Dienstag, 5. Februar 2013

(Autorenplausch) Susanne Gerdom: Das Haus am Abgrund


Titel: Das Haus am Abgrund
Autor: Susanne Gerdom
Originaltitel, 400 Seiten
ISBN: 3760786669
Euro: 14,99











Das Haus am Abgrund – eine Geistergeschichte.

Mit diesem Buch beginnen für mich als nicht mehr ganz so taufrische Autorin ein paar ganz neue Abschnitte.
Formal: „mein“ Verlag arsEdition hat ein neues Imprint aufgelegt, nachdem Bloomsbury und arsEdition verschmolzen wurden. Das neue Programm mit HausautorInnen und neuen Titeln, einem neuen Profil und neuem Erscheinungsbild zu erschaffen, war ein Riesenstück Arbeit, von dem ich in gewisser Weise gestreift worden bin – mit diesem Jahr ist Frances G. Hill, meine Identität für die phantastischen Jugendbücher beim arsVerlag, in Rente geschickt worden. Ab jetzt schreibe ich nur noch unter meinem eigenen Namen und das fühlt sich hervorragend an.
Der zweite Abschnitt betrifft den Inhalt. High Fantasy war es bisher, Elfen und Drachen, Magier und eine irgendwie mittelalterlich anmutende Welt. Ab jetzt darf ich auch modern. Das hätte mich vor ein paar Jahren vielleicht noch in Angst und Schrecken versetzt, aber mittlerweile giere ich danach. Nicht nur bei LeserInnen setzen kleine Ermüdungserscheinungen ein, das die immer gleichen Schauplätze der klassischen Fantasy betrifft ...
„Schreib uns eine Geistergeschichte“, hatte meine Lektorin auf der Messe gesagt. „Schön spooky. Hier und heute.“
Ich bin ein bisschen zusammengezuckt, aber dann haben wir angefangen, uns über Filme zu unterhalten (immer ein hervorragender Start, wenn es darum geht, eine Geschichte zu umreißen, ihre Farben, Gerüche und ihren Geschmack zu fassen zu bekommen, die Temperatur, die Stimmung.)
„The Others“. Toller Film. Düster, schaurig, mit einem Wahnsinns-Twist. Den Film kannten wir beide, den fanden wir beide toll. So was. Nur eben für Jugendliche.

Damit bin ich dann nach Hause und brüten gegangen.
Relativ schnell war klar: Ein Haus muss eine bedeutende Rolle spielen. Eine Geistergeschichte ohne Spukhaus wäre wie eine Buchmesse ohne Bücher. Ort und Zeit: heute. Jetztzeit. Computer und Handys, nicht Schwerter und Kutschen. Ort? Spukhäuser? England! Genauer: Cornwall.
Hier überkamen mich leichte Skrupel, denn ich war noch nie in Cornwall. Nicht, dass ich da nicht längst mal hingewollt hätte. Tintagel! Muss man doch besucht haben!
Aber das Netz hilft ja immer weiter und über Google Earth kann man sich auch alles im Detail ansehen. Also – Cornwall.

Das waren die schwierigen Entscheidungen, jetzt musste ich nur noch schreiben.

Das nächste Experiment: Der Protagonist. Ein Junge. Sechzehn oder so. (Ich darf kurz daran erinnern: Ich bin weiblich und deutlich älter.) Geht das, kriege ich die Sprache so hin, dass man mir – bzw. ihm – das abkauft? Nicht gewollt jugendlich, kein Slang, den ich nicht beherrschen kann und mit dem ich mich nur lächerlich mache, aber doch deutlich jemand, der jung ist und ... naja, eben männlich.
Das nächste Experiment: Adrian – das ist er – ist todkrank. Darüber habe ich lange nachgedacht, auch mit dem Verlag zusammen. Darf das? Darf ich eine Geschichte schreiben, in der ein junger Mensch kurz vor seinem Tod steht? Nicht als Dokudrama, sondern als Unterhaltung, als Fantasy-Geschichte?
Wir haben es gewagt.

Und dann hat sich natürlich die Frage gestellt: Wie tragisch soll und darf das Ganze enden?

Dazu sag ich jetzt nichts, ich will ja nicht spoilern.

Das Buch wird morgen ausgeliefert. Ich zittere und bange. Normalerweise bin ich immer sehr entspannt, wenn eins meiner Bücher endlich in die Buchhandlungen kommt. Es ist fertig, so gut wie ich konnte, ich bin mehr oder weniger zufrieden, mehr oder weniger glücklich mit dem Ergebnis, jetzt liegt es nicht mehr in meiner Hand. Außerdem schreibe ich längst, längst am nächsten oder übernächsten Projekt, das hier ist schon ein gutes Stück weit weg von mir, aus meinem Herzen ... oder sagen wir mal, aus dem Logenplatz in meinem Herzen auf eine Bank weiter hinten gerutscht.

Bei diesem Buch ist alles anders. Ich bin so nervös und aufgeregt wie beim ersten Mal. Ich hänge an diesem Buch. Ich liebe es. Und damit bin ich verwundbarer als sonst. Normalerweise stecke ich Kritiken ganz gut weg ... aber dieses Mal werde ich weinen, wenn jemand meckert. Ehrlich!

Also. Seid lieb zu diesem Buch. Die Mama dankt.

Kommentare:

  1. Lieben Dank für diesen tollen Autorenplausch! :) Ich weiß gar nicht, wie lange ich mich schon auf dieses Buch vorfreue - das hat schon mit den Stichwörtern "Geister" und "Cornwall" angefangen. Und es wird immer schlimmer, zuletzt war da der tolle Auszug aus dem Buch. Der hat bei mir ganz viele Eindrücke hinterlassen, auch den, dass das eine besondere Geschichte ist. Und eine, die ich bereits jetzt liebe. Allerdings lege ich mir aufgrund der tragischen Andeutungen hier wohl besser schon eine Packung Taschentücher bereit, ich weine ja recht schnell, wenn mich Figuren erwischen und denen tragische Dinge passieren. *rotwerd* Und ich hibbel jetzt mal weiter, lange kann es ja nicht mehr dauern. ;)

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    1. Ich bin sehr gespannt wie Dir das Buch gefallen wird - und wie viele Taschentücher drauf gehen!! ;-)

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