Dienstag, 12. Januar 2016

(Autorenplausch) Ju Honisch: BISSE

Titel: BISSE
17 ungewöhnliche Geschichten
Autorin: Ju Honisch
Originaltitel, 295 Seiten
ISBN: 9783957511119
Euro: 6,99
Erscheinungsdatum E-Book: 30.10.2015











Ju Honisch über Bisse – woher und wohin?

Ich bin kein übermäßig planvoller Mensch. Ich gebe mir Mühe, aber bisweilen passieren Dinge einfach. 17 ungewöhnliche Geschichten. Einfach so passiert? Nun, zu keinem Zeitpunkt habe ich das durchgeplant und gesagt: Jetzt schreibe ich siebzehn Gruselgeschichten.

Tatsächlich habe ich sehr viel mehr Geschichten geschrieben als diese siebzehn. Ein ganzes weiteres Buch, vielleicht sogar zwei, würden die füllen, die noch auf meinem Computer sitzen und der Veröffentlichung harren. Manche sind auch ausgebüchst und leben nun in Kurzgeschichten-Anthologien fort.

Ansonsten schreibe ich eher lange, ja sehr lange Romane. Die haben zumeist nette Helden und ein Happy-End.

Bei Kurzgeschichten hingegen werde ich fies und gemein. Da gucken mich dann gute Freunde von der Seite an und fragen besorgt: "Wo nimmst du das nur her?" Vermutlich überprüfen sie daraufhin die Medien, ob in meiner Gegend nicht irgendwo eine irre Serienkillerin ihr Unwesen treibt. Oder sie blicken mir mitleidig in die Augen und fragen, ob mir "so etwas" tatsächlich mal passiert ist und ich seitdem mit dem Trauma lebe.

Nein. Falls es hier Serienkiller gibt, dann nicht mich. (Ehrlich.) Und meinem ruhigen, größtenteils vor dem PC stattfindenden Leben sind auch nicht allzu viele absonderliche Begegnungen anzulasten.

Meine grusligen Grausamkeiten und garstigen Geschichten wohnen in meinem Kopf und fließen von dort aufs Papier. Aus der Normalität heraus. Insofern ist die Reaktion der Freunde schon berechtigt. Denn das, was diese Geschichten gruselig macht, ist das Normale. Die Banalität des Bösen ist erschreckend, weil sie so nah und so alltäglich ist.

Manchmal fragen mich Leute, wo ich meine Ideen finde. Das Problem ist, ich finde sie nicht. Sie finden mich, lauern im linken Zeh, springen mich an. Bei "Bisse" sogar jeweils zweimal. Manche der Geschichten sind aus Liedern entstanden, die ich irgendwann geschrieben habe. Manche Lieder sind wiederum aus den Geschichten entstanden. Zu jeder der Geschichten gibt es ein eigenes Lied.

Irgendwann hatte ich mir einmal vorgestellt, eine CD zu produzieren mit all den Liedern – eine BISSE-CD. Ich habe in meinem Leben viele Lieder geschrieben. Und auch meine Lieder erzählen Geschichten, die nicht alle nett und romantisch sind. 

Der Phantastik sagt man nach, sie wäre "eskapistisch". Wir – die Leser, wie die Autoren – würden uns im schönen Schein romantischer Welten aus der Realität stehlen. Ich fand diese Erklärung für die Liebe zur Phantastik stets zu simpel und von Unkenntnis und Arroganz getragen. Ein Genre, das sowohl die Dystopie als auch Grusel und Horror zu den möglichen Formen zählt, taugt nicht dazu, unsere kleinen Fluchten aus der Wirklichkeit zu versüßen. Wer echten Eskapismus leben will, der kauft sich in der Großstadt einen Geländewagen.

Ein Rezensent hat einmal geschrieben, man müsste zwischen den einzelnen BISSE-Geschichten eine Pause machen und sich erholen. Das empfehle ich auch: Tief durchatmen. Hinaus in den harmlosen Sonnenschein gucken. Die Spannung der Seele langsam lösen. – Alles ganz normal! – Und dann erst die nächste Geschichte lesen.

Wieder ein anderer Leser meinte, die Geschichten hätten etwas von Fishermen's Friend Bonbons: Sind sie zu stark, bist du zu schwach.

Ich wünsche meinen Lesern starke Nerven. Und wohliges Gruseln.
Hier schon mal ein Vorgeschmack auf das Buch: KLICK

Ju Honisch


BISSE – diese Geschichten beißen dem Leser Teile aus dem Gemüt. Es sind keine klassischen Gespenstergeschichten, kein triefender Splatter, doch auch kein lauschiger Kerzenscheingrusel. Das Grauen ist vielmehr ganz nah, im Alltäglichen unter uns oder sogar schon unmittelbar hinter uns, vor uns, in uns gar. Es kann der brave Kollege sein, der einem noch nie so richtig aufgefallen ist, der so nette Arzt oder der lächelnde Traummann von der Kontaktanzeige. Das Normale ist es, das sich sanft und jäh als anormal entpuppt und den Leser frösteln lässt. Böse und gemein sind diese Geschichten. Hinterhältig und fies treiben sie Haken in die Leserseelen, drehen sich um sich selbst und enden stets etwas anders als gedacht. Nichts für Leute mit allzu schwachen Nerven. – Genau das Richtige für Liebhaber gepflegten Grusels und bizarr-phantastischer Ideen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen