Donnerstag, 17. September 2015

Steinfrühling - Stephen Baxter

Titel: Steinfrühling
Autor: Stephen Baxter
Originaltitel: Stone Spring
Verlag: Cross Cult
ISBN: 978-3864254505
Euro: 16,80
Veröffentlichungsdatum: März 2015
Seiten: 640
Serie: Nordland-Trilogie 1: Steinfrühling
Come in: Kauf (Gutschein)










Klappentext/ Inhalt:
Vor zehntausend Jahren existierte eine gewaltige und fruchtbare Ebene, die die britischen Inseln mit Europa verband: das Nordland. Diese Heimat eines Stammes aus einfachen Jägern und Sammlern, in deren Mitte die vierzehnjährige Ana aufwächst, besitzt zwar eine reichhaltige Natur, ist aber auch ihren Launen unterworfen. Die Welt wird wärmer, der Meeresspiegel steigt und in einem schicksalshaften Jahr überrollt ein Tsunami das Land und verstreut Anas Volk in alle Himmelsrichtungen. Eines Tages trifft Ana einen Reisenden aus einer fernen Stadt namens Jericho – eine Stadt, die durch eine Mauer geschützt ist. Doch wenn die Menschen aus dem fernen Jericho eine Mauer bauen konnten, um die Welt fernzuhalten, kann Anas Volk doch auch sicher eine Mauer bauen, um das Meer fernzuhalten. Stephen Baxters neue fantasievolle und epische Erzählung ist die Geschichte des Lebens in der Mittelsteinzeit, einer reichhaltigen Welt voller fremdartiger Kreaturen, einer Welt, in der der Tod schnell kommt, einer Welt, die kurz davorsteht, davongeschwemmt zu werden … Einer Welt, die zu unserer Welt werden wird. Es sei denn, ein Mädchen kann sie für immer verändern.

Meinung

Eine Inhaltsangabe für den weit über sechshundert Seiten starken Roman abzugeben ist aus unterschiedlichen Gründen unmöglich. Es gibt sehr viele Personen in ihm, die über sehr, sehr viele Jahre begleitet werden.
Es beginnt und endet jedoch mit Ana, die im Nordland lebt und zunächst vierzehn Jahre alt ist. Am Ende wird sie eine sehr alte Frau sein - in einem für die Steinzeit biblischen Alter. Der Roman ist übrigens in sich abgeschlossen, in der Trilogie werden unterschiedliche Zeitebenen betrachtet.
Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, etwas, das hätte sein können, aber in unserer Realität nie geschehen ist. Ana verändert also mit ihrer Tat - der Planung und Umsetzung des großen Walls - die Historie Europas. Es ist gut möglich, dass sich das auf die Folgebände ausgewirkt hat.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Ana und Zesi, deren Mutter tot und deren Vater verschollen ist. In dieser Zeit kommen die Pretani zu Besuch, bei denen es Brauch ist, dass Männer alles besitzen, auch Frauen.
In Etxelur, wo Ana lebt, ist es anders. Der Autor hat also versucht, zwei Entwürfe gegenüberzustellen, was allerdings auf einen genauen Blick hin nur leidlich gelungen ist. Zwar ist es eine sehr weibliche Gesellschaft, die den "ersten Blutfluss" in einer heiligen Zeremonie feiert, die eine heilige Insel und heilige Häuser der Mütter besitzt. Aber es gibt einen männlichen Priester und auch der Anführer ist männlich. Das alltägliche Leben unterscheidet sich ebenfalls wenig, alles ist irgendwie einen Geschlecht zugeordnet.
Das bemerkt allerdings nur, wer genau hinsieht und es macht wenig aus, denn Baxter hat eine spannende und fesselnde Geschichte niedergeschrieben, der man so einiges verzeiht, weil sie schlicht sehr unterhaltsam ist.
Anas Vater begegnet auf seiner langen Reise anderen Menschen. Es gibt bereits unterschiedliche Sprachen, aber auch eine Art Gemeinsprache, die alle neben der Muttersprache beherrschen. Auch der Händler, dem der Leser später begegnet, kann an egal welchen abgelegenen Platz kommen, die Gemeinsprache ist überall.
Wie Stämme und Clans sich bildeten und spalteten, wie Völker entstanden oder schlicht - und sei es aufgrund von Naturkatastrophen - untergingen, hat der Autor gekonnt dargestellt.
Es geht sehr direkt zu in der Geschichte, in etwa stellt sich auch mal jemand abseits des Weges oder hockt sich ins Wasser um dort seine Notdurft (egal welche) zu verrichten. Ein Umstand, mit dem ich persönlich gar nicht klar gekommen bin, waren die massiven Vergewaltigungen, sogar von hochschwangeren Frauen. Von den kleinen Mädchen kaum zu sprechen. Egal wo und egal bei wem. Das soll vermutlich der realen Handlung beitragen, aber oft war es schlicht unnötig oder hätte durchaus auch angedeutet werden können. Die erste Sklaverei ist thematisiert worden, wie überhaupt eine Menge Themen und Nebenthemen eingewoben wurden. Es wirkt dennoch nicht überladen, weil der rote Faden immer vorhanden und sehr sichtbar ist. Das Ende soll vermutlich mit einigen anderen Dingen versöhnen, was aber was mich betrifft nur leidlich erfolgreich war.
Die Charaktere sind gelungen, sympathisch oder eben nicht, das Beziehungsgeflecht glaubhaft und die Geschichte zeitweise kaum aus der Hand zu legen. Der sehr seitenstarke Roman liest sich flott weg. Allerdings heißt es am Anfang erst einmal durchhalten, nicht nur, dass ich selbst beinahe abgebrochen habe, ich musste diesen Ratschlag bisher auch zwei anderen Lesern geben, denen ich das Buch geliehen habe. Es dauert eine Weile, ehe man sich in die Story hineinfindet und lernt mit den Dingen darin umzugehen. Wer sich darauf einlässt wird einige unterhaltsame Stunden verleben.


Die Nordland-Trilogie:
1. Stone Spring (Steinfrühling)
2. Bronze Summer (Bronzesommer)
3. Iron Winter (Eisenwinter, März 2016)

http://www.stephen-baxter.com/
Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den weltweit bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Stephen Baxter ist verheiratet lebt heute in der englischen Grafschaft Buckinghamshire.

Kommentare:

  1. Klingt wirklich interessant. Danke für die Rezension.

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  2. Ups. Klingt zwar sehr interessant, aber die Vergewaltigungen schrecken mich extrem ab. Ich mag einfach nichts in der Richtung lesen.
    Aber danke, so kann ich meine Wunschliste um ein Buch reduzieren. ;)

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    1. Na ja, es ist jetzt nicht auf jeder dritten Seite, aber in dem sehr seitenstarken Werk stösst man doch immer mal wieder drauf. Ich glaube zwar tatsächlich, dass wenn der Autor darauf verzichtet hätte (zumal es zur Handlung nichts beiträgt), er einen echten Pageturner geliefert hätte, aber wer es überlesen kann, sollte es mal versuchen. Mir gefiel es, auch wenn ich gestehen muss, ich habe an mancher Stelle gezögert weiterzulesen.

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  3. Oh, das klingt - bis auf die Vergewaltigungen - sehr gut. Das Buch tummelt sich eh schon seit einer ganzen Weile auf meiner Liste und ich habe jetzt gleich mal das ebook in der Onleihe vorgemerkt.

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