Donnerstag, 19. November 2009

BuCon 2009 – Lesen und gelesen werden


















Bereits zum vierundzwanzigsten Mal fand am Samstag der Frankfurter Buchmesse nur wenige Kilometer entfernt in Dreieich die BuchmesseCon 2009 statt.
Hier tummeln sich die Leser und Schreiber des fantastischen Genres und können, ganz unter sich, ihrer größten Leidenschaft frönen. Neben einzelnen Verlagen wie Feder&Schwert, dem Atlantis-Verlag, dem Arcanum Fantasy-Verlag und dem Verlag Torsten Low gab es allerhand Phantastisches zum anfassen. Nicht zuletzt zahlreiche mal mehr, mal weniger bekannte Autoren. Und nicht wenige von ihnen haben live aus ihren Werken gelesen ...
Der Programmplan sah jeweils drei Veranstaltungen zur gleichen Zeit vor, so dass sich auch der eigenwilligste Leser entscheiden musste. Doch es war für jeden etwas dabei.
Norma Feye las um 12 Uhr im Transporterraum aus „Dhelian – die andere Wirklichkeit“: Nachts in ihren Träumen führt die Studentin Naomi ein aufregendes Leben im geheimnisvollen Land Dhelian. Dort ist sie Freundin und Vertraute des zukünftigen Königs Siawn. Als sie nach einem Unfall ins Koma fällt, findet sie sich ebenfalls in Dhelian ...
Neben einer wohligen Atmosphäre mit einer brennenden Kerze, besaß die Autorin auch eine angenehme Stimme. Obwohl man ihr sehr gut folgen konnte, schien die gesamte Handlung allerdings nur aus einer einzigen Nacherzählung zu bestehen ...
Um 13 Uhr las Tanja Bern aus „Die Sidhe des Kristalls“: Jack trifft eines Tages durch Zufall auf Lórian und sein Leben, gerät gehörig durcheinander. Denn plötzlich sieht er sich mit den Sídhe, den Elfen der irischen Legenden, konfrontiert. Elfenkönig Lórian nimmt Jack mit in sein von Nebeln verborgenes Tal. Nun beginnt für ihn eine Zeit voller Abenteuer und Wunder.
Die Autorin ist eine große Anhängerin von Irland und nie zuvor habe ich die irischen Namen so perfekt und gekonnt ausgesprochen gehört. Sie untermalte ihre Lesung mit Musik, die sich den einzelnen Stellen gekonnt anpasste, zum Beispiel indem Vögel sanft zwitscherten, wenn Jack den Wald betrat.
Doch leider schreibt Tanja Bern gerade an Teil 4, aus dem sie einige Passagen zum besten gab, klärte ihr Publikum jedoch nicht darüber auf, was in den ersten drei Büchern geschah. So war es schier unmöglich ihr zu folgen. Die Musik verursachte mir schnell Kopfschmerzen und da sie auch nie den Blickkontakt zu ihren Zuhörern suchte, verließ ich die Lesung schon vor ihrem Ende.


Um 14 Uhr gab es die Lesung der Dark (K) Nights, die fast vollständig (Alisha Bionda blieb auf ihrer schönen Insel) versammelt waren. Tanya Carpenter („Tochter der Dunkelheit“) las gemeinsam mit Mark Staats aus seinem neuesten Werk „Bettina Müller – Werwölfin mit Sexappeal“.
Linda Koeberl („Schattenversuchungen“) ließ es mit einer erotischen Szene richtig heiß werden und Melanie Wiechert („Zwischen Himmel und Erde“) stellte den Zuhörern etwas aus dem Fantasyroman „Die Chroniken – Widerparte und Gefolge I“ von Marc-Alastor E.-E. vor.
Alle Romane sind im Sieben Verlag erschienen.
Um 15 Uhr gab es Karl Heinz Witzko und „Dämon wider Willen“, von dem ich allerdings nur noch das Ende mitbekam. Der Raum war gut gefüllt und es wurde herzlich gelacht.
Thomas Finn wartete um 16 Uhr im Maschinenraum auf seine Fans. „Der brennende Berg“: Ritter Fabio rüstet sich zum letzten Kampf, denn das Goblinheer des bösen Astronos steht vor Firenze. Doch zuvor muss er Sternendeuterin Celeste aus den Verliesen der Höhlenstadt Zagrab befreien.
Im dritten Teil seiner Trilogie „Die Wächter von Astaria“ geht es hoch her. Herr Finn gab allen, die ihn und seine Werke nicht kannten eine kleine Einführung und schnappte sich dann seine Textstellen, die er mit verstellter Stimme (Goblin) und sehr viel Geschick vortrug. Die Zuhörer hatten auch die Gelegenheit den Autor mit Fragen zu löchern, die dieser gern und sehr weitschweifig beantwortete. Zum Schluss gab es viel Applaus für diese gelungene Lesung.
Um 17 Uhr galt es sich zu entscheiden zwischen dem Science Fiction Club Deutschland e.V., Markus Heitz, der aus „Drachenkaiser“ vorlas und Ju Honisch mit „Salzträume“, dem Folgeband von „Das Obsidianherz“ mit dem die Autorin in diesem Jahr den Deutschen Phantastikpreis gewonnen hat. Ich allerdings war müde, hungrig und musste mir unbedingt die Nase pudern, so dass ich im Panoramadeck mit einigen Lesern und Autoren ins Plaudern kam.
Um 17.30 Uhr gab der Verleger Torsten Low, der mit der Anthologie „Lichtbringer“ immerhin den vierten Platz beim Phantastikpreis belegen konnte, eine Live-Vorführung seiner Buchbindekunst, die schnell den Mittelpunkt desSaales bildete.
Um 18 Uhr galt es schnell sein und zur Lesung der Autorin Aileen P. Roberts zu gehen. „Thondras Kinder: Die Zeit der Sieben“ hatte auch ich im Handgepäck und habe es mir natürlich gleich von der Autorin signieren lassen.
Ihr Schicksal ist seit fünftausend Jahren miteinander verbunden, als der Kriegsgott Thondra sie auserwählte: die Sieben, die die Welt vor dem Zerbrechen retten sollen. Immer wieder werden sie wiedergeboren, um gegen das Böse zu kämpfen ...
Der Clou auch hier die anschließende Fragerunde, bei der es heiß her ging. Nicht nur Dinge wie Aileens Leidenschaft für Pferde und das Reiten wurden thematisiert, sondern auch, wann sie begonnen hat zu schreiben und wie es zur Zusammenarbeit mit dem Verlag Goldmann gekommen ist.
Und dann schließlich um 19 Uhr kam es zur Verleihung des Deutschen Phantastikpreises, der vom Leser vergeben wird. In der Vorrunde ist es allen, die über eine gültige Emailaddresse verfügen möglich, Vorschläge für Lieblingsbücher, Internetseiten oder Grafiker einzureichen. Die fünf, die dabei am häufigsten genannt werden, können dann in der Hauptrunde noch einmal von allen gewählt werden. Wenn man bedenkt, wie viele Bücher jedes Jahr veröffentlicht werden, ist schon die Nominierung eine große Ehre und Freude jeden Autors oder Herausgebers.


Um 20 Uhr stellte der Verleger Torsten Low die Romane und Anthologien seines Programms vor und einige seiner Autoren lasen ihre Geschichten daraus vor. Da auch mein Name bei „Lichtbringer“ auf dem Cover steht, konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Zudem las eine Freundin ihre Bardengeschichte vor (siehe Foto, Mareike Schwirske) und ich hätte es mir nie verziehen, sie nicht dabei zum ersten Mal gesehen zu haben.
Um 21 Uhr besuchte ich nichts mehr, denn ich war platt nach diesem Tag der Eindrücke. Im Panoramadeck wurden bereits fleißig die Tische und Stühle beiseite geräumt und das war für alle das Zeichen, ihre Habseligkeiten zusammen zu packen. Die Mutigen stiegen noch am gleichen Abend in die Züge und fuhren gen Heimat, die weniger Tapferen wollten sich erst ausschlafen. Andere gingen noch in losen Gruppen miteinander was trinken ...
Es war fantastisch im wahrsten Sinne des Wortes. So viele Autoren und Autorinnen zusammen, jeder einzelne ein Unikat. Hier ein Dialekt aus der Schweiz, dort einer aus dem Ruhrgebiet und wieder einer, der auf einen nichtdeutschen Hintergrund schließen lässt. Sie alle haben mir einen wundervollen Tag gegeben und dafür danke ich allen, den Veranstaltern, den Ausstellern, den Autoren und natürlich den Besuchern ganz herzlich!
Vielleicht trauen sich im nächsten Jahr noch einige Leute mehr mit einem Kostüm hinzu. Mir würde das gefallen.


Kommentare:

  1. Hört sich an, als ob du wirklich eine Menge Spaß gehabt hättest. Und als ob man deutlich mehr Kontakt zu den Autoren finden konnte, als bei den großen Messen. :)
    Wenn ich nächstes Jahr nach den Messetagen noch laufen kann, dann guck ich bestimmt mal bei der BuCon vorbei. ;)

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  2. Spaß jede Menge! Am Ende des Tages war ich aber völlig erschöpft und gehörte zu den weniger Mutigen *gg*
    Man bekommt mehr persönlichen Kontakt, das stimmt. Kann ich nur empfehlen.

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  3. Vielen Dank für den tollen Bericht, der macht wirklich Lust auf mehr - und ein schönes Foto von Herrn Finn. :)
    Vielleicht schaffe ich es ja auch mal auf den BuCon, möglicherweise sogar schon nächstes Jahr. Dann wäre es allerdings toll, wenn Herr Heitz nicht schon wieder gewinnen würde - und wenn jemand bestimmtes wenigstens auf der Shortlist auftaucht. ;)

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  4. Büdde! Ich kann es wirklich empfehlen und würde mich sehr freuen, den ein oder anderen Blogger dort zu treffen ;)
    Und Du hast Recht: Ein bisschen Abwechslung wäre toll! Aber ich fürchte, das müssen wir den Fans sagen, die sich vom Namen leiten lassen ;) Immerhin stimmen sie ja ab.

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  5. "Aber ich fürchte, das müssen wir den Fans sagen, die sich vom Namen leiten lassen"
    Das ist wohl der Grund, warum meine Favoriten nicht gewonnen haben ... >g<

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