Dienstag, 21. Juni 2011

(Autorenplausch) Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit


Titel: Die Alchemie der Unsterblichkeit
Autor: Kerstin Pflieger
Originaltitel, 352 Seiten
ISBN: 3442474833
Euro: 12,00









Aufnahmeprotokoll der Aussage gegen Kerstin Pflieger vom Zeugen Maleficium;
unbekanntes Datum; Karlsruhe

„Hey, hat jemand eine Nuss für mich oder eine Weintraube?
Nein? Was sind denn das für Sitten? Nur weil ich eine Ratte bin, werde ich nicht gebührend empfangen?“
„Ein Stück Salami? In Ordnung, das nehme ich. Wenn ich jetzt noch etwas Wasser bekommen könnte, bin ich bereit.
Danke.“ Man hört ein hohes, feines Räuspern. „Läuft das Aufnahmegerät?
Dann kann es ja losgehen. Mein Name ist Maleficium und ich bin eine stattliche Ratte von tadeloser Herkunft. Ich wurde gebeten, die Wahrheit über eine schreckliche Person zu bezeugen.“ Die Ratte senkt die Stimme zu einem Flüstern und hält einen Moment inne. „Kerstin Pflieger.“ Ein hohes Quieken erklingt. „Sie lebt ihre sadistische Ader unter dem Deckmantel einer Autorin aus und ist an so mancher Katastrophe in meinem Leben Schuld. Aber lassen Sie uns mit dem Anfang beginnen.
Mein Herr, ein junger Gelehrter namens Icherios Ceihn, und ich lebten glücklich und zufrieden in Karlsruhe. Nun gut, er war nicht ganz so glücklich, aber was müssen sich die Menschen auch mit so hochtrabenden Wünschen wie Studium, Ansehen und trockenen Wohnräumen belasten? Auch in Zeiten des Hungers findet sich immer ein Stückchen schimmeliges Brot oder ein Katzenkadaver. Dazu möchte ich anmerken, dass es eine wahre Freude ist, an diesen verschlagenen Biestern zu nagen. Kein Grund also über schlechte Lebensbedingungen zu klagen. Jedenfalls war ich glücklich und zufrieden, bis diese Kerstin Pflieger dafür sorgte, dass meinem Herrn ein Auftrag von so einem Geheimbund übertragen wurde, um eine Mordserie aufzuklären. Gut, das Futter wurde schlagartig besser, aber dafür musste ich Karlsruhe verlassen und über holprige Straßen in den Schwarzwald reisen. Meine scharfen Sinne verrieten mir natürlich sofort, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht, aber Icherios wollte es nicht glauben. Selbst als er die Geister, Vampire und Werwölfe mit eigenen Augen sah, zweifelte er noch an ihnen. Und, dumm wie Menschen sind, ergriff er natürlich nicht sofort die Flucht, sondern ließ sich in das Netz aus Lügen und Intrigen einspinnen, das diese geheimnisvolle Ortschaft und ihre Bewohner umgab. Das klingt schlimm? Warten Sie, bis Sie die ganze Geschichte kennen! Ungebetene nächtliche Besucher, unsägliche Monster, Todesdrohungen, Dämonen – dies alles und noch viel mehr musste ich erleiden. Zudem war meine empfindliche Nase gezwungen, den Gestank von unzähligen alchemistischen Experimenten zu ertragen! Und das Schreckliche ist: Sie hört gar nicht mehr auf damit! Kaum sind wir zurück aus dem Schwarzwald – und nicht unbeschadet, möchte ich anmerken! – müssen wir uns auf dem Weg nach Heidelberg machen – die schrecklichen Ereignisse dort werden ab Dezember im „Krähenturm“ nachzulesen sein und es ist noch kein Ende in Sicht. Ich spüre bereits, wie es dieser Person in den Fingern juckt, uns noch weitere, schauerliche Abenteuer durchleben zu lassen!“

 
Eine der Fragen, die ich momentan sehr häufig gestellt bekomme, ist, warum Icherios Ceihn so ähnlich klingt, wie Ichabod Crane (die Hauptfigur aus dem Tim Burton Film „Sleepy Hollow“, der wiederum auf einer Erzählung von Washington Irving basiert). Das liegt vor allem daran, dass mich genau dieser Film zu dem Roman „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ inspiriert hat. Seit der Film 1999 erschienen ist, bin ich ein großer Fan von ihm und die Geschichte und Atmosphäre spukte immer in meinem Kopf umher.
Irgendwann bemerkte dann auch ich, dass Vampire gerade „In“ sind, allerdings nur die Kuschelvampire, was ich schade fand, da diese Variante zwar sicherlich auch reizvoll sein kann, aber der Vampir als blutgierige Kreatur, wie Bram Stoker ihn erschuf, übt seit meiner Teenager-Zeit eine große Faszination auf mich aus. Irgendwann fügten sich diese beiden Themen dann zu einer Geschichte zusammen und „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ war geboren. Allerdings war meine Vorstellung von der Hauptfigur tatsächlich sehr von Johnny Depps Interpretation von Ichabod Crane geprägt, sodass ich nach vielen Stunden der Namenssuche nichts Passendes gefunden hatte. Erst als ich mich entschloss, einen ähnlich klingenden Namen zu wählen, erwachte die Figur zum Leben und konnte sich eigenständig weiterentwickeln. Ich habe es mir also nicht einfach gemacht, sondern der Charakter hat sich diesen Namen selbst ausgesucht – auch wenn es verrückt klingt (aber sind nicht alle Autoren etwas verrückt? ).
Natürlich beschäftigte mich die Frage nach dem Namen dann wieder, als ich nach einer Agentur suchte. Bis dahin war mir die Namensähnlichkeit gleichgültig gewesen – ich schrieb ja ohnehin nur für mich und erwartete nicht wirklich, veröffentlicht zu werden. Nach einiger Überlegung entschloss ich mich allerdings, den Namen nicht zu ändern. Zum einen waren Figur und Name für mich zu einer Einheit verschmolzen und zum anderen betrachte ich die „Alchemie der Unsterblichkeit“ als eine Hommage an „Sleepy Hollow“ und möchte die Quelle meiner Inspiration nicht verbergen; vor allem, da die Geschichte und die Charaktere vollkommen eigenständig sind.
Eine weitere Frage, die ich oft gestellt bekomme, ist, warum ich ausgerechnet das Jahr 1771 gewählt habe. Nun, ehrlich gesagt, war es mehr oder weniger Zufall. Ursprünglich war die Geschichte in einer rein fiktiven Welt angesiedelt (meine Schreibheimat liegt in der High-Fantasy). Nach etwa 100 Seiten stellte ich allerdings fest, dass es so nicht funktioniert, irgendetwas „klemmte“. Nach einigem Suchen stellte ich fest, dass meine fiktive Welt zu sehr der realen, historischen Welt entsprach und dadurch unglaubwürdig wurde. Es kostete mich einige Überwindung, aber schließlich entschloss ich mich, Icherios Abenteuer in die reale Vergangenheit zu verlegen. Dieser Schritt war sehr schwer für mich, da ich vor den historischen Aspekten gehörigen Respekt hatte und immer noch habe. Ich komme aus dem naturwissenschaftlichen Bereich und Jahreszahlen kann ich mir gar nicht merken – nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für einen Roman vor historischem Hintergrund. Die Wahl der Zeit fiel mir dann wiederum sehr leicht. Ich wusste, dass Icherios einen übergroßen Zylinder, einen sogenannten Kastorhut tragen musste und dieser war nur in einer begrenzten Zeitspanne modern und die Zeit der Aufklärung bot auch alle anderen Dinge, wie Kutschen, Alchemie, Forschergeist ..., die ich in meiner Geschichte wünschte. Dann fand ich noch einen Hinweis auf eine Hungersnot, die um 1771 tobte und damit war das Jahr gefunden.
In den Schwarzwald verschlug es den jungen Gelehrten nachdem ich auf einer historischen Karte den Vermerkt fand, dass Teile des Gebiets kaum besiedelt oder Raubritterterritorien waren – was besseres kann man sich für ein Schauermärchen kaum wünschen, oder? Zudem liegt der Schwarzwald nicht weit von meinem Wohnort entfernt, sodass ich mehrfach zur Recherche hinfahren konnte.
Im zweiten Teil, dem „Krähenturm“ wird es Icherios dann nach Heidelberg verschlagen. In dieser Stadt habe ich studiert und ich fand die Idee faszinierend, sie von einer anderen, düsteren Seite zu präsentieren.

Kommentare:

  1. Na, das macht doch Lust auf mehr! Das Buch ist gleich auf meinen Wunschzettel gewandert - danke fürs vorstellen! ;)

    AntwortenLöschen
  2. Sehr schöner Beitrag, ganz besonders der Teil von Maleficium hat mir gut gefallen =) Jetzt bin ich wirklich neugierig geworden.

    Schau mal hier vorbei, da wartet ein Award für dich =)
    http://caros-papierwelt.blogspot.com/2011/06/mein-3-award.html

    LG, Caro

    AntwortenLöschen
  3. @Windfänger:
    Auf meinem steht's auch! :)

    @Caro:
    Mir hat auch Malles Textteil sehr gefallen ;-)
    Danke für den Award!

    AntwortenLöschen
  4. Schöner Beitrag, das sind noch ein paar interessante Hintergrundinfos!

    Ich habe das Buch schon bekommen und die ersten Seiten gelesen. Bisher scheint es genau meinen Geschmack zu treffen :-)

    AntwortenLöschen
  5. @Kiya:
    Willkommen im Blog!
    Ich mag den beitrag auch, hat sie gut gemacht, nicht? ;-)
    Ich hab's noch nicht in die Finger bekommen, neugierig bin ich total. Viel Spaß auch weiterhin Dir!

    AntwortenLöschen