Dienstag, 18. Juli 2017

Die Begabte - Trudi Canavan

Titel: Die Begabte
Autorin: Trudi Canavan
Originaltitel: Millenium's Rule 01: Thief's Magic
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531058
Euro: 19,99
Veröffentlichungsdatum: November 2014
Seiten: 672
Serie: Die Magie der tausend Welten 01
Come in: Vom Verlag










Inhalt

Tyen ist Student der Archäologie und entdeckt bei einer Ausgrabung ein geheimnisvolles Buch. Er versteckt es vor allen anderen, da er es erst noch erkunden möchte. Auf den Seiten erscheinen Buchstaben und es stellt sich heraus, dass das Buch einst eine lebende, atmende Frau namens Pergama gewesen ist. Sie beherbergt Wissen von tausenden Jahren in sich und macht ihn darauf aufmerksam, dass die Magie, die frei in der Luft zum Nutzen aller schwebt, in Tyens Welt zur Neige geht. Als man das Buch bei Tyen entdeckt, schließt man es in der Universität weg - wo es entwendet wird. Der junge Mann macht sich auf die Suche und findet sich inmitten einer Verschwörung wieder, die ihn alles kosten könnte, was er bisher erreicht hat. Er flieht mit Pergama.
Rielle lebt in einer Welt, in der Magie überall ist, aber nur von wenigen auserwählten Priestern genutzt werden darf, und dazu gehört keine Frau. Sie hält ihre Fähigkeit, die Hinterlassenschaft benutzter Magie, den Ruß, zu sehen, geheim. Eines Tages lernt sie den Maler Izare kennen und lieben. Ihre recht begüterte Familie möchte sie jedoch in eine einflussreichen Familie verheiraten und verbietet ihr den Umgang mit ihm. Doch Rielle wählt die Liebe, auch wenn alle andere gegen sie sind. Doch dann scheinen die Priester der Engel ihr und ihren verbotenen Fähigkeiten auf die Spur zu kommen.



Meinung

Trudi Canavan unterteilt den ersten Band der "Die Magie der tausend Welten"-Trilogie in elf Abschnitte mit mehreren Unterkapiteln. Dabei wechselt sie zwischen Tyen und Rielle ab, bis im elften Teil dann beide je ein Kapitel, quasi als Abschluss, erhalten. Beide Charaktere werden nicht aufeinander treffen und die Autorin lässt auch leider nicht erkennen, worauf die Erzählungen rund um die Protagonisten hinauslaufen sollen. Wer darüber hinwegsehen und sich schlicht auf die Figuren konzentrieren kann, bekommt eine lebendige, abwechslungsreiche Erzählung geboten.
Tyens Welt erinnert an die Anfänge der Industrialisierung, nur dass hier alle Maschinen mit Magie betrieben werden und so Unmengen davon verbrauchen. Darum gibt es vermutlich auch die Anweisung, sie nur auf Universitätsgelände anzuwenden und selbst dort nie zu etwas Profanem. Luftschiffe in etwa sind es nicht und neben seinem Professor, Hofkratzner, ist nur Tyen in der Lage, eines fliegen zu lassen, was ihm den Platz bei der Ausgrabung gesichert hat. Er ist ein normaler junger Mann, der anfangs aber noch etwas steif wirkt, ein bisschen nerdig eben, was ihm aber gut steht. Er unterhält sich viel mit Pergama, zu der er schnell eine persönliche Beziehung aufbaut, die in meinen Augen ein klein wenig zu rasch abläuft. Es wird mehr Zeit dafür vorgegaukelt, als letztendlich vergangen ist. Da jedoch erst seit sehr kurzer Zeit auch Frauen studieren dürfen, aber von strengen Matronen bewacht werden und Tyen sonst nur die käuflichen Damen der Wirtsstuben kennt, ist er vermutlich von Pergama fasziniert, da sie eine intelligente Frau ist, die zudem ein wenig über ihre eigene Zeit preisgibt, in der sie einen anerkannten Beruf mit eigenem Verdienst besaß, ebenso selbstverständlich wie auch einen Liebhaber. Als Tyen fliehen muss wird klar, dass er der Sache nur leidlich gewachsen ist, da er bisher ein zu normales Leben geführt hat. Canavan stellt ihm zwei weitere starke weibliche Charaktere zur Seite, die zudem noch ein wenig mehr von seiner Welt zeigen, wo längst nicht alle Länder so fortschrittlich sind, wie jenes von Tyens Geburt. Die Flucht an sich scheint ein bisschen arg geradlinig vonstatten zu gehen, die Feinde immer dicht auf seinen Fersen, Tyen jedoch gelingt stets genau im letzten Moment die Flucht. Daran wird sich im Übrigen bis zuletzt nichts ändern.
Die Abwechslung, die Rielle, die Tochter einer Färberfamilie in einer Wüstenwelt, bietet, kommt da oft wie gerufen, um das Geschehen aufzulockern. Sehr positiv anzumerken ist hier vor allem die sehr gelungene Recherchearbeit der Autorin, denn sie kennt die Welt(en) bis ins kleinste Detail, ebenfalls diverse Berufe (in historischem Gewand). Damit gelingt es ihr natürlich auch, die Figur(en) sehr lebensecht darzustellen. Was zunächst nach einer unspektakulären Liebesgeschichte klingt, ist emotional spannend bis zuletzt und gemessen an der Welt und den Umständen sehr realitätsnah. Beinahe dreidimensional wandert Rielle durch die Straßen der Stadt, lässt sich diverse Gemeinheiten anderer Mädchen gefallen und gibt sich ihren Zweifeln hin. Sie selbst beherrscht das Malen genauso gut wie Izare, der sie darin bestärkt, ihre Fähigkeiten auszubauen, auch wenn Frauen das üblicherweise nicht tun, um ihren Ruf nicht zu gefährden. Rielle stellen sich verschiedene Schwierigkeiten in den Weg, sei es ihre Familie mit ihren hohen Erwartungen, die ungeliebten Mitschülerinnen, die die Fäbertochter nicht als gleichgestellt wahrnehmen oder schlimmer, die Priester. Einer ganz besonders, der nicht nur Rielle nachstellt, ihr jedoch besonders hartnäckig. Als die junge Frau, die aufgrund ihres bisherigen behüteten Lebens noch eher unbedarft, aber nicht naiv ist, einer falschen Person vertraut, wirkt sich das schließlich auf ihr weiteres zukünftiges Leben aus. Dabei wird es kurz vor Ende dann in Rielles Strang etwas abstrus, was vermutlich auch Canavan selbst aufgefallen ist, denn es wechselt schnell wieder ins Gegenteil und alles ist wieder offen. Leider ist dieses Ende dadurch auch eher durchwachsen ausgefallen. Hinzu kommt eben, wie bereits angedeutet, dass in beiden Erzählsträngen nicht klar wird, worauf alles hinauslaufen soll, welcher rote Faden wird bedient, welche Geschichte wird eigentlich erzählt - und warum?
Für jüngere Leser im Teenageralter ist "Die Begabte" vermutlich eher weniger geeignet, dazu geschieht vordergründig zu wenig, konzentriert sich Trudi Canavan zu sehr auf die Figuren und weniger auf die Handlung. Insgesamt legt sie jedoch einen abwechslungsreichen, unterhaltsamen Roman vor, der geschliffen und hervorragend recherchiert erzählt und zudem sehr gut konzipiert wurde. Hätte die Autorin etwas mehr von ihren Absichten mit der Geschichte preisgegeben, es wäre ein echter Page Turner geworden.


Die Magie der tausend Welten
1. Thief’s Magic (Die Begabte)
2. Angel of Storms (Der Wanderer)
3. Successor's Promise (Die Mächtige)


Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenbei zu schreiben. 1999 gewann sie den Aurealis Award für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Erstlingswerk, der Auftakt zur Trilogie Die Gilde der Schwarzen Magier, erschien 2001 in Australien und wurde weltweit ein riesiger Erfolg. Seither stürmt sie mit jedem neuen Roman die internationalen Bestsellerlisten. Allein in Deutschland wurden bislang über 2,5 Millionen Bücher von Trudi Canavan verkauft.

Kommentare:

  1. Anonym19.7.17

    Das erste Buch der Trilogie war noch ganz gut lesbar, wenn es auch im Vergleich zu Canavans anderen Werken stark abfällt. Der 2. Band ist wesentlich langatmiger, der 3. unlesbar und sterbenslangweilig. Ich habe das Buch nach 50 Seiten aus der Hand gelegt, da mich die seitenlangen Beschreibungen zu Tyens Sprüngen zwischen den Welten (Hop1, Hop2,... dazwischen wird mal Luft geholt... Hop...) einfach nur angeödet haben.

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    1. Hallo und willkommen im Blog! Ich habe Band 2 gestern abend beendet und es stimmt, er fällt gegenüber seines Vorgängers etwas ab und es zieht sich streckenweise ziemlich. Ich mochte ihn allerdings trotzdem. So wirklich herausgefunden, worum es genau geht, habe ich aber immer noch nicht. Zumal mir Band 2 wie das Ende vorkommt. Band 3 liegt aber schon bereit :)

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  2. Die Ausgangssituation klingt eigentlich sehr interessant (ich lese Archäologie und schon hat man micht fast an der Angel), aber die Umsetzung klingt nicht ganz so verlockend - zumal ich auch sonst nicht so viel gutes über die früheren Romane der Autorin gehört habe.
    Hm. Vielleicht les ich mal rein, wenn ich ihn in der Bücherei erspähe.

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    1. Archäologie spielt leider keine Rolle, nur dass er am Anfang eben das Buch findet. Nur deswegen zuzugreifen, würde ich nicht empfehlen. Viele Fans meinen, dass diese Bücher hier nicht so gut seien, wie frühere. Es gibt schon recht langatmige Szenen dabei, das stimmt. Insgesamt gefiel es mir aber gut. Leider ist es in Band 2 noch etwas langatmiger und so recht erkenne ich nicht, was genau erzählt wird. Wer sich damit abfinden kann, einfach nur über "Leute" zu lesen, sollte mal reinschauen. Alle, die Action brauchen sind dagegen falsch.

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    2. Hatte es aufgrund der weiteren Beschreibung schon befürchtet, dass das keine große Rolle mehr spielt. Schade.

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