für mich. Aber es war schön anzusehen, wie viel Mühe oft in einen Stand gesteckt wurde.
Zur Lesung von Wolfgang Hohlbein kam ich leider etwas spät, aber immerhin sah ich ihn noch. Allerdings war mir auch etwas schlecht und schwindelig, so dass ich erst einmal die Toiletten aufgesucht habe. Neben mir am Waschbecken stand dann plötzlich Ju Honisch, doch ich war zu schüchtern, um sie anzusprechen. Gleich neben den gläsernen Türen bemerkte ich einige Menschen mit Zigaretten. Ich hasse Raucher, aber die finden immer das letzte bisschen Frischluft und das hatte ich bitter nötig. Und richtig ... halbe Stunde Pause mit Essen, trinken und durchatmen. Puh.
Ich kam gerade richtig, um auf dem Schwarzen Sofa einen Vortrag des Comic Culture Verlages zu kommen. "Wie werde ich Comiczeichner in Deutschland?" Nein, ich habe keine Ambitionen dahingehend, ich bekomme auch nicht wirklich schöne Bilder hin und male nur aus Spaß. Aber es hat mich interessiert, wie Autoren und Zeichner von Mangas/ Comics am Markt bestehen. Zwar komme ich aus der Ecke der "richtigen" Bücher (ich entschuldige mich bei allen, die diesen Ausdruck als beleidigend empfinden könnten), aber Fantasy ist ein weites Feld und die gezeichneten Geschichten sind ein großer Teil davon.
Sehr informativ und locker wurde mir das Thema näher gebracht und ich stellte fest, dass es diesen Autoren auch nicht viel anders oder gar besser geht, als den anderen auch. Es ist ein hartes Geschäft und wer nicht diszipliniert und viel arbeitet, kann und wird nicht bestehen.
Ausgeruht machte ich mich danach auf den Weg, um die anderen Hallen zu erkunden. Ich hatte weder die christlichen Verlage bisher gesehen, noch die Hörbücher. Halle 3 eröffnete mir neue Sphären und ich fühlte mich dort sehr wohl. In Halle 4 habe ich mich verlaufen und kaum den Weg zurück gefunden ...
Die Leseinsel Junge Verlage war gut besucht und von den Besuchern her sehr bunt gemischt. Die laufende Lesung hat mich, ohne dass ich es genauer ausdrücken oder erklären könnte, ziemlich deprimiert, so dass ich nicht lange blieb.
Um 16 Uhr waren meine Begleiterinnen und ich an der Fantasyleseinsel verabredet, da ich aber schon alles gesehen hatte, was mich interessiert hat, war ich etwas eher da. Hennens zweite Lesung war sehr voll, aber die Reihen lichteten sich schnell, als er zur Signierecke ging. Nach ihm war die Leipziger Autorin Marion Rother mit ihrem Buch "Im Zauberreich von Bondrix" dran. Zum fast ersten Mal kam mir der Gedanke, wie deprimierend es sein muss, die Menschen weggehen zu sehen, wenn man ihnen doch sein Werk vorstellen will ... Ich hatte zwar nicht wirklich vor, mir die Lesung anzuhören, setzte mich aber hin und versuchte, interessiert auszusehen. Sie machte das eigentlich sehr gut, verteilte Papier und Stifte an die kleinen Kindern, die da waren und las langsam. Als sie mit den Worten endete: Ich bin dann an der Signierinsel, falls jemand gern ein Exemplar mitnehmen möchte. schaute ich hinüber. Noch immer standen Leute über Leute an, um sich ein Buch von Hennen signieren zu lassen. Sie kannte ihn übrigens nicht und musste sich erst von einem Mitarbeiter von WerkZeugs aufklären lassen.
Inzwischen fand mich eine meine Begleiterinnen und setzte sich erleichtert hin. Wir warteten auf den Rest. Zwar konnte ich jene sehen, mit denen wir uns ebenfalls treffen wollten, aber noch waren wir nicht offiziell vorgestellt und die einzige Person, die das tun konnte, kam nicht ... Irgendwann beschlossen wir, dass wir uns einfach selbst vorstellen und setzten uns so zu Jennifer Schreiner, Jeanine Krock, Kerimaya und ihrer Freundin. Dann kam doch noch der Rest vom Redaktions-Team und ganz urplötzlich, fast aus dem Nichts auch Darkstar mit seiner Begleitung. Sie hatte ein so schönes Kostüm an und ich ärgere mich immer noch, dass ich davon kein Foto gemacht habe.
Wir plauderten kurz über das Neueste und dann löste sich die Runde auch fast schon wieder auf. Ich selbst habe mich sehr anregend mit Jeanine unterhalten und unter anderem erfahren, dass auch sie ihren Twitter-Nick nicht aussprechen kann. Ha! Bin ich nicht der einzige Depp.
Als es später wurde, ging ich eine letzte Runde, bis ich am Stand von Feder&Schwert zufällig auf meine Begleiterinnen traf. Und eine davon hatte ein signiertes Buch von Ju Honisch, weil sie mutiger war als ich. *pf*
Auf der Rückfahrt war der olle Zug so voll, dass wir stehen mussten, was ermüdete Füße nicht wirklich toll finden. Aber was hatten wir nicht alles zu erzählen! Zumindest bis eine Frau sich beschwerte, sie wolle lesen ... *doppel-pf* In Berlin musste ich noch mal eine Stunde fahren, aber das machte mir gar nichts aus. Ich hatte einen schönen Tag!
Am Sonntag wollte ich noch einmal zur Messe fahren, vor allem um mir die sehr interessanten Lesungen anzuhören, aber schon am Samstag Morgen ging es mir nicht wirklich gut und spät am Abend musste ich meine Fahrt absagen.


Kommentare:

  1. Schade, dass es dir nicht so gut ging, es soll ja am Sonntag deutlich weniger voll gewesen sein. :)

    Aber vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Ich finde es spannend, welche Schwerpunkte die verschiedenen Besucher gesetzt haben! Und es ist schön, dass du auch deine Gedanken zu den Autoren niedergeschrieben hast, die mitansehen müssen, wie sich die Zuhörerreihen radikal lichten, wenn sie an der Reihe sind. Egal wie sehr einem der Verstand sagen mag, dass das nur am mangelnden Bekanntheitsgrad liegt, so muss das doch wirklich schmerzen.

    Bei den wenigen Sendungen, die ich über die Messe gesehen habe, habe ich mich allerdings oft gefragt, warum gerade ein bestimmter Autor (gerade im Bereich der klasssischen "gehobenen" Literatur) so viele und ein anderer so wenig Hörer anlockte ... Oft haben mir beide Namen nichts gesagt und den "berühmteren" fand ich eher unangenehm oder sein Buch zu wenig ansprechend, als dass ich noch einmal etwas von ihm hätte hören wollen, während der weniger gesuchte Autor eine interessante und witzige Lesung oder ein anspruchsvollens Interview bot. Nun, sowas wird wohl nie so ganz erklärbar sein. ;)

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  2. Oh, ich werde hier erwähnt, danke!

    Du hast am Freitag ja auch einiges erlebt, ein toller Bericht. Bei der mittäglichen Elfenkönigin-Lesung haben wir uns bestimmt gesehen und nicht erkannt. An die Anekdote mit dem Mädchen erinnere ich mich gut ;)

    Wirklich schade, daß es Dir gesundheitlich nicht gut ging. Dazu noch die verbrauchte Luft in den Hallen - in der Glashalle, so schön sie auch ist, heizte sie sich ja noch mehr auf -! Am Samstag war es gerade in Halle2 übrigens noch schlimmer. Was die Toiletten anging, habe ich mich immer zu dem Seitenausgang bei Halle 5 (glaub ich, habe den Plan jetzt nicht im Kopf) begeben (Ostseite), dort war erheblich weniger los. Diese "Entdeckung" habe ich aber auch eher zufällig am Freitag gemacht ;)

    @Winterkatze
    Natürlich gehen Leser (auch ich bei einigen Veranstaltungen, z.B. Frau Kinkel oder Herr Hennen) zu den Veranstaltungen mit den bekannteren Literaten, weil man diesen Buchautor einfach mal live sehen möchte, kennt man doch sonst nur die Bücher. Und dann gibt es natürlich auch Hörer/Zuschauer, für die reicht es, daß der Autor oder Gesprächspartner, vielleicht sogar nur der Interviewer, prominent ist...

    Auf der Lese-Insel junger Verlage wechselten die jungen Autoren mit ihren Vorlesungen regelmäßig. Wie bei den bekannteren lasen manche so gut, daß man schon deshalb stehen blieb, anderen leider uninspiriert mit entsprechender Folge. Ich habe dort auch keinen Sender gesehen (vielleicht war ich zu den falschen Zeiten da), aber wenigestens gab es dieses "Forum" ...

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  3. Dass wir uns bei der Lesung von Oliver Plaschka nicht gesehen haben, ist echt ein Ding. Die war ja nicht sooo voll. Es lag wahrscheinlich an den fehlenden Hüten. ;)

    Und natürlich war ich bei Herrn Hennen *hihi*, da hast du ganz richtig vermutet. Ich saß direkt hinter dem Mädchen mit der fehlenden Angst vor dicken Büchern. (Immer noch ohne Hut, aber... Jeansrock, olivgrünes Kapuzen-Sweatshirt und Rucksack.)

    Bin übrigens ganz verblüfft, dass nach der Alica-Lesung beim Signieren so viel los war. Wir standen da zu zweit, während Herr Hennen noch aufgehalten wurde. Das muss sich erst danach ergeben haben...
    Übrigens finde ich, dass er ganz toll vorlesen kann. Aber ihr habt wohl nichts anderes von mir erwartet, was?

    Ich möchte aber betonen, dass ich auch auf anderen Lesungen war. Sogar auf einer Vampir-Lesung, bei Jeanine Krock. So zur Horizonterweiterung, auch wenn es schief gelaufen ist. Es soll wohl nicht sein. :)

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  4. Hallo Ihrs,

    leider war meine Tastatur beschädigt, so dass ich mich erst jetzt melden kann.
    @Kätzchen:
    Freitag war es auch nicht sooo voll, gut besucht, aber defintiv nicht übervoll.
    Ich habe das alles auch eher nur kurz umrissen dargestellt, aber die wichtigen Eckpunkte sind dabei. Bei den Hörbüchern habe ich einige Zeit verbracht und beim Entdecken der Stände/ Verlage ebenfalls.
    Das mit den Autoren ist so eine Sache. Ich denke, das liegt viel auch am Verlag und was er an Werbemitteln einsetzt. Darum ist jeder Autor gut beraten, der selbst für sich Werbung macht und das alles eben gerade nicht nur dem eigenen Verlag überlässt.
    Sonntag war wirklich schade, aber ich war tatsächlich einige Tage ausgenockt, da war es wohl doch besser, zuhause zu bleiben.

    @Natira:
    Ja, schade, Aber es ergibt sich bestimmt noch mal eine Gelegenheit :)

    @Seychella:
    Stimmt, was Plaschka angeht. Aber ich habe da auch noch nicht so in die Runde geschaut, muss ich zugeben. ;)
    Ich hatte tatsächlich jemanden hinter dem Mädchen anvisiert. Dickes, schwarzes Stirnband und blaues Presse-Band um den Hals. Sie hat auch gemerkt, dass ich sie anvisiert habe. Sie lachte bei der Erwähnung von Ollowain und ließ sich im Anschluss Bücher signieren. Aber als ich mich kurz umdrehte war sie weg.
    Alica: Da standen sie noch ewig. Als die Autorin danach hin wollte, kam sie gar nicht dran, weil Hennen immer noch da saß. Er hat sich aber auch Zeit für jeden genommen, was ich wieder gut fand. :)
    Nein, er liest schon ok, wenn es auch bessere Leser gibt. Aber er hat schon Recht, dass es mitunter etwas langweilig werden kann und jeder hat doch Fragen und so wirds auch lustiger.
    Mochtest Du Jeanine nicht (hat sie sich verlesen?) oder die Vampire? ;)


    LG
    Soleil

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  5. Da hast du die falsche anvisiert, ich war es nicht. Für das nächste mal müssen wir uns da vielleicht mal etwas besseres ausdenken. ;)
    Zur nächsten Leipziger Buchmesse will ich auf jeden Fall wieder, WerkZeugs übernimmt wieder die Betreuung der Fantasy-Leseinsel - was wieder ein so tolles Programm verspricht. :)

    Bei Jeanine hat mich einfach nichts an der Geschichte "angesprungen", und dann natürlich die Vampire. ;) Vielleicht auch einfach etwas zu locker für mich...

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