Donnerstag, 16. Juli 2015

Die Wissende - Christopher Nutall

Titel: Die Wissende
Autor: Christopher Nutall
Originaltitel: Bookworm
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442264056
Euro: 9,99
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2014
Seiten: 480
Serie: Die Bibliothek der Schwarzen Magie 01
Come in: Kauf









Inhalt

Die junge Waise Elaine arbeitet in der großen Bibliothek der Goldenen Stadt. Sie besitzt zwar magische Fähigkeiten, doch sind diese nur äußerst schwach in ihr ausgeprägt.
Eines Tages will sie eine Bücherspende durchsehen, da geschieht das Unglück: Durch ein verseuchtes Buch sammelt sich das gesamte Wissen der riesigen Bibliothek in ihrem Kopf. Sie verheimlicht dies zunächst, bis die Inquestoren auf sie aufmerksam werden. Dann stirbt der alte Erzhexer und sein Platz muss neu besetzt werden. Elaine findet sich plötzlich mitten in einem intriganten Machtkampf wieder, dem sie nicht gewachsen ist.


Meinung

Es klingt schlimmer als es letztendlich ist. Nutall hat eine geradlinige Story komponiert, die sich zackig wegliest, aber am Ende zwiespältig zurücklässt; Potential ist da, an der Umsetzung darf gearbeitet werden.
Elaine ist Waise und das, was man als "graue Maus" bezeichnen würde. Leider wird sie nicht müde, das immer und immer wieder während des gesamten Romans hervorzukramen und dem Leser an den Kopf zu knallen. Irgendwann war es einfach zu viel. Sie ist dreiundzwanzig Jahre alt und obwohl sie im Waisenhaus aufwuchs, konnte sie die Akademie besuchen, da sie latente magische Kräfte besitzt. Dort wurde sie immer von der reichen, blonden Millicent gehänselt - ein Umstand, der auch fortwährend Einzug in die Handlung nimmt. Sie wohnt in einem schäbigen Appartment und teilt sich dieses mit ihrer Mitbewohnerin Daria, die sich später als mythologisches Wesen herausstellt. Daria feiert gern Partys und hat einen Liebhaber nach dem nächsten. Nachdem das Unglück passiert ist, möchte Elaine ihr Leben ändern, dies allerdings nicht in den wesentlichen Dingen, sondern sie lässt sich überreden, auf eine der Partys mitzugehen. Dort lernt sie Biene kennen, der zur Handlung nichts beiträgt und mit dem es am Ende auch kein Happy End gibt.
Die Welt ähnelt dem neunzehnten Jahrhundert, Elaine fährt später mit einem Zug (der anders genannt wird), es gibt Wissenschaft und auch ein wenig Harry-Potter-Flair.
Die junge Frau muss nun aufklären, woher dieses Buch stammte und auch, wer ihre Eltern gewesen sein könnten, denn es scheint, als habe beides miteinander zu tun. Dabei wird sie dann auch mal von der Gegenseite entführt und (sexuell) gefoltert. Das erste, was ihr aber unmittelbar danach einfällt ist, dass sie schnell nach Hause muss, weil sie ein Date mit Biene hat. Dort erlebt sie dann auch ihr erstes Mal. Die Folterei hinterlässt keine Spuren, keine Reaktion ihrerseits. Auch anderen Figuren, denen Schlimmes widerfährt, scheint dies absolut nichts auzumachen. Das ist ein Punkt, der mich wirklich geärgert hat. Denn es ist nicht so, als könne man das Werk als Jugendbuch bezeichnen (obwohl es sich stellenweise so liest), es geht teilweise recht blutig und ziemlich brutal zu. Aber die Art, wie die zumeist weiblichen Figuren in ihrem Denken und Handeln dargestellt werden, ist mitunter kaum auszuhalten. Am Ende musste ich mich zwingen, den Roman auszulesen. Und das obwohl vordergründig versucht wurde vorzugaukeln, es gehe um starke Frauen, was gleich noch viel ärgerlicher war, weil es so dermaßen aufgesetzt wirkte.
Das Ende und die Auflösung sind dann aber bestenfalls als übertrieben zu bezeichnen. Es gibt einen großen Showdown und es wird auch nicht jede Figur in ein Happy End gepresst, wenn auch anständig abgehandelt. Auch hier aber immer eine Spur zu viel. Nutall hat eine lesenswerte und gut ausgearbeitete Grundstory geschaffen, die mit einigen frischen Elementen angereichert wurde. An der Umsetzung muss aber defintiv gearbeitet werden. Zwischendurch rasch weggelesen, man verpasst allerdings nichts, wenn man "Die Wissende" auslässt. Ich bereue den Kauf.

Bookworm:

1. Bookworm (Die Wissende)

2. The Very Ugly Duckling
3. The Best Laid Plans

http://www.chrishanger.net/
Christopher Nuttall wuchs in Edinburgh auf, wo er auch Geschichte studierte. Bereits während er noch an der Universität war, verdiente er sein Geld mit Schreiben. Chris lebt derzeit in Borneo mit seiner Frau, Muse und Kritikerin Aisha.

Kommentare:

  1. Ich mag das überhaupt nicht, wenn solche Themen wie Folter eingebracht werden, diese aber die Hauptfigur gar nicht verändern. Wenn man solche Szenen schreibt, dann sollte man als Autor auch die Konsequenzen tragen und sich damit auseinandersetzen, was das für die Figur bedeutet und wie sie das verändert. Zuletzt habe ich mich darüber nicht in einem Buch, sondern in einer Serie geärgert und zwar bei "Doctor Who", wo Amy allerlei traumatisierende Erfahrungen macht und stets dieselbe frech-selbstbewusste Person bleibt.
    Das ist etwas, das Suzanne Collins meiner Meinung nach in "Mockingjay" sehr gut umgesetzt hat. Aber dass Katniss darin so traumatisiert und gebrochen war, ist von den Lesern wiederum sehr durchwachsen aufgenommen worden. Offensichtlich haben es auch viele Leser lieber ohne Konsequenzen ...

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    1. Ich will jetzt nicht spoilern, weil ich nicht weiß, wie weit du Doctor Who schon gesehen hast aber das Am sich nicht verändert, kann man wirklich nicht sagen.

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    2. Ich kann nicht mehr gespoilert werden, ich kenne alle Folgen. ;-)
      Also dafür, was Amy erlebt hat, sind mir die Änderungen zwischen "davor" und "danach" definitiv zu wenig (schon in der Folge direkt nach Demons Run verhält Amy sich wie auch sonst immer). Ich finde, dass sie einfach eine Entwicklung durchmacht wie jeder Mensch im Laufe von ein paar Jahren, aber mehr nicht.

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    3. Mich hat es hier besonders geärgert, weil es wirklich nur Minuten nach der Befreiung war. Gut, man kann vielleicht sagen, sie hat noch unter Schock gestanden, aber auch später ändert sich nichts.
      Ich habe eine Staffel Doc Who gesehen, aber bei all dem Angebot diesbezüglich könnte ich nicht sagen welche. Sie liegt noch hier herum. Mich verwirrt auch diese extreme Faszination diesbezüglich, aber vielleicht habe ich dazu einfach zu wenig gesehen bisher?
      Es müssen auch nicht immer extreme Dinge sein, die eine Person verändern, alles hat Einfluss auf uns und unser Leben. Aber in der Geschwindigkeit, in der Storys heutzutage produziert werden, wundert es mich wenig, dass sich für die Essenz derseleben keine Zeit mehr genommen wird. Zeit ist schließlich Geld und das wächst nicht auf Bäumen.

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