Mittwoch, 15. November 2017

(DVD) Zarah - Wilde Jahre (Staffel 1)

Titel: Zarah - Wilde Jahre (Staffel 1)
Darsteller: Claudia Eisinger, Uwe Preuss, Torben Liebrecht, Jörn Hentschel, Ole Puppe
Regisseur(e): Richard Huber
Sprachen: Deutsch
Euro: je nach Anbieter
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 270 Minuten (2 DVDs)
FSK: 12
Come in: Agentur








 Klappentext
1973. Als die bekannte Frauenrechtlerin Zarah Wolf das Angebot des renommierten Verlegers Frederik Olsen bekommt, Mitglied der Redaktion seiner auflagenstarken Illustrierten "Relevant" zu werden, sieht die engagierte Journalistin die Gelegenheit gekommen, das Thema der Emanzipation machtvoll voranzutreiben und kehrt von London nach Hamburg zurück. Schnell muss Zarah erkennen, dass der Widerstand der Männerkaste - von alltäglichen Macho-Allüren über blanke Ignoranz bis zur konsequenten Besitzstandswahrung - unüberwindlich scheint. Zarahs Themen sind bedeutsam, für die meisten männlichen Kollegen jedoch nur "Gedöns": der Kampf gegen den § 218, der Abtreibung mit Zuchthaus sanktioniert, gegen einen virulenten, alltäglichen Sexismus, gegen eheliche Gewalt an Frauen, die meist straffrei bleibt, und für Gleichberechtigung auf allen Ebenen.
Um sich gegen Olsen, Chefredakteur Hans-Peter Kerckow, den konservativen Politikchef Schaffelgerber, den mit hohem Testosteronspiegel ausgestatteten Kulturredakteur Hartwig oder den cholerischen Chefgrafiker Balkow durchzusetzen, geht Zarah riskante Wege und lässt sich bald auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein. Dass Verlegertochter Jenny, die ihr Olsen als Volontärin zuordnet, sich in Zarah verliebt, macht die Sache nur noch komplizierter. Und Zarah muss sich klar darüber werden, was sie für ihre Karriere und ihre politischen Ziele bereit ist zu opfern...



Meinung
Die erste Staffel der "Wilden Jahre" mit sechs Folgen à 45 Minuten wurde erstmals im September 2017 im deutschen TV ausgestrahlt, aber leider schon sehr schnell immer wieder verschoben und dann auch noch in einen der Untersender verfachtet. Dabei hat die Serie einiges zu bieten, was sich durchaus lohnt anzuschauen. Ausstattung, Handlungsaufbau, Nebencharaktere wissen in jedem Fall zu überzeugen und interessiert bis zum Ende, das dann für den geneigten Zuseher viel zu schnell und mit einem fiesen Cliffhanger daherkommt, zuzuschauen bereitet keinerlei Mühe.
Die erste Folge hat es leider nicht ganz einfach gemacht einzusteigen. Obwohl Claudia Eisinger in der Rolle der Zahra Wolf brilliert, ist sie gerade hier äußerst unsympathisch konzipiert worden. Nicht nur ist die Figur viel zu sehr von sich überzeugt und gibt das auch jederzeit und überall bekannt ("Oder kennst du noch eine Frau, außer mir, die schreiben kann?"), sie wurde auch recht klischeehaft mit roten Haaren und lesbisch angelegt (und noch einigen Dingen mehr, einzeln völlig okay, aber so geballt recht aufgesetzt). Auch Anfangsszenen wie das Treffen der Feministinnen sind nicht dazu gemacht, den Zuschauer an sich zu binden, denn diese sind noch klischeehafter gestaltet und ausgestattet worden und diskutieren zudem über ihre Vaginas ("mystische Orte", "Tropfsteinhöhle aus Fleisch mit einem Stalaktit"), statt relevante Dinge. An dieser Stelle wäre fast bereits nach zehn Minuten für mich Schluss gewesen.
Durchhalten lohnt, denn die einzelnen Folgen sind hervorragend recherchiert und mit einem geeigneten Spannungsbogen versehen worden, nicht eine Sekunde Langeweile kommt auf. Besonders hervorzuheben sind ebenfalls die zahlreichen Originalaufnahmen der 70er Jahre, die regelmäßig eingestreut wurden.
Zahra wird nun stellvertretende Chefredakteurin und muss sich mehr als erstaunt die Augen reiben, wie stark ausgeprägt der Alltagssexismus in der Redaktion ist. Sie verharrt jedoch nicht darin, sondern fasst schnell einen Plan, etwas zu ändern. Leicht machen es ihr die Mitarbeiter, auch Frauen, nicht gerade. In Folge 1 wird das Thema des Covers vom Magazin aufgegriffen, auf dem ein Musiker gezeigt werden sollte, der von zwei knienden barbusigen Frauen angebetet wird. Zahra sorgt dann eigenmächtig dafür, dass letztendlich der Musiker allein, von hinten und barpoig gezeigt wird, ein Skandal damals. Obwohl das Thema klar erkennbar ist, hält sich jedoch die eigene Serie nicht daran, denn auch hier gibt es blanke Busen und offenen Sex zu begutachten, beides wird übrigens für die eigentliche Geschichte nicht gebraucht. Auch die oftmals reichlich knappen Kostümchen der Hauptdarstellerin nicht.
Die Nebenfiguren sind mehrheitlich in der Redaktion des Magazins angeordnet, allerdings hat Zahra auch eine Mutter und zwei Freundinnen. Auch hier formt der Umgang Zahras mit eben den ihr nahestehenden Personen ihren Charakter und auch hier ist reichlich Konfliktpotential geboten - wirklich nahe geht einem die Figur nicht, dazu ist sie zu selbstsüchtig. Dennoch vermag es die Serie auch emotionale Tiefe überzeugend rüberzubringen, nicht zuletzt, weil sich Zahra eben doch manchmal an das Menschliche in sich erinnert.
"Zarah - Wilde Jahre" greift ein sehr wichtiges Thema auf und beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit diversen Aspekten der deutschen (und weiblichen) Geschichte, es wäre nur wünschenswert gewesen, das Thema etwas aktueller zu halten, denn die 70er liegen eine ganze Weile zurück. Jedoch allein das Thema zurück ins Bewusstsein zu schieben, verdient jedes Lob. Unterhaltsam ist es allemal geglückt, spannend, vielschichtig, vielleicht manchmal etwas zu übertrieben, aber immer mit Biss.
Empfehlung: Mehrmals anschauen!


Kommentare:

  1. Kennst du Good Girls Revolt? Das Thema ist sehr ähnlich, allerdings geht es um eine ganze Reihe von Frauen. Ich fand die Serie viel stärker und auch sympathischer als Zahra.

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    1. Die Serie kenne ich leider nicht, aber bin immer wieder über den Namen gestolpert bei der Recherche für diese. Vielleicht sollte ich mal reinsehen, allerdings gefiel es mir schon zielmich gut, dass die Serie in Deutschland und eben mal nicht in Übersee gespielt hat. ;-)

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