Donnerstag, 22. September 2011

Hör mir bloß auf mit dem Kitsch! (Buchgedanken)


Beim Anschauen der TV-Ausstrahlung von "Transformers" musste ich bei einigen der Dialoge unwillkürlich lachen oder mit den Augen rollen, obwohl das von den Autoren sicher nicht so geplant war.
Dabei schoss mir dann ein Gedanke durch den Kopf: Immer wieder heißt es, Liebesromane seien kitschig und dass man genau deswegen die Hände davon lassen solle. Wenn ER sie in seine starken Arme reißt und ihr mit heißem Atem (und sonstwas) gesteht, dass er schon immer nur Augen für sie gehabt hat ...
Plötzlich aber sah ich mich in diesem Transformers-Männerfilm mit Dialogen konfrontiert, die in etwa so gingen:

A: Aber Sergeant, das kann deinen Tod bedeuten!
B: Ich weiß, aber die Menschheit muss gerettet werden.
A. Was für ein Opfer. Wir werden an deiner Seite sterben!
B: Nein! Ich bin für die Truppe verantwortlich, also führ' du sie nach Hause ins gelobte Land. Ich folge nur meiner Bestimmung.
A salutiert mit bewegtem Gesichtsausdruck.
B (mit gebrochener Stimme): Männer! Es war eine Ehre mit euch gedient zu haben.
Alle stehen stramm (mit bewegtem Gesichtsausdruck).
B fliegt in den Sonnenuntergang.
A: Was für ein Kerl!
Denkt: Wir werden ihm ein Denkmal bauen, auf das sein Heldenmut nie vergessen wird.

Also mal ehrlich: Ist das nicht mindestens ebenso kitschig? Und lieben Männer diese Dialoge nicht mindestens ebenso sehr, wie Frauen diverse Liebeserklärungen?
Seien wir fair und lassen allen ohne Wertung ihren Spaß!
(Zu den Dialogen in diesem Film hätte ich sonst nämlich noch eine gaaanze Menge zu sagen!)

Wer immer noch nicht weiß, was ich meine, der sollte sich den Filmtrailer von "Krieg der Götter" ansehen, den ich bei Lucina entdeckt habe und der am 11.11.2011 in die deutschen Kinos kommt.

Wie bei allem wo es "zu viel des Guten" ist, wirkt es schnell unfreiwillig komisch.
Wie hoch ist eigentlich Euer Kitsch-Faktor?

Kommentare:

  1. Danke, mit dem Beitrag habe ich gerade viel Spaß gehabt! ^^ Solche Filmdialoge finde ich enorm pathetisch (ich sehe da noch mehr Pathos als Kitsch). Besonders schlimm ist, wenn man sie schon halb mitsprechen kann, weil es immer die gleichen Versatzstücke sind.

    Da ich bei besonders kitschigen Liebesschwüren aber genauso lachen muß, ist mein Kitsch-Faktor vermutlich etwas speziell ausgeprägt ;-)

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  2. Hehe... ein sehr guter Beitrag der gerade gestern wieder einmal bestätigt wurde. King Arthur kniet neben seinem getöteten Freund: *herzerweichend* "Ich hätte hier liegen sollen!" *schluchz* "Gott! Warum wähltest du Ihn?!" *wimmer* 2 Minuten später sieht man ihn wie er die Verflossene seines toten Freundes ehelicht. Tja, so kanns gehen. ;-)

    Mein Mann und ich amüsieren uns immer über solche kitschigen Szenen, da wir sie immer nachsprechen oder blöde Kommentare dazu abgeben müssen.
    Also mach dir am besten einen Spass draus, sonst kannst du bald keinen Film mehr ansehen. ^_^

    Schöne Grüße
    Christina

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  3. Was kitschig ist und was nicht, ist - finde ich jedenfalls - Ansichtssache. Zumindest würde ich über mich nicht sagen, dass ich Kitsch mag - andere sehen das aber sicher ganz anders. Das was auf mich wunderbar emotional wirkt, ist für andere möglicherweise Kitsch. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich Liebesschwüre einfach nicht mag - immerhin gibt es ein paar Ausnahmen, die mich sehr berührt haben. Es ist eben einfach individuell, was man als überzogen, kitschig oder was-auch-immer empfindet. Egal, ob es um Liebesschwüre oder Pathos geht. Übrigens werden einige meiner Vorlieben ja auch gern als kitschig oder langweilig abgestempelt... ;)

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  4. Hey Soleil,

    Da hast du dir mit Transformers gerade das beste Beispiel rausgesucht. :)

    Dialoge? Wir Männer (wenn ich für alle sprechen darf) schauen bei Action-Filmen sicher nicht auf Dialoge.
    Was an actionpornografischen Filmen wie Transformers faszinierend ist, sind die Trickeffekte, viel bumm-bumm und blitz-blitz und ab und zu etwas nackte Frauenhaut.
    Aber manchmal ist es auch einfach zuviel des Guten. Z.B. Transformers 2 und Transformers 3.

    Ausser du nimmst einen Film wie "The Expendables", in dem ein kerniger Dialog auf den anderen kommmt. Da sind die Dialoge so schlecht, dass sie deswegen toll sind (weil sie nostalgischerweise an alte Actionfilme erinnern).

    Was die Kitschschwelle angeht ... wenn ich mich mit Action zudröhnen will, schau ich vielleicht mal Actionfilme wie Transformers. Am besten auf einer möglichst grossen Kinoleinwand.
    Das scheint ein destruktives, actiongeiles Bedürfnis zu sein, das sich von Zeit zu Zeit meldet. Aber bei mir nicht im Wochentakt ...
    Wenn ich einen richtigen Film schauen will, dann einen, bei dem man sich nicht mit jedem Dialog kopfschüttelnd die Hand vors Gesicht hält. Wenn man dabei etwas nachdenken muss, ist's auch nicht verkehrt. Z.B. Inception

    Der Trailer zu dem Götterfilm geht auch eher in erstere Kategorie. Viel bumm-bumm, Krieg, Ehre und unnützes Blabla. Allerdings spielt Mickey Rourke den Bösewicht, wenn ich das richtig sehe, das hebt das Niveau schon ein bisschen ...

    Gruss Dani

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  5. Ich glaube bei mir ist es ähnlich wie bei Kiya. Ich muß sowohl bei obengenannten Dialog als auch bei Liebesgeständnissen immer dämlich grinsen. Trotzdem muß ich sagen, dass ich total auf sowas stehe, auch wenn ich es nicht ernst nehmen kann.
    Ich bin ja bekennender Fan von Teenielovestorys wie "Der Prinz und ich" und so nem Kram. Ich bin da wohl das einzige weibliche Wesen im Kino, das über 20 und ohne Kind ist und sich dazu noch köstlich beömmelt.
    Ich sehr solche Szenen übrigens als Kitsch, aber coolen Kitsch^^

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  6. Kitsch-Faktor? Auf eine Skala von 1 bis 100 (1 = absolut unkitschig und knallhart)? *lach
    Auf so einer Skala würde ich meinen Kitschfaktor bei 25 ansiedeln, dann beginnt schon das Augenrollen und an- die- Stirn-schlagen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich Filme, wie „Vom Winde verweht“ gar nicht reizen. Gegen tolle Liebesszenen ist nichts einzuwenden. Haben am Wochenende „Meine erfundene Frau“ mit Jennifer Aniston und Adam Sandler angeschaut. Hier gab es eine ganz tolle ;-)

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  7. Hallo Ihrs,

    @Kiya:
    Herzlich Willkommen im Blog!
    Pathos ist Kitsch *g* Oder?

    @Christina:
    Herzlich Willkommen im Blog!
    *lach* Ich weiß, was Du meinst, die "warum nicht mich?"-Sache wird ja in Comedien oft und gerne aufgegriffen. Ich rolle immer mit den Augen, wenn ich auf so etwas stoße. :)
    Ich nehme so etwas immer mit Spaß. Beim Krieg der Götter überlege ich, mit einer bestimmten Freudin ins Kino zu gehen, weil ich mit ihr immer so herrlich ablästern kann!

    @Sey:
    Juhu, es geht wieder! Dann lag es wohl doch am Captcha-Code. Na ja, solange kein Spamß kommt, kann ich den auch weglassen :)
    Das sehe ich auch so. Manch einer hat einen hohen Kitsch-Faktor und manch einer einen sehr kleinen. Alles Ansichtssache.
    Ui, Sey und kitschig? Stichwort Elfen? Oder was?
    Ach lass mal, ich habe auch noch diverse Figürchen in der Schrankwand ;-)

    @Vega:
    Schön, wieder mal von Dir hier zu lesen. :)
    Also ehrlich gesagt, habe ich den ersten Teil auch gerne gesehen, ich mag nämlich auch gerne mal bumm-bumm und überhaupt. Außerdem waren die Transformers niedlich ;-)
    Aber bei vielen Dingen kam ich nicht umhin zu denken, dass das doch jetzt nur für Männer gemacht worden ist!
    Mir stießen bei den Dialogen die vom Öberbösewicht auf. So viel Klischee und überhaupt, nee das ging gar nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich keinen Mann gestört hat. ;-)
    Krieg der Götter hat kuhle Bilder, vielleicht lohnt es sich wenigstens deswegen in den Film zu gehen.

    @Mikage:
    Ich neige ab und an zum Frendschämen, darum mag ich diese Szenen auch, aber sie dürfen nicht ausufern und zu lang dürfen sie auch nicht sein.
    Gilt für beide Seiten *g*
    Coller Kitsch! Was für ein Ausdruck ;-) Aber wahr.

    @Jo:
    1-100? Mhm. Oder ein Beispiel was bei Dir ein No-Go war?
    Vom Winde verweht? Hast Du den mal gesehen? Da gibts keine großartigen Liebeszenen, aber Kitsch ist drin. Allerdings ist der Film mittlerweile auch etwas älter ...
    Heutige Liebesfilme sind da ... na ja. Anders. Aber irgendwie auch wieder nicht. Kommt drauf an, wer den Film gemacht hat, würde ich sagen.
    Film wird vorgemerkt, mag beide Schauspieler!

    Danke für Eure Meinungen!

    LG
    Soleil

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  8. Eigentlich würde ich sagen, dass mein Kitschfaktor sehr hoch ist, normalerweise achte ich auch nicht so auf die Dialoge, zumindest bei Actionfilmen. xD

    Es gibt allerdings eine Sache, da ist mein Kitschfaktor gaaanz niedrig, bei Liebesfilmen und Liebesschwüren. Oh Mann, besonders diese Liebeskomödien kann ich mir nicht anschauen ohne mich fast zu übergeben, dass ist ja manchmal so widerlich kitschig, dass selbst ich als Liebesroman-Liebhaberin nur mit den Augen rollen kann.
    Ganz schlimm finde ich auch immer die Heiratsanträge im Fernsehen, boah, ich kann da einfach nicht hinschauen. :/ Wahrscheinlich auch, weil es mir in der Situation total peinlich wäre und ich das deshalb überhaupt nicht romantisch finde.
    Okay, es gibt auch Ausnahmen, z.B. den ersten Sissi-Film, der ist auch total kitschig, aber irgendwie auf eine nette Art und Weise, nicht so billig wie in anderen Filmen. ^^ Je älter der Kitsch, desto besser.
    Und bei manchen Teenie-Filmen sehe ich wohlwollend über den Kitsch hinweg, es ist zwar immer noch peinlich kitschig, aber das gehört für mich dazu. *g*

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  9. Ach köstlich! Ich musste so grinsen, als ich eben deinen Beitrag las. Transformers ist ein echt gutes Beispiel. Im Kino musste ich damals ganz schön mit den Augen rollen, denn hier fand ich es schon extremst kitschig bzw. kindisch. Was aber wohl auch an den ganzen sprechenden Auto(bot)s liegen könnte. :)

    Mein Kitschfaktor ist wohl mittig angelegt. Es darf ruhig mal ein bisschen geschmachtet werden, aber zu viel ist dann auch zu viel. Mein letztes Buch z. B. wurde zwischendurch ganz schön kitschig. Erst gehen sie sich ständig aus dem Weg und später, während einer gefährlichen Situation (fast am Ende), macht er ihr erst einmal einen Heiratsantrag (es sind Jugendliche wohl gemerkt). Das war mir dann doch zu überzogen. Bestes Beispiel wäre da für mich auch der 3. Twilight-Film - schon zu viel des "Guten" bzw. einfach mies umgesetzt. Gegen guten Kitsch dagegen habe ich nichts einzuwenden, also wenn es auch noch vernünfige/ernsthaftere Themen/Gespräche während der Handlung gibt. :)

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  10. @Soleil: Das ist eine sehr spannende Frage :-)
    Für Pathos zumindest kann man auf die Rhetorik zurückgreifen, nach Aristoteles geht es bei Pathos um Affekte und die gezielte Erzeugung von Emotionen beim Publikum.
    Über Kitsch kann man bestimmt viel diskutieren. Ich benutze den Begriff am ehesten im Zusammenhang mit klischeehaften Darstellungen z.B. in der Kunst, die nicht mehr originell, sondern nach Schema produziert werden und häufig einen sentimentalen Eindruck machen. (Das ist jetzt keine so tolle Definition, sondern etwas schwammig, aber eine bessere hab ich gerade nicht).

    Also: Überschneidungen gibt's da auf jeden Fall bei Buch und Film. Aber Gartenzwerge z.B. sind kitschig, aber nicht pathetisch ^^ Und eine Rede, die sehr bildhaft ist, hat zunächst einen hohen Anteil an Pathos, ist aber nicht kitschig. So etwa stelle ich mir das jedenfalls vor ;-)

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  11. Oh je ... also bei mir ist die Kitschgrenze relativ niedrig. Ich vergöttere gut geschriebene Liebesszenen, aber wenn's zu schmalzig wird, bin ich schnell raus aus dem Lesefluss und rege mich nur noch über die Schreibe des Autors (meistens: der Autorin) auf.
    Aber was den Film betrifft: die Amis neigen ja häufig zu triefendem Patriotismus. Schon mal "Armageddon" gesehen? Der ist vollgestopft bis an den Rand mit solchen Szenen.

    Ich muss aber noch anmerken, dass die Grenze zwischen Schmalz und Schmelz teilweise recht dünn ist. Während ich die Liebesdialoge im ersten "Twilight"-Buch noch gut ausbalanciert finde, sind sie im Film meiner Meinung nach furchtbar triefend und einfach nur ungenießbar umgesetzt worden.
    Letzten Endes ist es halt immer Geschmackssache. ;)

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  12. Hallo Ihrs,

    @Lucina:
    Ich kann in Büchern irgendwie mehr Liebesschwüre und "einlichkeiten" ab. Wenn ich das aber als Film sehe, dann neige ich dazu, wegzuschalten oder vorzuspulen. Seltsam oder?
    Ich werde auch nie verstehen, wieso es oberromantisch sein soll, auf eine Bühne kommen zu müssen und dann gefragt zu werden, während im Hintergrund Tauben in den Himmel fliegen oder dergleichen. Ich würde vor Scham im Boden versinken *g*

    @Reni:
    Die Roboter konnte ich in dem Film ohnehin nicht verstehen. Eine ach so hochentwickelte Rasse, die sich in Autos verwandeln kann? Na ja.

    @Kiya:
    Ist Pathos dann sowas wie im oben verlinkten Film: "Kämpft für Eure Kinder. Kämpft für Eure Heimat. Kämpft für ..."
    Weil das lässt mich IMMER mit den Augen rollen.
    Ich sehe den Unterschied - und danke für die Erklärung - aber ich glaube, dass die Grenzen da auch recht fließend sind.

    @keeweekatbooks:
    Herzlich Willkommen im Blog!
    Armageddon habe ich noch nicht gesehen, nein. Aber für solche Filme muss ich auch in der Stimmung sein :)
    Ich kenne nur das erste Buch und Film von Twilight und es hat mir eher weniger, also 3 von 5 gefallen. Das als Maßstab herzunehmen für (gute) Liebesgeschichten halte ich sowieso für Nonsens. Seltsam allemal, dass es hier so oft genannt wird. ;-) Ich nehme an, dass sich hier niemand an einen guten (!!) Liebesroman herantraut.
    Jaja, aber Actionfilme/-bücher. ;-) Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?

    LG
    Soleil

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  13. @ Soleil: stimmt, "Twilight" ist wirklich ein schlechtes Beispiel. Daher muss ich jetzt noch ein richtig gutes Beispiel nennen: "Jane Eyre", mein Lieblingsbuch. DAS ist für mich richtig, richtig gut geschriebene Romantik. *träum*

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  14. @Soleil: Ja, genau, das ist auf jeden Fall Pathos (was hier nicht heißt, daß es nicht auch kitschig sein kann ;-) - den Kram mit Kinder und Heimat finde ich schon reichlich sentimental...). Die eingesetzten rhetorischen Mittel sind Wiederholung bzw. Anapher, evtl. auch Klimax ^^ Das sind alles Mittel, die die Eindringlichkeit der Aussage erhöhen sollen.

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