Dienstag, 26. August 2014

(Autorenplausch) Michael Bonifacio: Zeit


Titel: Zeit
Autor: Michael Bonifacio
Originaltitel, 534 Seiten
ISBN: 978-3902837257
Euro: 9,00 Euro
Keine Homepage















Liebe Leser der Verlorenen Werke,

ich bin Michael Bonifacio, Autor des Werkes „Zeit“, meines ersten gedruckten Romans. Ich lebe in Oberhausen und bin gelernter Jurist, doch mit Jura hat das Buch zum Glück (?) nichts zu tun.
Ich bin Jahrgang 1968, und darum geht es. Nein, nicht um die „68er“, mit denen habe ich nur das Geburtsjahr gemeinsam. Als nunmehr Mittvierziger habe ich nämlich die sog. Midlife-Crises erfolgreich absolviert und die Gedanken, die einen in dieser Situation bewegen, zu einem Buch verarbeitet. Es geht also um die Zeit im Leben eines Menschen, um den Ablauf eines Lebens, um verpasste Chancen und verlorene Liebe. Ja, und in der Tat, das Ganze kommt nicht als Komödie daher – dann wäre es ein anderes Buch geworden – sondern durchaus mit einer Portion Schwermut, wie ich offen zugebe.
Was nicht heißt, dass das Buch humorlos ist – so hoffe ich jedenfalls ...
Der junge Protagonist lebt in einer bedeutungslosen Vorstadt und durschaut sein eigenes Leben nicht. Er weiß nichts mit der Realität anzufangen und vermutet, es gebe andere Zeiten und Welten, in denen alles spannender ist als in seiner eigenen starren Welt. Er erkennt, dass er etwas ändern muss, ist dazu aber unfähig und kann nichts mehr bewegen. Er verpasst die Gelegenheit, seiner Jugendliebe näherzukommen und fühlt nur die Lücke, die dadurch in seinem Leben entstanden ist. Doch was ist die Zeit? Läuft sie nur in eine Richtung oder kann er alles noch einmal drehen, alles noch einmal ändern und seinem Leben eine andere Wendung geben? Diese Möglichkeit scheint es tatsächlich zu geben, indem er sich auf Experimente in einem seltsamen Institut einlässt. Aber wann hat jemals eine technische Erfindung die innersten Bedürfnisse und Fragen eines Menschen beantwortet? Der Protagonist flieht so in seine eigene Zukunft als erwachsener Mann. Hier ist zwar alles anders, doch genauso öde wie in seinem früheren Leben. Er kann dem Kreislauf des ewig Gleichen nicht entkommen. Wenn er doch nur mit seiner Jugendliebe reden, sie endlich richtig verstehen könnte! Durch Kommunikation, die keine Grenzen kennt, soll es möglich werden. Doch wohin führt ein solcher Weg, eine Phantasie, die alle Grenzen überwinden, Zeit und Raum hinter sich lassen will? Wir erkennen, dass unser Leben zeitgebunden ist, ein Leben ohne Zeit ist kein Leben mehr. Ein Leben ohne Zeit in grenzenloser Freiheit ist der Tod. Das Gegenteil von Tod ist Leben. Doch wann hat der Protagonist jemals gelebt?
Das Buch möchte ich nicht einem bestimmten Genre zuordnen. Es ist vor allem kein Fantasy, kein Krimi und kein klassischer SF. Wer so etwas erwartet, oder gar noch gern Spannung und Action liebt, der muss von dem Buch zwangsläufig enttäuscht werden. Man muss sich auf das Buch einfach einlassen. Ich habe es – so hoffe ich – wie ein Kunstwerk gestaltet, für das man „Zeit“ braucht und das dem Leser Anregungen für eigene Gedanken geben will. Man wird also nicht an die Hand genommen und durch eine Geschichte hindurchgeführt, sondern bekommt Mosaiksteinchen serviert, aus denen dann am Ende vielleicht ein Bild entsteht. Ja, ich weiß, das widerspricht den Erwartungen vieler Leser, aber so wollte ich mich eben diesem Thema nähern. Denn das Thema des Buches ist – entgegen anderslautenden Gerüchten – keine Philosophie über die Zeit oder eine große Geschichte, die erzählt werden will, sondern das Thema ist am Ende ein Gefühl. Ja, ein Gefühl. Das Gefühl eines verlorenen Lebens. Braucht man denn so viele Seiten, um ein Gefühl zu beschreiben? Hier habe ich sie gebraucht. Tadelt mich, dass ich zu lang war, aber es ging nicht anders.
Inspiriert haben mich zu diesem Buch meine eigenen Fragen über das Wesen der Zeit sowie verschiedene ältere Gruselfilme und – ganz wichtig – viel Musik. Das ist für mich ohnehin die wichtigste Inspirationsquelle.
Zu vielen Quellen gibt es Zitate, aber das Buch enthält auch viele versteckte Hinweise oder Fingerzeige. Der findige Leser mag sie erkennen. Sicherlich muss man nicht über 40 Jahre alt sein, um mit dem Buch etwas anfangen zu können – aber es hilft. Und die Jüngeren wissen dann, was einmal auf sie zukommen könnte ...
Ach ja, das war übrigens gerade eben mein Lieblingssatzzeichen, die drei Pünktchen (...) Sie zeigen an, dass etwas offen bleibt, unfertig ist und irgendwie weitergeht. Wie im richtigen Leben ...


Oberhausen, Juli 2014
Michael Bonifacio

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