Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Frauen von Nell Gwynne's - Kage Baker


Titel: Die Frauen von Nell Gwynne's
Autorin: Kage Baker
Originaltitel: The Woman of Nell Gwynne's
Verlag: Feder u. Schwert
ISBN: 9783867620741
Euro: 9,95
Veröffentlichungsdatum: Mai 2010
Seiten: 160
Serie: Abseits des Hauptplots.
Come in: Tausch





Inhalt

Lady Beatrice lebt mit ihrem Vater in Indien, während die Mutter mit den jüngeren Schwestern nach England zurückgekehrt ist. Als die Revolution ausbricht, wird ihr Vater getötet und sie selbst verschleppt und misshandelt. Es gelingt ihr jedoch, sich 1844 nach England durchzuschlagen, wo sich ihre Familie von ihr lossagt. Ohne jedwede Unterstützung bleibt der jungen Frau nur eine Möglichkeit: sie schlägt sich als Hure durch.
Durch einen Freund ihres Vaters lernt sie Mrs. Corvey kennen, die ihre eigenen Geheimnisse hütet und Beatrice überredet, zu ihr ins Haus am Birdcage Walk in London zu ziehen. Nach außen ein anständiges Haus, wird dort ein Edelbordell betrieben. Doch außerdem gehören die meisten Huren einem Geheimbund an, der Schwesterorganisation zur Spekulativen Gesellschaft der Gentlemen. Ihr Zweck: Spionage und Schutz des Vaterlandes.
Zusammen mit den Schwestern Devere, Jane und Dora un Maude, machen sich Mrs. Corvey und Beatrice schon bald auf zu einem Einsatz. Im Hause eines genialen Wissenschaftlers wird nach den besten Huren verlangt, denn neben einer Auktion für eine gefährliche Maschinerie soll es auch Unterhaltung geben.

Cover/ Format

Leider keine näheren Informationen zum Cover auffindbar. Sehr ansprechend und dazu noch hervorragend zum Inhalt passend. Farblich etwas zu dunkel.
Von Umfang und Größe des Buches war ich überrascht, denn es ist wesentlich kleiner als vermutet. Die großen Buchstaben und die Handlung an sich lassen ein nur kurzes Lesevergnügen zu. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist allein in dieser Hinsicht grenzwertig.



Meinung



Bei den knapp 160 Seiten von "Die Frauen von Nell Gwynne's" handelt es sich um eine typische Novelle. Die wie eine Nacherzählung wirkende Kurzgeschichte bleibt leider oberflächlich und geht selten in die Tiefe. Dafür jedoch ist das Geschehen genau durchdacht und verdichtet sich an den entscheidenden Stellen.
Über Lady Beatrices Vergangenheit wird nur kurz erzählt, es muss gesagt, jedoch nicht überemotionalisiert werden. Gefühle und Gedanken bleiben dabei vollkommen auf der Strecke und viele Monate fliegen beinahe ereignislos vorbei, obwohl die junge Frau einiges durchzumachen hat.
Die Vorfälle zu intensivieren ist indes nicht nötig, sie stärken einfach durch ihre kurze Schilderung Beatrices Charakter. Es wird auch ohne intensive Emotionen deutlich, dass ihr Schlimmes widerfahren ist und sie sich trotzdem durchgekämpft hat. Leider begegnen solche Literaturgattungen dem Leser heutzutage aber so selten, dass es einige Gewöhnung braucht, um sich in den Roman einzufinden. Ich selbst ertappte mich dabei, mir hier und da zu wünschen, die Autorin hätte eine längere Erzählung mit diversen detaillierten Beschreibungen daraus gemacht.
Erst, als Beatrice von Mrs. Corvey angesprochen wird und so ihre Einsamkeit überwunden hat, geht die Erzählung in die Tiefe.
Obwohl es sich bei Beatrices neuem Domizil um ein Edelbordell handelt, gibt es keine erotische Grundhandlung, auch wenn unterschiedliche Vorlieben einiger Kunden genannt werden. Hier wird der Phantasie jedoch viel Raum gegeben.
Die gesamte Handlung besteht aus einem einzigen Strang, der sich allein um Beatrice dreht, auch wenn ein paar Charaktere ihre Vergangenheit kurz skizzieren dürfen. Unwichtigkeiten werden gestrafft, bedeutende Szenen bekommen wesentlich mehr Raum zugestanden und vermögen es durchaus, bildhafte Szenen entstehen zu lassen.
Das Ende findet einen würdigen und spannenden Abschluss, befriedigt leider aber nicht komplett.
Kage Bakers Werk ist dem Untergenre des Steampunk zugeordnet, die entsprechenden Elemente sind aber nur sehr vereinzelt, dafür umso deutlicher in die Handlung eingeflochten. Auch hier wird dem Leser viel Raum für Phantasie gelassen und ab und zu kann es vorkommen, dass eine Textstelle noch einmal gelesen werden will, damit alles verständlich ist. Die Ideen jedoch - nicht zuletzt Mrs. Corveys künstliche Maschinenaugen (siehe Cover) - sind phänomenal und trotz ihrer Abnormität absolut glaubwürdig.
Der Roman ist einem Hauptwerk, den Zeitstürme-Romanen, zuzuordnen. Abseits dieser Haupterzählung schuf die Autorin die Frauen am Birdcage Walk und es heißt, dass sie vor ihrem Tod noch an einer Fortsetzung gearbeitet hat, diese jedoch nie beenden konnte.
Eine tolle, wunderbar duchkonzeptionierte Erzählung, die aufgrund ihrer Länge oberflächlich bleibt, aber trotzdem zu unterhalten weiß.





http://www.kagebaker.com/
Kage Baker wurde 1952 in Los Angeles geboren. Sie arbeitete lange Jahre als Theater-Regisseurin und Englischlehrerin, bevor sie mit ihrer Zeitstürme-Serie einen Bestseller-Erfolg landete.
Die Autorin verstarb im Januar 2010.

Dienstag, 28. Juni 2011

Phantastische Geschichten schreiben & professionell veröffentlichen (Mainz)



Ab September 2011 bieten die beiden Autoren, Lektoren und Übersetzer Christian Humberg und Andrea Bottlinger in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Mainz einen Kurs im kreativen Schreiben phantastischer Erzählungen an.
Die Teilnehmer erhalten das Rüstzeug, um sich mit eigenen phantastischen Geschichten am Buchmarkt zu versuchen. Sie lernen wie "gute Schreibe" geht und was den aktuellen Markt für phantastische Inhalte bestimmt. Ein weiteres Ziel des Kurses ist die Produktion einer Anthologie mit Beiträgen der Kursteilnehmer, die im Anschluss professionell publiziert wird.

Mehr Informationen gibt es bei Andrea HIER

Montag, 27. Juni 2011

FANTASYDAYS® 2011 leider abgesagt

Seit dem Sommer 2007 treffen sich jedes Jahr gleichgesinnte Menschen in der Nähe von Düsseldorf aus den unterschiedlichsten Bereichen des Fantastischen, um ein Wochenende lang in eine andere Welt einzutauchen. Für alle Altersklassen ist auf jeden Fall etwas dabei. Man spricht über Harry Potter, kämpft wie Luke Skywalker, schminkt sich wie Sailer Moon oder feiert wie einst Jack Sparrow. Es könnte durchaus sein, dass Elphaba, die Hexe von Oz, auf Spiderman trifft, um gemeinsam mit den Gefährten aus "Der Herr der Ringe" auf Reise zu gehen, damit die Elfenwelt verteidigt wird.
Auch für 2011 war eine Veranstaltung geplant, doch nun erreichte mich diese traurige Nachricht:

"(...) nach umfangreichen und intensiven Arbeiten, die wir in die Vorbereitungen für die FANTASYDAYS® 2011 investiert haben, wenden wir uns heute mit einer Mitteilung an Sie.
Trotz unserer Bemühungen ist es uns in diesem Jahr nicht gelungen, alle organisatorischen Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen, die für ein Gelingen der FANTASYDAYS® nötig sind. Nach langen Überlegungen und dem Ausloten aller möglichen Alternativen, haben wir uns im Team daher schweren Herzens entschlossen, unsere Veranstaltung in diesem Jahr abzusagen.
Dieser Schritt fällt uns nicht leicht, da wir uns der vielen bereits begonnenen Planungen aller Beteiligten bewusst sind. Doch einen reibungslosen und für Besucher und Gäste positiven Ablauf der FANTASYDAYS® können wir nach jetzigem Stand der Dinge nicht gewährleisten und haben uns daher entschlossen, die Veranstaltung in den Sommer 2012 zu verschieben.

Wir würden uns sehr freuen, wenn trotz der größeren Zeitspanne bis zum nächsten Event alle Künstler, Gruppen und Freunde wieder dabei wären und wir uns im Sommer 2012 wiedersehen.
Bis dahin arbeiten wir weiter mit Hochdruck an der Lösung aller Schwierigkeiten und am weiteren Ausbau unseres Programms. Wir waren und sind stets bemüht, Verbesserungsvorschläge umzusetzen, nehmen jede konstruktive Kritik ernst und arbeiten beständig daran, unsere Veranstaltung noch weiter zu verbessern. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, haben die FANTASYDAYS® im letzten Jahr gezeigt. Die durchweg gute Resonanz hat uns bewogen, unseren Weg weiter zu gehen. Dabei ist uns sehr wichtig, diese gute Qualität unserer Arbeit auch weiterhin aufrecht zu erhalten oder noch zu steigern. Doch unter den derzeitigen Umständen ist uns das leider nicht möglich. Es ist uns überaus wichtig, das wiedergewonnene Vertrauen der Besucher und Gäste in uns nicht zu verlieren, nur weil wir aus organisatorischen Gründen große Abstriche machen müssen. Aus diesem Grund haben wir uns zu dem Schritt entschlossen, die FANTASYDAYS® zu verschieben. Wir sind sicher, dass wir alle Gäste im nächsten Jahr mit einem wieder qualitativ hochwertigen Programm entschädigen werden."



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http://www.youtube.com/FANTASYDAYS

Donnerstag, 23. Juni 2011

Das Schwert der Amazone - Marion Zimmer Bradley


Titel: Das Schwert der Amazone
Autorin: Marion Zimmer Bradley
Originaltitel: Warrior Woman
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404204255
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2001
Seiten: 253
Kein Serientitel
Come in: Tausch








Inhalt

Zadya, die Schreckliche wird man sie nennen, doch als sie an die Arena der Gladiatoren verkauft wird, weiß sie weder wie sie heißt, noch woher sie stammt. Ein blendendes weißes Licht, raue Männer, die über sie herfallen und eine entbehrungsreiche Reise durch die Wüste sind alle Erinnerungen, die sie besitzt.
Zusammen mit den anderen Frauen vom Sklavenmarkt soll sie den Gladiatoren als Hure dienen. Doch als einer sie erwählt, greift sie zum Schwert und tötet ihn. Der Meister der Arena erkennt ihr Talent und gibt ihr eine Gnadenfrist, in der sie beweisen kann, ob tatsächlich eine Kriegerin in ihr steckt.
Hassim wird ausgewählt, sie im Kampf der Arenen zu unterrichten und sie werden gute Freunde. Eines Tages kommt eine zweite weibliche Kämpferin, Beizun, in die Arena und die reiche Patrizierin Ifania fasst einen folgenschweren Plan. Sie will ein Tammarim aus vierzehn Gladiatoren zusammenstellen - alles Frauen.

Cover

Diejenigen, die das Titelbild gestaltet haben, sind leider nicht mehr aufzufinden. Das ist schade, denn es gefällt mir. Zum einen könnte es die Heldin wirklich darstellen, was Kleidung, Haare, Waffen und so weiter angeht. Zum anderen fängt es die Stimmung des Romans gut ein.



Meinung

Das Original "Warrior Woman" stammt von 1985 und im Grunde ist es auch ein für Marion Zimmer Bradley typisches Werk. Allerdings kommen einige Elemente zu kurz und andere wirken aufgesetzt. Das Ende kommt zu plötzlich und befriedigt wenig, zumal es verwirrend angelegt ist. Sprachlich und emotional allerdings ist es sehr überzeugend.
Es ist schwer geworden, in sich abgeschlossene Fantasyromane zu finden, die auch tatsächlich nur dieses eine Buch umfassen. "Das Schwert der Amazone" gehört jedoch dazu, auch wenn es gut in die Grundstruktur des "Darkover"-Zyklus' gepasst hätte, nur eben nicht auf Darkover selbst spielend. So wundert die Grundidee wenig, wenn sie am Ende - und ein bisschen im Prolog - aufgelöst wird, begeistert aber auch nach vielen Jahren noch.
Natürlich ist es ein Buch von Frauen für Frauen, weibliche Themen wie (fehlende) Gleichberechtigung, Ausbeutung von Frauen und (lesbische) Liebe stehen im Vordergrund. Was sonst ein Grund ist zum Buch zu greifen, wird hier von der Autorin leider etwas übertrieben und wirkt teilweise aufgesetzt.
Außer Hassim sind alle Männer schlecht, wollen Frauen mißhandeln und tun es auch. Nur jene, die aus Städten, in denen Frauen in Kampfschulen weibliche Schüler unterrichten, stammen, haben so etwas wie eine "gute Gesinnung". Das ist zwar nicht unwahrscheinlich, die Gegenüberstellung ist nur irgendwie zu krass geraten.
Handlung und Umfeld erinnern an das Römische Reich in seiner besten Zeit. Der Akharet und seine Gefährtin regieren und stellen das Volk mit Brot und Spielen ruhig. Zadya lebt unter Gladiatoren und später im Hause Ifanias. Die Lebensumstände sind hervorragend recherchiert und dreidimenional dargestellt.
Auch die Charaktere sind wohl überlegt, können manchmal jedoch nicht ganz nach eigenem Gutdünken handeln, wenn ihnen ein Handlungsgitter vors Haus gebaut wird, das sie nur mit dem passenden Losungswort überwinden können. Dieses eine und kein anderes.
Die (Liebes-)Beziehungen zwischen den Figuren sind vorhanden und ansprechend dargestellt. Aber sie werden nicht in den Vordergrund gestellt und explizite Szenen gibt es nicht. Sie sind wichtig und teilweise vielschichtig; auch verschieden fühlende und denkende Charaktere können im Grunde ihres Seins etwas gemeinsam haben und ausleben.
Das Ende ist leider wenig befriedigend und läuft zu schnell ab. Kaum plausibel erscheint es vor Zadyas wahrer Herkunft, warum sie dort gelernt hat mit einem Schwert zu kämpfen, obwohl die Auswahl an Waffen wesentlich größer gewesen sein dürfte. Auch ihr eigentlicher Name ergibt keinen Sinn. Dafür ist der Epilog sehr emotional geraten und die Autorin weiß ohnehin wo welches Wort hin muss und warum. Bei jedem anderen Autoren wäre das ein fader Roman, der allzuschnell vergessen wäre. Nicht hier. Unterhaltsam, lebensecht und einem Geheimnis auf der Spur verfolgt der Leser jeden Schritt Zadyas mit Interesse, mehr Mitgefühl und großer Spannung.
Kein Höhenflug, aber für zwischendurch genau das Richtige, gute Unterhaltung ist garantiert, viel Kampf und dazu die passende Portion Herz zwischen den Zeilen.





Marion Zimmer Bradley, geboren 1930 als 'Marion Eleanor Zimmer' in Albany/New York. Beginnt bereits als Elfjährige mit dem Schreiben historischer Romane. 1946-1948 Besuch eines Lehrerkollegs des New York State College. Abbruch des Studiums und Heirat mit dem dreißig Jahre älteren Eisenbahnangestellten Robert Bradley. Wegzug nach Texas, nach vielen Jahren Wiederaufnahme des Studiums. 1964 - inzwischen erneut verheiratet - Studienabschluss und weiteres Studium an der University of Berkeley. Erste Veröffentlichungen erscheinen 1953. Bekannt auch als Herausgeberin und Förderin fantastischer Literatur. Die Autorin verstarb 1999 an einem Herzanfall.
Pseudonyme: Marion Zimmer Bradley verfasste in den 1960er Jahren aus finanziellen Gründen auch Groschenhefte, Gruselromane und Softpornos unter diversen Pseudonymen wie Lee Chapman, John Dexter, Miriam Gardner, Valerie Graves, Morgan Ives und John J. Wells.

Dienstag, 21. Juni 2011

(Autorenplausch) Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit


Titel: Die Alchemie der Unsterblichkeit
Autor: Kerstin Pflieger
Originaltitel, 352 Seiten
ISBN: 3442474833
Euro: 12,00
http://www.kerstin-pflieger.net/joomla/
http://www.kerstin-pflieger.net/wordpress/











Aufnahmeprotokoll der Aussage gegen Kerstin Pflieger vom Zeugen Maleficium;
unbekanntes Datum; Karlsruhe



„Hey, hat jemand eine Nuss für mich oder eine Weintraube?
Nein? Was sind denn das für Sitten? Nur weil ich eine Ratte bin, werde ich nicht gebührend empfangen?“
„Ein Stück Salami? In Ordnung, das nehme ich. Wenn ich jetzt noch etwas Wasser bekommen könnte, bin ich bereit.
Danke.“ Man hört ein hohes, feines Räuspern. „Läuft das Aufnahmegerät?
Dann kann es ja losgehen. Mein Name ist Maleficium und ich bin eine stattliche Ratte von tadeloser Herkunft. Ich wurde gebeten, die Wahrheit über eine schreckliche Person zu bezeugen.“ Die Ratte senkt die Stimme zu einem Flüstern und hält einen Moment inne. „Kerstin Pflieger.“ Ein hohes Quieken erklingt. „Sie lebt ihre sadistische Ader unter dem Deckmantel einer Autorin aus und ist an so mancher Katastrophe in meinem Leben Schuld. Aber lassen Sie uns mit dem Anfang beginnen.
Mein Herr, ein junger Gelehrter namens Icherios Ceihn, und ich lebten glücklich und zufrieden in Karlsruhe. Nun gut, er war nicht ganz so glücklich, aber was müssen sich die Menschen auch mit so hochtrabenden Wünschen wie Studium, Ansehen und trockenen Wohnräumen belasten? Auch in Zeiten des Hungers findet sich immer ein Stückchen schimmeliges Brot oder ein Katzenkadaver. Dazu möchte ich anmerken, dass es eine wahre Freude ist, an diesen verschlagenen Biestern zu nagen. Kein Grund also über schlechte Lebensbedingungen zu klagen. Jedenfalls war ich glücklich und zufrieden, bis diese Kerstin Pflieger dafür sorgte, dass meinem Herrn ein Auftrag von so einem Geheimbund übertragen wurde, um eine Mordserie aufzuklären. Gut, das Futter wurde schlagartig besser, aber dafür musste ich Karlsruhe verlassen und über holprige Straßen in den Schwarzwald reisen. Meine scharfen Sinne verrieten mir natürlich sofort, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht, aber Icherios wollte es nicht glauben. Selbst als er die Geister, Vampire und Werwölfe mit eigenen Augen sah, zweifelte er noch an ihnen. Und, dumm wie Menschen sind, ergriff er natürlich nicht sofort die Flucht, sondern ließ sich in das Netz aus Lügen und Intrigen einspinnen, das diese geheimnisvolle Ortschaft und ihre Bewohner umgab. Das klingt schlimm? Warten Sie, bis Sie die ganze Geschichte kennen! Ungebetene nächtliche Besucher, unsägliche Monster, Todesdrohungen, Dämonen – dies alles und noch viel mehr musste ich erleiden. Zudem war meine empfindliche Nase gezwungen, den Gestank von unzähligen alchemistischen Experimenten zu ertragen! Und das Schreckliche ist: Sie hört gar nicht mehr auf damit! Kaum sind wir zurück aus dem Schwarzwald – und nicht unbeschadet, möchte ich anmerken! – müssen wir uns auf dem Weg nach Heidelberg machen – die schrecklichen Ereignisse dort werden ab Dezember im „Krähenturm“ nachzulesen sein und es ist noch kein Ende in Sicht. Ich spüre bereits, wie es dieser Person in den Fingern juckt, uns noch weitere, schauerliche Abenteuer durchleben zu lassen!“

 

Eine der Fragen, die ich momentan sehr häufig gestellt bekomme, ist, warum Icherios Ceihn so ähnlich klingt, wie Ichabod Crane (die Hauptfigur aus dem Tim Burton Film „Sleepy Hollow“, der wiederum auf einer Erzählung von Washington Irving basiert). Das liegt vor allem daran, dass mich genau dieser Film zu dem Roman „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ inspiriert hat. Seit der Film 1999 erschienen ist, bin ich ein großer Fan von ihm und die Geschichte und Atmosphäre spukte immer in meinem Kopf umher.
Irgendwann bemerkte dann auch ich, dass Vampire gerade „In“ sind, allerdings nur die Kuschelvampire, was ich schade fand, da diese Variante zwar sicherlich auch reizvoll sein kann, aber der Vampir als blutgierige Kreatur, wie Bram Stoker ihn erschuf, übt seit meiner Teenager-Zeit eine große Faszination auf mich aus. Irgendwann fügten sich diese beiden Themen dann zu einer Geschichte zusammen und „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ war geboren. Allerdings war meine Vorstellung von der Hauptfigur tatsächlich sehr von Johnny Depps Interpretation von Ichabod Crane geprägt, sodass ich nach vielen Stunden der Namenssuche nichts Passendes gefunden hatte. Erst als ich mich entschloss, einen ähnlich klingenden Namen zu wählen, erwachte die Figur zum Leben und konnte sich eigenständig weiterentwickeln. Ich habe es mir also nicht einfach gemacht, sondern der Charakter hat sich diesen Namen selbst ausgesucht – auch wenn es verrückt klingt (aber sind nicht alle Autoren etwas verrückt? ).
Natürlich beschäftigte mich die Frage nach dem Namen dann wieder, als ich nach einer Agentur suchte. Bis dahin war mir die Namensähnlichkeit gleichgültig gewesen – ich schrieb ja ohnehin nur für mich und erwartete nicht wirklich, veröffentlicht zu werden. Nach einiger Überlegung entschloss ich mich allerdings, den Namen nicht zu ändern. Zum einen waren Figur und Name für mich zu einer Einheit verschmolzen und zum anderen betrachte ich die „Alchemie der Unsterblichkeit“ als eine Hommage an „Sleepy Hollow“ und möchte die Quelle meiner Inspiration nicht verbergen; vor allem, da die Geschichte und die Charaktere vollkommen eigenständig sind.
Eine weitere Frage, die ich oft gestellt bekomme, ist, warum ich ausgerechnet das Jahr 1771 gewählt habe. Nun, ehrlich gesagt, war es mehr oder weniger Zufall. Ursprünglich war die Geschichte in einer rein fiktiven Welt angesiedelt (meine Schreibheimat liegt in der High-Fantasy). Nach etwa 100 Seiten stellte ich allerdings fest, dass es so nicht funktioniert, irgendetwas „klemmte“. Nach einigem Suchen stellte ich fest, dass meine fiktive Welt zu sehr der realen, historischen Welt entsprach und dadurch unglaubwürdig wurde. Es kostete mich einige Überwindung, aber schließlich entschloss ich mich, Icherios Abenteuer in die reale Vergangenheit zu verlegen. Dieser Schritt war sehr schwer für mich, da ich vor den historischen Aspekten gehörigen Respekt hatte und immer noch habe. Ich komme aus dem naturwissenschaftlichen Bereich und Jahreszahlen kann ich mir gar nicht merken – nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Roman vor historischem Hintergrund. Die Wahl der Zeit fiel mir dann wiederum sehr leicht. Ich wusste, dass Icherios einen übergroßen Zylinder, einen sogenannten Kastorhut tragen musste und dieser war nur in einer begrenzten Zeitspanne modern und die Zeit der Aufklärung bot auch alle anderen Dinge, wie Kutschen, Alchemie, Forschergeist ..., die ich in meiner Geschichte wünschte. Dann fand ich noch einen Hinweis auf eine Hungersnot, die um 1771 tobte und damit war das Jahr gefunden.
In den Schwarzwald verschlug es den jungen Gelehrten nachdem ich auf einer historischen Karte den Vermerkt fand, dass Teile des Gebiets kaum besiedelt oder Raubritterterritorien waren – was besseres kann man sich für ein Schauermärchen kaum wünschen, oder? Zudem liegt der Schwarzwald nicht weit von meinem Wohnort entfernt, sodass ich mehrfach zur Recherche hinfahren konnte.
Im zweiten Teil, dem „Krähenturm“ wird es Icherios dann nach Heidelberg verschlagen. In dieser Stadt habe ich studiert und ich fand die Idee faszinierend, sie von einer anderen, düsteren Seite zu präsentieren.

Montag, 20. Juni 2011

Covergleichheit: Kurzhaar-Schick in Nacht und All


Manchmal dauert es etwas, ehe ich darauf komme, wo ich ein bestimmtes Cover schon einmal gesehen habe. Diesmal jedoch nicht. Als ich auf "The Werewolf Whisperer (Vampire Love Story Book #2)" von H.T. Night und das Frauengesicht sah, wusste ich sofort bescheid. Sie erinnert mich nämlich an jemanden, den ich früher einmal kannte - und leider nie mochte.
Sie hat nun einen neuen Ehrenplatz auf Ann Aguirres "Dunkles Universum 1: Sonnenfeuer" bekommen, ein Cover, das ich nicht wirklich empfehlen kann. Und das nicht nur aus oben genannten Gründen.



The Werewolf Whisperer - the second installment in the Vampire Love Story series...
For Josiah Reign, life as he knows it has been forever changed. In two shorts months he went from unbeliever to the "The Chosen" - savior of the Mani people (a vampire race that has been living underground for 10,000 years). Now Josiah must learn to control his powerful new body, all while understanding his destiny...and falling deeper in love.
Soon Josiah realizes that to understand his calling, he must save a young werewolf...a werewolf with incredible powers of his own. Along the way, alliances are forged and old enemies rise again. And when tragedy strikes, Josiah must make the ultimate choice...and face an evil far greater than anything he'd ever imagined.




Sirantha Jax ist eine begnadete Navigatorin, die in der Lage ist, Raumschiffe durch den gefährlichen Grimspace zu steuern und dabei unvorstellbare Entfernungen zurückzulegen. Doch nun soll sie für eine Tat bestraft werden, an die sie sich nicht einmal erinnert. Plötzlich taucht der geheimnisvolle March in ihrer Zelle auf. Er will Jax zur Flucht verhelfen – wenn sie die Rebellen in ihrem Kampf gegen das Regierungssystem unterstützt. Doch March scheint auch noch ein anderes Motiv zu haben, der schönen Jax die Freiheit zu schenken ...







Edit:
Auch "Ascheträume" verwendet das kurzhaarige Frauengesicht.

















Edit am 25.04.2012

Sonntag, 19. Juni 2011

Geheimnisvolle Teaser-Website "Pottermore" zu Harry Potter


J.K. Rowlings "Harry Potter" steht filmisch gesehen vor dem Ende. Auch in Deutschland läuft in Kürze (14.07.2011) der letzte Teil um den Zauberlehrling an. Aber war das wirklich schon alles?
Nicht nur Fans sind durch eine Teaser-Website irritiert: http://www.pottermore.com/ . Was es damit auf sich hat, wollten weder die Autorin, noch andere beteiligte Personen bislang bekannt geben.
Vermutungen aber gibt es genug: Eine große Enzyklopädie sei zusammegestellt worden. Nein, es werde ein weiteres Buch oder eine Kurzgeschichte angekündigt oder gar virtuell zu lesen sein. Unveröffentlichte Szenen? Ein Prequel, sagen wir zu den Eltern Harrys und deren Freunden? Was?!
Der Stern schreibt, dass es in der Beschreibung der Marke heißt: "(...)"Pottermore" sei eine interaktive Seite mit Chaträumen, einem Forum und "Einrichtungen für Echtzeit-Interaktionen mit anderen Computernutzern."
Gibt es schon bald einen neuen Süchtigmacher:"World of Wizzard"?



Ein Klick auf eine der beiden Eulen führt zu einem Countdown. Etwas Geduld müssen Neugierige noch haben, dann klärt sich hoffentlich, was es mit der Website auf sich hat.

Freitag, 17. Juni 2011

Sündiges Geständnis - Bonnie Edwards


Titel: Sündiges Geständnis
Autor: Bonnie Edwards
Originaltitel: Midnight Confessions
Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783442373284
Euro: 7,95
Veröffentlichungsdatum: März 2010
Seiten: 320
Serie: #1
Come in: Tausch





Inhalt

Seit Faye Grantham vor drei Monaten das alte Haus ihrer Großtante geerbt hat, ist ihre Libido erwacht. Obwohl sie, wie sie glaubt, glücklich mit Colin verlobt ist, läuft es sexuell zwischen ihnen so schlecht, dass er sie zu einem Therapeuten schicken will.
In dieser Situation beschließt Faye, sich das Haus vor dem Verkauf noch einmal anzusehen und etwas Abstand zwischen sich und ihren Verlobten zu bringen. Um 1910 von Isabelle Grantham als Bordell erbaut, zeichnet es sich durch eine hervorragende Lage und weitläufige Ländereien aus. Was Faye nicht weiß: In dem Haus existieren die Geister von Belle und den vier Mädchen, mit denen sie das Haus einst begründet hat. In Fayes Träumen erzählen sie ihr, wie sie zum Gewerbe und ihrer jeweiligen persönlichen Freiheit gelangten - in einer Zeit, als Frauen nichts wert waren.
Faye spürt, dass auch in ihr etwas steckt, dass es zu ergründen lohnt und lässt sich auf einen One-Night-Stand mit dem attraktiven Mark ein, den sie im Flughafenmotel kennenlernt. Auch der gut bestückte Liam, der den Kauf arrangieren soll, weckt ihr Interesse.
Beide Männer lehren Faye, zu sich selbst und ihrer Sexualität zu finden - und somit ihr Leben zu überdenken.



Meinung


Bonnie Edwards hat einen jener erotischen Romane geschaffen, die nicht nur durch ihre verführerischen Szenen äußerst lesenswert sind. Sie hat zudem auch eine feminine, emotionale und vor allem glaubhafte Rahmenhandlung rundherum drappiert.
Faye ist eine sympathische junge Frau, die eine überzeugende Wandlung durchmacht. Zunächst noch etwas verschüchtert - obwohl es schon sehr viel Mut verlangt, einen Mann, den sie nicht kennt, in einer Bar abzuschleppen - und auch recht unerfahren, mausert sie sich zu einer taffen Person, die genau weiß, was sie will. Und nicht davor zurückschreckt, das auch genau zu benennen, um es zu bekommen.
Die "übersinnliche" Komponente des Romans ist sehr gering gehalten worden, so dass auch Leser, denen das eher weniger liegt zugreifen können. Beinahe hat es den Anschein, als würden die Geister der Frauen lebensecht bei Faye sein. Ihre jeweiligen Geschichten sind individuell und wirken zu keiner Zeit aufgesetzt. Obwohl sie einiges durchmachen mussten, was weder Faye noch dem Leser verschwiegen wird, sind es trotzdem Erzählungen, die Mut machen. Denn jede Frau hat ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Und obwohl es unglaubhaft klingt, so fanden sie doch gerade durch den Beitritt zu Belle und ihrem Bordell der freien Liebe - anders als es vielleicht in einem anderen Haus gleicher Zunft geschehen wäre - zu ihrer persönlichen Freiheit.
Es gibt sehr viele und sehr heiße Liebesszenen, die aber nicht sinnlos aneinander gereiht wurden. Sie sind alle in den jeweiligen Kontext eingebettet; durch die Erzählungen der Frauen, die unterschiedlichen sozialen Schichten angehörten, gibt es wechselnde Orte und Situationen. Die Sprache ist zwar genau und bildhaft, driftet aber nicht ins primitive ab. Nur eine Handlung wiederholt sich etliche Male, wird aber schnell durch weiteres, lüsternes und leidenschaftliches Repertoire ergänzt.
Die Männer in Fayes Leben sind charmant und begehrenswert geschildert. Vor allem Mark jedoch bekommt noch eine sehr menschliche und feinfühlige Seite mit auf den Weg. Mit Liam dagegen geht es in erster Linie ungehemmt und zügellos zu. Alles übrigens mit Verhüterli.
Die Autorin hat eine sehr bildhafte Art zu schreiben, so dass beispielsweise das Haus trotz weniger Worte klar vor Augen des Lesers erscheint. Das Ende kann als abgeschlossen betrachtet werden, es wurden aber nicht alle Handlungsfäden zu einem befriedigendem Ende gebracht. Diese werden hoffentlich im zweiten Teil "Komm, fass mich an!" aufgegriffen und fortgeführt.
"Sündiges Geständnis" ist für die angenehmeren Stunden, wenn alles zur Ruhe kommt und neben dem angenehmen Prickeln auf der Haut auch was fürs Herz dabei sein soll.





1. Sündiges Geständnis (Midnight Confessions)
2. Komm, fass mich an! (Midnight Confessions 2)





http://www.bonnieedwards.com/
Bonnie Edwards hat zahlreiche Jobs gehabt, aber die meisten fand sie sterbenslangweilig. Richtig Spaß hatte sie erst an ihrer Arbeit, als sie anfing, erotische Romane zu schreiben. Und das tut sie jetzt mit Hingabe auf einer Insel vor Vancouver, wo sie mit Ehemann, Pitbull und Katze lebt.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Riley-Das Mädchen im Licht - Alyson Noël (Hörbuch)


Titel: Riley - Das Mädchen im Licht
Autor: Alyson Noël
Sprecher: Dorothee Sturz
Originaltitel: Radiance
Verlag: Audible
Spieldauer: 04 Std. 03 Min. (ungekürzt)
Euro: 11,95
Serie: Riley 01
Come in: Vom Audioverlag




Inhalt

Die zwölfjährige Riley Bloom gerät mit ihren Eltern und der älteren Schwester in einen Autounfall und stirbt. Etwas zieht sie aus ihrem Körper und während die Eltern in eine Richtung davongehen, folgt Riley ihrer Schwester. Doch schließlich sieht sie ein, dass sie nicht länger auf der Erde bleiben kann und folgt doch den Erwachsenen über die Brücke.
Es ist nicht wirklich der Himmel, in den sie gelangt. Der Ort wird das Hier und Jetzt genannt und blöderweise muss Riley auch hier zur Schule. So eine aber hat sie noch nie gesehen und man sagt ihr dort, dass sie eine Art Führer bekommen wird. Das ist ausgerechnet der vierzehnjährige Bodhi, der sich wie ein Nerd kleidet und ein riesiges Brillengestell auf der Nase trägt. Nachdem Riley ihn einen Loser genannt hat, hat der Junge nicht mehr viel Lust, sie in gewisse Dinge einzuweihen. So sieht sich das Mädchen völlig unvorbereitet dem Rat gegenüber, der ihr Leben auf den Prüfstein legt. Dabei soll festgelegt werden, wohin Riley nun im Leben nach dem Tode gehen wird. Rileys Erdverbundenheit und die Sehnsucht nach der Schwester machen sie prädestiniert für die Arbeit als Seelenfängerin, jemanden, der die Seelen von Verstorbenen holen soll, die sich ebenfalls weigern über die Brücke zu gehen.
Aufgeregt macht Riley sich ans Werk. Doch leider ist die ihr gestellte Aufgabe nicht so einfach, wie sich das Mädchen dies gedacht hat - und mit Bodhi sowieso nicht.

Cover/Sprecherin

Da es sich bei diesem Roman um ein Kinderbuch handelt, ist das Cover nicht so ganz gelungen, da es nicht zu seiner Zielgruppe passt. Zwar ist anzunehmen, dass eher ältere Leser angelockt werden sollen - bedingt durch den Vorläufer mit Rileys großer Schwester - aber es könnte durch diesen Vermarktungsfehler so einige enttäuschte Leser geben. Dabei ist das Werk nicht schlecht.

Ein Interview mit der Autorin im LoveLetter hat mich neugierig gemacht, so dass ich mir die Hörprobe angehört habe. Die Sprecherin Dorothee Sturz war es, die mich verweilen ließ. Sprecher sind so unglaublich wichtig, denn sie sind es, die den Geschichten Leben einhauchen und das schaffen nur wenige.
Frau Sturz hat eine klassische Schauspielausbildung hinter sich, arbeitet für Theater, Fernsehen und im Audiobereich. Sie passt hervorragend zur zwölfjährigen Riley, da sie es ausgezeichnet versteht, sich dem Alter sowohl in Betonung, Lautstärke und Ausdruck komplett anzupassen. Das junge Mädchen kann sich nur schwer an das "Leben" in der Zwischenwelt gewöhnen, sie glaubt sich von den Erwachsenen gegängelt und verraten, sie bekommt nirgendwo Hilfe und ihr fehlt die Schwester. Ihr teilweise mauliger, egomanisch-pubertärer, aber auch schüchterner Ton, der sich in ihren Gedanken und Dialogen deutlich zeigt, wird mit gut akzentuierten Pausen, Lückenfüllern (Äh's, Mhm's etc.) und Atemtechniken sehr glaubhaft rübergebracht.
Leider hat diese Art zu sprechen, verbunden mit der wie-die-Faust-auf's-Auge passenden Stimme etwas arg nerviges, das es schwer macht, länger als eine Stunde am Stück zuzuhören.



Meinung

Die Geschichte um Riley beginnt in der Evermore-Reihe, deren Filmrechte kürzlich verkauft worden sind. Es ist allerdings nicht nötig, diese zuvor zu lesen oder anzuhören.
Die Geschichte ist eher für junge Hörer ab 11/12 Jahren geeignet und wird auch ebenso erzählt. Als Buch umfasst die Geschichte nicht mehr als knapp zweihundert Seiten und die Autorin hat das gesamte Geschehen auf den Punkt gebracht. Keine unnötigen Details oder Ausschweifungen lenken von Rileys Geschichte ab. Das junge Mädchen ist sympathisch, aber nicht fehlerfrei charakterisiert und besitzt so für Gleichaltrige einigen Wiedererkennungswert. Sich gegen Erwachsene wenden zu müssen und vor Probleme gestellt zu werden, denen man sich zunächst nicht gewachsen sieht - schon gar nicht ohne die Eltern - birgt viel Spannung in sich. Riley stellt sich den Herausforderungen mutig entgegen, oft mit ihrem großen Mundwerk. Wenig hilfreich ist es, dass man im Hier und Jetzt auch noch Gedanken lesen kann.
Bodhi ist ein vierzehnjähriger, eher stiller Junge, der durch seine Schweigsamkeit sehr anziehend wirkt. Seiner Weigerung der vorlauten kleinen Heldin beiseite zu stehen und wie er zusieht, wie dies sie in noch größere Schwierigkeiten bringt, rufen sowohl Achtung, als auch Ärgerlichkeit hervor. Wenn die Situation jedoch zu kippen droht, ist er zur Stelle.
Meistens liegen sich beide in den Haaren, verständigen sich aber auch darauf, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Und die haben es in sich.
Alyson Noël ist sehr behutsam mit dem eher sensiblen Thema "Tod" umgegangen. Schon der Ort, an den die Verstorbenen gehen, besänftigt, greift nur kleine Klischees auf und verängstigt Kinder nicht. Es ist ein Ort, an dem man sich gern wiederfindet und bei dem Riley auch kein schlechtes Gewissen haben muss, andere hinzubringen.
So wirklich große Herausforderungen sind es nicht, denen sich die Charaktere stellen müssen, handlungsarm geht es aber keinesfalls zu. Die Höhen und Tiefen sind eher hügelig, als bergig, aber sie sind da.
Da sich der Roman eher an junge Leser wendet, kann auch nicht erwartet werden, dass es besonders düster oder mysteriös zugeht. Hier finden sich eher eine pfiffige Heldin, ein eigenbrödlerischer Held und jede Menge Merkwürdigkeiten, ein bisschen verschroben, auf jeden Fall aber nicht alltäglich.
Parallelen zur Evermore-Reihe kann ich leider nicht abschätzen, da ich diese nicht kenne. "Riley - Das Mädchen im Licht" habe ich gern gehört, auch wenn es sicherlich Zeit braucht, sich auf die junge Heldin und Handlung einzulassen.





Riley-Serie:
1. Das Mädchen im Licht (Radiance)
2. Im Schein der Finsternis (Shimmer)





http://www.alysonnoel.com/
Eine US-amerikanische Autorin, die in Kalifornien lebt und arbeitet. Sie lebte in Mykonos, Griechenland nachdem sie die High School verlassen hat. Danach zog sie nach Manhattan wo sie als Stewardess für eine große Airline arbeitete. Sie wurde dazu inspiriert Autorin zu werden, nachdem sie "Are You There God? It's Me, Maragret" von Judy Blume in der sechsten Klasse gelesen hatte. Ihr erstes Werk war das Jugendbuch "Faking 19", das die Lebensstile heutiger Teenager näher untersucht.

Donnerstag, 9. Juni 2011

(Autorenplausch) Melanie Metzenthin: Die Sündenheilerin


Titel: Die Sündenheilerin
Autor: Melanie Metzenthin
Originaltitel, 400 Seiten
ISBN: 3492264549
Euro: 9,95
Ab sofort lieferbar.











Als erstes gab es die Idee zu einer mittelalterlichen Heilerin, die kein Kräuterweiblein ist, sondern die Fähigkeit hat, psychosomatische Leiden zu erkennen und zu lindern. Oftmals wird der Eindruck erweckt, dass psychische Erkrankungen erst im vorletzten Jahrhundert wahrgenommen wurden, aber natürlich gab es sie schon immer. Nur war der Umgang in früheren Zeiten, als die Menschen vieles noch als Gott gegeben annahmen, ein völlig anderer.
Meine Heldin Lena entstammt einem tief religiösen Milieu, aber sie ist von ihrem Vater zugleich sehr frei erzogen worden. Durch einen schweren Schicksalsschlag hat sie ihre eigene Fähigkeit, die seelischen Leiden der Menschen wahrzunehmen, entdeckt. Sie bekämpft ihren eigenen Verlust und Schmerz, indem sie anderen hilft.
So kommt sie auf Burg Birkenfeld, wo sie die kranke Gräfin Elise vorfindet, die ihr aber so gar nicht wie eine gewöhnliche Kranke entgegentritt. Im Gegenteil, zunächst vermittelt die Gräfin den Eindruck, sie wolle gar keine Hilfe annehmen, was Lena verunsichert und auch verärgert, obwohl sie sich für ihre Wut schämt. Man darf doch auf keine Kranke wütend sein ...
Tatsächlich ist es auch in der heutigen Zeit so, dass es Krankheitsbilder gibt, in denen die Menschen nicht in der Lage sind, Hilfe sofort anzunehmen. Erste Kontakte sind oft durch Misstrauen geprägt und so beschreitet Lena den gleichen Weg, den auch heutige Therapeuten gehen: Sie muss ihre eigenen Gefühle hintanstellen und langsam das Vertrauen der Gräfin gewinnen. Allein das ist schon eine schwierige Aufgabe, doch zusätzlich bekommt Lena Einblick in tiefe seelische Abgründe und gerät dadurch, ohne es zu ahnen, in Lebensgefahr. Der einzige, der ihr helfen kann, ist Philip Aegypticus, ein Reisender aus Ägypten, der zusammen mit seinem arabischen Freund Said, einem Muslim, zur gleichen Zeit auf Burg Birkenfeld zu Gast ist. Philip ist ein weltoffener, toleranter Mann und akzeptiert den Glauben seines Freundes ohne jedes wenn und aber. Lena ist auf der einen Seite fasziniert von Philip, der in den Augen der damaligen Kirche ein gefährlicher Freidenker ist, auf der anderen Seite misstraut sie ihm, denn es ist für sie allzu offen, dass auch
er ein Geheimnis mit sich herumträgt, das ihn schwer belastet.

Es machte mir besonderen Spaß, das Spannungsfeld der mittelalterlichen "Psychotherapie" mit dem der Religion zu vermischen, auch mit den
Konflikten, denen sich ein Muslim wie Said gegenübersieht, selbst wenn man ihm Gastfreundschaft gewährt. Und auch Philip, der Christ ist, aber aus einem muslimischen Land stammt, muss sich mit Vorurteilen und den anderen Lebensweisen auseinandersetzen, obwohl sein Vater ein deutscher Kreuzritter war und Philip immer glaubte, die Kultur seines Vaters vollständig verstanden zu haben. Die Geschichte von Philip und Said ist auch eine Geschichte von Freundschaft und Toleranz in schwierigem Umfeld.

Ach ja, eine Abenteuergeschichte gibt es auch - böse Intrigen, eine gefährliche Räuberbande, ein Ritterturnier und eine Burgbelagerung spielen eine wichtige Rolle - als äußere Konflikte, ohne die meine Helden nicht gezwungen wären, ihre inneren Konflikte zu lösen, um zu überleben ...

Mittwoch, 8. Juni 2011

Farlander - Der Pfad des Kriegers - Col Buchanan


Titel: Farlander - Der Pfad des Kriegers
Autor: Col Buchanan
Originaltitel: Farlander
Verlag: Heyne
ISBN: 3453527739
Euro: 15,00
Veröffentlichungsdatum: Januar 2011
Seiten: 703
Serie: #01
Come in: Geschenk




Inhalt

Der sechzehnjährige Nico Calvone ist von zuhause ausgerissen und in die große Stadt Bar-Khos gelaufen. Diese wird seit Jahren vom großen Imperium belagert, das sich bereits einen Großteil der Welt einverleibt und ihr die eigene Religion aufgezwungen hat. Die Zustände sind schlecht und Nico muss sich auf Diebstahl besinnen.
Als er eines Tages den alten Asch bestehlen will, wird er erwischt und ins Gefängnis gesteckt. Was Nico nicht weiß: Asch gehört zu dem alten Assassinenorden der Roshun. Diese verkaufen magische Amulette, die den Tod ihres Trägers und die Art wie es passiert ist, an den Orden übermitteln. Wurde der Träger ermordet, nehmen die Assassinen ihr Werk auf und rächen das Opfer.
Asch ist alt und leidet häufig unter Schmerzen; Nico hat ihn beeindruckt und so bietet er dem Jungen an, ihn aus dem Gefängnis zu holen und als Lehrling auszubilden.
Unterdessen machen sich Kirkus, der einzige Sohn der Matriarchin Sasheen des Imperiums und seine Großmutter Kira auf den Weg durch ihr großes Reich. Dabei tötet der junge Mann auf bestialische Weise jeden, der ihm beliebt. Eine junge Frau trägt dabei das Amulett der Roshun, doch Kirkus ignoriert es.
Während Nico beim Orden sein Handwerk erlernt, werden die Assassinen zu einer schier unmöglichen Vendetta gerufen. Sie müssen den nächsten Herrscher des Imperiums töten - auch wenn das ihr eigenes Ende bedeuten könnte.

Cover

Das Negative zuerst: Der alte Farlander heißt sowohl auf der deutschen Verlagsseite, als auch auf dem inneren Umschlag "Ash". Im Buch selbst jedoch schreibt man ihn "Asch". Für ein Buch mit diesem Preis finde ich das nicht akzeptabel.
Weiterhin sind die Buchstaben und der Zeilenabstand so groß, dass ich mich frage, ob es wirklich nötig war, das Geschehen auf über 700 Seiten auszudehnen. Es ist nicht nötig das Buch so teuer zu verkaufen, ohne dafür etwas zu bieten und sei es Fehlerfreiheit.
Das Cover ist ansonsten recht ansehnlich, passt zum Genre und zum Inhalt. Schade nur, dass der Mann zu keiner Figur im Buch recht passen will. Nico ist erst sechzehn Jahre alt und Asch weit über sechzig. Abgesehen davon ist er farbig.
Der Schriftzug ist 3D angelegt.
Das Bild selbst stammt von Volkan Baga. Im Jahr 1977 in Würzburg geboren, fertigt der Zeichner auch Werke für den Atlantis-Verlag ("Die Zombies von Oz") und einige Spielehersteller an.



Meinung

Col Buchanans Debütroman ist in einer sehr durchdachten Welt angelegt und betrachtet die Handlungsweisen von recht interessanten Charakteren, neigt aber leider auch zu ein wenig Oberflächlichkeit. Die jedoch ist nicht ausufernd und kann schnell überlesen werden.
Nico ist ein normaler Jugendlicher, der zunächst wenig an den Krieg und die Belagerung denkt, weil sein eigenes Leben kompliziert genug ist. Einiges an ihm und seiner Geschichte erinnert gerade am Beginn des Romans an so einige Klischees im Genre. Jedoch schafft es der Autor auch genug neue Elemente hineinzubringen und so zu erzählen, dass der Leser gern weiterliest.
Die Belagerung findet vor den Mauern statt, doch graben sich die Eindringlinge unten durch. Das macht es erforderlich, Männer auf der eigenen Seite ebenfalls in die so entstehenden Stollen zu entsenden und gegen den Feind vorgehen zu lassen. Nicos Vater ist daran gescheitert, sein Onkel auf dem besten Weg. Dies sind die Momente, die man so garantiert noch nicht gelesen hat. Eindringlich und realistisch malt Col Buchanan dieses Bild und kehrt hin und wieder zu ihm zurück.
Nico jedoch reist mit Asch zu der geheimen Heimat der Roshun, wo sie nicht nur den Nachwuchs ausbilden, sondern auch die Gegenstücke der Amulette verwahren. Der Orden ist aber in keinsterweise mit typischen Assassinen des Genres zu vergleichen. Wer so etwas sucht, sollte sich überlegen, ob er zum Roman greift.
Asch ist ein alter Mann geworden, der nun seinen ersten Nachfolger ausbildet. Seine Brüder und sein Führer blicken auf eine weitreichende Vergangenheit zurück, die den Orden geprägt hat und die hin und wieder in die Geschichte eingeflochten wird. Wie eine Geschichte hinter der Geschichte öffnet sich die Welt der Helden dem Blick des Lesers.
Doch laufen hier auch die ersten Stockungen zusammen. Zum einen werden immer mehr Figuren in die Handlung eingeführt, von denen zunächst kaum zu sagen ist, wer eine Rolle spielen wird und wenn ja, welche. Dann verliert der Autor sich ein wenig im Alltagsleben der Roshun und der anderen Personen, wie Kirkus. Es ist wenig später äußerst schwierig, diesen Personen zu folgen. Wer sich gerade wo aufhält und in welchem Verhältnis der Ort sich zum Imperium verhält (gehört er gar schon dazu?) gerät zum Ratespiel. Darum ist die Mitte des Romans leider etwas zäh, da einerseits die eigentliche Handlung nicht voran gebracht wird und andererseits zu viele Personen zu viele Dinge tun.
Das letzte Drittel jedoch entfaltet wieder eine riesige Welt mit vielen kleinen Details, an denen man einfach seine Freude hat. Allerdings sind die meisten Dinge eben einfach so, weder wird genau erklärt, wie die Amulette funktionieren, noch wie (ohne Magie) ein Geldstück, das man in einen kleinen Schlitz steckt, in der Unterkunft das Fenster öffnet. Das muss der Leser einfach so hinnehmen. Genau wie bekannte und unbekannte Elemente, wie die zwei Monde oder geheimnisvolle Reittiere namens Zel, die nicht näher beschrieben werden. Es finden sich ebenfalls einige Parallelen zu unserer Welt. In etwa gibt es in der Hauptstadt des Imperiums Trams (ja, genau Fortbewegungsmittel). Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wesentlich zu wissen, wie die Welt bis ins Kleinste funktioniert. Hauptsache ist, dass sie funktioniert. Ob und inwiefern diese Komponenten - die vorhandene rudimentäre Technik, die Luftschiffe usw. - an das Genre des Steampunks anlehnen, wage ich nicht einzuschätzen. Im Grunde spielen sie nämlich keine Rolle und tauchen erst sehr vereinzelt und kaum merklich im letzten Drittel des Romans auf.
Die Charaktere sind allesamt sehr individuell gestaltet worden. Hier und da wäre es wünschenswert gewesen, mehr in ihr Inneres hinsehen zu können, zu erfahren, was sie denken und fühlen. Das ist leider nicht immer klar. Darum ist es schwierig sich des Gefühls zu erwehren, dass sich ab und an große Klischees in die kleinen mischen.
Insgesamt jedoch hat Col Buchanan einen sehr lesenswerten Roman geschrieben, bei dem die meiste Zeit über Seite um Seite vorbeifliegt. Trotz kleinerer anfänglicher Probleme, die Welt und ihre Beziehungen zu durchschauen, dehnt sich diese durch viele durchdachte Details über jede Karte hinweg im Kopfkino aus.
Hier wird kein Rad neu erfunden, aber eine unterhaltsame Story erzählt, die unter Umständen aber vielleicht nicht jedermans Sache ist.



1. Der Pfad des Kriegers (Farlander)
2. Im Auftrag der Rache (Stands a Shadow) (März 2012)
3. noch unbekannt
(Soll als Trilogie angelegt sein.)





http://www.colbuchanan.com/
Col Buchanan, 1973 in Lisburn in Nordirland geboren, begann schon früh mit dem Schreiben phantastischer Geschichten. Er arbeitete als Werbetexter, zog sich zeitweise in ein Zen-Kloster zurück und studierte Kreatives Schreiben und Religionswissenschaften. Sein Debütroman »Farlander – Der Pfad des Kriegers« sorgte bei Lesern und Kritikern gleichermaßen für Aufsehen. Col Buchanan lebt in Lancaster, England.





Manchmal ist Rache einfach nicht genug
Zwischen dem Reich der Herzlande und dem Heiligen Imperium tobt ein schrecklicher Krieg. Ash, Kriegermönch und Assassine aus dem geheimnisvollen Orden der Roshun, ist fest entschlossen, die Matriarchin des Heiligen Imperiums für ihre Verbrechen zu bestrafen. Als die beiden Armeen schließlich in einer finalen Schlacht aufeinandertreffen, ist es nicht allein der Mut der Soldaten, der die Schlacht entscheiden wird, sondern die verzweifelte Entschlossenheit eines Mannes auf der Suche nach Vergeltung.
(März 2012)