Donnerstag, 18. Juni 2009

Frühlingsküsse - Roisin Meaney



May hat eine Kette von einem Unbekannten geschenkt bekommen und hofft, sie sei von ihrem heimlichen Schwarm dem Briefträger. Sie hat vor einigen Jahren ihren gutbezahlten Job aufgegeben, um dann von Gelegenheitsjobs zu leben. Allerdings ist sie wirklich begabt was Gartenarbeit und anstreichen angeht, verdient damit auch gut. Ihr Verlobter hat sie kurz vor der Hochzeit sitzen lassen, um dann klammheimlich ihre Cousine zu ehelichen. Von dem Schock erholt sie sich nur langsam. Während ihrer Arbeit trifft sie auch auf Nachbarn. Das schwule Pärchen von nebenan oder die Lehrerin, die ein Verhältnis mit dem gebundenen Vater einer Schülerin hat. Ihre Haushaltshilfe - ihr pflegebedürftiger Vater lebt bei ihr - die anscheinend eine super Ehe führt, aber von ihrem Mann terrorisiert wird. So erlebt der Leser eine Woche im Leben all der Personen und auch, dass May sich neu verliebt.

Das Buch hat mir gut gefallen, aber es hat leider ein ganz großes Manko: die vielen Personen. Meaney lässt jede einzelne von sich erzählen. In kurzen Abschnitten von einer bis drei Seiten berichten sämtliche Leute in der Umgebung Mays und darüber hinaus (jeder scheint jeden irgendwie zu kennen) von ihren Alltäglichkeiten. Da wäre eine Personenliste angebracht gewesen; ich habe mir eine solche erstellt, denn wenn man das Buch mal einen Tag zur Seite legt, hat man am nächsten ein Problem.
Cover und Klappentext suggerieren einen fröhlichen, unbeschwerten Roman für laue Sommernächte, aber genau das ist ein Trugschluß. Hier wartet wesentlich mehr. Von Ehebruch, Schwulenfeindlichkeit bis hin zu Gewalt in Familien ist alles dabei. May spielt nur eine der vielen tragenden Rollen und beinahe ist sie auch die einzige, die so etwas wie ein Happy End vorlegen kann.
Sieht man allerdings davon ab, ist das wirklich ein schönes Buch, das mir sehr gefallen hat. Jede Person ist einzigartig und ich lernte sie genug kennen, um mit ihr fühlen zu können. Auf alles hat Meaney Rücksicht genommen, alles hängt irgendwie zusammen. Hätte die Autorin doch nur nicht alles mit den letzten beiden Sätzen verdorben ...
Nein, das Buch ist wirklich lesenwert und ich empfehle es gern weiter.


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