Montag, 4. April 2011

Im Bann der Engel - Christiane Gref


Titel: Im Bann der Engel
Autor: Christiane Gref
Originaltitel
Verlag: Elysion-Books
ISBN: 3942602083
Euro: 12,90
Veröffentlichungsdatum: März 2011
Seiten: 220
Serie: Vermutlich Teil 01
Come in: Vom Verlag








Inhalt

Die Zofe Sophia tritt ihre Stelle bei der reichen und mächtigen Witwe Madame Hazard mit einem sinnlichen Schockerlebnis an. Der künstlich geschaffene Engel Marcellus unterweist die bisher Unberührte im Liebesspiel - eine Dienerin Hazards darf nicht unbedarft sein. Im Laufe der Zeit kommen sich auch die Frauen näher und Sophia spürt, dass sie zu mehr ausgebildet werden soll, als zu einer gewöhnlichen Zofe. Doch ihre Gefühle machen ihr ein ums andere Mal einen Strich durch die Rechnung.
Auch die Wissenschaftlerin Elena Winterstone arbeitet für die Madame. In einer verbotenen Abteilung der Fabrik, in der die Energie für die Stadt Cravesbury hergestellt wird, forscht sie am lebenden Material. Mensch und Maschine sollen vereint werden, damit Hazard sich eine kleine persönliche Armee erschaffen kann, um den Anfeindungen der Stadtbewohner nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.
Doch dann werden keine Strafgefangen mehr umgewandelt, sondern Männer, deren Freiwilligkeit auf Lügen basiert. Als sich Elena in den Engel Amenatos verliebt, zweifelt sie ihr Tun mehr und mehr an.
Aber die Madame scheint schon längst den Sinn für alles Reale verloren zu haben und will sich die Stadt untertan machen - mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Elena muss kämpfen, wenn sie Cravesbury noch retten will.

Cover

Die Umschlaggestaltung stammt von Mark Freier. Ein Blick in die Cover-Art lohnt, denn dort gibt es viele alte Bekannte zu bestaunen.
Layout und Satz gehen auf Hanspeter Ludwig zurück.
Das Cover ist gelungen, die Farben sind ansprechend, das Motiv - sowohl die unbekleidete Dame, als auch die mechanischen Rädchen - zum Inhalt passend. Im Laden hätte ich den Roman auf jeden Fall in die Hand genommen.
Einzig die Maße des Romans sind etwas ungewöhnlich, was aber nicht vom Lesen abhalten sollte.

Meinung

Es braucht ein paar Seiten, um in das Geschehen von "Im Bann der Engel" hineinzufinden. Im schnellen Wechsel wird jeweils aus der Sicht einer der Frauen, entweder Sophia oder Elena erzählt, ab und an auch von einer Nebenfigur. Leider wird größtenteils auf Beschreibungen oder nähere Erläuterungen verzichtet, so dass dem Roman trotz seines ausgesprochen gelungenen Plots deutlich Feeling und Flair abgehen. So ist beispielsweise nicht klar, es sei denn, der Leser kennt sich im Genre etwas aus, in welcher Zeitepoche das Geschehen spielt. Welche Kleidung wird in etwa von den Charakteren getragen? Es wird an einer Stelle erwähnt, dass Madame Hazard Hosen anzieht, wenn sie ihre Fabrik besucht und angedeutet, dass das ungewöhnlich ist. In einer anderen Szene trägt Sophia ein leichtes Negligé. Das ist leider alles an Beschreibungen. Da die künstlich geschaffenen Engel Flügel auf ihren Rücken tragen, wäre es interessant gewesen zu erfahren, ob und was sie anziehen, um ihren Oberkörper gegen Kälte zu schützen.
So wie diese Details fehlen, wird leider auch die Umgebung nur äußerst spärlich beleuchtet. Die Straßen der Stadt sind eben genau jene und nicht mehr. In der Fabrik immerhin stehen dampfende Maschinen, im Haus der Madame steht ein Bett. So wächst leider im zunehmenden Lesen das Gefühl, dass die Figuren im luftleeren Raum lieben und hassen. Hier wäre es schön gewesen, mehr zu erfahren, denn es steht "Steampunkroman" auf dem Cover. Davon allerdings war leider nur wenig zu merken. Zwar steigt an einer Stelle jemand in ein dampfbetriebenes Gefährt, aber auch hier werden nur Fakten genannt, keine Einzelheiten, kein "Staub in den Ecken". Das ist mehr als schade.
Denn die Handlung ist sehr ansprechend und wirkt zum größten Teil in sich rund. Das Lesen geht flott von den Augen, es gibt keine Längen und insgesamt habe ich den Roman wirklich gern gelesen und greife sicherlich auch zur von mir vermuteten Fortsetzung. Der Action- und der Emotionsanteil halten sich die Waage, denn beides wird voneinander bedingt - so wirkt nichts konstruiert, weil eines ohne das andere nicht existieren könnte. Lediglich was die (Liebes-)Motivation von Sophia gegen Ende der Geschichte angeht, war ich unzufrieden, weil das ziemlich sprunghaft und damit unglaubwürdig wirkt.
Am undurchschaubarsten ist die Figur der Madame Hazard. Sie besitzt leider nicht einmal einen Vornamen und ist zwar vollendet als befehlsgewohnte Despotin dargestellt, aber ihr fehlen deutlich Ecken und Kanten. Sie ist Witwe und konnte nie ein Kind austragen, aber reicht das als Motivation, um eine ganze Stadt zu unterjochen? IST das überhaupt ihre Motivation? Für einen so mächtigen Antrieb hätte mehr her gemusst. Auch, wenn Hazard eigentlich der Bösewicht ist, ist sie doch trotzdem ein großer Sympathieträger und hätte es verdient, lebendiger gestaltet zu werden!
Elena ist Wissenschaftlerin, was, wie angedeutet wird, für eine Frau mehr als ungewöhnlich ist. Warum? Denn sie ist schon die zweite Frau in einer Machtposition und sie hat Kolleginnen, die ihr fast das Wasser reichen können.
Sie wird als sympathische gute Seele beschrieben, was sie jedoch nicht sein kann. Immerhin wandelt sie Männer gegen ihren Willen in künstliche Engel und da hilft auch die Begründung nichts, dass das ohnehin nur Schwerverbrecher seien, die ansonsten im Knast verrotten würden. Erst als die Freiwilligen auf ihrem Untersuchungstisch landen, entwickelt sie so etwas wie ein Gewissen. Doch wieso? Die etwas vorgeführte Motivation ist nicht so ganz in sich stimmig.
Die Wandlung an sich wird zwar mir Magie erklärt oder jedenfalls etwas ähnlichem - ich habe es ehrlich gesagt nicht ganz verstanden - es wäre aber schön gewesen, wenn Magie und Technik, das ist schließlich Steampunk!, miteinander verwoben worden wären. Denn auch der Besuch im Traumland kann keine Flügel auf die Rücken der Männer zaubern, da muss schon eine Operation her.
Die Männer sind gesamt gesehen etwas spartanisch weggekommen, sie dienen aber auch ohnehin nur als Kämpfer oder Liebhaber. Gerade Marcellus Gefühle für Sophia wären interessant gewesen, er wirkt jedoch eher wie eine Art Platzhalter und wäre für die Handlung auch verzichtbar gewesen.
In Frau Grefs Roman gibt es einige erotische Szenen, die zwar nicht immer so ganz zur Handlung passen oder sich aus dieser erklären, jedoch gut zu lesen sind. Da geht es auch mal heftiger zur Sache und nicht nur Heteropaare vergnügen sich. Allerdings nimmt das nicht überhand, sondern ist nur vereinzelt eingewoben.
Insgesamt gesehen ist das eine sehr gut strukturierte Geschichte, die mit viel Action, Handlung und Emotionen aufwartet, sich aber auch gerne noch Zeit nehmen kann, in die Tiefe zu gehen. Wer gern einen Steampunkroman lesen möchte, könnte nach dem Lesen etwas enttäuscht sein. Man sollte sich einfach auf die Geschichte einlassen, dann gehts flott daher und gut unterhalten wird man auch noch.


Christiane Gref wurde 1975 geboren und lebt mit ihrer Familie in Hanau. Die Autorin, die seit 2005 zahlreiche Texte veröffentlicht, wurde 2008 mit dem 4. Platz des Deutschen Phantastikpreises für ihre Kurzgeschichte ausgezeichnet.

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