Montag, 5. Oktober 2009

Dewey und ich - Vicki Myron ♥♥♥♥




Klappentext:
Als Vicki Myron an einem kalten Januarmorgen die Tür der Stadtbücherei von Spencer, Iowa, aufschließt, nimmt sie ein sonderbares Geräusch wahr. Bei genauerem Hinhören glaubt sie ein Miauen zu erkennen, das aus dem Kasten für zurückgegebene Bücher dringt. Und tatsächlich findet die Bibliothekarin zu ihrer großen Überraschung zwischen Klassikern und Liebesromanen ein halb erfrorenes Katzenjunges mit struppigem Fell. Vicki und ihre Kollegen kümmern sich um das kleine Tier, wärmen es und geben ihm zu fressen. Damit ist das Kätzchen, das sich bald als Kater entpuppt und den Namen Dewey erhält, adoptiert. Dewey offenbart schon rasch seine ungewöhnliche Wirkung auf Menschen: Er tröstet verzweifelte Einwohner, er heitert die Angestellten auf, indem er mit ihnen Verstecken spielt, er bringt traurige Kinder zum Lachen. Schnell spricht sich die Geschichte des einfühlsamen Katers herum, bis schließlich Fernsehteams aus der ganzen Welt anreisen. Als Dewey im Winter 2006 im stolzen Katzenalter von 19 Jahren stirbt, ist er eine internationale Berühmtheit.

Autor: Vicki Myron
Verlag: Page&Turner
Erschienen: 08/2009
ISBN: 3442203333
Seitenzahl: 380 Seiten

Die Autorin
Vicki Myron wurde auf einer Farm in der Nähe von Spencer, Iowa, geboren. Sie arbeitete 25 Jahre als Bibliothekarin in Spencer, davon 20 als Direktorin. Vicki Myron lebt nach wie vor in ihrem Heimatort.

Die Grundidee der Handlung
Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit:
Vicki Myron ist Bibliothekarin und traut ihren Augen nicht, als sie an einem sehr kalten Januarmorgen ein Kätzchen in der Rückgabebox findet. Der kleine Kater ist halb erfroren und kann nicht laufen, da seine Pfoten Schaden genommen haben.Vicki und die anderen Mitarbeiter kümmern sich liebevoll um Dewey - ein Name, der nur zur Überbrückung gedacht war, sich aber schließlich durchsetzen konnte.
Obwohl es auch kritische Stimmen gibt, bleibt Kater Dewey-lies-mehr-Bücher wo er ist - in der Bibliothek von Spencer in Iowa.
Den Menschen im Bundesstaat geht es viele Jahre lang nicht besonders gut und auch die Bibliothek muss ums Überleben kämpfen. Dewey weiß davon natürlich nichts, aber schließlich wird er es sein, der die Bewohner einander näher bringt. Mit einer stoischen Ruhe lässt er sich von Kindern streicheln und auch mal am Schwanz ziehen; Eltern können sogar ihr Baby bedenkenlos neben ihm abstellen.
Auch alte Menschen, die zum lesen ins Haus kommen, rufen zuerst nach dem Kater. Dewey springt den Menschen sofort auf den Schoß, seien es Kinder, Erwachsene, Arbeiter oder Anzugträger - er macht keine Unterschiede.
Bald werden die ersten Medien auf Dewey aufmerksam und schnell wird er der berühmteste Kater der Welt, dessen Name sogar in China bekannt sein wird und für den die Leute einen stundenlangen Umweg in Kauf nehmen, nur um ihn zu sehen.
Leider steht es mit seiner Gesundheit nicht zum besten, doch Vicki kümmert sich aufopferungsvoll um ihn. So wird Dewey stolze neunzehn Jahre alt, bevor er stirbt. Obwohl er nun nicht mehr da ist, bleibt sein Andenken stark in den Köpfen und Gefühlen verankert.
Dewey-lies-mehr-Bücher hinterlässt mehr, als nur Fotos und Filme.

Stil und Sprache
Es braucht Zeit, sich in die Schreibe einzufühlen, denn Vicki ist keine professionelle Autorin. Doch gerade das macht die Authenzität des Romans aus, selbst wenn Bret Witter, ein Lektor, ihre Worte noch einmal bearbeitet hat.
Die Bibliothekarin berichtet jedoch nicht nur von ihrem Lieblingskater, sie schildert die Jahre in Iowa, die von einer andauernden Wirtschaftskrise geprägt sind. Auch von ihrem eigenen Leben weiß sie viel zu erzählen: ihre miserable Ehe, die vielgeliebte Tochter und ihre Krankheiten.
Sowohl Stil, als auch Sprache drücken deutlich aus, dass die Autorin selbst dabei gewesen ist und das Geschehen verinnerlicht hat. Obwohl also der Halblaie - sie liest immerhin sehr viel - zu spüren ist, schwingen aus jeder einzelnen Zeile sehr viele Emotionen mit, die teilweise sehr stark berühren. Aber neben der Melancholie kommt auch der Humor nicht zu kurz. Dewey ist ein lustiger Kater, der viel übrig hat für Kinder, aber eben auch einen eigenen Kopf. Und wenn er die Marke seines Futters nicht mag, dann kann der Hersteller noch so viel davon sponsern wie er will.
Die einzelnen Episoden werden an einem roten Faden weitergesponnen. Trotz der Erinnerungen - Dewey starb im Jahre 2006 - wird die Handlung nicht unterbrochen, sondern konstant weitergeführt. Die zahlreichen Fotos lockern gekonnt auf, auch wenn sie in Farbe sicherlich etwas übersichtlicher gewesen wären.

Figuren
Dewey-lies-mehr-Bücher wird irgendwo in Iowa geboren und schließlich von einem Unbekannten in die Rückgabebox der örtlichen Bibliothek gesteckt. Was für ein Glück für ihn! Die Mitarbeiterinnen und vor allem Vicki kümmern sich hingebungsvoll um ihn.
Viele hunderte Quadratmeter kann er fortan sein eigen nennen, er darf auf dem Bücherwagen mitfahren, zwischen die Regale hopsen, mit den Menschen spielen ... die tragen ihn sogar eigenhändig ins Bad, damit er dort seinem Geschäft nachgehen kann.
Ob ihm das nicht zu eng wird? Ja. Aber nach nur einem Mal ausbüxen und fast überfahren werden, zieht es Dewey nicht mehr in die große weite Welt.
Vicki ist eine alleinerziehende Mutter einer recht rebellischen Tochter. Ihre Ehe mit einem Trinker ging gehörig schief und um ihre Gesundheit ist es nicht zum besten gestellt. Doch sie schafft es, ihre Ausbildung und ihr Studium nachzuholen und sich zur Leiterin der Bibiothek hochzuarbeiten.
Manchmal ist sie dem Leser nicht sympathisch, aber Respekt kann man ihr nicht verweigern.

Aufmachung
Das Foto auf dem Umschlag ist eines der besten des gesamten Buches. Die Brauntöne und der Bücherstapel unterstreichen Deweys Fellfarbe. Das Cover ist ein echter Hingucker - nicht nur für Katzenliebhaber.
Sehr positiv hervorzuheben sind die kleinen Zeichnungen an jeder rechten unteren Ecke im Inneren. Was zunächst nach einem niedlichen Schaubild aussieht, entpuppt sich als Daumenkino! Was für eine tolle Idee!
Das Buch ist sehr stabil als Hardcover, liest sich aber auch bei noch so vorsichtigem lesen etwas rund. Das Lesebändchen widerum ist mehr als hilfreich.

Fazit
Was zunächst nach leichter und nicht ganz ernst zu nehmender Lektüre klang, hat sich als tiefgründiger, emotionaler, aber auch humorvoller Roman herausgestellt.
Die Aufmachung ist Top, wenngleich die Fotos im Inneren manchmal nicht gut zu erkennen sind. Vicki berichtet authentisch von ihrem Lieblingskater und wie er die Menschen einander näher gebracht hat. Für einfühlsame Menschen, gierige Leser und Katzenliebhaber gleichermaßen sehr zu empfehlen.

PS: Auf youtube.com gibt es einen Iowa Nachrichtenbeitrag über Dewey, in dem viele genannte Personen und natürlich der berühmte Kater selbst zu sehen sind. Auch das Regal mit seinen Futterdosen und viele, viele Bücher. Ein zusätzliches Highlight, das sich Leser des Buches nicht entgehen lassen sollten.


Kommentare:

  1. Schöne Rezi! :) Und deiner Anregung folgend habe ich mich gerade bei youtube umgeguckt und einen Beitrag über Dewey gefunden. Gerade seine Körpersprache beim Umgang mit Menschen erinnert mich doch sehr an unseren Baltimore. >g<

    Es ist kaum möglich dem Charme einer Katze zu widerstehen - und absolut unmöglich dem Charme einer Coon etwas entgegen zu setzen. ;)

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  2. Ich hab´s mir vor wenigen Wochen auch gekauft, allerdings auf Englisch. Das deutsche Buch war mir einfach zu teuer. Nya, mal gucken. Nach deiner tollen Rezi habe ich allerdings keine Bedenken, dass es mir nicht gefallen wird =)

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  3. Hallo,

    @Kätzchen:
    Danke :) So lange mag ich eigentlich nicht (auf dem Blog) aber ich bin sehr dankbar für den Gewinn und da passe ich mich gern an. *g*
    Der Film ist wirklich gut gemacht und sehr süß. Er fasst auch kurz zusammen, was im Buch erzählt wird.
    Coon? Mhm, im Buch heißt es, glaube ich, dass keiner weiß, was das für eine Katzenart ist.

    Jenny:
    Herzlich Willkommen in meinem Blog ;)
    Hätte ich es mir kaufen müssen, ich hätte es wohl nicht getan, denn es ist wirklich recht teuer.
    Hast Du denn selbst auch eine Katze?


    LG
    Soleil

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  4. @Soleil: Ich mag es "lang", solange es kein inhaltsloser Text ist. :)

    Da Dewey unseren Coon sehr ähnlich ist, würde ich schon behaupten, dass das eine Maine-Coon-Katze - oder wegen der schmaleren Schnauze - ein Maine-Coon-Mix ist. Dafür würde auch die Menschenfreundlichkeit und seine Offenheit sprechen. So oder so, das Tier hatte anscheinend eine Menge Charme. :)

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  5. Ich lese lieber kurz, aber prägnant. :) Darum sind die Fazits für mich immer ausschlaggebend. Meist will ich mir ja nur einen ersten Eindruck verschaffen.

    Mhm, also der Tierarzt wußte da nicht wirklich bescheid und ich glaube, das war vielen dann auch Wurscht. *g*
    Egal auch welche Art er war, er war hübsch und knuddelig.

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