Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Fluch der Zigeunerin - Megan Lindholm


Titel: Der Fluch der Zigeunerin
Autorin: Megan Lindholm
Originaltitel: Harpy's Flight
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442238835
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: November 1985
Seiten: 250
Serie: Die Windsänger 01
Come in: Tausch









Inhalt

Ki ist Angehörige des Volkes der Romnis, das als fahrende Händler umherzieht. Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Kinder hat sie sich jedoch von ihnen entfernt. Die drei sind von Harpyien getötet worden, an denen Ki furchtbare Rache nimmt. Doch das Männchen überlebte und verfolgt sie seither.
Als Ki einige Zeit später im Winter über einen schneebedeckten Pass reisen will, wird sie von dem halb verhungerten Vandien überfallen, den sie zwar besiegt, aber mit sich reisen lässt. Diese gute Tat nimmt Einfluss auf ihr weiteres Leben.

Cover

Cover, Titel und Klappentext sind so deplatziert, dass sie einiger Worte bedürfen. Im gesamten Roman kommt weder ein Fluch, noch eine Zigeunerin vor. Zwar haben die Romnis Ähnlichkeiten mit diesem Volk unserer Welt, wirklich vergleichen kann man sie jedoch nicht. Der Klappentext besteht aus einer Szene aus dem Buch, die so herausgerissen absolut unverständlich ist. Ein Wunder, dass jemand das Buch gekauft hat und so alle vier Bücher übersetzt worden sind.
Die "Harpy's" aus dem Original werden im Buch als Harfys übersetzt, was keinen Sinn ergibt, da tatsächlich Harpyien gemeint sind.
Es ist ärgerlich, dass jemand damit wirklich einmal durchgekommen ist.


Meinung

Anhand des Datums aller Publikationen Megan Lindholms/Robin Hobbs handelt es sich bei "Der Fluch der Zigeunerin" offenbar um das erste (veröffentlichte) Buch der Autorin. Das ist auch zu spüren, wenn es sich für ein Erstlingswerk auch hervorragend liest.
Die Handlung arbeitet mit zwei Zeitsträngen. In der Istzeit reist Ki mit ihrem Wagen umher und will einen Auftrag erledigen, bei dem sie im Winter über den verschneiten Pass gelangen muss. Der zunächst recht mysteriöse Vandien gelangt zu ihr und sie setzen die Reise gemeinsam fort.
Im zweiten Strang wird auf die Vergangenheit zurückgegriffen. Kis Rache an den Harpyien wird beschrieben und ihre Reise zu den Verwandten ihres Mannes, der kein Romni war. Dort möchte man eine Totenfeier mit sehr speziellen Ritualen abhalten. Die Lage dort spitzt sich zu, als Ki erkennt, wie nahe dieses Volk den Harpyien ist, wie abhängig beide Seiten quasi voneinander sind.
Am Beginn des Romans liest es sich ersteinmal etwas ungelenk, an der Spitze zur Verwirrung, wenn die Autorin zwischen den einzelnen Strängen hin und her wechselt. Diese Wechsel sind nur durch eine Leerzeile zu erkennen, die es aber auch im gleichen Erzählstrang gibt. Es dauert etwa ein Viertel des Buches, ehe dieses Zwitschen genehm wird. Danach liest es sich auch sehr flüssig weiter.
Die Autorin ist für ihre intensiven, emotionalen Geschichten und Figuren bekannt und auch bereits hier zeigt sich ein Großteil davon. Ki kann sich nicht von ihrem Mann und den Kindern trennen, nicht deren Habseligkeiten verschenken oder verbrennen, wie es Brauch bei ihrem Volk ist. Sie muss zudem auch mit dem Chaos leben, das sie unabsichtlich beim Volk ihres Mannes angerichtet hat.
Als Vandien zu ihr gelangt, kann sie seine Nähe zunächst nicht ertragen. Spätestens ab hier - und man befindet sich bereits im letzten Drittel des Buches - sind die Erzählwechsel gelungen und bauen geschickt aufeinander auf.
Auch wenn es zunächst so wirkt, handelt es sich nicht um einen Roman, bei dem eine wie auch immer geartete Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Es ist aber auch keine Story, in der sich Heere gegenüberstehen oder Königshöfe intrigieren. Es ist eine leise, eindringliche Erzählung, bei der eine Frau im Mittelpunkt steht, die alles verloren hat und deren Leben trotzdem weitergehen muss.
Vandien bleibt zunächst etwas blass, aber gegen Ende lernt man auch ihn näher kennen. Als Schnee und Eis beide zu überrennen drohen, kann sicher niemand diese Geschichte mehr aus der Hand legen.
Trotz winziger Kritikpunkte, eine sehr intensive, klare Erzählung, die starke und ausgereifte Charaktere zu einem für sie idealen und bewegenden Ende führt.


Die Windsänger 01:
1. Harpy's Flight (Der Fluch der Zigeunerin)
2. The Windsingers (Die versunkene Stadt)
3. The Limbreth Gate (Der Lockruf der Steine)
4. Luck of the Wheels (Das Glück der Räder)


http://www.meganlindholm.com/
Das Pseudonym von Robin Hobb. Die 1952 geborene Robin Hobb ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Mit neun Jahren zog Hobb mit ihrer Familie nach Fairbanks, Alaska. Nach ihrem High-School-Abschluss und einem einjährigen Besuch der Universität in Denver heiratete sie im Alter von 18 Jahren. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre erste Kurzgeschichte und begann ihre Karriere mit dem Schreiben einiger Kurzgeschichten für ein Kindermagazin.
Seit 1971 schreibt Megan Lindholm zeitgenössische Fantasy-Geschichten. Im Jahr 1995 begann sie mit dem Namen Robin Hobb, einem weiteren Pseudonym, epische Fantasy-Geschichten zu schreiben.
Sie hat vier Kinder und lebt in Tacoma im US-Bundesstaat Washington.

Kommentare:

  1. Find ich gut, dass du für die schlechte Übersetzung nicht dem Buch die Schuld gibst :-)
    Die Geschichte klingt nett, ich glaub aber nicht, dass ich sie mal in nächster Zeit lesen werde. Von Robin Hobb hab ich noch gar nix gelesen, gibt es da was sehr Empfehlenswertes?

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    1. Mache ich eigentlich nie und bei dieser Autorin sowieso nicht ;-) Robin Hobb mhm. Ich bin da etwas voreingenommen, würde sagen, dass alles lesenwert ist von ihr. Wobei ich beim zweiten Teil von oben gerade etwas hänge.
      Die Weitseher-Chroniken, Reihenfolge und Co gerne per Mail :)

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