Samstag, 23. Mai 2009

Gesellschaftsspiele - Louise Jacobs




Leider abgebrochen


Es hat mich fasziniert zu lesen, dass Louise Jacobs ein Jahr lang in der Kunstszene recherchiert hat, ehe sie diesen Roman schrieb. Dann bedeutet die Schreiberei ihr etwas, dachte ich. Nur wie man "in der Kunstszene recherchiert" ist mir nicht klar. "Abgetaucht" steht im Einband, ist sie also untergegangen und verschwunden und "tauchte wieder auf", irgendwann?
Welche Menschen mögen ihr begegnet sein, malt sie vielleicht selbst? Hat sie Ausstellungen organisiert, an ihnen teilgenommen? Wie nah ist sie den Künstlern gekommen, um dann vom Innenleben eines solchen zu erzählen? Und aus wie vielen Leuten, die ihr dabei begegnet sein mögen, hat sie die Figur Leo Becker geschneidert - kann dies dann überhaupt noch authentisch sein?
Mir gefiel Leo zunächst, seine Unentschlossenheit, sein innerer Druck werden sehr deutlich. Hin und her gerissen sucht er nach etwas, vielleicht einer Muse oder einfach einem Platz, der ihm das gibt, was ihm nun zu fehlen scheint. Der Umzug seines Ateliers hat zunächst geholfen und von anderen Problemen abgelenkt, die aber wieder aufgetaucht sind.
Rahel, seine Ehefrau, liebt die anderen Männer, die er ihr zugesteht, nicht mehr versteckt. Sie bringt sie offen mit in sein Haus, in seine Kunst. Ein Affront gegen jeden Mann und ganz bestimmt gegen Leo Becker. Sie will ihm weh tun, natürlich. Nach all den Jahren, in denen sie sich für ihn aufgeopfert und ihn berühmt gemacht hat, bedeutet sie ihm nichts mehr, er schert sich nur um sich selbst und seine Bilder.
Diese beiden Personen, die eigentlich nicht mehr zusammen gehören, sind aber in ehelicher Zweisamkeit und geschäftlicher Praxis aneinandergekettet. Ein durchaus interessanter Ausgangspunkt, den Frau Jacobs da gewählt hat, einfach ideal, um tief in die Abgründe einer, zwei oder x Seelen einzutauchen. Schade, dass sie das Ende vorwegnimmt, aber da ich das Buch nicht in Gänze kenne, weiß ich auch nicht, inwiefern das sinnvoll ist.
Ich werde sicher wieder einmal zu diesem Buch greifen und weiterlesen, aber im Moment stecke ich einfach fest, im ersten Drittel schon. Woran liegt das?
An den immens vielen (unwichtigen) Details, die den Inhalt aufschwemmen und die Koppelung eines stoischen Und-dann-Stils. Eines davon ist schlecht, beides vereint einfach tödlich für mich. Schon nach wenigen Zeilen verschleierte sich mein Blick und ich dachte mich davon, woandershin. An die Zeilen gefesselt war ich also bei weitem nicht, denn obwohl man als Leser mittendrin ist, lässt Frau Jacobs niemanden an sich und ihre Figuren heran, hatte ich das Gefühl. Wie eine unsichtbare Mauer steht da irgendetwas zwischen mir und dem Buch.
Es tut mir ehrlich leid, dass ich nicht mehr sagen kann, nach meinem ersten Abbruchbuch bei vorablesen. Aber jede Kunst ist auch und vor allem Geschmackssache.


Kommentare:

  1. Hallo Soleil,

    ich finde es immer wieder interessant, wie verschieden Geschmäcker sein können ;) Mir hat "Gesellschaftsspiele" nämlich richtig gut gefallen und ich habe es direkt an einem Stück (innerhalb einer Nacht) verschlungen, nur eine Rezi muss ich noch schreiben...allerdings fällt es mir irgendwie schwer, die "richtigen" Worte zu finden...

    Liebe Grüße,
    Katha

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  2. Hallo Katha!

    ja sieh mal an, das ist wirklich "verrückt". Aber auch gut so! Wäre ja langweilig, wenn wir alle gleich ticken würden ;)

    LG
    Soleil

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