Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Frauen von Nell Gwynne's - Kage Baker


Titel: Die Frauen von Nell Gwynne's
Autorin: Kage Baker
Originaltitel: The Woman of Nell Gwynne's
Verlag: Feder u. Schwert
ISBN: 9783867620741
Euro: 9,95
Veröffentlichungsdatum: Mai 2010
Seiten: 160
Serie: Abseits des Hauptplots.
Come in: Tausch








Inhalt



Lady Beatrice lebt mit ihrem Vater in Indien, während die Mutter mit den jüngeren Schwestern nach England zurückgekehrt ist. Als die Revolution ausbricht, wird ihr Vater getötet und sie selbst verschleppt und misshandelt. Es gelingt ihr jedoch, sich 1844 nach England durchzuschlagen, wo sich ihre Familie von ihr lossagt. Ohne jedwede Unterstützung bleibt der jungen Frau nur eine Möglichkeit: sie schlägt sich als Hure durch.
Durch einen Freund ihres Vaters lernt sie Mrs. Corvey kennen, die ihre eigenen Geheimnisse hütet und Beatrice überredet, zu ihr ins Haus am Birdcage Walk in London zu ziehen. Nach außen ein anständiges Haus, wird dort ein Edelbordell betrieben. Doch außerdem gehören die meisten Huren einem Geheimbund an, der Schwesterorganisation zur Spekulativen Gesellschaft der Gentlemen. Ihr Zweck: Spionage und Schutz des Vaterlandes.
Zusammen mit den Schwestern Devere, Jane und Dora un Maude, machen sich Mrs. Corvey und Beatrice schon bald auf zu einem Einsatz. Im Hause eines genialen Wissenschaftlers wird nach den besten Huren verlangt, denn neben einer Auktion für eine gefährliche Maschinerie soll es auch Unterhaltung geben.



Cover/ Format



Leider keine näheren Informationen zum Cover auffindbar. Sehr ansprechend und dazu noch hervorragend zum Inhalt passend. Farblich etwas zu dunkel.
Von Umfang und Größe des Buches war ich überrascht, denn es ist wesentlich kleiner als vermutet. Die großen Buchstaben und die Handlung an sich lassen ein nur kurzes Lesevergnügen zu. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist allein in dieser Hinsicht grenzwertig.



Meinung



Bei den knapp 160 Seiten von "Die Frauen von Nell Gwynne's" handelt es sich um eine typische Novelle. Die wie eine Nacherzählung wirkende Kurzgeschichte bleibt leider oberflächlich und geht selten in die Tiefe. Dafür jedoch ist das Geschehen genau durchdacht und verdichtet sich an den entscheidenden Stellen.
Über Lady Beatrices Vergangenheit wird nur kurz erzählt, es muss gesagt, jedoch nicht überemotionalisiert werden. Gefühle und Gedanken bleiben dabei vollkommen auf der Strecke und viele Monate fliegen beinahe ereignislos vorbei, obwohl die junge Frau einiges durchzumachen hat.
Die Vorfälle zu intensivieren ist indes nicht nötig, sie stärken einfach durch ihre kurze Schilderung Beatrices Charakter. Es wird auch ohne intensive Emotionen deutlich, dass ihr Schlimmes widerfahren ist und sie sich trotzdem durchgekämpft hat. Leider begegnen solche Literaturgattungen dem Leser heutzutage aber so selten, dass es einige Gewöhnung braucht, um sich in den Roman einzufinden. Ich selbst ertappte mich dabei, mir hier und da zu wünschen, die Autorin hätte eine längere Erzählung mit diversen detaillierten Beschreibungen daraus gemacht.
Erst, als Beatrice von Mrs. Corvey angesprochen wird und so ihre Einsamkeit überwunden hat, geht die Erzählung in die Tiefe.
Obwohl es sich bei Beatrices neuem Domizil um ein Edelbordell handelt, gibt es keine erotische Grundhandlung, auch wenn unterschiedliche Vorlieben einiger Kunden genannt werden. Hier wird der Phantasie jedoch viel Raum gegeben.
Die gesamte Handlung besteht aus einem einzigen Strang, der sich allein um Beatrice dreht, auch wenn ein paar Charaktere ihre Vergangenheit kurz skizzieren dürfen. Unwichtigkeiten werden gestrafft, bedeutende Szenen bekommen wesentlich mehr Raum zugestanden und vermögen es durchaus, bildhafte Szenen entstehen zu lassen.
Das Ende findet einen würdigen und spannenden Abschluss, befriedigt leider aber nicht komplett.
Kage Bakers Werk ist dem Untergenre des Steampunk zugeordnet, die entsprechenden Elemente sind aber nur sehr vereinzelt, dafür umso deutlicher in die Handlung eingeflochten. Auch hier wird dem Leser viel Raum für Phantasie gelassen und ab und zu kann es vorkommen, dass eine Textstelle noch einmal gelesen werden will, damit alles verständlich ist. Die Ideen jedoch - nicht zuletzt Mrs. Corveys künstliche Maschinenaugen (siehe Cover) - sind phänomenal und trotz ihrer Abnormität absolut glaubwürdig.
Der Roman ist einem Hauptwerk, den Zeitstürme-Romanen, zuzuordnen. Abseits dieser Haupterzählung schuf die Autorin die Frauen am Birdcage Walk und es heißt, dass sie vor ihrem Tod noch an einer Fortsetzung gearbeitet hat, diese jedoch nie beenden konnte.
Eine tolle, wunderbar duchkonzeptionierte Erzählung, die aufgrund ihrer Länge oberflächlich bleibt, aber trotzdem zu unterhalten weiß.




Kage Baker wurde 1952 in Los Angeles geboren. Sie arbeitete lange Jahre als Theater-Regisseurin und Englischlehrerin, bevor sie mit ihrer Zeitstürme-Serie einen Bestseller-Erfolg landete.
Die Autorin verstarb im Januar 2010.

1 Kommentar:

  1. Hallo! Ich hab dir einen Award verliehen: http://lilaratur.blogspot.com/2011/06/award.html

    LG Lila

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