Dienstag, 14. Juli 2015

(Verlagsgeplauder) Einzelunternehmer heißt nicht Einzelkämpfer!

Titel: Die Irrlichter
Autor: F. Siegmund (Hrsg.)
Seiten: 358
Preis: 13,90 Euro
ISBN: 978-3-940036-32-2
Erschienen am: 30.04.2015

Irrlichter. Manche sagen, sie führen verirrte Wanderer ins Verderben, locken sie ins Moor. Andere wiederum sagen, dass jene leuchtenden Wesen, die oft als diffus verschwommenes Licht beschrieben werden, alle Pfade kennen. Die Wahrheit liegt – wie wohl alle Wahrheiten – irgendwo dazwischen. Aber vielleicht verhält es sich auch ganz anders …
In dieser Sammlung finden sich 26 Geschichten – 26 Versuche zwischen A wie Abenteuer und Z wie Zwielicht, dem Wesen des Irrlichts auf den Grund zu gehen. Folgen Sie den Lichtern zwischen die Zeilen von Christoph Marzi, Ann-Kathrin Karschnick, Thilo Corzilius, Diana Kinne, Markus Heitkamp und vielen, vielen mehr.
Mit einem Vorwort der Mittelalter-Fantasy-Folk-Band "Die Irrlichter".



Einzelunternehmer heißt nicht Einzelkämpfer!
Torsten Low - Verleger


Eine Frage, die mir recht häufig gestellt wird, ist: "Wie schaffst du das mit dem Verlag eigentlich alles?"
Sehr oft erzähle ich dann etwas von "Zeitmanagement", von "Träumen" und "Wünschen", von "der Macht der Gedanken" und von "Prioritäten".
Eines der größten Geheimnisse des Erfolges habe ich bisher jedoch nicht angesprochen: Es sind die tatkräftigen Helfer und Unterstützer!

****

Manche Gespräche mit befreundeten Unternehmern und deren Ehepartnern machen mich sprachlos.
"Was macht euer Geschäft?"
"Das musst du meinen Mann fragen; keine Ahnung, wie es zurzeit läuft. Aber ich glaube, ganz gut - sonst hätte er was gesagt."
"Willst du dich nicht ein bisschen mehr einbringen?"
"Ach wozu? Mein Mann hat doch so viel Spaß daran, da wäre ich nur im Weg ..."

Manche Gespräche lassen mich sogar am Verstand meiner Gesprächspartner zweifeln.
"Meine Frau wollte bei mir in der Firma anfangen."
"Das ist ja toll."
"Spinnst du, was ist denn daran toll? Ich konnt es ihr zum Glück ausreden."

Und manche Gespräche machen mich einfach nur traurig.
"Ich hab gehört, du bist arbeitslos. Willst du dich nicht von deiner Frau einstellen lassen?"
"Pah, die mit ihrem Quatsch. Die soll ihren Kram mal schön alleine machen. Ich hab letztens beim Wäschewaschen sogar die Laken vom Geschäft aussortiert. So weit kommt's noch, dass ich für den Laden Wäsche wasche."
"Spinnst du? Das ist doch euer Geschäft!"
"Quatsch - sie wollte das Gewerbe unbedingt haben, muss sie nun auch sehen, wie sie klarkommt."

****


Wenn ein Unternehmen eine bestimmte Größe erreicht hat, ist es ganz selbstverständlich, dass der Inhaber nicht mehr alles alleine machen kann. Wieso ist es anscheinend nicht so selbstverständlich, dass der Geschäftsinhaber seinen Lebensgefährten oder andere Familienmitglieder zu Geschäftspartnern und Unterstützern macht?

Gut, diese drei Gespräche - die übrigens tatsächlich so oder so ähnlich stattgefunden haben - sind schon sehr extrem.
Aber wenn ich mich auf Conventions und Buchmessen umschaue, sehe ich ziemlich häufig Einzelkämpfer. Jene, die mit Ehepartner oder sogar Kindern auf Veranstaltung dabei sind, sind in der Minderheit.

Als ich damals zur Gewerbeeröffnung aufs Amt gegangen bin, war meine Frau Tina mit dabei. Für uns beide stand es vom Tage der Geschäftsgründung an fest, dass ich wichtige Entscheidungen für den Verlag mit ihr zusammentreffe.
Und auch sonst gehörten für mich Familie und Verlag immer zusammen ...

***

Schon kurz nach der Gründung, als ich meinen ersten Roman für die Veröffentlichung vorbereitete, wurde mir klar, dass ich den Verlag nicht allein stemmen konnte. Ich hatte den Roman selber geschrieben und bereits gefühlte hundert Mal überarbeitet. Bei den letzten Überarbeitungsgängen hatte ich eher das Gefühl, ich würde es verschlimmbessern.
Also fragte ich meine Eltern. Mein Vater - ein Vielleser - sagte sofort zu und machte sich an die Korrektur. Ich gebe zu, mit einem echten Lektorat hatte das nicht viel zu tun. Mein Vater agierte nach dem Motto: "In den Text greif ich nicht ein, der Stil ist die Sache des Autors - und wenn er ein Wort oder eine Phrase merkwürdig verwendet, wird er sich dabei sicher was gedacht haben." Auch die Korrektur als solches war alles andere als perfekt, mein Vater las es einmal, strich beim Lesen alles an, was er gefunden hatte und fertig war der Lack.
Die Rechnung kam dann auch prompt. Nach 2 oder 3 überschwänglichen Rezensionen - wohlgemerkt nicht aus der Familie - kam dann ein Brief von einem Rezensenten. Der erste Satz lautete wie folgt:
"Lieber Torsten, ich habe dein Buch nicht rezensiert, weil ich der Meinung bin, dass jeder Jungautor eine zweite Chance verdient hat!"
Ich gebe zu, dass ich nach dieser Zeile sehr emotional reagiert habe. Ich habe den Brief stellvertretend beschimpft und dann den Brief zerknüllt und in die Ecke geworfen. Zwei Tage später hatte sich mein Gemüt abgekühlt, ich holte den Brief aus der Ecke wieder raus, strich ihn glatt und studierte ihn. In meiner Wut hatte ich nämlich nur die erste Zeile gelesen. Die folgenden Zeilen ließen zwar mein Blut wieder aufwallen, aber im Nachhinein betrachtet hatte der Rezensent mit allem, was er im Brief anmahnte, recht. Also legte ich den Brief als Mahnung auf meinen Tisch. Ich schrie ihn sogar noch mal kurz an - "Dir Arschloch zeig ich's jetzt!" - und begann mit dem zweiten Roman.
Für mich war dieser Brief wichtig, er wurde in den nächsten Jahren so etwas ähnliches wie ein Ansporn, mich selbst zu übertreffen. Gleichzeitig zeigte er mir, dass das Korrektorat allenfalls rudimentär und das Lektorat nicht existent gewesen war. Diese Aussage überraschte mich - ich wusste vorher nicht einmal, dass es einen Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat gab (ja, ich bin recht blauäugig an das Unternehmen "Verlag" herangegangen). Hier musste ich also ganz dringend nachbessern.
Ich nahm den Brief mit zu meinen Eltern und las ihnen diesen vor. Sie waren genauso schockiert, wie ich vorher. Dann nahmen sie das Buch zur Hand und begannen anhand des Briefes sich das Buch noch mal durchzulesen. An manchen Stellen kam dann der Kommentar von meinen Vater: "Ja, da habe ich mir auch gedacht, dass da was nicht stimmt. Aber dann hab ich mir gesagt, du bist der Autor, du wirst schon wissen, was du sagen willst."
Wir machten einen Schlachtplan für die Zukunft. Wenn etwas sprachlich holprig klang, wurde es angemarkert. Wenn ein Wort falsch verwendet wurde, wurde es angemarkert. Wenn ein Anachronismus auftauchte, wurde es angemarkert. Wenn eine Phrase oder ein Sprichwort verhunzt wurde, wurde es angemarkert.
Von da an lasen beide, meine Mutter und mein Vater. Und sie merkten, dass ein Durchgang nicht reichen würde. Sie gingen jeden Text drei, vier Mal durch. Erst der eine, dann der andere. Einer machte am linken Rand Anmerkungen, der andere rechts. Das Meyers und der Duden lagen immer mit dabei. In kürzester Zeit hatten sie die ganzen Rechtschreibregeln wieder intus. Nachdem jeder seine Markierungen hinterlassen hatte, lasen sie den Text noch mal gemeinsam und diskutierten jeden einzelnen angestrichenen Fehler.
Nachdem von meinem ersten Roman eine geänderte Neuauflage erschienen war und auch der zweite Teil von ihnen lektoriert worden war (der übrigens vom oben erwähnten Rezensenten recht gut besprochen wurde), hatten sie beim Lektorat der "Lichtbringer"-Anthologie zum ersten Mal mit anderen Autoren als nur mir zu tun. Und seitdem sind sie für einen Teil der Bücher für das Lektorat und Korrektorat zuständig.
Aber auch in anderen Punkten waren und sind meine Eltern eine große Hilfe - ich konnte mich immer mit ihnen unterhalten und sie um Rat fragen. Gerade in den Anfängen der Verlagsgründung, wo es relativ viel "Neuland" für mich zu erkunden gab, haben mir die regelmäßigen wöchentlichen Telefonate von 2 Stunden sehr geholfen.
Für mich sehr wichtig war, dass ich dabei meinen eigenen Weg gehen durfte. Wenn ich sie um einen Rat gefragt habe, ihn dann aber nicht angenommen habe - ok. Sie nahmen es mir nicht übel. Im Gegenteil.
Da gibt es eine schöne Anekdote, die zeigt, wie meine Eltern mit mir umgegangen sind.
Es war kurz nach der Veröffentlichung von "Lichtbringer". Die "Weltenbaum"-Ausschreibung war schon am Laufen, nebenher schrieb ich meinen dritten Roman. In der Zeit bekam ich ein Angebot von einem Herausgeberteam der Geschichtenweber. Sie hatten eine Anthologie bereits komplett fertig, aber der Verlag war ihnen kurzfristig abgesprungen. Nachdem wir mit "Lichtbringer" einen tollen Start gehabt haben, wurden sie auf uns aufmerksam und fragten mich an, ob ich Interesse hätte.
Dazu muss ich sagen, ich bin ein großer H.P.Lovecraft-Fan - und in jenen Geschichten, die mir da angeboten wurden, wollten die Autoren in seine Fußstapfen treten. Ich war unschlüssig, ob ich es schaffen könnte, diese Anthologie noch nebenher zu stemmen.
Nunja, eigentlich war ich nicht unschlüssig - ich wollte nur die Bestätigung, dass ich das Richtige tue.
Ich sprach mit meinen Eltern darüber - doch anstatt der erhofften Bestätigung bekam ich von meiner Mutter Ablehnung. "Junge", sagte sie, "das funktioniert nicht. Denk daran, dass du noch einen Hauptjob hast. Nicht, dass du dich übernimmst und dich kaputtmachst und dann nicht mehr deinen Hauptjob machen kannst." Als dann auch noch meine Frau in die gleiche Kerbe schlug, kam in mir der Trotzkopf durch.
Im Nachhinein ist diese Fürsorge einfach rührend, aber damals, als ich eigentlich Bestätigung suchte, reizte es mich nur zum Widerspruch. Mit meinem Lieblingsspruch - "Euch zeig ich's jetzt!" - nahm ich die Herausforderung und die "Metamorphosen" an.
Fast zwei Jahre später - wir hatten in dem Jahr 4 Neuerscheinungen herausgebracht - sprach mich meine Mutter noch mal auf das Thema an: "Torsten, ich wollte mich bei dir entschuldigen. Du hattest recht mit den Metamorphosen. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, aber eigentlich hätte ich dir vertrauen müssen. Ich werde nie wieder an dir zweifeln!"

Unsere Firma mauserte sich eigentlich recht schnell zum Familienbetrieb. Ich selbst hatte nie Ahnung davon, wie man Bilder zeichnet, sie bearbeitet und für den Druck aufbereitet - und ich gebe zu, mir fehlte die Motivation, mich da hineinzudenken.
Daher war ich froh, dass meine Nichte und mein Neffe Interesse daran hatten, die Zeichnungen für meine Romane herzustellen. Und ihre Fähigkeiten wuchsen mit jedem Roman. Nach drei Romanen war die Zusammenarbeit dann erstmal beendet - aus den Teenies waren Twens geworden, die einen eigenen Job hatten, eigenes Geld verdienten und andere Hobbys entwickeln. Aber ich habe viel aus der Zeit gelernt - beispielsweise klare Anweisungen zu geben, wie man ein Bild haben möchte.
Als die beiden ganz ausstiegen, suchte ich mir Stück für Stück Coverzeichner und Illustratoren für unseren Verlag. Bis heute sind alle Grafiken, Zeichnungen, Cover zugekauft. Ein großer Batzen, um den ich mich nicht kümmern musste.

Irgendwann war es dann soweit, dass meine Eltern nicht mehr hinterherkamen, alle Romane und Anthologien zu lektorieren und zu korrigieren.
2005 brachten wir ein Buch raus, 2007 das zweite. 2008 ein Buch. 2009 zwei Bücher. 2010 waren es bereits vier!
Ich selbst war mit dem Vermarkten und der Programmplanung, der Honorarauszahlung und der Autorenbetreuung komplett unter Wasser. Zudem merkte man meinen Eltern an, dass sie langsam alt wurden. Nicht vom Denken her - das Lesen, das Lektorat, die Diskussionen mit uns - all das hielt den Geist rege. Aber langsam musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass meine Eltern nicht immer da sein werden (man darf nicht vergessen - heute sind sie 79 und 74 Jahre alt).
Es war an der Zeit, mir Gedanken über einen Notfallplan zu machen. Und vor allem, nicht nur einen Notfallplan zu haben, sondern den oder die Betreffende bereits einzuarbeiten, damit am Tag X ein fließender Übergang möglich war. Ich schaute mich lange um, diskutierte viel mit Autoren, die ich in Schreibforen traf - und entschied mich schließlich für Maria. Seit Anfang 2011 arbeitet sie für uns, die "Klabauterkatze" war ihre erste Anthologie.
Aber meine Planung ging nur ein Jahr lang auf. Die Anzahl der Projekte explodierte.
2011 waren es sechs Bücher, 2012 bereits sieben! Und meist kamen die Bücher bündelweise heraus, da für uns als Phantastik-Verlag zwei Termine entscheidend waren - im Frühjahr die Leipziger Buchmesse, im Herbst der Buchmesse-Con in Dreieich.
Da sich dadurch die Lektoratsphasen von zwei, drei Büchern überschnitten, brauchte ich bald einen neuen Lektor. Außerdem wurden meine Eltern zunehmend aktiv in der E-Book-Erstellung, machten sie schlussendlich komplett allein und fielen damit für immer mehr Romane aus.
An der Stelle holte ich Daniela ins Boot.
2013 acht, 2014 neun.
Es geht nicht anders - ein dritter Lektor muss ran. Mit Thilo ist unser Lektoratsteam vorläufig komplett.

Ich komme nicht umhin, zuzugeben, dass mir ein Großteil der Arbeit an den Anthologien von meinen Herausgebern abgenommen wird. Bis zur "Klabauterkatze" las ich noch alle eingehenden Beiträge - aber das ist mittlerweile einfach nicht mehr machbar.
Meine Herausgeber unterstützen den Verlag wirklich ganzheitlich. Sie kommen mit einer Idee auf uns zu, formulieren diese aus, machen eine Ausschreibung draus und verteilen sie, nachdem ich mein OK gegeben habe. Sie sammeln die Geschichten und die Adressen, lesen alles, bewerten, selektieren, stellen eine Vorauswahl zusammen und reichen sie an mich weiter. Sie machen sich Gedanken über das Cover, über den Grafiker, über den Klappentext, die Werbung.
Sie triggern mich, wenn ich etwas im Trubel des Tagesgeschehens vergessen sollte.
Sie treten mich, wenn ich bummle.
Ansonsten arbeiten sie weitestgehend selbstständig.
Ohne sie wäre ich mittlerweile aufgeschmissen.

Auch meine Autoren sind teilweise wirklich ganz grandiose Unterstützer. Es gibt welche, die organisieren Lesungen auf eigene Faust und holen andere Autoren dazu. Es gibt welche, die vertreten uns auf Veranstaltungen, auf denen wir nicht anwesend sein können. Es gibt welche, die machen uns auf Werbemöglichkeiten und Veranstaltungen aufmerksam. Und manche unserer Autoren und Herausgeber sind mittlerweile unsere besten Freunde.
Im Forum tauschen sich unsere Autoren untereinander aus, motivieren sich gegenseitig, helfen sich und geben mir das Gefühl, dass der Verlag Torsten Low keine kleine Firma, sondern eine ganz großartige Familie ist.
Und der eine oder andere kümmert sich auch ganz großartig um die jüngste Verlegerin Deutschlands.

Ja, die jüngste Verlegerin Deutschlands - auch sie gehört zu den helfenden Händen.
Wer schon mal zugeschaut hat, wie Emily mit ihren Papa den Messestand aufbaut, wird verstehen, was ich meine. Sie erzählt schon Tage vorher im Kindergarten, wenn es auf Veranstaltung geht. Sie trägt Dutzende (!) 5 kg schwere Bücherkisten ins Auto. Sie hilft beim Standaufbau, verteilt Prospekte, ist das Verlagsmaskottchen, der Wirbelwind, der Gutelaunebringer am Stand.
Und sie versteht, dass es Phasen gibt, in denen Papa sich ins Büro zurückziehen muss, weil neue Bücher gemacht werden müssen, damit man neue Ware für die Messe oder Con hat. Dann versucht sie Papa nachzueifern, malt Geschichten (Märchen oder selbst erfundene) und klebt die losen Blätter mit Tesafilm zu Büchern zusammen.
Wir werden oftmals gefragt, ob es nicht zu stressig sei - so mit Kind immer auf Achse und auf Erwachsenenveranstaltungen. Doch ich kann nur sagen, Emily liebt diese Veranstaltungen genau wie wir. Sie hat unter den Autoren ihre "Freunde", auf die sie sich schon Wochen im Voraus freut, ihre "Nessa" und ihren "Tommy", ihre "Heike" und ihren "Tom" und die anderen alle, die sie abgöttisch liebt.



Die wichtigste Stütze des Verlages jedoch ist und bleibt meine Frau.
Ohne Tina hätte ich den Verlag nicht gegründet. Sie hat mir in der Anfangsphase Zuspruch gegeben, mich aufgebaut, wenn ich niedergeschlagen war, und hat mich angetrieben, wenn ich aufgeben wollte.
Als ich mit dem Verlag angefangen habe, war es meine Frau, die mich dazu „gezwungen“ hat, Reziexemplare rauszuschicken. Ich wollte keine Reziexemplare verschicken – ich hatte damals nur wenig Selbstvertrauen und ich fürchtete die Reaktionen.
Später dann war es meine Frau, die mich dazu „gezwungen“ hat, Lesungen abzuhalten. Ich wollte nie – NIE – Lesungen abhalten. Ich hatte panische Angst davor. Als ich dann zu den Tübinger Tolkientagen eingeladen wurde, meinte sie: „Du gehst zu dieser Lesung! Du brauchst dich um nichts kümmern, ich fahre dich dorthin und ich fahre dich auch wieder zurück. Aber du gehst zu dieser Lesung!“
Als es dann immer mehr Termine gab, wurde meine Frau zu meinem wandelnden Terminkalender. Ich gebe zu, ich komme manchmal am Freitagabend nach Hause und frage erstmal blöd: „Wo geht es nachher eigentlich hin?“
Und sie ist auch das Organisationstalent, welches es schafft, mir jeden Monat mindestens 2 Veranstaltungen zu beschaffen.
Auch für solche „Kleinigkeiten“ wie Postdienst (also das Wegbringen der Versandtaschen) und Telefondienst, die in einem schnell wachsenden Verlag manchmal doch umfangreicher werden können, als ursprünglich gedacht, übernimmt sie seit Jahren.
Auf Veranstaltungen und zu Hause hält sie mir den Rücken frei, kümmert sich um Emily und besorgt große Teile des Haushaltes, damit ich abends Bücher verpacken oder Buchprojekte stemmen kann.
Doch das Wichtigste von allen: Sie ist immer als Gesprächspartner da.
Wir sind jedes Jahr gute 30.000 km mit unserem Lesemobil unterwegs – doch die Zeit im Auto vergeht schnell, wenn man immer was zu reden, zu planen und zu träumen hat. Im Auto erschaffen wir die Visionen von der Zukunft unseres gemeinsamen Verlages.

****

Kommen wir auf die einleitende Frage zurück: "Wie schaffst du das mit dem Verlag eigentlich alles?"
Ich schaffe es, indem ich nicht alle Arbeiten an mich reiße. Ich schaffe es, indem ich nicht alles zu kontrollieren versuche.
Ich schaffe es, indem ich Arbeiten auf mehrere Schultern verteile, meinen Herausgebern und Lektoren vertraue.
Ich schaffe es, indem ich meine Frau, meine Familie, meine Autoren und meine Herausgeber von meiner Vision begeistere und ihnen den Wunsch ins Herz pflanze, Teil dieser Vision zu sein.
Denn Einzelunternehmen sind keine Einzelkämpfer.


Mehr zum Verlag und seinen Werken: HIER.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen