Mittwoch, 10. Oktober 2012

(Test) Die Suche nach einem Phantastik-Magazin (#6)


Abenteuer und Phantastik - Nautilus
Auf der Homepage ist leider nichts zum Werdegang des Magazins zu finden, Wikipedia weiß allerdings: "Thematisch ist die Nautilus auf die Genres Fantasy, Abenteuer, Mystery, Science-Fiction, Horror und Thriller ausgerichtet. Als Filmmagazin konzentriert sich die Nautilus auf Features zu aktuellen und kommenden Filmen, Setberichten, Interviews mit Regisseuren und Darstellen sowie auf Filmübersichten zu den jeweiligen Themen und Inhalten, denen ein Schwerpunkt im Heft gewidmet ist. Dazu gibt es Inhalte zu Romanen, Hörbüchern, Comics und Adventure-Games sowie Sachartikel zu Themen aus Wissenschaft, Historie, poplären Mythen und dem Phantastik-Genre."
Erstausgabe 1993. 12 Ausgaben im Jahr, im Abo 45 EUR, Einzelheft für 4,50 EUR.

Im Laden ist das Magazin leider nicht zu finden, per Internet jedoch schnell bestellt. Es gibt die Möglichkeit eines Miniabos über drei Ausgaben, die ich genutzt habe. Allerdings kam die Ernüchterung schnell. Auf der beigelegten Rechnung war zu lesen, dass sich dieses Abo automatisch verlängert, wenn nicht nach Eintreffen von Heft 2 gekündigt wird. Da aber dieses Miniabo für mich als Test dienen sollte, zum einen über das Gefallen/Nichtgefallen des Heftes, aber auch darüber, ob ich Zeit und Lust habe, überhaupt regelmäßig ein Magazin (zusätzlich) zu lesen, kam das leider nicht passend. Übrigens begann mit Ausgabe 99 mein Magazintest hier im Blog.
Bei Bestellung des Miniabos ging alles glatt, als ich allerdings kündigte, mir aber offen lassen wollte, mich vielleicht zukünftig für das Heft zu entscheiden, war der Bestell-Nautil (wer immer das auch ist) doch ziemlich angesäuert. Aus "Liebe D.H." wurde "Sehr geehrte Frau H." und der Rest, so höflich auch formuliert, machte mir klar, wie unüberlegt es sei, ein "von den Lesern preisgekrönten, ältesten europäischen und einzigen monatlich erscheinenden Fantasyfilm-Printmagazins des deutschsprachigen Raums" zu kündigen. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, aber so wirklich Lust auf eine Neubestellung macht das nicht.

Was das Layout anbelangt, fällt nach nun einigen gelesenen Magazinen auf, dass die Schrift mehrheitlich größer ist, als üblich, was sich ausgesprochen angenehm liest. Die etwa 50 Seiten bestehen aus dickem, griffigem Papier. Die Gestaltung ist liebevoll und mit einem Händchen für Details, ohne den Leser erschlagen zu wollen.

Was die Nautilus von anderen Magazinen unterscheidet ist, dass sie einen wesentlich größeren Fantasyanteil beinhaltet und auch die Richtung "Abenteuer" einschlägt. Außerdem gibt es zusätzlich noch Sachartikel, in Heft 99 in etwa "Spirale und Labyrinth - Magische Pfade in Wissenschaft und Phantastik". Das sich anschließende Special zu Stephen R. Lawhead (der eine zeitlang in Österreich gelebt hat) passte sehr gut dazu und war detail- wie inforeich. Teil 1 seiner "Schimmernden Reiche", "Die Zeitwanderer", lag vor einigen Wochen überraschend in meinem Briefkasten, kam dann aber erst einmal ins Regal. Dank der Zeilen zu und von Lawhead habe ich es herausgesucht und werde es demnächst lesen.

Ebenfalls augenfällig ist, dass sich ausgesprochen viele deutsche Autoren in den Heften tummeln. Leider ist auch in diesem Magazin sehr stark zu spüren, mit welchen Verlagen/Autoren enger zusammengearbeitet wird, was die besprochene Auswahl doch hier und da begrenzt, was vor allem bei den wenigen Bücherseiten zu bemerken ist, die zudem meist mehr von LiRos (in phantastischem Gewand) beherrscht werden, als von Phantastik/Fantasy. Es ist zwar nicht ganz ungewöhnlich, dass die Bücher von einer Autorin vorgestellt werden, etwas irritierend ist es aber doch, vor allem für jene, die genau hinsehen.
Es gibt neben einer ausführlichen Aufzählung von Neuerscheinungen auch einige wenige Rezensionen, die sich durchweg gut weglesen lassen. Ganz insgesamt darf sich das Heft aber gern auch noch etwas kritischer mit den einzelnen Themen auseinandersetzen. Ob grundsätzlich nur für gut befundene Filme, Bücher etc. Einzug ins Heft finden, dazu waren keine Hinweise zu finden.

Ausgabe 100 (Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!) wurde von vielen Aktionen begleitet und konnte inhaltlich den Vorgänger wieder wett machen, der mich größtenteils dann leider doch nicht angesprochen hat.
An "Merida" ist kaum ein Magazin vorbei gekommen, hier schaffte es der rebellische Rotschopf sogar aufs Titelbild. "The Dark Knight Rises" und "The Amazing Spiderman", Game-Tests, Bücher. Ein Großteil dieser Ausgabe ist übrigens von C. Handel, besser bekannt als Darkstar bestritten worden. Wer regelmäßig bei ihm reinliest und/oder ihn schon einmal selbst gesprochen hat, weiß, wofür sein Herz schlägt. Einen Teil davon findet man im Heft. Leider hat auch sein Statement hier für Seanan McGuire, die ich ebenfalls sehr gern gelesen habe, nichts genutzt, die Serie ist vom deutschen Verlag eingestellt worden.
Die Abenteuerkomponente in dieser Ausgabe stellt eine Doppelseite zu "Tarzan", der ja ebenfals 100 geworden ist (Jahre allerdings, nicht Monate/Ausgaben).
In Ausgabe 101 gibt es etwas nachzulesen zu Cabins in the Woods, Total Recall, Prometheus, Interview mit Ridley Scott, (zu viel) Game of Thrones, Interview mit Christopher Paolini, Tera (Onlinerollenspiel) uvm.
Artikel "Das Ziel der Astronauten - Die Eroberung des Weltalls aus der Sicht der SF".

Nachdem es für mich doch etwas überraschend war, bei der näheren Informationssuche zu entdecken, dass es sich bei der Nautilus um ein (reines) Filmmagazin handeln soll, wäre es nach all den vielen Jahren vielleicht nicht verkehrt, wenn sich das Magazin, das ja mit den monatlichen Ausgaben gewachsen ist, neu überdenkt und definiert. Mittlerweile ist die Bandbreite ja doch um einiges gewachsen und es wäre schade, wenn einige neu hinzugekommene Seiten (ich weiß leider nicht genau, wann ich das letzte Mal ins Heft gelinst habe, aber da gab es diese noch nicht) nur wegen der Anzeigen "halt auch da sind". Etwas mehr Individualismus unter den ganzen Phantastikmagazinen wäre generell wünschenswert und die Nautilus hat einen großen ersten Schritt getan. Und einen zweiten ... Man möchte ihr zurufen: Weiter so! Momentan für mich noch kein Abo wert, aber im Auge behalten werde ich sie auf jeden Fall.

Teil 1 des Testes ist HIER nachzulesen
Teil 2 des Testes ist HIER nachzulesen
Teil 3 des Testes ist HIER nachzulesen
Teil 4 des Testes ist HIER nachzulesen
Teil 5 des Testes ist HIER nachzulesen


Kommentare:

  1. Mir gefällt deine Testreihe sehr gut, und ich habe sogar auf die Nautilus gewartet.
    Ich selber hatte sie über ein Jahr lang abonniert. Besonders gut gefielen mir immer Hintergrundbeiträge, wie beispielsweise die Ergründung des Mythos Rotkäppchen, der Bedeutung der Farbe Rot und des Wolfes etc.
    Inzwischen habe ich das Magazin aufgrund von Postproblemen (für die die Verleger natürlich nichts können) und der notwendigen Ausdünnung meiner Abos aber wieder abbestellt. Unter anderem auch, weil mir das Magazin in seiner Gesamtheit zu filmlastig ist und in den meisten seiner Filmbeiträge zu euphorisch und wohlwollend daherkommt. Außerdem habe ich mich manchmal gefragt, was der jeweilige Beitrag denn nun mit Phantastik zu tun hat, aber da fällt wohl die große Auslegungsbandbreite ins Gewicht. Nett sind allerdings die Leseproben, die oft mit in der Sendung liegen, was ich immer sehr zu schätzen wusste, weil wir ja in guter Reichweite keinen gescheiten Buchladen haben, wo diese ausliegen könnten.
    Im Grunde ist es schade, dass dieses Magazin nicht zum Blättern im Handel erhältlich ist und so für den Spontankauf ausscheidet. Ich vergesse viel zu oft, online nach den neuen Inhalten zu stöbern.
    Ich bin derzeit komplett phantastik-magazinlos und bin ganz zufrieden damit ;-)
    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Sinje

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    1. Hallo Sinje,

      oh, danke :) Wobei es nicht immer einfach ist, an so ein Magazin zu kommen. Es gibt tatsächlich noch so einige, aber das dauert wohl bis zum nächsten Test. (Abenteuer Bestellschein etc.)
      Ich habe die bisherigen Hefte schneller gelesen, ale einen Beitrag geschrieben, aber durch die Nautilus bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, den Test zu machen. Ich bin nämlich nicht zufrieden damit kein Phantastik/Fantasymagazin zu haben. ;-)
      Filmlastig sind eigentlich alle der bisher getesteten Magazine, bis auf phantastisch. Die Erklärung von verschiedenen Seiten war bisher, dass sich Büchermagazine nicht verkaufen. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber da ich gerade eines suche ... bin ich hoffentlich nicht die große Ausnahme. Wenn man das SoWi-technisch bissl aufschlüsselt, dann lesen ja mehr Frauen als Männer und letztere sehen eher Serien/Filme. Dann würde das im Umkehrschluß bedeuten, dass mehr Themen für weibliche Leser angeboten werden sollten. Und leider sind die meisten Phantastikmagazine doch ziemlich männlich ausgelegt und die wenigen weiblichen Stimmen sind daran recht gut angepasst.
      Die Nautilus ist ja auch "Abenteuer und Phantastik", denn ich habe mich manchmal auch gewundert, wo der phantastische Bezug ist. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich über die Abenteuerseite nicht allzu traurig, weil sich das gut verträgt.
      So als Spontankauf würde es sicher so einige Male mitwandern, Bestellung via Internet fällt für mich leider weg, auch Einzelheftbestellung. Vielleicht schaffen sie's ja noch irgendwann.

      Wünsche Dir ebenfalls ein tolles Wochenende!
      LG
      Soleil


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    2. Liebe Soleil,
      das Argument, dass sich reine Büchermagazine nicht verkaufen, kann ich schon nachvollziehen, auch den SoWi-Gedanken in Bezug auf Lese- und Seh-Verhalten von Männern und Frauen (wobei mein Mann wohl eher ein eigenes Tatortmagazin braucht und dann war's das auch schon :-))
      Allerdings fehlt mir grundsätzlich mehr Ausgewogenheit.
      Ich kenne viele Magazine nur vom Sehen, wenn es mich mal in eine Bahnhofsbuchhandlung verschlägt, und dort verspüre ich leider überhaupt keinen Reiz, nach einem Magazin zu greifen, auf dem mir zum hundertsten Mal dasselbe Filmplakat entgegenprangt.
      Nur bin ich bestimmt nur ein kleines Umsatzlicht.
      Stimmt, Abenteuer verträgt sich durchaus mit Phantastik.
      Was ich bei mir allerdings feststellte, war, dass das Magazin nach einer Weile immer weniger Interesse bei mir weckte und ich Ausgaben auch ins Altpapier gegeben habe. Normalerweise bin ich ein Zeitschriftenhorter und kann mich (vor allem bei dem Preis) kaum von etwas trennen, wenn ich die Chance sehe, dass ich gerne mal wieder darin nachlesen würde. So fange ich an, die "theoretischen" Beiträge herauszutrennen und gesondert aufzubewahren, weil mich Green Lantern wohl in drei Jahren weniger interessiert als die Entwicklung des Vampirthemas in Buch und Film.
      Internetbestellungen empfinde ich ebenfalls als eher lästig.
      Vielleicht gründest du dein eigenes Phantastik-Magazin für die LeserIN.

      LG
      Sinje

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    3. Ich verstehe das mit den Büchermagazinen nicht und hoffe, dass das nicht am "Büchermagazin" gemessen wird.
      Das mit dem Selbermachen kommt einem tatsächlich in den Sinn, aber ich weiß inzwischen wie stressig das ist und na ja...
      Das ist auch das, was mich stört, diese Gleichheit bei allen Magazinen ... bis auf wenige Ausnahmen. Klar, die Aktualität verkauft mit, aber eines, das man aufhebt, wie Du auch schreibst, ist selten. Denn Aktualität verliert sich schnell.
      Mich würde ja mal interessieren, was übrig geblieben ist bei Deinen Abos ;-)

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