Sonntag, 25. Januar 2009

Das Licht des Nordens - Jennifer Donnelly





Mattie (Mathilde) Gokey ist ein sechzehnjähriges Mädchen, das in der absoluten Wildnis des Nordens in North Woods in Neuengland lebt. Ihre Mutter ist vor nicht allzu langer Zeit gestorben und sie muss sich als Älteste um ihre Geschwister kümmern. Mattie liebt das lesen und sie liebt Bücher. Sie schreibt auch und das so gut, dass sie schon manches Mal einen Preis gewonnen hat. Ihr Ziel ist es, aufs College zu gehen und eine große Schriftstellerin zu werden. Der Vater ist im Kummer um die Mutter hartherzig geworden und erlaubt Mattie nicht, zu gehen. Hin und her gerissen, auch wegen dem letzten Versprechen, das sie der Mutter gegeben hat, lebt Mattie in den Alltag hinein und begräbt ihren Traum immer ein wenig mehr. Sie hat kein Geld, die Erlaubnis ebenfalls nicht und ihre Geschwister will sie auch nicht allein lassen. Durch den Tod des Esels (ein neuer kostet viel Geld) erlaubt ihr Vater schließlich doch, dass sie während des Sommers im eleganten Glenmore Hotel arbeitet. Dort lernt sie flüchtig die junge Grace Brown kennen, die ihr einige Liebesbriefe übergibt und ihr das Versprechen abnimmt, diese zu verbrennen. Noch am gleichen Tag wird die Leiche Graces ins Hotel gebracht. Es heißt zunächst, sie sei ertrunken, doch die große Wunde auf ihrer Stirn ist unübersehbar. Mattie versucht anfangs, dem letzten Wunsch des Mädchens nachzukommen, als sich ihr aber keine Gelegenheit bietet, liest sie die Briefe und bekommt schon bald einen schlimmen Verdacht.


"Das Licht des Nordens" ist ein Buch, das lange nachwirkt. Unglaublich viel transportieren die einzelnen Worte, Sätze und Kapitel, als hätte Donnelly eine eigene Sprache konstruiert. Dieses Buch ist anders. Es ist wunderschön, auch wenn die Dinge, von denen erzählt wird, alles andere sind. Alles empfand ich als echt, die Nachbarn und deren Beziehung zueinander, die Gefühle innerhalb der Familie, das Verhältnis zu Royal Loomis. Ich konnte sie "sehen", schmecken, fühlen und das passiert mir nicht oft. Die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Jahr 1906 durch die Briefe eines Mordopfers ihr eigenes Leben überdenkt, ist auf sehr eindringliche, aber auch feinsinnige Weise geschrieben. Es wechseln sich Kapitel des Jetzt und Kapitel des Früher ab, bauen aufeinander auf und verstricken sich auch zuweilen. Stück für Stück taucht der Leser in das Leben Matties ein, die viel zu klug für ihre Zeit und Umgebung ist, aber zu viel Angst hat, sich dies einzugestehen und ihren eigenen Weg zu gehen. Volle Punktzahl, ein absolutes Muss für jeden, der gern richtig gute Literatur liest!


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