Dienstag, 28. Juli 2009

Die Elfen von New York - Martin Millar



Heather und Morag, zwei schottische Distelfeen, flattern bei dem übergewichtigen und stets schlecht gelaunten Dinnie herein. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, da sie immer nur Unruhe stiften. Die elfische Gesellschaft hat sich verändert, der Hofmagier hat die Dampfmaschine erfunden (die es in der Menschenwelt freilich schon lange gibt) und das Volk wird gezwungen, in Fabriken zu malochen.
Überwältigt von ihrer Vergangenheit und der neuen Welt New York, in der sie sich befinden, zerstreiten sich die beiden und Morag zieht gegenüber bei Kerry ein. Die hübsche, junge Frau, die sich ihre Haare blau gefärbt hat, leidet an der Chronschen Krankheit und muss einen Kostomiebeutel (ich kenne es unter dem Ausdruck Stomabeutel) über einem künstlichen Darmausgang auf dem Bauch tragen.
Dinnie besitzt eine Fiedel und versucht, darauf alte, traditionelle Lieder zu spielen, was ihm jedoch nicht gelingt. Heather erkennt, dass es eine heilige Fiedel ihres Volkes ist und möchte sie zurück haben. Darum schlägt sie Dinnie einen Handel vor: da er in Kerry verliebt ist, wird sie ihm helfen, sich ihr zu nähern. Gar nicht so leicht, bei diesem missmutigen und unerzogenen Kerl.
Derweil versucht Kerry ein Blumenalphabet für einen Künstlerwettbewerb zusammen zu stellen. Nur eine Blume fehlt ihr noch und die verliert sie ständig. Meist landet diese bei der verrückten Obdachlosen, die sich für einen römischen Feldherrn hält.
Dann taucht eine schottische Elfenarmee auf, die nicht damit rechnet, dass es noch chinesische und schwarze Elfen gibt ...


Ich habe eine bereits vergriffene Ausgabe gelesen, aber leider kein Coverbild mehr dazu gefunden. Meines ist blau mit einer jungen, blassen Frau mit aufgetürmten blauen Haaren und einem "denkwürdigen" Gesichtsausdruck.
Der erste Satz hat es wirklich rausgerissen. Mit ihm habe ich mich auf die recht seltsame Schreibe des Autors eingelassen und ganz wunderbare Charaktere und tolle Ideen zu lesen bekommen. Millar beschreibt nicht jeden Vorgang und ich habe bis zum Schluß keine Ahnung gehabt, wie groß diese Feen denn nun sind. Kleiner als Menschen, klar. Sie sitzen gern mal auf Schultern und tragen Dinge mit sich herum. Also ungefähr so groß wie eine Barbiepuppe? (Und sorry für den Vergleich, liebe Feen!) Größer? Kleiner?
Dinnie ist herrlich selbstgerecht und bösartig und Kerry schön und weichherzig. An und für sich ein Klischee, aber Millar mischt das mit so vielen anderen unklischeehaften Dingen, das man das glatt übersieht. Die Nebencharaktere sind komplett alle ausgearbeitet und besitzen einen für sie eigenen Hintergrund. Wer eine gewisse Vorstellung von Feen (Elfen) hatte, sollte das schnell vergessen, denn schließlich kann bei denen auch nicht alles still stehen. Das zeigt der machtgierige Hofmagier, der das Volk unterjocht. Es wäre interessant gewesen was passiert wäre, wenn die Feen das Stadium der Industrialisierung überwunden hätten. Wären sie auch irgendwann auf dem Mond gelandet? Hätten sie irgendwann beschlossen, die Menschen nicht mehr zu benötigen?
So aber gründen sie Rockbands und rebellieren gegen den König. Gut, dass auch dessen beide Kinder mit von der Partie sind.
Das ist natürlich kein klassischer Liebesroman und so ist das Ende dahingehend auch recht offen.
Stilistisch bin ich hin und her gerissen. Obwohl Millar oberflächlich bleibt und keinen Grund sieht, Dinge näher zu beschreiben und zu charakterisieren, war die Handlung bildhaft und emotionsreich. Ob das aber auch bei jemandem so wäre, der nicht das New York von heute (oder eine andere Großstadt) kennt - also mal in hundert Jahren oder so - das kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und war beeindruckt und froh, mal etwas außerhalb des sonst üblichen zu lesen. Kann ich nur empfehlen!


Kommentare:

  1. AdAbsurda28.7.09

    Hallo Soleil,

    endlich hat jemand auch mal das irre Cover entdeckt, welches ich vor geraumer Zeit in Händen hielt.

    Ansonsten kann ich nur bestätigen: "eine Wellenlänge" ;o)

    Liebe Grüße
    AdAbsurda

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  2. Hallo AdAbsurda,

    da weiß man gar nicht, mit welchem Namen man Dich ansprechen soll *gg*
    Welches Cover meinst Du denn? Das blaue oder das grüne?
    Und: sach ich ja! :)

    LG
    Soleil

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  3. Bei Feen und Elfen bin ich immer kritisch eingestellt. "Kalix" hat mir recht gut gefallen, mal schauen vielleicht lese ich "Die Elfen von New York" doch irgendwann, deine Rezi macht schon Lust darauf

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  4. Hallo Auglia,

    "Die Elfen von New York" ist - meiner bescheidenen Meinugn nach - besser als Kalix und die hat mir ja auch gefallen. Vergiss am besten alles, was Du jemals über Elfen und Feen gehört hast (ob Fantasy oder die "zauberhafte" Variante), DIE im Buch sind garantiert anders *g Die trinken gern Alkohol, huren rum, kleine Prügeleien zum Trotz der Langeweile ...
    Kann Dir das Buch wirklich empfehlen. Und: sooo lang ist es nicht, also nicht viele Seiten und liest sich hopp hopp weg *g*

    LG
    Soleil

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