Samstag, 13. März 2010

Der aufziehende Sturm - Jordan/ Brandon Sanderson ♥♥♥♥♥


Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim Piper-Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken!


Die Handlung knüpft nahtlos an den Vorgängerband an. Außer Elayne und ihrer Behüterin und Thom Merrilin sind alle Haupt- und fast alle Nebencharaktere vertreten.
Rand al'Thor der Wiedergeborene Drache hat seine linke Hand im Kampf mit einer der Verlorenen, Semirhage, eingebüßt. Doch obwohl sie dabei gefangen genommen werden konnte, erlaubt er nicht, dass sie gefoltert wird - denn sie ist eine Frau. Das letzte bisschen Menschlichkeit, das er noch besitzt, will er nicht verlieren, indem er das letzte aufgibt, an das er sich so fest klammert. Seine Erziehung.
Damit haben Cadsuane Sedai, Nynaeve und natürlich die Weisen Frauen der Aiel ein großes Problem. Denn Semirhage hat im letzten Zeitalter selbst massiv Folterungen vorgenommen - immer unter dem Deckmantel der Forschung. Und sie geizt nicht damit, den Frauen, die sie bewachen Einzelheiten davon zu erzählen. Obwohl sie von der Einen Macht abgeschnitten ist, hält sie alle Zügel in der Hand. Wie soll es nur gelingen, eine Frau wie sie zu brechen und von den Plänen des Schattens zu erfahren, ohne ihr körperlich Schaden zuzufügen?
Inzwischen ist Egwene noch immer Gefangene in der Weißen Burg. Sie wurde von ihrer Rivalin Elaida, der Amyrlin, als Novizin zurückgestuft und wird jeden Tag mehrfach geschlagen und gedemütigt. Doch sie weigert sich, zu fliehen und die Burg zu verlassen, denn trotz allem bekommt sie noch immer Unterricht. Und in diesem kann sie Kontakt zu den Aes Sedai knüpfen, die in der Burg leben. Sie leidet unter den dortigen Zuständen, denn keine Ajah ist der anderen gewogen, es brechen sogar ganz offene Feindseligkeiten aus. Egwene muss beweisen, dass sie trotz ihrer Jugend die wahre Amyrlin ist.
Und da ist auch noch ihre Gabe der Vorraussicht, die ihr vor langer Zeit verraten hat, dass die Seanchaner die Weiße Burg angreifen und jede Frau, die die Eine Macht lenken kann, ans Band legen und zur Damane machen werden. Ohne eine starke, vereinte Burg ist der Ausgang so eines Kampfes ungewiss.
Tuon, die nun Ehefrau von Mathwin Cauthon - dem Hornbläser des Wiedergeborenen Drachen - ist und alleinige Erbin des Kristallthrons der Seanchaner, hat im Moment andere Sorgen. Sie fühlt sich zu ihrem Mann stark hingezogen, sendet ihn dennoch auf eine Mission. Dass eine der Verlorenen unter ihnen gelebt und sie betrogen hat, stiftet noch immer Verwirrung, ebenso wie der Vorschlag des Wiedergeborenen Drachen, sich zu treffen. Dann unterbreitet der Heerführer der jungen Frau einen Schlachtplan zum Angriff auf die Weiße Burg, der mehr als nur den Sieg über die ungebundenen Damane verspricht.
Derweil ziehen dunkle Wolken über der Fäule auf und viele Ereignisse deuten darauf hin, dass die Zeit unwiderbringlich abläuft. Rand weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat die Welt gegen den Dunklen König zu einen. Und diese Welt will sich einfach nicht einen lassen, so dass er ein ums andere Mal die Geduld verliert. Seine Getreuen sehen das nicht gern und einige beginnen damit, sich von ihm loszusagen ...

Achtung:
1) Das ist Band 32, der nur verständlich ist, wenn alle vorherigen Bände gelesen wurden.
2) Ich bin ein Fan der Serie, seit ich sie vor etwa zehn/zwölf Jahren begonnen habe. Darum kann es sein, dass ich etwas voreingenommen bin ...

Es ist etwas Besonderes, dieses Buch in den Händen halten zu dürfen. Nach dem Tod des Autors hatte ich bereits mit der Serie abgeschlossen und mich mit dem Gedanken abgefunden, dass ich nie erfahren würde, wie es ausgeht und sich alle Handlungsstränge zusammenfügen. Doch Robert Jordan hat für seine Fans vorgesorgt und bis zuletzt an seiner Geschichte gearbeitet. Zusammen mit seiner Frau sind viele Teilstücke entstanden und wenn man dem Vorwort Brandon Sandersons glauben darf, hat Jordan das Ende noch selbst geschrieben.
Dennoch merkt man, dass der Autor gewechselt hat. Es war nicht mehr ganz so lebendig und einige Nebenfiguren wirkten plötzlich auf mich regelrecht unsympatisch. Das soll aber nicht heißen, dass der Roman schlecht ist, ganz im Gegenteil! Grandios wie immer, spannend zu verfolgen und auch nicht mehr so gehetzt, wie der letzte Band.
Die Fans wissen, dass sie sich auf einen anderen Autoren einstellen müssen, aber es dauert eine Weile, sich wirklich damit abzufinden. Dann allerdings bekommt der Leser alles, worauf er Jahre gewartet hat. Die Welt um "Das Rad der Zeit" entfaltet sich gewohnt gewaltig und entbehrt an nichts.

Zwei Bemerkungen, die man mir durchaus als Kriteleien auslegen darf:
1) Zuerst die Anmerkungen und den Anhang durchstöbernd - um die Erinnerung aufzufrischen und zu sehen, ob und was sich geändert hat - stieß ich auf einen Brief, den Moiraine Damodred, die Aes Sedai, die Rand aus seinem Dorf in sein Schicksal führte, an Thom Merrilin geschrieben hat. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt um ihren Tod und gab dem Gaukler noch die Information, die er für sein Seelenheil brauchte. Ich habe diesen Brief in den Vorgängerbänden nicht nachgeschlagen, aber meiner Meinung nach hat sie darin nicht angedeutet, dass sie "wiedergeboren" wird. Wir kennen ja das Spielchen: Die Verlorenen werden von Rand al'Thor vernichtet und dann in einem anderen Körper wiedererweckt. Streckt die Serie und hält die Fans hin.
Aber Moiraine? Also das wüsste ich noch, denn ich mochte sie eigentlich immer ganz gerne und hätte mich gefreut, sie wiederzusehen. Aber mit dieser Figur hatte ich nach ihrem grandiosen Ende abgeschlossen.
Wenn sie allerdings schon wiedergeboren sein sollte, dann habe ich sie noch nicht gefunden, nun aber einen Grund, mich darauf zu freuen.
2) Der Übersetzer wechselt eine Begrifflichkeit. Beim Volk der Aiel war stets die Rede davon, den "Rest eines Restes" zu retten. Plötzlich jedoch ist es "Das Relikt eines Reliktes" ohne, dass näher darauf eingegangen wird. Es ist aber definitiv das gleiche gemeint.
Andreas Decker ist schon seit einigen Bänden dabei, darum wundert mich das nun doch ein wenig. Nicht, dass es schlimm wäre, aber zwischen Rest und Relikt gibt es nun doch den ein oder anderen Unterschied und der Sinn dieses Satzes stellt es auch plötzlich auf den Kopf. Ich jedenfalls würde diese Prophezeiung - nichts anderes ist es ja - nun ganz anders verstehen.

Fazit: Einem Fan, der so weit gekommen ist, ist es wahrscheinlich egal, was er vorgesetzt bekommt, Hauptsache, die Geschichte findet ein würdiges Ende.
Aber "Der aufziehende Sturm" ist ein hervorragend geschriebenes Buch, das Spannung, Intrigen, Politik und Emotionen in einer bunten und sehr facettenreichen Welt bietet. Ich habe nur einige Teilstücke aufgegriffen, der Roman bietet aber noch viel mehr. Das ist auf keinen Fall rausgeschmissenes Geld!
Mit großer Erwartung sehe ich dem August entgegen, wenn Teil 2 von "The Gathering Storm" auf Deutsch erscheint.


http://www.dragonmount.com/RobertJordan/
Robert Jordan, ein Pseudonym des amerikanischen Schriftstellers James Oliver Rigney, Jr., geboren 1948 in South Carolina, begeisterte sich schon in seiner Jugend für phantastische Literatur von Jules Verne und H.G. Wells. Als ihm der Lesestoff ausging, begann er selbst zu schreiben. 1990 erschien der Auftakt zu seinem Zyklus »Das Rad der Zeit«, einem einzigartigen epischen Werk, das Millionen Fans in der ganzen Welt gefunden hat. Am 16. September 2007 erlag der amerikanische Autor im Alter von 58 Jahren einer seltenen Blutkrankheit.

http://www.brandonsanderson.com/
Brandon Sanderson was born in December of 1975 in Lincoln, Nebraska.
In December of 2007 Brandon was chosen by Harriet Rigney to complete A Memory of Light, book twelve in Robert Jordan's Wheel of Time series. Brandon is now hard at work on this epic project.



Eine ausführliche Rezension (mit Bildmaterial) gibt es hier.


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