Samstag, 8. Februar 2014

(Buchgedanken) Attentäter, Assassinen, Mörder - und ihre Opfer


In der letzten Zeit habe ich sehr viele Phantastikromane aller Untergenres gelesen, nicht zuletzt Esteps "Spinnenkuss" oder McCullough "Die zerborstene Klinge", in dem die Hauptfigur für Geld Leute tötet, sprich Assassine oder Meuchelmörder ist.
Was der Ausgangspunkt für eine spannende Geschichte zu werden versprach, wurde mir oft durch einen Punkt, der sich stets wiederholte, verleidet. Denn natürlich brachten die Attentäter nicht irgendjemanden um. Aus den Vampirromanen scheint sich eine Sache übertragen zu haben: Man tut etwas Schlechtes, wie das Aussaugen von Blut von einem Lebenden, aber eben doch nicht so ganz. Denn: Man tötet selbstverständlich keine angesehenen nützlichen Personen der Gesellschaft, sondern Obdachlose, Bettler, Diebe, Säufer und Co. Oder einfach jemanden, der "auf der falschen Seite steht".
Nicht nur, dass ich denke, entweder man ist Assassine oder nicht - und wenn dann richtig - ich frage mich auch, was die Protagonisten eigentlich berechtigt, diese Entscheidung zu treffen. Natürlich ist es nicht schön, was die meisten Opfer tun, ob sie nun ihre Kinder schlagen, Drogen verkaufen oder Handtaschen rauben. Aber dieses Gutmenschentum geht mir langsam gehörig auf den Keks! Der Versuch, den bezahlten Mörder doch irgendwie helden- und ehrenhaft hinzustellen, geht gehörig schief. Er tötet ja nur Abschaum. Oder? Nein! Er tötet, Punkt.
Man weiß nicht, warum der Säufer trinkt und dann gewaltätig wird. Man weiß nicht, ob der Handtaschenräuber von niemandem eine andere Chance bekommt, sein Geld ehrlich zu verdienen. Gerade auch als Sozialwissenschaftlerin geht mir das Thema nahe, weil mir mit dem Tod zu lasch umgegangen wird. Man tötet. Und es spielt keine Rolle, was das Opfer getan oder nicht getan hat, es ist und bleibt ein Mensch, dem man das Leben nimmt. Also entweder man macht es ganz oder gar nicht! Der Versuch, die Tat(en) an sich zu kaschieren, ist Schönrederei am falschen Platz. Mord ist Mord und daran wird auch die Vergangenheit des Protagonisten, die oft ausführlicher beleuchtet wird als das seiner Opfer, nichts ändern.
Assassinen in Romanen ja bitte, aber am Charakter und an der Geschichte bleiben und keine wie auch immer gearteten Grundwerte hineinpacken, die nicht hinein passen!

Kommentare:

  1. Du sprichst hier einen sehr interessanten Punkt an über den ich bisher aber eigentlich nie so nachgedacht habe, obwohl ich in dem Genre gerne lese (Jennifer Estep, aber auch Sarah J. Maas). Mir war es da immer recht, dass sich die Protagonisten bei ihren 'Opfern' so rechtfertigen - ich wüsste nicht, ob ich mich sonst mit ihnen als Heldinnen identifizieren könnte...

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    1. Du kannst Dich also generell mit Mördern identifizieren? ;-)
      Ich glaube nur einfach nicht, dass es so leicht ist, mit den eigenen Schuldgefühlen umzugehen. Und wenn man einmal an dem Punkt ist, diese überwunden zu haben ... was für einen Menschen macht das dann? Solche Fragen sind es, die mich interessieren, aber leider gibt es immer nur die Auslegung, die Meuchelmörder zu fast so etwas wie einem Helden werden zu lassen.

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    2. Puh, ich glaube aber, dass es kaum Bücher geben wird, die sich wirklich so mit dem Thema auseinander setzen... das für Leser ansprechend zu gestalten stelle ich mir schwierig vor.

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    3. Mir sind ein paar genannt worden, die mir gar nicht in den Sinn gekommen sind, wo die Protagonisten ebenfalls Assassinen waren und dennoch nicht diese Heuchelei an den Tag gelegt haben. Die meisten von ihnen mochte ich recht gern. Allerdings aus anderen Gründen ;-) Da liegt es vermutlich wohl in erster Linie am Gesamtpaket.

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  2. Vielleicht liegt es an unserer Vorstellung und der Tatsache, dass man Meuchelmörder und Assassinen gerne in welcher Form auch immer als Teil der Gesellschaft sehen mag. Diese Berufe gebe es nicht, wenn sie nicht zur Gesellschaft gehörten. Deine Darstellung von gut und böse in Ehren, aber wer bestimmt, was gut und böse ist?

    Ich muss an den Film "Leon der Profi" - wie sieht es denn hier aus mit dem Protagonisten?

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    1. Ich habe keine Auslegung von Gut und Böse ;-) Das ist es ja, was ich bemängle! Wer berechtigt wen dazu, diese Einteilung vorzunehmen und warum?
      Ich kenne Geschichten, da machen Assassinen einfach ihren Job, es versucht aber der Autor(in) nicht, das überhaupt zu rechtfertigen. Warum auch? Das kann man einfach auch nicht rechtfertigen. Manchmal ist es mir in den neueren Storys eben zu arg, dass da - eben auch schlecht handwerklich gemacht - mit der "Ehrenhaftigkeit" übertrieben wird.

      Keine Ahnung, ich kenne den Film nicht.

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  3. Interessante Überlegungen, an die ich noch nie gedacht habe. Liegt wohl auch daran, das ich mich im Moment kaum an irgendwelche Bücher mit Auftragskillern erinnern kann, die ich gelesen habe.

    Mal sehen, "Die zerborstene Klinge" subt bei mir noch, vielleicht kann ich mir dann eher eine Meinung dazu bilden. ;)

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    1. Ich fand's bei Estep stärker ausgeprägt, bin aber insgesamt gespannt, wie Dir die zerborstene Klinge gefallen wird, ich habe sie ja leider abgebrochen.

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