Mittwoch, 11. Februar 2009

Schrei nach Stille - Anne Chaplet




Sophie Winter hat ein Buch geschrieben: "Summer of Love". Darin schildert sie einen Sommer '68 in dem drei junge Hippies in ein eher verschlafenes und in sich eingespieltes Dorf ziehen. Leider sind sie nicht willkommen, was man sie immer und immer wieder spüren lässt. Erst sind es nur eingeschlagene Fenster, schließlich, nachdem ein Mädchen aus dem Dorf hinzustößt, auch eine Prügelei. Die Polizei tut nichts. Und schließlich verschwindet eines der Hippiemädchen, die anderen beiden gehen weg und das große Verdrängen setzt ein. Wo ist sie? Was haben das Dorf und seine Bewohner damit zu tun?
Das Buch, vierzig Jahre später veröffentlicht, wird ziemlich erfolgreich und man plant ebenfalls eine Verfilmung. Zu dieser Zeit zieht die Autorin Sophie Winter in ein kleines, verschlafenes Dorf in Hessen. Was kaum einer so recht ahnt: Ihr Roman basiert auf echten Begebenheiten und sie ist nicht unabsichtlich in dieses Haus, das von den Dorfbewohnern gemieden wird, eingezogen. Schon bald scheinen sich die Vorkommnisse von damals zu wiederholen. Dies allerdings stört Sophie zunächst nicht weiter, im Gegenteil, es wird schnell klar, dass sie es genau darauf angelegt hat. Das Alter und sicherlich auch ihr jahrelanger Drogenkonsum in der Jugend haben ihr Gedächtnis nicht besser gemacht. Sie kämpft gegen eine doch recht starke Demenz, die in Alzheimer umzuschlagen droht. Sie will endlich klären, was damals wirklich geschah.
Eher unabsichtlich wird sie dabei von zwei Männern unterstützt, die aus unterschiedlichen Gründen ebenfalls herausfinden möchten, was passiert ist. Gleichzeitig ist im Dorf nämlich ein kleiner, blonder Junge verschwunden und belebt zusätzlich das, was von niemandem vergessen worden ist.


Anne Chaplet malt Bilder mit Worten und jedes einzelne ist ein Kunstwerk. Schon allein deswegen lohnt sich das Lesen des Buches unbedingt. Sie setzt die Hinweise sehr dezent und doch auch so, dass sie nicht überlesen werden können. Es gibt - Gott sei Dank - keine überflüssige Gewalt, keine Leichen, über die man ständig stolpert, kein Blut, wo es nicht hingehört. Sie setzt auf die Beziehung der Menschen zueinander und diese zeichnet sie lebensecht. Zum Fürchten teilweise!
Was mich ein wenig durcheinandergebracht hat, waren die beiden Männer Bremer und deLange. Irgendwie ist mir zuerst entgangen, dass das zwei verschiedene Leute sind und als ich es begriffen habe, war es schon fast zu spät. Wer hat wann Sophie kennengelernt, wer hat welchen Grund, ihr zu helfen bzw. den Fall neu aufzurollen? Ein bisschen sehr zufällig war es schon, als Charles, der Mann in der Hippiekommune, zufällig auftauchte bzw. deLange herausbekam wer er heute ist. Aber das verzeiht man gern.
Das Ende gefiel mir sehr, was selten ist; es bildet einen gekonnten Abschluß. Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.


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