Sonntag, 25. Januar 2009

Firmin - Ein Rattenleben - Sam Savage





Du bleibst eben immer was du bist, vor allem für andere. Einmal Ratte, immer Ratte; welch Ironie für Firmin, hat er doch sein Leben lang versucht, jemand anderer zu sein. In seinen Träumen war er stets einer der Helden aus Buch oder Film, zwei Medien, die er sehr verehrt hat. So verehrt wie die erste und zweite Liebe seines Lebens. Nun, Norman hat versucht ihn umzubringen und Jerry starb, ehe Firmin sich entscheiden konnte, ob auch er nur ein Trugbild, ein Ideal, das es so nie gegeben hat, war. Die Ratte Firmin wird in einem Buchladen geboren und merkt irgendwann, dass sie die Seiten der Bücher nicht nur anfressen, sondern auch lesen kann. Sie haben alle einen eigenen Geschmack: süß, bitter, sauer, bittersüß, ranzig, salzig, scharf. (Geht es uns Lesern nicht auch oft so, dass wir Bücher als schmackhaft empfinden? Oder sie uns zu schwer im Magen liegen?) Er weiß, rein theoretisch steht ihm die Welt offen, aber praktisch kommt er nie aus der Buchhandlung und ihren weiteren Etagen hinaus. Er lebt in der Welt und er versteht sie weiß Gott besser, als ein Vielgereister, trotzdem bleibt sie ihm stets Geheimnis, das es zu ergründen gilt.


Das ist das erste Buch von Sam Savage, einem Mann fortgeschrittenen Alters, der in Philosophie promovierte, eine zeitlang unterrichtete, aber meist in Berufen arbeitete, die damit nicht viel zu tun hatten. Die Ratte Firmin ist absolut liebeswert und wüsste man es nicht, so würde man sie für einen Menschen halten. Die Zeit, in der das Geschehen spielt und die hervorragend recherchiert (und erlebt?) wurde, könnte nicht besser dargestellt werden. Die Emotionen aller Figuren übertragen sich mit Leichtigkeit auf den Leser und schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Firmin ist in seiner Rolle als gebildete Ratte glaubhaft und wirkt nicht ein einziges Mal aufgesetzt. Ja, nicht einmal wirklich fiktiv. Das meiste kann entweder als real oder als Sinnbild verstanden werden, es würde sich absolut gleich bleiben. Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass wir von Sam Savage noch viel mehr zu lesen bekommen.


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