Dienstag, 18. Oktober 2016

Skin - Das Lied der Kendra - Ilka Tampke

Titel: Skin - Das Lied der Kendra
Autorin: Ilka Tampke
Originaltitel: Skin (The Song Of The Kendra 01)
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531430
Euro: 19,99
Veröffentlichungsdatum: April 2016
Seiten: 480
Serie: Das Lied der Kendra 01
Come in: Tausch









Inhalt

Britannien im Jahre 43 n. Chr. Ailia wird als Säugling auf der Schwelle der Kochhütte in Caer Cad ausgesetzt und von Kochmutter großgezogen. Als Findelkind kennt sie ihre Herkunft und ihre Familie nicht, was fatal ist, denn so wird sie ein ewiger Außenseiter bleiben. Jedem Kind wird eine "Haut" vererbt, eine Art Totem, ohne die eine Ausbildung und damit ein angesehener Platz in der Gesellschaft nicht möglich ist. Ailia ist jedoch durch ihre Ziehmutter mit einigen Privilegien ausgestattet und durch ihre Schönheit fällt sie dem Krieger Ruther auf. An Beltane liegt sie bei ihm, verspürt jedoch keine Liebe. Als sie auf den geheimnisvollen Talisien trifft, ändert sich das. Doch sie und er können nicht zusammen sein, wenn Ailia ihr wahres Erbe nicht erkennt. Hinzu kommt, dass Britannien in Aufruhr ist, die Stämme sind uneins und der Feind, Rom, steht vor der Tür. Es braucht die große Kendra, um alle zu einen und in den Kampf zu führen - doch die ist vor einigen Jahren ohne Nachkommen gestorben.

Meinung

Das Buch der Debütautorin hat es in immerhin sechs Übersetzungen geschafft, was vermutlich der Ähnlichkeit zu Zimmer Bradley und der TV-Serie "Outlander" geschuldet ist. Obwohl der Beginn des Romans ein kleiner Page Turner ist, verliert sich die Autorin dann leider in einigen Unlogiken und verrennt sich auch ein wenig in Abstrusitäten. Das sind eher Kleinigkeiten, jedoch stören sie den Ablauf der Geschichte erheblich, so dass es schwer ist, am Ball zu bleiben. Der Roman ist daher zwar lesenswert, aber schon allein wegen seinem Preis eher für die Kategorie: Kann man, muss man aber nicht. Leider ist er nicht in sich abgeschlossen; das Ende verrät eine Fortsetzung, die jedoch noch nicht einmal geschrieben ist.
"Das Lied der Kendra" ist in die historische Fantasy einzuordnen; historische Realität ist mit wenigen phantastischen Elementen angereichert worden. Tampke hat hervorragend das Leben im Britanien des ersten Jahrhunderts recherchiert und es verstanden, es dreidimensional wiederzugeben. Ailia wird als Kind gezeigt und mit ihr das Leben und Wirken der Menschen, die sie umgeben. Als sie ins Alter kommt, in dem jede Mutter das Haut-Lied für ihr Kind singt, ist sie allein und es zeichnen sich nicht nur die Rituale der Stämme, sondern auch Ailias zukünftiges Leben ab. Die Hintergrundgeschichte rund um die Haut (die einem Tier zugeordnet wird) nimmt im Fortlauf zu starke Züge an, es wirkt beinahe aufdringlich, wie die Gesellschaft um dieses winzige Detail aufgebaut wird. Denn nicht nur die erste, sondern auch jede folgende Generation ohne Haut wird ausgegrenzt und am Rand der Siedlung in eine Art Slum gesteckt, nicht wert, zwischen den angesehenen Bürgern zu weilen. Diese Leute lernen keinen Beruf und haben keine Aufgabe. Wie genau deren Leben jedoch abläuft, wie sie sich ernähren und ihr Leben gestalten, wird nicht deutlich. Nur die große Ungerechtigkeit, die das winzige Detail "Haut-Totem" bildet, wird ein wenig zu reißerisch ständig wiederholt und in den Vordergrund gedrängt.
Ailia nun führt ein gutes Leben, mit einem Dach über dem Kopf, genug zu essen und trotz des Verbotes mit einer gewissen Ausbildung in Kräuterkunde und Heilung. Sie darf sogar der Königin aufwarten und bekommt so einige wichtige Gespräch mit. Sie wirkt sympathisch und freundlich, was dann jedoch durch einen herben Bruch zerstört wird. Eine nur wenige Jahre ältere Frau kommt zu ihr und erbittet Nahrung und Obdach. Obwohl Ailia keinen Grund dazu hat, vertreibt sie die geschundene Frau und beschert dieser immer wieder Schwierigkeiten, wenn sie auf sie trifft. Während es ihr selbst gut geht, auch als sie bereits auf die Probe gestellt wird, muss die andere im Slum vegetieren. Das macht Ailia so unsympathisch, dass es einiges Stehvermögen braucht, die Geschichte zu beenden. Die Motivation hinter ihrer Handlung wird bis zum Ende nicht geklärt. Wieso hilft sie den einen (angesehenen?) Leuten und vertreibt diese eine, zumal sie auch noch sehr gemein zu ihr ist?
Ruther kann Ailia nicht als Frau erwählen, denn sie besitzt keine Haut, will sie jedoch als Geliebte mit sich nehmen. Ailias Herz gehört jedoch schon Talisien, den sie nur am Fluss treffen kann, in dessen Nähe sich auch der verbotene Wald befindet. Obwohl sie dort nicht hineingehen darf, bricht sie diese Regel und hat dort ein eher verstörend-seltsames Erlebnis. Dieses ergibt vermutlich erst in der Fortsetzung Sinn, wenn überhaupt. Die Beziehung zu den beiden Männern ist leider ebenfalls eher durchwachsen, es wirkt, als versuche sie sich die besten Stücke herauszupicken und die Gefühle, die sie angeblich empfindet, gehen dabei ziemlich unter.
Am Ende werden einzelne Handlungsfäden geschickt zusammengesponnen, wenn sie auch teilweise zu schnell ablaufen. Leider ergibt Ailias frühere unmotivierte Handlung hier noch weniger Sinn. Es gibt schließlich noch einige Ausblicke auf die Zukunft, ohne dass die größeren Sachen geklärt wären.
Insgesamt sind Zeit und Ort gut gewählt, die dezenten phantastischen Elemente fallen kaum auf, die Charaktere und das Leben sind authentisch dargestellt. Letztendlich fehlt jedoch der letzte Funke, wenn "Skin" jedoch auch für ein Erstlingswerk sehr gut gelungen ist.

llka Tampke wurde 1969 in Sydney geboren. Sie studierte Theaterwissenschaften und begann im Anschluss ein weiterführendes Studium in kreativem Schreiben. 2012 wurde sie mit der Glenfern Fellowship ausgezeichnet. Ihre Kurzgeschichten und Artikel sind in mehreren Anthologien veröffentlicht worden. Sie lebt in Woodend, Australien. Skin ist ihr erster Roman.

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