Mittwoch, 11. Februar 2009

Dem Tode nah - Linwood Barclay





Selbstgerecht erscheint die Hauptfigur des Vaters bis zum Ende und übertreibt es schon fast. Der einsame Cowboy, der wenig redet, aber stets richtig handelt, in ein modernes Umfeld gebettet und vor ein Problem, das seine Familie bedroht, gestellt. Im Prolog des Romans versteckt sich der siebzehnjährige Derek im Keller seines besten Freundes und Nachbarn Adam. Dieser muss mit seinen Eltern in den Urlaub fahren und Derek freut sich darauf, endlich ein kleines Fleckchen Erde nur für sich zu haben. Für sich und seine Freundin Penny, die er nur zu gern endlich beschlafen würde.
Doch der Zufall macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Adams Mutter erleidet einen Rückfall und die Familie kehrt zurück. Noch bevor Derek sich aus dem Haus schleichen kann, dringt ein Bewaffneter ein und erschießt die Familie.
Danach erlebt der Leser das Geschehen aus Sicht seines Vaters Jim, dem zunächst eher weniger an der Aufklärung des Mordfalles gelegen ist, der sich vielmehr mit anderen Porblemen herumschlagen muss. Doch als sein Sohn offenbar immer mehr ins Visier der Ermittler rückt, versucht er auf eigene Faust etwas herauszufinden. Dabei hat er aber stets nur die (unbewußte?) Rache am Chef seiner Frau Conrad Chase im Sinn, die vor vielen Jahren eine Affäre mit diesem gehabt hatte. Auffällig ist auch der ungeklärte Selbstmord eines hochbegabten Studenten, an dessen Computer Derek gekommen ist und auf dem sich ein Mansukript verbirgt, das dem Bestseller Conrad Chase auffällig gleicht.
Jim arbeitete vor einiger Zeit für den Bürgermeister, der sich mehr als einmal daneben benommen hat und sicher auch vom Autor als Konstrastfigur geschaffen wurde, um den aufrechten Mann Jim noch rechtschaffener, ehrlicher und auch stolzer darzustellen (und auch eine-wir-hier-unten und die-da-oben Rolle beizubehalten). Diese Gegenüberstellung ist geglückt, doch war sie mir etwas zu sehr an der Grenze zu Klischee und Abklatsch. Alles in allem ist "Dem Tode nah" ein spannender Roman (meiner Meinung nach aber eher Krimi als Thriller), der mit einigen Verdächtigen aufwarten kann, die den Leser immer mal wieder in eine falsche Richtung führen. Ich bin mit dem Ende nicht wirklich einverstanden, es wirkt mir eine Spur zu konstruiert und die Motivation des Täters kann ich, was Jim und seine Familie angeht, nicht nachvollziehen. Auch, dass alles so wirklich positiv ausgeht, vor allem für Jim, hat mir nicht gefallen, wenn es natürlich auch den Gerechtigkeitssinn des Lesers ansprechen dürfte.
So, wie der Roman aufgebaut und geschrieben wurde, ist er sehr ansprechend für die meisten Leser gemacht und lässt sich sicher auch sehr gut verfilmen. Ich allerdings bin einfach nicht mit der Hauptfigur des Vaters warm geworden und einige Stellen des Buches zogen sich doch recht in die Länge. Dennoch würde ich das Buch, schon allein wegen Preis und Cover, weiterempfehlen.


Kommentare:

  1. Oh man mir ging das mit Jim genauso. Ich hätt den Mann würgen können. So ein selbstgerechter Hansel :-). Ich fand gesamt den ganzen Fall nachher einfach zu konstruiert. Ich weiß auch nicht, obwohl es echt spannend war und ich auch häufig voll in die Falle getappt war, hat es mir nicht ganz so gefallen. Ich schieb das einfach mal Jim in die Schuhe *lol*

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  2. Ging mir ebenso. Klar, sehr Mainstream und damit wohl gut zu verkaufen und eben "für die breite Masse", aber so wirklich gut?
    Jim mochte ich nicht, so ein Ekel!
    Meine Mutter dagegen las es gern, aber ich bin auch eigentlich nicht so für Krimi/ Thriller zu haben... ob's daran liegt?

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