Freitag, 5. August 2011

Paris - Stadt der Sünde - Anne Stuart


Titel: Paris - Stadt der Sünde
Autorin: Anne Stuart
Originaltitel: Ruthless
Verlag: Cora
ISBN: 4194735305502
Euro: 5,50
Veröffentlichungsdatum: Mai 2011
Seiten: 320
Serie: The House of Rohan 01
Come in: Gekauft







Inhalt

Paris 1765: Das Exil hat die Lebensumstände der Familie Harriman nicht verbessert, was vor allem an der Spiel- und Trunksucht der Mutter liegt. Die ältere Tochter Elinor versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, scheitert jedoch oft. Obwohl sie am Existenzminimum dahinvegetieren, entwendet die schwerkranke Mutter das letzte Geld und den letzten Schmuck und macht sich auf zum Wohnsitz des Comte de Giverney, Viscount Rohan.
Francis Alistair Rohan veranstaltet dort wüste Orgien, bei denen alles erlaubt ist und er selbst als selbsternannter Fürst der Finsternis regiert.
Um die Familienehre und das letzte bisschen Hab und Gut zu retten, folgt Elinor ihrer Mutter dorthin und wird vor Rohan gebracht. Er ist erfreut, ein wenig Ablenkung seiner üblichen Sinnesfreuden zu bekommen und hilft ihr. Weil er hingerissen von ihrer Unschuld und ihrem starken Willen ist, beschließt er, dass sie als nächstes sein Bett mit ihm teilen soll. Hartnäckig macht er sich daran, sie zu verführen. Doch Elinor blickt auf freudlose und erschreckende Erinnerungen zurück und hat geschworen, sich nie wieder einem Manne hinzugeben.
Rohan jedoch ist es nicht gewohnt, zu verlieren und setzt auf seine eigenen Methoden.

Cover

Das Cover und vor allem der Titel wecken leider Erwartungen, die der Roman nicht erfüllen kann, noch will. Es werden keine wüsten Gelage, noch nicht einmal sinnliche, ausschweifende erotischen Szenen (es gibt gegen Ende einige wenige) beschrieben. Im Gegenteil, statt sexy Romantik gibt es den rohen Alltag einer verarmten jungen Frau, die sich den Annäherungsversuchen eines sehr reichen Mannes nicht erwehren kann.

Meinung

Anne Stuart hat in diesem Roman augenscheinlich ein kleines Faible dafür, ihre Figuren leiden zu lassen, ausgelebt. Sehr realistisch und ungeschönt geht es im gesamten Roman zu. Die Lebensumstände, unter denen die Harrimans leben müssen sind hart und kaum auszuhalten. An dieser Situation ist Elinor gewachsen, wenn auch oft fast gescheitert. Die Liebe zu ihrer Schwester, die mitunter aufgrund beider Vergangenheit etwas unglaubwürdig wirkt, hält sie aufrecht.
Rohan ist nun kein Held, der zu ihrer Rettung eilt. Zwar gibt er ihr Dinge, die der Familie das Dasein erleichtern sollen, doch macht er von Anfang an deutlich, dass er dafür auch etwas erwartet. Obwohl Elinor seine Avancen nicht wünscht, drängt er sich ihr mehr und mehr auf, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen könnte. Es ist nicht immer einfach als Leser dabei zuzusehen, wie er schließlich Dinge verlangt, gegen die sie sich absolut nicht wehren kann und gefangen in einem unsichtbaren Käfig sitzt.
Doch Rohan, der selbst ein einsamer und gequälter Held ist, nutzt die Situationen nie vollends aus. Der Mann weiß, was er will und auch wie es zu bekommen ist. Unter seiner äußeren Teufelsmaske sitzt von Anfang an ein ehrbarer Mann mit Prinzipien, die sich zwar hier und da von derer der Allgemeinheit abheben, aber trotzdem nach rechter Gesinnung riechen.
Die Beziehung ist von wenig Romantik geprägt. Da heißt es genau hinsehen, um die vielen kleinen Gesten und Mimiken zu entschlüsseln, die daraufhindeuten, dass sich Liebe ankündigt. Hier liegt neben der Charakterisierung der Helden auch der größte Reiz. Es muss nichts ausgesprochen oder explizit dargelgt werden. Rohans wachsende Faszination ist in jeder seiner Taten deutlich erkennbar.
Elinor musste über viele Jahre lang stark sein, doch wie bei Rohan, wenn auch aus anderen Gründen, ist das stets nur eine Maske gewesen. Es ist schwer zu entscheiden, ob man sie bemitleiden oder mit ihr fühlen soll. Manchmal ist der Drang ihr etwas zuzuschreien, über alle Buchstaben und Zeiten hinweg, sehr groß. Obwohl sie es versucht, ist sie nicht in der Lage, sich gegen den Helden zu wehren. Ihre Gründe sind nachvollziehbar im Schutz der Familie zu finden, aber sicher auch darin, dass sie sonst absolut nichts hat. Keinen Platz, kein Geld, keine Arbeit, kein Ziel. Schließlich jedoch auch Gefühle, die sie nie wieder erleben wollte, die echt sind, tief in sie gehen, sie ergreifen und fortschwemmen. Die Frage ist nur, werden sie sie ertränken und ins Unglück stürzen?
Bei dieser Handlung und diesen Charakteren kann sich der Leser über absolut nichts sicher sein und garantiert nicht über das Happy End. Damit wächst die Spannung von Seite zu Seite und sollte sich nicht durchs vorblättern verdorben werden.
Ein lesenswerter, nicht ganz typischer, Roman, der leider durch seinen Titel etwas irreführend ist und daher nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Sieht man darüber jedoch hinweg und kann sich zudem noch mit realistischen Bildern und einem groben Helden abfinden, wird man schnell mitgerissen.


The House of Rohan:
1. Ruthless (Paris-Stadt der Sünde)
2. Reckless
3. Breathless
4. Shameless
The Wicked House of Rohan (Prequel; eBook)

Kommentare:

  1. Aha. Dein erster Anne Stuart, nicht? Auf die Rezi hab ich schon gewartet!
    Sag mal, hast du denn Francis nicht wenigstens ein bissl witzig gefunden? Ich hab mich mit ihm und seinen Ansagen zum Teil köstlich amüsiert. Naja, aber ich liebe die Autorin und ihre unmöglichen Helden halt schon sehr.
    Genau das ist nun halt nicht jederfraus Sache. Aber war nicht so schlimm, oder? ;-) Wirst noch was von ihr lesen?

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  2. Jap, mein allererster und um vorweg zu greifen: ja, ich würde sehr gerne noch mehr von der Autorin lesen. Die Fortsetzung zum Beispiel ;-)
    Francis ist schon eine Nummer für sich, klar. Eigener Humor, trotz seiner Verschlossenheit bissl kauzig, aber durchaus sympathisch mit eigenem Witz. Aber ich denke doch, dass man etwas für diese absolut übermächtigen Helden (vor allem über die Heldin) übrig haben muss. Und Du weißt ja, dass ich mich damit etwas schwer tue.
    Die Schreibe, die Authentizität und das historische Umfeld waren aber auf jeden Fall etwas für mich. Bei einem Contemporary könnte ich mit so einer Paarkonstellation aber wahrscheinlich nicht. Man merkt meine Unentschlossenheit ;-) Gute Autorin, guter Roman, aber doch Geschmackssache.

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