Mittwoch, 1. Oktober 2014

Der Geschmack von Wasser - Emmi Itäranta


Titel: Der Geschmack von Wasser
Autorin: Emmi Itäranta
Originaltitel: Teemestarin Kirja
ISBN: 978-3423650090
Euro: 14,95
Veröffentlichungsdatum: September 2014
Seiten: 340
Kein Serientitel
Come in: Vom Verlag










Inhalt

Kriege und Katastrophen haben das Antlitz der Welt verändert und ihr das Wasser geraubt, das nun stark umkämpft ist. Die Großmacht China hat Europa unterworfen, auch die Skandinavische Union und operiert von Neu Quian aus.
Die siebzehnjährige Noria Kaitio, Tochter des ortsansässigen Teemeisters, steht kurz vor ihrer eigenen Prüfung zum Teemeister, als sich ihr Leben schlagartig verändert. In alter Tradition sind Teemeister die Hüter des Wassers und Norias Vater hat Kenntnis einer geheimen Quelle, in welches er sie einweist.
Gleichzeitig finden Noria und ihre beste Freundin seit Kindheitstagen auf der Mülldeponie der "Alten Zeit" einige seltsame runde Scheiben, die in ein altes Gerät gelegt, mit alten Stimmen sprechen. Was sie sagen, offenbart die Propaganda des Regimes und sie scheinen die Macht zu haben, alles zum Guten zu wenden und das Wasser zurückzubringen.
Doch dann taucht das Regime in Norias Dorf auf, weil es dort eine geheime Quelle vermutet ...

Meinung

Die Autorin hat ihr Debüt sowohl in finnisch, als auch in englisch geschrieben und gewann 2011 damit einen von einem finnischen Verlag organisierten Wettbewerb für phantastische Literatur. Auch später hat sie noch diverse Preise eingeheimst und unterschiedliche Quellen berichten, dass "Der Geschmack von Wasser" in mindestens zehn verschiedenen Sprachen erscheinen wird. Auch das zweite Werk Itärantas, noch nicht einmal fertig geschrieben, ist in mehrere Länder verkauft.
Und es ist tatsächlich ein ausgesprochen atmosphärisches und eindringliches Buch, in einer ausdrucksstarken, bildhaften Sprache. Auch, wenn es mitunter Details zum kritisieren gibt, ist es doch in erster Linie das, was im Gedächtnis verhaftet bleiben wird.
Noria erzählt ihre Geschichte selbst, was das Erlebte noch näher zum Leser bringt. Zunächst ist sie recht sympathisch, wenn sie durch Alltäglichkeiten ihre Welt und ihr Dasein schildert. Es ist nur ein kleines Dorf, aber auch hier sind Regime und Verfolgungen ziemlich präsent. Die Wasserknappheit führt dazu, dass sich die Bewohner eigene Wasserleitungen im Geheimen bauen, um sich mehr als das ihnen zugewiesene Nass abzapfen zu können. Wasserschläuche werden als Zahlungsmittel verwendet. Dass so Norias Familie, die über mehr Wasser verfügt, als die meisten anderen zusammen, nicht schon eher Anfeindungen der Dorfbewohner ausgesetzt war, mutet seltsam an. Da Teemeistern aber mehr davon zugeteilt wird, gibt es nur den üblichen Neid.
Wie schwer ein Leben ohne Wasser ist, wird an der Familie von Norias bester Freundin seit Kindheitstagen deutlich. Sanja, ihre Eltern und die kranke kleine Schwester leben mehr als ärmlich. Und obwohl Noria oft Wasser zu ihnen bringt, haben sie sich ihren Stolz bewahrt und nehmen keine Almosen an.
Noria musste sich nie recht Gedanken um Wasser machen, das erklärt jedoch nicht, weshalb sie offenbar blind durch ihre Welt stolpert. Kaum von Sanja und ihrer Familie zurück, geht sie daheim gleich unter die Dusche. Oder wäscht Geschirr ab. Mit dem kostbaren Nass, das eben andere in ihrem direkten Umfeld nicht einmal ausreichend zum Leben besitzen. Das macht das Mädchen spätestens mittig leider recht unsympathisch. Ein gewisser Eigennutz kann ihr danach nicht mehr abgesprochen werden, was ihre eigentliche Leistung schließlich schmälern wird.
Technik spielt so gut wie keine Rolle, außer einem Kommunikationsgerät oder Solarbetriebenen Fahrzeugen ist davon wenig spürbar, da sich das Geschehen fast ausschließlich auf das kleine Dorf beschränkt. Und hier kann sich ohnehin niemand so etwas wie Luxus leisten, da es oft kaum zum (Über)Leben reicht.
Als das Regime eintrifft, spitzt sich die Lage zu. Mehr und mehr diffamierende, anklagende Kreise tauchen an Türen von Häusern auf, deren Bewohnern kaum ein Monat bleibt, um ihre Angelegenheiten zu regeln. Noria und Sanja wähnen sich dennoch einigermaßen sicher, als es ihnen gelingt die Stimmen auf den glänzenden Scheiben hörbar zu machen. Sie legen sich einen Plan zurecht und beginnen, ihn in die Tat umzusetzen.
Es ist keine menschliche Welt, in der beide leben und es wirkt alles umso bedrückender, wenn man bedenkt, dass es eigentlich nur ein kleiner Schritt hin zu dieser Welt ist. Berge von Müll, vor allem aus Plastik, Wasserknappheit, ein Regime, das die Menschen kontrolliert. Als Noria gefragt wird, weshalb sie von der Alten Welt so fasziniert ist, heißt es gleichzeitig: Denk nicht an sie, sie haben auch nicht an uns gedacht.
Es ist am Ende, als hätte Itäranta eine Wahrheit, die wir alle kennen, neu berührt und umgesetzt und damit zur Diskussion auf den Tisch gelegt. Schon jetzt beginnen jene ohne Gewissen Wasser zu privatisieren und abzuschotten. Fraglich, ob unsere Enkel das kostbare Nass noch die Toilette runterjagen oder schlicht eine Maschine damit betreiben können. Itäranta zeigt deutlich: Die Zukunft, wie sie sie in ihrem Roman zeigt, hat längst begonnen.
"Der Geschmack von Wasser" ist vielleicht manchmal ein bisschen zu pathetisch, aber er ist auch intensiv, eindringlich und ziemlich emotional.



Emmi Itäranta, geboren 1976 in Tampere, Finnland, studierte Theaterwissenschaften in ihrer Heimatstadt und Kreatives Schreiben in Kent, England. "Der Geschmack von Wasser" ist ihr erstes Buch und wurde von ihr sowohl in Finnisch als auch in Englisch verfasst. Die Geschichte des Teemeisters und seiner Tochter Noria entwickelte sich international zu einem großen Erfolg und erschien parallel in dreizehn Ländern. Die Autorin lebt seit 2007 in Canterburry, England.

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