Samstag, 3. Januar 2009

Sehnsucht nach Elena - Joel Haathela




Elena ist keine zentrale Figur des Buches. Sie spielt genau genommen nicht wirklich eine Rolle, man erfährt nichts über sie, keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur ein bisschen Jetzt. Das ist aber im Grunde alles auch nicht wichtig, denn eigentlich ist sie nur ein Symbol, eine Erinnerung eines alten Mannes, der von Sehnsucht und Trauer heimgesucht wird. Er begegnet der jungen Elena zu einem Zeitpunkt, an dem er an einem Scheideweg steht. Getrieben von Neugier folgt er ihr und stiehlt sich so ein Stück in ihr Leben, ohne von ihr bemerkt zu werden. Tag für Tag sitzt er in einem Park, der genau wie Stadt, Küste und Insel nicht namentlich benannt werden, da dies überall auf der Welt sein könnte, unbestimmt und fast zeitlos. Sie geht an ihm vorüber, sieht ihn nicht, er grüßt sie nicht, niemand lächelt. Durch ein von ihr liegengelassenes Buch kennt er ihren Namen. Im Sommer taucht sie plötzlich nicht mehr auf und er macht sich auf die Suche nach ihr und kann dadurch ein wenig von der (Schutz-)Mauer, die sein Herz umgibt, abbauen. Schließlich hat er sogar den Mut sie anzusprechen und dann erfährt auch der Leser, was diesen alten Mann dazu getrieben hat, einer jungen schönen Frau auf Schritt und Tritt zu folgen.

Ich stand schon der Leseprobe zwiespältig gegenüber und hatte das Buch eigentlich nicht haben wollen. Aber ich glaube, ich bereue nicht, es gelesen zu haben. Mittlerweile sind mir Autoren der skandinavischen Länder nicht mehr so fremd, wie noch vor einem halben Jahr und es scheint ihnen eigen zu sein (wo ich allerdings auch irren kann) nicht viele, aber dafür sehr ausdrucksstarke Worte zu machen.
Der Anfang des Romans zieht sich für meinen Geschmack entsetzlich in die Länge. Mir fehlt einfach das Motiv, keine klare Erinnerung wird genannt, kein Name wie am Ende, kein Duft. Nur die Kleidung wird genau inspiziert und Elena scheint der Frau von damals zumindest in dieser Sache zu gleichen. Würde man als Leser nicht wenigstens dies erahnen, dass nämlich der Mann eine andere Frau in ihr sieht, die er verloren hat, wäre alles einfach nur fad. Ich gestehe, dass ich es nicht ausgehalten hätte, wenn ich das Ende nicht schon mittig des Buches vorgezogen hätte und das mache ich aus Prinzip sonst eher nie.
Nach dem Besuch des Freundes verdichtet sich die Handlung, des Rätsels Lösung rückt näher. Mir gefiel, wie Haahtela sich der Problematik angenommen hat, sehr feinfühlig und doch auch sehr genau. Es steht nicht da "Er fühlte dies und jenes.", alles bleibt subtil, der Sinn ist zwischen den Zeilen zu finden. Erst im letzte Drittel ist mir klar geworden, dass wir es hier mit einem alten Mann zu tun haben und das nur, weil sein einundachtziger Geburtstag naht. Hätte das nicht auf dem Klappentext gestanden, mir wäre das völlig entgangen. Allerdings könnte ich jetzt nicht sagen, ob das Absicht des Autors war.
Was das Buch, das sich in einer Stunde locker runterlesen lässt, bei mir hinterließ war sehr viel Atmosphäre und Gefühl und davon war ich schon tief beeindruckt. Den Tränen nahe, fiel es mir schwer in den Schlaf zu finden. Ich könnte jetzt ewig so weitermachen, Punkt für Punkt abhaken, aber zu einem Ergebnis würde ich doch nie finden. Das Buch ist sehr gut gemacht, aber so recht konnte ich am Anfang nichts damit anfangen. Daher ist das mal wieder einer der Momente, wo ich nur sagen kann: Es muss jeder selbst entscheiden, ob er das mag oder nicht.


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