Donnerstag, 18. Juni 2015

Kleopatra: Ein Leben - Stacy Schiff

Titel: Kleopatra: Ein Leben
Autorin: Stacy Schiff
Originaltitel: Cleopatra
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 3570101053
Euro: 24,99
Veröffentlichungsdatum: Juli 2013
Seiten: 448
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag








 
Klappentext/ Inhalt:
Die glänzend erzählte Lebensgeschichte der legendären ägyptischen Königin
Kleopatra VII., letzter weiblicher Pharao Ägyptens, ist heute hinter Mythen, übler Nachrede und märchenhafter Schönheit verborgen. Stacy Schiff , Pulitzer-Preisträgerin, zeigt in ihrer Biografie dank intensiver Recherche und neuer Auswertung antiker Quellen nicht nur die laszive Verführerin und das intrigante Machtweib, sondern enthüllt eine außerordentlich starke Herrscherin – selbstbewusst, versiert in politischem Kalkül, diplomatisch und visionär. Detailfülle und Mut zum zugespitzten historischen Urteil, sprachliche Eleganz und provokantspritzige Porträts der mächtigen Mit- und Gegenspieler an Kleopatras Seite versetzen den Leser ins alte Reich am Nil mit seinem weltläufigen Charme und seiner machtpolitischen Unerbittlichkeit.


Meinung

Schon seit einer ganzen Weile haben es sich unterschiedliche Frauen zur Aufgabe gemacht, dazu beizutragen, die Frauen der Historie sichtbar zu machen. Wer ein Geschichtsbuch aufschlägt oder eine Dokumentation sieht, bekommt schnell das Gefühl, Frauen hätten zur Menschheitsgeschichte nie auch nur irgendetwas beigetragen. Dass dies absolut falsch ist, ist für Interessierte, die sich die Mühe machen, das ein wenig zu recherchieren schnell herauszufinden. Nicht zuletzt dieser Verein trägt dazu bei.
Eine der am meisten unterschätzten Figuren, und auch eine der bekanntesten, ist Kleopatra. Obwohl sie viele Jahrzehnte in einer Welt und zu einer Zeit ein Weltreich regierte, in der das für niemanden einfach war, schon gar nicht für eine Frau, ist von ihr kaum mehr geblieben, als die Vorstellung einer attraktiven Frau, einem Teppich und der Beziehung zu Cäsar.
Stacy Schiff hat keinen Roman, sondern ein Sachbuch mit romanähnlichen Zügen geschrieben. Sie schafft es dabei mühelos, das Ägypten zur Zeit Kleopatras lebendig zu schildern. Ihr Name übrigens ist keine Seltenheit, vor allem auch in der königlichen Linie und wurde ebenfalls mit Ziffern genauer gedeutet. Dass Kleopatras kompletter Name (mit Zahl eben), dabei auf einen Irrtum zurückgeht, es hat sich jemand verzählt, ist nur eine der Anekdoten des Buches. Interessant in etwa ist, dass der julianische Kalender, der ja angeblich auf Julius Cäsar beruht, eigentlich auf die Ägypter zurückgeht, die einen hoch ausgeprägten Verwaltungsapparat besaßen, den Cäsar schlicht übernommen hat.
Diese krude Teppich-Nummer hat es übrigens nie gegeben und ist allein von Hollywood erdacht worden. Schiff schildert sehr glaubhaft, wie die Beziehung Cäsars und Kleopatras entstand und sich schließlich entwickelte. Beide waren sich offenbar sehr ähnlich in ihren Wesenszügen und Kleopatra musste sowohl das Problem um eine missgünstige Schwester und einen missgünstigen Bruder klären, als auch die Invasion der Römer um Cäsar aufhalten. Ein zunächst unmöglich scheinendes Unterfangen. Aber nur eine der zahlreichen Herausforderungen, die diese starke Frau im Laufe ihres Lebens bewältigen musste.
Schiff hat hervorragend recherchiert und die wenigen überlieferten Dokumente historisch nachvollziehbar erklärt. Besonderen Spaß machen dabei ihre zahlreichen Worte zu römischen Würdenträgern, die es so nicht oft zu lesen geben wird, übrigens alles Namen, die man schon einmal gehört hat. Wir neigen ja mitunter auch dazu, Leute zu glorifizieren und vergessen dabei, dass sie bloße Menschen und dabei auch Menschen ihrer Zeit waren. Wenn sich Schiff also an belegten Tatsachen so manchen Mann quasi zur Brust nimmt und deren Aussagen über Kleopatra - der Frau unter Männern, die Unerhörtes tut, nämlich regieren - ist das amüsant und lehrreich zugleich. Dabei geht es allerdings nicht darum, diese männlichen Persönlichkeiten zu verunglimpfen. Es wird kritisch geprüft und dargestellt, warum wer wie handelte.
Kleopatras Leben, wie auch ihr Regieren war nie einfach und hält leider kein Happy End bereit. Es wird deutlich, dass Schiff diese kluge Frau sowohl als Person ihrer Zeit zeigen wollte, als auch als gleichberechtigt mit all den anderen großen Namen. Nicht in erster Linie eine Frau, sondern eine fähige Regentin, die leider bis heute unterschätzt wird.

Weitere unterschätzte Frauen der Weltgeschichte (kleine Auswahl!):

Agnodike, die etwa im dritten Jahrhundert vor Christus lebte, war vermutlich die erste Frau, die als (Frauen-)Arzt arbeitete. Sie war frei geborene Athenerin und verkleidete sich als Mann, um die Heilkunde studieren zu können. Auch später praktizierte sie verkleidet als Mann, da es Frauen und Sklaven der damaligen Zeit nicht gestattet war, Medizin zu studieren oder zu praktizieren. Als sie gezwungen war, sich als Frau zu offenbaren, schlossen sich teils hochgestellte Frauen der Stadt zusammen und erreichten so eine Änderung des Gesetzes.

Elisabeth Selbert war eine von nur vier Frauen (von insgesamt 65 Mitgliedern), die zu den "Vätern des Grundgesetzes", also den Machern des Grundgesetztes Deutschlands zählte - inzwischen werden sie auch als "Mütter des Grundgesetzes" bezeichnet. Gegen alle Widerstände setzte sie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetz durch. Dabei ging es insbesondere um diesen Satz: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", woraufhin einige weitere Passagen, die teilweise noch von vor 1900 stammten ebenfalls überarbeitet werden mussten.
Einige ihrer Schriften und Ideen (vor allem zum Familienrecht) wurden erst Jahrzehnte später aufgegriffen und fanden ebenfalls Eingang in die auch heute noch gültigen Gesetze.

Audrey Hepburn ist den meisten vermutlich nur als Schaupielerin und "schönste Frau aller Zeiten" (New Woman Magain, 2006) bekannt. Aber kaum jemand weiß, dass sie in jungen Jahren während des zweiten Weltkrieges heimlich Tanzaufführungen veranstaltete um Geld für den Widerstand zu sammeln. Seit 1988 war sie Sonderbotschafterin UNICEFs und hat sich bis zum Ende stets für humanitäre Projekte stark gemacht.

http://www.stacyschiff.com/
Stacy Madeleine Schiff ist eine US-amerikanische Biografin und Journalistin. Ihre Biografie "Saint-Exupéry" ist mit internationalen Preisen ausgezeichnet und 1995 für den Pulitzer-Preis nominiert worden, den sie 2000 für "Véra" erhielt.

Kommentare:

  1. Eine wirklich sehr gelungene Rezension. Besonders gut gefällt mir, dass du noch weitere Frauen der Geschichte genannt hast. Eine gute Idee!

    Liebe Grüße
    die Tintenelfe

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    1. Danke und Grüße zurück!

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  2. Klingt auf jeden Fall nach einem sehr interessanten Buch!
    Frauen sind in der Geschichtsschreibung wirklich unterrepräsentiert, wobei Kleopatra ja nicht unbedingt unbekannt ist. Von Agnodike und Elisabeth Selbert habe ich vorher aber noch nie etwas gehört.
    Traurig, dass man, oder besser: frau, tatsächlich für diesen Satz ("Männer und Frauen sind gleichberechtigt") kämpfen musste... Dabei ist das ein Fakt, der eigentlich gar nicht diskutiert werden dürfte...

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    1. Manche Frauen der Geschichte sind vielleicht nicht unbekannt, aber wenn man mal genau hinschaut _wie_ sie wahrgenommen wurden und werden ... sicher nicht für das, was sie geschaffen haben, so auch bei Kleopatra.
      Durch das Buch bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, mal nachzuschauen und bin eher zufällig auf die anderen Damen aufmerksam geworden. Kann einem schon Angst machen manchmal, vor allem wenn man bedenkt, dass es doch realtiv wenig Jahre sind und es auch noch ein heute gibt.

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    2. Hm stimmt. Kleopatra wird ja meist nur in einem Atemzug mit Cäsar oder Marcus Antonius genannt...
      Ja, wirklich erschreckend! Aber es gibt so vieles, was in unserer Gesellschaft längst überfällig wäre.

      Ich habe heute das Buch „Die Königin" von Susan Kay beendet. Da wird das Leben der Königin Elisabeth I. in einem historischen Roman erzählt. Ist mir so eingefallen, weil sie ja auch eine mächtige Frau war. Darüber hatte ich vor deinem Post gar nicht wirklich nachgedacht...

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    3. Was mir an der Darstellung von Elisabeth I. nicht gefällt - egal ob Film oder Buch - würde hier eine lange Liste ergeben. Dabei muss das eine außerordentlich kluge und innerlich starke Frau gewesen sein. Aber auch sie ist von Männern versucht worden in die Historie einzuordnen und das eben meist als Frau, nicht als Königin.

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  3. Sehr spannend - gerade der Hinweis auf "weitere Frauen". Ich sollte mal zum Buch greifen!

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    1. Die stehen aber nicht im Buch ;-)
      Ich mochte auf jeden Fall den anderen Blickwinkel und wünsche mir noch mehr so spannende Werke der Autorin. Werde mal das andere von ihr in Deutsch veröffentlichte lesen, auch wenn nicht so leicht zu kriegen ist. Im Oktober erscheint "The Witches" und ich hoffe sehr, sehr, dass man das übersetzen wird.

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