Donnerstag, 27. September 2012

Spiegel des Mondes - Kristen Britain


Titel: Spiegel des Mondes
Autorin: Kristen Britain
Originaltitel: First Rider's Call
Verlag: Knaur
ISBN: 3426701464
Euro: Nicht mehr im Handel erhältlich.
Veröffentlichungsdatum: September 2004
Seiten: 688
Serie: Grüner Reiter 02
Come in: Kauf








Inhalt

Die junge Kaufmannstochter Karigan G'ladheon gehört nun, obwohl sie sich lange dem Ruf widersetzt hat, offiziell zu den Grünen Reitern, den Meldeboten des Königs. Zwei Jahre nachdem Thron und Land gerettet sind, scheint alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Doch dann mehren sich die Anzeichen, dass Mornhavon, der vor Jahrhunderten vernichtete Okkupator, Magier und Massenmörder zum neuen Leben erwacht.
Hinter den magischen Mauern, die einst um den Schwarzschleierwald errichtet worden sind, erwacht das Bewusstsein des Bösewichts. Als die magischen Barrieren brechen, wird der einzige, der sie reparieren könnte vom Feind gefangen genommen. Karigans Freund und ebenfalls Grüner Reiter Alton.
Im Königreich selbst erwachen derweil Schläfer, Nachfahren jener Familien, die einst mit Mornhavon über das Meer kamen und die nun das "Zweite Reich" errichten wollen.
Karigan wird mitten hinein in die Geschehnisse gezogen, denn das uralte Blut in ihren Adern verbindet sie mit dem Schicksal und der Zukunft des Landes ebenso, wie mit seiner Vergangenheit.

Cover

Auch im zweiten Band hat die Zero Werbeagentur das Motiv, diesmal von Doug Beekman weiterverarbeitet.
Das Cover hat mir schon damals beim Erstlesen nicht gefallen und das nicht nur, weil ein junger Mann, statt einer jungen Frau abgebildet ist. Das passt einfach nicht zum Inhalt. Warum nicht, wie beim ersten Teil, das Originalcover - das wirklich sehenswert ist - benutzt wurde, kann nur gemutmaßt werden.
Kategorie: Man soll ein Buch nicht nach dem Cover beurteilen.

Meinung

Teil 2 der Grüner-Reiter-Saga, die unbedingt in Folge gelesen werden sollte, stellt für mich ebenfalls einen Re-read dar. Zwischen Erstlesen und jetzt liegen etwa sechs Jahre und obwohl mir "Der Spiegel des Mondes" damals so gar nicht gefallen wollte, bin ich nun ganz hingerissen von diesem Buch, das nach seinem Vorgänger deutlich zulegen konnte.
Beim Erstlesen ist mir sicher vieles von der packenden und ausgereiften Handlung entgangen, weil ich zunächst nach Szenen, die Karigan in Verbindung mit König Zacharias brachten, gegiert habe. Die (eher tragische) Liebesgeschichte steht indes nie im Vordergrund. Von den immerhin 688 Seiten des Romans lassen sich vielleicht zwanzig benennen, in denen beide zusammentreffen, mehr als sehnsuchtsvolle Blicke gibt es jedoch nicht. Warum die Serie einfach anhand des Vorhandenseins der unglücklichen Liebe als Fantasy Romance bezeichnet wird, erschließt sich mir so nicht. Vielmehr trifft der Leser auf eine faszinierende Fantasywelt mit mittelalterlichen Strukturen, die vor allem Gernelesern von Marion Zimmer Bradley, Terry Godkind und Maria V. Snyder gefallen dürfte.
Nachdem nun zwei Jahre vergangen sind, wirkt Karigan wesentlich ausgereifter, sowohl in ihrer Charakterisierung, als auch als eigenständige Figur, die mit der Handlung lebt und nicht von dieser bedingt wird. Erneut ohne eigenes Zutun wird sie in die Ereignisse geworfen, ohne zunächst von ihrer eigenen Rolle darin zu wissen. Sie schlägt sich taff durch alle Widrigkeiten, von denen es so einige gibt. Dennoch hält sie nicht alle Zügel in der Hand und noch weniger gelingt ihr alles. Durch ihr Blut mit dem einstigen Spielgefährten des bösen Magiers verbunden und zudem durch ihre Brosche mit der Heldin der damaligen Zeit Lil Ambrioth erlebt sie geisterhaft-körperlich, was damals wirklich geschehen ist. Diese "Wanderungen" beleben die eigentliche Handlung und sind selbst überaus lebendig gestaltet worden, so dass es nahe liegen könnte, in Zukunft eigenständig von ihnen lesen zu können. Leider ist Kristen Britain eine eher langsame Schreiberin, die etwa vier Jahre für jedes Buch benötigt. Daher ist das wohl eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht zieht es sie einmal zu Kurzgeschichten hin.
Die Stärke Karigans liegt jedoch nicht (allein) darin begründet, dass sie eine hervorragende Reiterin ist und zudem in Waffenkunde ausgebildet wird. Sie weiß sich durchzusetzen und das abseits aller koketten Blicke, eng anliegender Kleidung und diverser sexueller Anzüglichkeiten, mit denen so manche Heldin modernerer Romane zu kämpfen hat (und sich womöglich trotzdem für eine starke Frau hält). Obwohl sie für Zacharias einiges empfindet, verkauft sie sich nicht unter Wert und steht zu sich selbst.
Die Handlung in der Handlung und die zahlreichen zusammengehörigen Stränge nehmen noch im ersten Drittel gefangen. Je mehr sich eröffnet, desto weniger gelingt es, den Roman beiseite zu legen. Es wirkt beklemmend, wie Karigan alles aus der Hand zu gleiten droht, einfach, weil plötzlich alles auf allein ihren Schultern zu ruhen scheint.
Während beim ersten Teil noch hier und da zu spüren war, von welchen Kollegen die Autorin inspiriert worden ist, entwickelt sich "Spiegel des Mondes" sehr eigenständig weiter. Parallelen sind keine mehr zu entdecken und die kleineren Macken des Debüts hat Britain längst hinter sich gelassen.
"Der Spiegel des Mondes", neu aufgelegt als "Die Botin des Königs" ist eine außergewöhnliche Fantasygeschichte, die entgegen dem Vorgängerband weniger Actionszenen beinhaltet, dafür auf der Handlungsebene und bei den Figuren deutlich zulegen konnte. Eine Fortsetzung, die atemlos zurücklässt und für den dritten Band einiges erwarten lässt.

Grüner Reiter Zyklus/Reiter-Saga:
2. First Rider's Call (Der Spiegel des Mondes/Die Botin des Königs)
3. The High King’s Tomb (Der schwarze Thron)
4. Blackveil (Der Pfad der Schatten)
5. Kristen Britain: "Currently I’m at work on the fifth book in the series, no title or publication date at this time."


Kristen Britain, geboren und aufgewachsen im US-Bundesstaat New York, veröffentlichte ihr erstes Buch, eine Cartoonsammlung, im Alter von dreizehn. Nach dem Studium arbeitete sie lange Jahre als Parkrangerin. Die Liebe zur Natur hat sie bis heute nicht verlassen. Derzeit residiert sie mit Hund und Katze in einer Blockhütte in Maine. Kanufahren und Wandern geben ihr dabei die zum Schreiben notwendige Inspiration.

Kommentare:

  1. Hmm, toll. Nun hab ich eine weitere Serie auf dem Schirm. Hatte von der Reihe schon gehört und immer gedacht, ist das nicht allzu weiblich ausgelegt? Aber wenn du schreibst, die Liebesszenen halten sich begrenzt, dann dürfte das selbst für mich was sein.

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    1. Da es heutzutage leider schon (wieder) so ist, dass offenbar Romane, in denen es einfach eine weibliche Hauptfigur gibt, als "allzu weiblich" auszulegen, weiß ich nicht wirklich, was ich dazu sagen soll. Außer, dass es kein Wunder ist, dass so viele Autorinnen des Genres (männliche) Pseudonyme hatten und haben.
      Es gibt keine Liebesszenen! Darum irritiert es mich schon sehr, dass von Fantasy Romance gesprochen wird. Karigan und der König bekommen sich gegenseitig nicht aus dem Kopf, wissen beide, dass aus ihnen als Paar nichts werden kann und gehen sich aus dem Weg. Wenn es für Dich unangenehm ist, dass er ihr mal sehnsüchtig nachschaut oder sie beschließt auf einen weiten Botenritt zu gehen, um von ihm fern zu sein, dann ja meine Güte, so ein Liebesroman ... am besten die Finger weg ;-)

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    2. Och, so hab ich das ja nun auch nicht kritisiert. Philippa Ballantine oder Amanda Downum wissen mich ja auch zu überzeugen mit weiblichen Helden und einer Spur Romance. :)

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    3. Die sind nun beide wieder auf meinem Schirm, siehste! Da hast Du mich angeteckt mit Ballantine, dann kannst Du auch mal die Britain lesen ;-)
      Downum liegt sogar hinter mir, wenn ich nicht irre. Schade nur, dass ich nicht die Zeit zum lesen habe, die ich gern hätte.

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