Mittwoch, 5. November 2014

Drei Bücher über das Schreiben, die ich mochte


2k to 10k: Writing Faster, Writing Better, and Writing More of What You Love - Rachel Aaron
Have you ever wanted to double your daily word counts? Do you sometimes feel like you're crawling through your story? Do you want to write more every day without increasing the time you spend writing or sacrificing quality? It's not impossible; it's not even that hard. This is the book explaining how, with a few simple changes, I boosted my daily writing from 2000 words to over 10k a day, and how you can, too.
Autorenname und Preis sind mir als erstes in Auge gefallen und hier stimmt einfach alles. "Meister der Stimmen" Teil 1 der Eli Montpress Reihe habe ich sehr gern gelesen.
Aaron hat keinen Schreibratgeber im üblichen Sinne verfasst. Sie schreibt, dass das E-Book aus einem Blogbeitrag heraus entstanden ist und dass sie nicht mehr tue, als ihre eigenen Erfahrungen zu teilen. Nicht zuletzt die, wie man neben Alltag, Kind und other Stuff das Schreiben an sich optimieren könne. Im Grunde erzählt sie auch dabei nichts neues, aber sie erzählt rund und angenehm. Sie formuliert dabei keine Plattitüden, sondern erzählt, wie sie praktisch an die Dinge herangeht, die in anderen Ratgebern lediglich theoretisch beschrieben werden. Da sie in der Phantastik schreibt, ist es auch dieses Genre, das als Beispiel herhält.
Kann ich uneingeschränkt empfehlen.


Die Odyssee des Drehbuchschreibers - Christopher Vogler
Vogler, jahrzehntelang Berater der großen Hollywood-Studios, entdeckte, dass fast allen großen Publikumserfolgen eine archetypische Struktur zugrunde liegt, die seit dem Anfang der Welt die erfolgreichsten Märchen und Mythen bestimmt: die Heldenreise. Voglers Folgerung: Wenn wir alle immer wieder eine Geschichte in immer neuen Varianten erleben wollen, dann liegt das daran, dass wir in ihr Archetypen wiederfinden, an denen wir alle teilhaben. Wenn Publikumserfolge seit Homers Odyssee nach ähnlichem Muster gestrickt sind, dann ist man gut beraten, den Faden weiterzuspinnen.
Voglers Buch eignet sich nicht nur für (angehende) Drehbuchschreiber, sondern ebenfalls für Romanautoren, die ihrem Plot einen gewissen Feinschliff verpassen möchten oder die das Gefühl haben, es fehle noch etwas.
Als Idee unheimlich interessant und zumindest derart, dass man es unbedingt gelesen haben sollte, ist es dennoch fraglich, ob Geschichten nach diesem Prinzip nicht ein wenig zu sehr in ein Schema gepresst werden. Der Lauf des Plots wird ebenso "vorgeschrieben", wie der Weg des Helden, wen er wann trifft, was er wann wie tun wird. Anhand von diversen Filmbeispielen, die alle schon etwas älter, aber auf jeden Fall bekannt sind, wendet Vogler seine Schemata auf eben diese an.
Mitunter macht er das leider etwas zu ausführlich und trocken, so dass hier und da einiges Stehvermögen beim Lesen dazugehört.
Angeblich arbeite Hollywood derart, dass jedem Neuen im Geschäft Voglers Buch in die Hand gedrückt werde. Vielleicht erklären sich so diverse Filme, die leider so stoisch wie der Inhalt dieses Werkes daherkommen.
Nichtsdestotrotz schadet es nicht, "Die Odyssee des Drehbuchschreibers" gelesen zu haben, es gibt durchaus so einiges zu lernen. Inweiweit es verinnerlicht werden sollte, bleibt dahingestellt.


Wie schreibe ich eine Kurzgeschichte? - Annika Kühn
Wer eine Geschichte mit Gänsehauteffekt, Suchtpotenzial und Wirkung auf Herz oder Lachmuskeln verfassen will, braucht mehr als nur einen Stift und Papier. Er braucht jede Menge Ideen und Handwerkszeug: Wie schreibe ich eine Kurzgeschichte? gibt jungen Schreibbegeisterten beides mit auf den Weg. Auf unterhaltsame und anschauliche Weise vermittelt das aufwändig gestaltete Handbuch Teenie-Autoren die Grundlagen des Kurzgeschichtenverfassens, nennt die Dos und Don'ts und beantwortet die wichtigsten Fragen: Wo finde ich Inspiration? Wie erwecke ich Figuren zum Leben? Und was muss ich tun, damit die Leser meine Geschichte nicht mehr aus der Hand legen? Einfallsreiche Beispiele, originelle Übungen und witzige Illustrationen helfen beim Verstehen von Erzählperspektiven, Dialogstrukturen und Co. und regen zu fantasievollen Texten an damit die nächste Geschichte eine von den wirklich guten wird.
Zunächst leider übersehen, dass sich das Werk an sehr junge Autoren richtet, wortwörtlich dem Alter nach, hält der 183 Seiten starke Band doch nützliche Hinweise bereit, wenn auch eher gegen Ende.
Der Ratgeber ist sehr einfach aufgebaut und gehalten und fasst zudem die wichtigsten Punkte am Ende eines Kapitel noch einmal zusammen - "5x ganz unbedingt/ 5x bitte nicht". Erfahrene Autoren huschen recht schnell durch den Text, der für völlig Unkundige einen guten Überblick bietet. Die einzelnen Kapitel sind mit Skizzen und Zeichnungen angereichert und sprechen so das junge Publikum auch damit an.
Die einzelnen "Rezepte" a la "Wie du eine X-Story schreibst" sind tatsächlich wie in einem Kochbuch gehalten: Zutaten, Zubereitung, verfeinern, etc. Leider hat sich Frau Kühn hier jedoch, im Gegensatz zum gesamten Werk, nicht ganz kundig gemacht, vor allem, was Liebesgeschichten und Frauen-/Mädchenromane anbelangt. Als Liebesgeschichte führt sie als "Gelungene Ergebnisse" nicht nur Shakespeares "Romeo und Julia" an, sondern auch Emilie Brontes "Sturmhöhe". Dass dieses Genre aber unbedingt ein Happy End bedingt und diese beiden Romane eben nicht dazugehören, hätte zumindest ein Lektorat berichtigen können.
Im "Rezept für ein Freundinnenabenteuer" werden dann "Robinson Crusoe" und "Die Abenteuer des Tom Sawyer" genannt; ein Hinweis, dass das zwar Jungs seien, sich dies aber auch auf Mädchen ausweiten ließe, wirkt reichlich unmotiviert. Bei den Vampiren "Dracula" und Anne Rice waren dann schon recht vorhersehbar.
Hier hätte ich mir mehr Recherche gewünscht, denn Beispiele gibt es genug. Und wenn man es macht, dann bitte richtig.
Sehr interessant und nützlich wird es dann im letzten Drittel, wo auch Autoren, die schon im Schreibprozess selbst stehen, viel lernen können.
Ich würde den Schreibratgeber, auch vom Preis her, allen empfehlen, die es schon immer mal versuchen wollten, sich aber bisher nie getraut haben - vielleicht auch, weil sie nie wussten, wie genau man anfängt.

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