Dienstag, 19. Januar 2016

(Buchgedanken) Fußnoten


Vor einiger Zeit führte ich mit verschiedenen Personen, darunter Leser, Autoren und Übersetzer, eine kleine Diskussion über Fußnoten in Romanen. Sie sind, anders als im Sachbuch, hier eher unüblich, aber trotzdem verwendbar. In einem älteren Roman, dessen Papier schon reichlich vergilbt ist und der eine phantastische Geschichte erzählt, fand ich mehrere. Sind sie spärlich eingesetzt, stören sie mich überhaupt nicht, sondern bieten einen gewissen Mehrwert, der vor allem bei Übersetzungen viel Sinn macht. Aber schon der Gedanke an sie scheint manche Leser regelrecht aufzuregen. Und selbst jene, die ihnen nicht sofort ablehnend gegenüberstehen, möchten oftmals, dass Fußnoten nicht unter dem eigentlichen Text angeordnet werden (also ihrem Namen auch die entsprechende Bedeutung geben - Fußnoten eben), sondern hinten im Anhang aufgelistet werden.
Eine Autorin erzählte mir vor einiger Zeit, dass sie bei einem Roman ein kleines Experiment gewagt hätte: Bereits in der Leseprobe sei eine Fußnote enthalten gewesen und es hätten Leser nach dem Lesen der gesamten Story angekreidet, dass es eben diese gegeben hat. Als sie die Fußnoten entfernt habe, seien die Verkaufe gestiegen. Das ist zwar nur eine Erfahrung, ich kann das aber so anhand unserer Testleser bestätigen. Als kleine Ergänzug/Erweiterung/Erklärung haben wir hier und da Fußnoten eingesetzt, die aber durchgefallen sind.
Vielleicht liegt es am Medium: Buch oder E-Book? Oder sind wir generell Literatur, bei der wir Ergänzungen brauchen (z.B. ein Fürstentitel näher definiert wird, eine Bezeichnung eines Teils des Hauses, den es heute so nicht mehr gibt, etc.) nicht mehr gewohnt? Weil man es den Lesern vielleicht auch in den letzten Jahren zu leicht gemacht hat? Wir haben versucht, die Begriffe im Text zu erklären, was aber meiner Meinung nach eben dieses verfälscht, wenn das im Original so nicht vorgegeben war. Trotzdem glaube ich, dass das schon längere Zeit so gehandhabt wird. Oder aber Autoren verzichten lieber gleich auf "Fremdworte".
Mir tut das leid, denn so einfach kann man seinen Wortschatz und sein Allgemeinwissen erweitern, Fußnoten sind in meinen Augen wertvoll. Warum nur haben wir sie abgeschafft?

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich verstehe es auch nicht - ich mochte Fußnoten sehr gerne & finde es eher umständlich, wie es mir bei einigen aktuellen Romanen aufgefallen ist, dass nun Fremdwörter, wenn vermehrt vorhanden, in einen Gloassar gepackt werden am Ende des Buches. Diese Hin- und Herblätterei... ich guck gerne an direkter Stelle nach einer Bedeutung nach, wenn sie mich nicht interessiert hat, hab ich die Fußnote halt ignoriert. Mittlerweile handhabe ich es so - weil die Fußnote sogut wie azusgestorben ist - wenn ich beim Lesen auf einen Begriff stoße, zu dem ich weitere Infos will bzw. dessen Bedeutung sich mir icht erschließt, ergoogle ich ihn.

    LG Anette

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    1. Ich mag es auch nicht, wenn sie hinten im Buch sind. Aber noch viel weniger mag ich es, wenn sie komplett fehlen. Da sie, wie ich finde, eine Bereicherung sind, sollten sie schon existieren. Wenn sie IM Text erklärt werden, merkt man es auf jeden Fall. Vielleicht kommt es auch auf die Zielgruppe an?

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    2. Es gibt Kinderbuchautoren, die verwenden Fremdwörter und Fachbegriffe und erklären sie direkt im Text (z.B. durch einen allwissenden Erzähler oder wenn der Ich-Erzähler voll der Klugscheisser ist *g*, und da gibt es durchaus erfolgreiche Bücher, z.B. die Rico und Oskar Reihe von Steinhöfel). Da ich die Beispiele, die ich aus dem Kinderbuchgenre echt witzig in der Umsetzung finde und sie dem Erfolg auch nicht zu schaden scheinen (siehe Steinhöfel), scheint es tatsächlich bestimmte Genre oder Zielgruppen mehr zu treffen als andere.

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    3. Ach, direkt noch ein aktuelles Beispiel: Thomas Krüger und der Anton schreiben seit letztem Jahr eine Kinderbuchtrilogie "Die Superbrillen", sehr wissenschaftlich und technisch angehaucht. Die Umsetzung für die Erklärungen hat was von einem Comicroman, zwischen den Textpassagen befinden sich Textfelder mit Illustrationen und die Fachbegriffe werden passend zur Reihe sehr witzig erklärt. Die Autoren habe ich letztes Jahr auf einer Lesung getroffen und auf Nachfrage, da ich mir nicht vorstellen konnte, ob so eine Umsetzung bei der Zielgruppe ankommt, haben sie gesagt, dass es dazu durchweg nur positive Rückmeldungen gab! Ich meine in Erinnerung zu haben, dass Thomas gesagt hätte, damit hätten sie sich gegen den Verlag durchgesetzt, aber da bin ich mir nicht mehr ganz sicher...

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    4. An Kinderbücher habe ich noch gar nicht gedacht. Da macht es gleich noch mehr Sinn und wenn es dann aufbereitet wird, dass Kinder lernen damit umzugehen ... finde ich sehr gut. Und warum nicht lustig? Hauptsache auch informativ :)

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  2. Huh? Leser beschweren sich über Fußnoten und die Verkäufe steigen erst, wenn diese weggelassen werden?

    Das schockiert mich nun aber wirklich! Vermutlich bin ich durch die vielen wissenschaftlichen Texte, die ich während meines Studiums gelesen habe einfach zu vertraut mit ihnen, aber warum sollten Fußnoten denn den Lesefluss gefährden? Selbst wenn mir eine Bezeichnung geläufig ist lese ich mir gern die Ausführung des Autors dazu durch, ansonsten ließe sie sich auch einfach ignorieren. Dabei ist es mir persönlich sogar lieber, wenn sie gleich am Ende der Seite zu finden sind. Auf den letzten Seiten zu suchen ist da eher mühsam (und das wäre es erst recht bei einem ebook).

    Ich hoffe es kommentiert noch ein Fußnoten-Gegner, ich wäre wirklich interessiert einige schlüssige Argumente diesbezüglich zu hören :D

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    1. Das was ich gehört habe, ging in die Richtung: Sie stören und/oder unterbrechen den Lesefluss. Kann ich auch nicht verstehen, weil man sie ja nicht zwingend lesen _muss_.
      Ich kenne sie auch vor allem aus dem Studium und man gewöhnt sich ja daran. Aber vielleicht ist es auch das, was andere stört: es erinnert mehr an eine wissenschaftliche Schrift als an einen Roman? Wobei ja nun nicht auf jeder Seite eine steht, sondern nur ab und an mal eine untergebracht ist. Mich stört es viel mehr, wenn ich einen Begriff lese, den ich nicht kenne und nirgendwo ein Hinweis, um was es sich handeln könnte.
      Mit zwei Pro-Antworten habe ich nicht gerechnet. ;-)

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  3. Fußnoten hinten im Anhang finde ich ziemlich nervig - und meist lese ich die dann auch nicht, da ich keine Lust auf die Blätterei habe.
    Wenn sie direkt auf der Seite sind, stören sie mich prinzipiell nicht, solange es nicht überhand nimmt, wobei ich schon auch manchmal den Eindruck habe, dass sie mich aus dem Lesefluss reißen.
    Bei ebooks habe ich dieses Problem noch am wenigsten: Wenn mich interessiert, was in der Fußnote steht, klicke ich sie eben an und bekomme sie als kleines Fenster angezeigt - oder ich klicke sie eben nicht an. Ich muss nicht herumblättern und es wird (egal, wie lang die Fußnote ist oder wie häufig eine gesetzt ist) nicht die ganze Seite dadurch vereinnahmt. Das finde ich sehr praktisch.

    Ansonsten nerven mich Fußnoten dann, wenn sie entweder einen Großteil der Seite einnehmen oder ständig vorkommen oder teilweise auch, wenn ich sie als überflüssig empfinde. Witzigerweise empfinde ich ausgerechnet dein Beispiel oben als überflüssig. Gerade Ortsbezeichnungen stehen ja in der Regel für sich (und so empfinde ich das auch bei dem Beispiel) und wenn man mehr darüber oder über den Namen erfahren will, kann man sich ja selbst darüber informieren. Allerdings wäre so etwas auch eine Fußnote, über die ich schlicht hinweglese - sie würde mich also auch nicht stören.

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    1. Beim E-Book finde ich sie wieder sehr praktisch umgesetzt, bei Print finde ich sie auch nicht wirklich störend (außer sie ist hinten und ich muss immer blättern).
      Ein anderes Beispiel habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. ;-) Allerdings mag ich es auch, weil ich den Namen der Bucht schlicht als fiktiven Namen gewertet hätte und keine größeren Gedanken daran verschwendet. Also nix mit selbersuchen. Und warum auch selbst, wenn es dabei stehen kann? Denn sind wir mal ehrlich: wir sind alle äußerst bequem ;-)
      Ich meine aber vor allem die Dinge, die von allein nicht klärbar sind und über die man vermutlich nichts findet (z.B. einfach aus sprachlichen Gründen, Quellen sind nicht in Deutsch verfügbar etc.). Ist es wirklich besser das IM Text zu erklären?

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    2. Es ist vermutlich ein guter Kompromiss, so etwas in Fußnoten zu erklären. Aber im Hinterkopf schwingt bei mir wohl oft der leise Gedanke mit, dass der Autor/die Autorin es sich auf diese Weise nur möglichst einfach macht - entweder Infos sind so wichtig, dass man sie im Text unterbringen sollte, oder sie sind eben nicht wichtig. Aber das kann man so pauschal sicher nicht sagen und es mag auch einfach eine Geschmacksache sein.

      Und ich habe Ende des letzten Jahres ein Buch gelesen, das durch die Fußnoten erst richtig interessant wurde - da handelte es sich allerdings nicht um Anmerkungen des Autors, sondern des Übersetzers. Aber die Informationen in den Fußnoten haben für mich die Lektüre wirklich deutlich aufgewertet.

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  4. Hi!

    Ich bin ein großer Fan von Terry Pratchtt, dessen Bücher viele Fußnoten enthalten. Bei ihm sind es keine "sinnvollen" Erklärungen, sondern nur humorrvolle Ergänzugen und trotzdem stören sie den Lesefluss nicht.

    LG,
    André

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    1. Was vermutlich gewollt ist. :) Aber gutes Beispiel, danke!

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  5. Ave,
    zuletzt sind mir Fußnoten in Stephen Chboskys "The Perks of Being a Wallflower" aufgefallen, was an meiner "nichtmuttersprachler-freundlichen" Ausgabe gelegen hat. Dort haben sie mich aber keineswegs gestört - sie sind in dem Fall sogar sehr praktisch, falls man sich nur schnell die Literaturliste von Charlies Lehrer raussuchen will.

    Fußnoten, deren Begrifflichkeiten erst am Ende stehen, finde ich übrigens total schrecklich. "Dantons Tod" hat so noch weniger Spaß gemacht, weil ich im Schnitt dreimal pro Seite blättern musste. Grauenhaft.
    Ebenso mag ich Glossarien aber auch nicht. Wenn im Text nicht durch eine Fußnote gekennzeichnet ist, dass das Wort noch irgendwo erklärt wird, gucke ich da von alleine beim Lesen nicht rein. Und am Ende der Geschichte denke ich mir dann auch: "Gut, hätte man ja auch mal eher sagen können..."

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Hi,
      als quasi Übersetzer würden sie für uns viel Sinn machen, zumal ich selbst einige Begriffe nicht kannte und mit anderen Dingen verwechselt habe. Ehrlich gesagt habe ich mit positiven Rückmeldungen nicht gerechnet, bisher war fast jeder dagegen oder hatte Bedenken, weil er jemanden kannte, der dagegen war.

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  6. Ich bin der Meinung, dass Leser, die mit Fußnoten Probleme haben, oft sehr seichte Kost lesen. Nimmt man Bücher wie „Krieg und Frieden“ von Tolstoi, dann bestehen die ersten Seiten fast ausschließlich aus Fußnoten. Wie bereits hier schon erwähnt, bediente sich auch Terry Pratchett sehr inflationär der Fußnoten und die sind nicht nur witzig, sondern geben teilweise Informationen zur Scheibenwelt etc. Auf Fremdworte zu verzichten, um den Lesefluss für den Leser zu erleichtern, mag ja nett sein, aber dann weiß man bei so einem Buch auch gleich für welches Klientel es geschrieben ist.

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    1. Direkt wie ich es schätze. :) Mich hat es auch genervt, weil es nicht an der Sache an sich zu liegen scheint. Aber ich frage mich in letzter Zeit sehr oft, ob Bücher nicht eigentlich bilden sollten, gerade Vielleser. Wenn ich mir dann aber so den "Stoff" anschaue, der da verlesen wird ...

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    2. Das ist allerdings schon eine etwas gewagte Behauptung. Man kann sich durch zig anspruchsvolle Werke der Weltliteratur lesen, ohne dort jemals Fußnoten zu begegnen - so inflationär kommen die darin ja auch nicht unbedingt vor ...

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    3. @Ney: Dafür gibt es dann die Sekundärliteratur zum jeweiligen Werk ;-)

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