Sonntag, 10. Mai 2009

Vampire küssen besser - Savannah Russe




Ich mag es eigentlich gar nicht, Bücher zu verreißen. Oft reicht ein "Hande weg!" (mit Grundangabe) auch aus. Aber nach diesem Buch weiß ich wie es ist, wenn man sich einfach nur aufregt. So was Dussliges habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Darum habe ich auch nur bis Seite 100 durchgehalten (warum folgt) oder aber bis Ende Kapitel 4.


Daphne Urban, eine jung aussehende Frau mit blasser Haut erzählt dem Leser in der Ich-Form von ihrem Leben. Sie ist ein Vampir und das schon seit 450 Jahren. Lange schon hatte sie keine Liebesbeziehung mehr, ihr letzter Gefährte war in der Tat niemand anderer als Lord Byron. Mit diesem Gedanken geht sie schlafen und wacht sie auf. Eines Nachts, sie will gerade ihren Pass ungesetzlich verlängern lassen, wird sie von einer Geheimdienstorganisation geschnappt und für die Vereinigten Staaten verpflichtet. Sie soll den bekanntesten und gefährlichsten Waffenhändler der Welt ausspionieren.
Zu ihrem Chef, der Vampire hasst, fühlt sie sich hingezogen und glaubt zu bemerken, dass auch er auf sie steht. Zwei weitere Vampire, von denen sie einen kennt, sind ebenfalls angeheuert worden. Nebenbei wird sie von einem geheimnisvollen blonden Mann verfolgt, der sich als Darius herausstellt und nicht über seine Vergangenheit sprechen will. Nach nur einem Blick in seine Augen ...


Ok, ich habs versucht, ehrlich. Aber anders kann ich den Inhalt jetzt nicht mehr zusammenfassen. Russe hat den Vampir als solchen mal völlig anders dargestellt. So sind jene völlig "normal", sie essen (Salat) und trinken (Selter) und müssen, um Vampir zu sein, eine Verwandlung durchlaufen. Dann wachsen sie, sind mit Fell bedeckt und gleichen Fledermäusen. An und für sich eine nette Idee, aber sie ist ziemlich unausgegoren und Russe hat viele Dinge vergessen, die in dieses Bild nicht hineinpassen. Überhaupt hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, sie hätte vielleicht doch lieber einen Roman über Werwesen schreiben sollen. Oder am besten gar nicht, denn vom Schreiben hat sie keine Ahnung, so leid mir diese Aussage auch tut.
Die vielen Rückblenden am Anfang sind langweilig und gestelzt. Wenig glaubhaft obendrein. Schließlich macht sich Daphne auf den Weg, um ihren Pass umschreiben zu lassen - das Geburtsdatum muss alle zwanzig Jahre geändert werden. Sie kennt da einen zwielichtigen Mann in einer noch zwielichtigeren Gegend. Dass sie verfolgt wird, nimmt sie wahr, aber kommt nicht auf die Idee, ihre Vampirsinne (die sie im übrigen nicht hat) einzusetzen oder einfach einen anderen Weg, als die Straße zu wählen.
Als sie in die Wohnung kommt, in der es dunkel ist und wo auch niemand auf ihre Rufe reagiert, wird sie von zwei Männern überwältigt und vor einen Anzugmann, der im Sessel sitzt, gebracht. Später, im Büro des Geheimdienstes, wird sich herausstellen, dass sie mehrere Kampfsportarten beherrscht und auch sehr stark ist. Aber nur ein Mann reicht aus, um sie am Boden zu halten. Sie riecht seine Angst und tut - nichts! Der Anzugmann legt ihr ihr gesamtes Untotenleben dar, sogar ihre geheimen Gedanken, in die der Leser schon Einblick erhalten hat. Das lässt wohl den Schluss zu, dass wir es mit einer ziemlich bekloppten Vampirin zu tun haben, die es zugelassen hat, dass man ihr derart auf die Schliche kommt, die immer ihren richtigen Namen verwendet und oft an den gleichen Plätzen gelebt hat. Natürlich hat Daphne jetzt Angst, sie tut aber immer noch nichts. Die reine Drohung: "Wir werden Sie finden!" reicht aus, sie am nächsten Abend zu einer bestimmten Adresse zu bringen.
Da trifft sie auf den Chef, den sie der nächsten Zeit haben wird, der im übrigen "J" heißt. Und ja, richtig, sogar Darius, wird ihn später so nennen, der heißt also nicht nur so, weil auch Vampire mal ins Kino gehen. Tja, jedenfalls ist er wohl süß und als er ihr in die Augen sieht, spürt sie, dass er sie am liebsten flachlegen will. Aber nein, der böse Mann tut nichts anderes, als ihr seitenweise zu erklären, was für ein verdorbenes Miststück sie ist, weil sie ein Vampir ist. Die sogenannte Geheimdienstorganisation bringt dann insgesamt drei Vampire zusammen, deren Aufträge bis Seite 100 nichts miteinander zu tun haben, die aber so halb offen dargelegt werden, damit auch wirklich alle bescheid wissen.
Zurück in ihrer Wohnung, mit zweihundert Seiten absolut geheimen Geheimmaterial, das sie sich ausdrucken und lesen kann, bekommt sie erstmal Besuch von ihrer Mutter. Ja, sie ist auch eine Vampirin und nicht älter als 800 Jahre. Und - meine Güte - niemand anderer als die berühmte Marozia. Jene Frau aus der Historie, die mit einem Papst geschlafen hat, seine Geliebte wurde, ihm einen Sohn gebar, der dann auch Papst wurde und somit eine ganze Weile die Kirchengeschichte doktrinierte. Sie sieht selbstverständlich nicht älter aus als achtzehn, hat aber - ganz Mommylike - nichts besseres zu tun, als ihrer Tochter einen Mann aufzuschwatzen. Ganz nebenbei wird der Vater Daphnes erwähnt, über den die Mutter nie wirklich spricht. Offenbar kennengelernt als Sterblichen, dann zu einem der ihren gemacht, dann geheiratet und schließlich eine Tochter geboren. (Aus einem toten Körper, macht viel Sinn).
An der Stelle war ich dem Heulen nahe, aber ich habe mir vorgenommen, bis Seite 100 durchzuhalten. Als sie dann am nächsten Abend Selbstbräuner verwendet, um nicht mehr so blass auszusehen und auf Darius, ihren blonden Verfolger trifft, wollte ich unbedingt bis zur ersten allerintimsten Szene lesen. Ich dachte, die könnte mich doch vielleicht entschädigen.
Darius weiß nicht, dass sie ein Vampir ist und nach der Selbstbräunungsaktion sieht sie auch nicht mehr danach aus. Da es viele Vorurteile gibt, unter anderem, dass Vampire nur Blut trinken (*pf Anfänger) und sie sich in einem Restaurant was zu essen bestellt, nimmt er ihr ab, dass sie eine Sterbliche ist. Nach diesem Essen (und wegen ihrem sexuellen Notstand, auf den sie uns zum gefühlten zweihundertdreißigsten Mal hinweist) nimmt sie ihn mit in ihre Wohnung und sie geben sich einander hin. Er wundert sich im übrigen nicht, dass sie eventuell kalte Haut haben könnte, denn nicht ein einziges Mal hat sie bisher Blut getrunken. Eigentlich müsste sie, wie später noch erwähnt wird - aber das wird zu verwirrend.
Nein, der Sex war nicht gut. Oh ja, und ein Fehler, wie Darius nach dem dritten Mal feststellt.


Russe wartet auf mit platten Dialogen und einer so zusammengeschusterten Handlung (Shopaholic, Men in Black etc.) und auch historischen Gestalten, bei denen man weinen möchte, dass ich das Buch bei weitem nicht empfehlen kann. Es liest sich noch nicht einmal gut. Die Autorin klatscht da Wörter aneinander, die meist wenig Sinn ergeben und sich stoisch zu Sätzen bilden, die aus Klischees und Unlogiken bestehen. Vor der Handlung gruselt es mich auch, aber nicht, weil es immer Nacht ist und um Vampire geht. Ich habe, glaube ich, noch nie so ein schlechtes Buch gelesen. Da bekommt Lara Adrian noch eine Chance, die versteht wenigstens was vom Handwerk.


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