Freitag, 10. April 2009

Herr Nakano und die Frauen - Hiromi Kawakami




Hitomi Suganuma arbeitet in Herrn Nakanos Antiquitätengeschäft. Doch, so sagt er ihr, wir handeln nicht mit Antiquitäten, wir handeln mit Trödel. Herr Harou Nakano beschäftigt außerdem noch Takeo Kiryu, der den Trödel abholt und repariert. Auch Masayo, Nakanos Schwester, hilft mit.
Hitomi verliebt sich in Takeo, aber der hat Angst vor den Menschen und kann sie nicht wirklich an sich heranlassen. Sie gehen ein paar Mal miteinander aus, schlafen sogar miteinander, aber Takeo kann nicht zu dem stehen, was er fühlt. Hitomi ist sehr unglücklich.
Währenddessen hat Herr Nakano, der zwei Exfrauen und eine Ehefrau (mit Baby) hat, eine Geliebte. Und Masayo trifft ihre große Liebe wieder. Im Grunde dreht sich alles um "Alt und Neu", Beziehungen genauso, wie die Sachen, die im Geschäft verkauft werden. Doch dann gibt Herr Nakano seinen Laden auf und die Wege trennen sich. Bis ...


In der Ich-Form erzählt Hitomi dem Leser, was sie im Laden und mit Herrn Nakano erlebt. An jeder Sache, die im Geschäft verkauft oder angeboten wird, hängt eine (Liebes-) Geschichte. Ob es der alte Tadokoro ist, der Aktbilder seiner verstorbenen Frau anbietet, weil er Geld braucht. Ob es ein junger Mann ist, der von seiner großen Liebe verflucht wurde und Selodonschalen verschenkt.
Kawakami flechtet ein enges Netz zwischen Handlung und Umgebung. Nicht ohne Grund arbeitet das Liebespaar in einem Laden, in dem Altes wie Neues angeboten wird. Der wahre Wert einer Sache stellt sich erst bei genauem Hinsehen heraus. Hitomi und Takeo befinden sich in einem Zustand der Schwebe, erst als Nakano seinen alten Laden aufgibt, stellen sich beide ihrem Leben, als hätten sie vorher in einer Art Luftblase gelebt, in der nichts an sie herangekommen ist. Sie gehen getrennte Wege, sind alt, aber werden auch zu etwas Neuem. Wie die Dinge, die sie einst verkauften.
Masayo ist ebenfalls ein gutes Beispiel dafür. Ihre einstige große Liebe ließ sie vor vielen Jahren gehen. Er heiratete eine andere, verlässt sie aber für Masayo, hält es bei der Geliebten nicht lange aus, zurück zur Frau, zurück zur Geliebten. Was ist da alt, was ist neu?
Bei all dem gibt es aber immer etwas, das bleibt. Egal wie alt etwas ist, ob man es behalten kann oder davon getrennt wird, Gefühle hängen an allem. So kann Hitomi auch Takeo nicht vergessen, auch wenn sie es noch so sehr versucht. Und ja, es ist ein Liebesroman, wie es der Definition entspricht, denn es gibt ein Happy End für die beiden. Ich wäre enttäuscht gewesen, wäre es anders gekommen.
Hitomi gefällt mir als Figur sehr gut. Sie ist jung und sympathisch, durch sie erlebte ich das Japan der heutigen Zeit aus den Augen einer Frau, die so alt ist wie ich. Takeo ist liebenswert und obwohl man ihn eigentlich für einen Feigling halten müsste, tat ich das nicht ein einziges Mal. Er ist irgendwie knuffig, auch wenn er Hitomi sehr weh getan hat. Aber sich selbst sicher ebenso.
Es gibt durchaus Dinge, da dachte ich, hätte das eine andere geschrieben und das in einer anderen Art, die Kritiker hätten das Buch in der Luft zerrissen. So ist das Thema Sex oft sehr vordergründig und fließt in etliche Dialoge mit ein. Aber alles mit Niveau und das spürt man. Aber auch das Ende, immerhin sind nicht weniger als drei Jahre vergangen, scheint mir etwas unrealistisch. Aber dennoch glaubhaft.
Ein Roman, wie er sein sollte. Ich mochte ihn auf jeden Fall sehr und werde versuchen, mir auch das zweite (oder besser: erste) Buch der Autorin zu besorgen.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!


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