Donnerstag, 20. September 2012

Nachtgeboren - Alison Sinclair


Titel: Nachtgeboren
Autorin: Alison Sinclair
Originaltitel: Darkborn
Verlag: Egmont Lyx
ASIN: B004X7QBOK
Euro: 8,99
Veröffentlichungsdatum: März 2011
Dateigröße: 680 KB (406 Seiten)
Serie: Darkborn 01
Come in: Kauf
Medium: E-Book





Inhalt

Ein uralter Fluch lastet auf dem Land und spaltet das Volk in die Nacht- und die Lichtgeborenen. Die Nachtgeborenen müssen das Sonnenlicht meiden, sind blind und können sich nur mittels Ultraschall fortbewegen, die Lichtgeborenen überleben die Dunkelheit nicht.
Der nachtgeborene Arzt Balthasar Hearne bekommt unerwartet Besuch von der hochschwangeren Tercelle Amberley, ehemalige Geliebte seines verschollenen Bruders. Balthasar ist nach der Geburt der beiden Zwillingsjungen fest davon überzeugt, dass die Kinder sehen können. Doch Mischlingskinder sind eigentlich unmöglich - und verboten. Er rettet und versteckt die beiden Kinder, für die sich plötzlich eine ganze Menge Leute interessieren.
Inzwischen lernt seine Ehefrau, Prinzessin Telmaine Stott Hearne den verrufenen Baron Strumheller, Ishmael du Studier auf einem Ball ihrer Familie kennen. Man sagt, er kämpfe nicht nur an der Grenze gegen Schattengeborene, sondern übe auch Magie aus, die unter Nachtgeborenen verboten ist. Fürst Vladimer Plantageter befiehlt Balthasar und Ishmael zusammen an die Grenze der Schattengeborenen, hinter der sich etwas zusammen zu brauen scheint. Als Telmaine mit Ishmael und ihren beiden kleinen Töchtern nach Hause kommt, stürmen Banditen daraus hervor und entführen eine ihrer Töchter. Sie verlangen die Herausgabe der Zwillinge, sonst werde das Mädchen getötet. Ishmael, der sich zu Telmaine hingezogen fühlt, verspricht zu helfen. Telmaine weiß, nur sie selbst kann etwas tun. Doch sie hütet ein großes Geheimnis, das sie und ihre Familie in große Gefahr bringt - sie kann Magie wirken.

Meinung

Alison Sinclair ist bisher eher durch ihre Science-Fiction-Romane bekannt geworden und hat sich mit der Darkborn-Trilogie erstmalig an Fantasy versucht. Dabei ist sie erfreulicherweise nicht den zahllosen Wegen gefolgt, die bereits von hunderten Autorenfüßen vor ihr begangen worden sind, sondern hat sich eigene Ziele gesteckt. Und damit auf ganzer Linie überzeugt, denn "Nachtgeboren" ist ein mitreißender Roman, der sich mit jeder Seite mehr entfaltet und einen durchweg lesenswerten Einstieg in die Trilogie bietet.
Die Handlung spielt in einer Zeit, die sich mit unserem (späten) 18.Jahrhundert vergleichen lässt und bekommt so einen minimalen viktorianischen Touch. Damit allein sticht "Nachtgeboren" aus so manchem Einheitsbrei heraus, aber auch die Ausgangslage spricht für sich. Was sich nämlich zunächst nach großem Nonsens anhört - Spaltung eines Reiches in Nacht- und Taglebende - ist von der fähigen Autorin glaubhaft umgesetzt worden. Anfangs muss sich der Leser jedoch erst einmal einlesen, wer aber nicht allzu borniert daher kommt und sich einfach darauf einlässt, wird keine Schwierigkeiten bekommen. Nachtgeborene orientieren sich, vergleichbar mit Fledermäusen, via Ultraschall an ihrer Umgebung. Ich selbst habe es mir auch wie eine Art Nachtsichtgerät vorgestellt. Wie aber jemand, der nur eine begrenzte Umgebungsspanne wahrnehmen kann, in einem Automobil fahren kann, hat sich dann aber leider doch nicht so ganz erschlossen.
Es wird schnell klar, dass der Roman mit drei Protagonisten arbeitet, Balthasar, Telmaine und Ishmael, von denen sich zum Ende hin Telmaine in den Vordergrud schält. Was vermutlich das verträumt und romantisch wirkende Cover erklären könnte, das eine eher weibliche Geschichte vorgaukelt, die hier so nicht zu finden ist.
Obwohl Telmaine mit Balthasar verheiratet ist, gegen alle Widerstände von Familie und Gesellschaft übrigens, beginnt auch Ishmael sich für sie zu interessieren. Telmaine, als nachtgeborene Frau zu Unterwürfigkeit erzogen, kommt aber nie wirklich in Versuchung, auch wenn der die Gefahr liebende Baron eine wichtige Sache mit ihr teilt: die Magie. Unter Nachtgeborenen verpönt und verboten, wurde Telmaine nie ausgebildet. Ishamel lehrt sie bei der Suche nach ihrer Tochter das Wenige, das er herausgefunden hat. Und die junge Mutter spürt, - ebenso wie der Leser - dass es einmal wichtig werden wird, diese Fähigkeit zu beherrschen. Aber magiewirkende Menschen können sich untereinander näher kommen, als normale es sich je vorzustellen vermögen.
Natürlich wird hier eine sich anbahnende Dreiecksgeschichte impliziert, die jedoch nur sehr stark im Hintergrund abläuft und bisher niemanden in Versuchung führt. Wer also nur der Romantik wegen zum Roman greift, könnte enttäuscht sein.
An Spannung, Geheimnissen und Intrigen ist das Geschehen kaum zu überbieten. Action gibt es in Form kleinerer Scharmützel. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Personen und den Beziehungen, die sie untereinander pflegen. Das betrifft nicht nur die drei Hauptcharaktäre, sondern ebenfalls diverse Nebenfiguren, die alle eine kleine Hintergrundgeschichte erhalten haben und so nicht als bloße Platzhalter dienen müssen.
Die Handlung läuft geradlinig ab, bietet aber immer wieder Höhen und Tiefen, so dass jede neue Seite begierig umgeschlagen wird. Zeit, Ort und Figuren schaffen so, von fähiger Hand miteinander verwoben, packende und sehr unterhaltsame Lektüre, die jederman angeraten ist.


Darkborn-Trilogie:
1. Darkborn (Nachtgeboren)
2. Lightborn (Lichtgeboren)
3. Shadowborn (Shattengeboren)


Alison Sinclair ist in Edinburgh aufgewachsen und hat in Kanada, den USA und Großbritannien gelebt. Sie besitzt drei Universitätsabschlüsse und arbeitet gegenwärtig an der Universität McGill in Montreal. Ihr erster Roman wurde 1995 veröffentlicht.

Kommentare:

  1. Das freut mich ja, dieses Buch auch noch auf einem anderen Blog zu finden :-) Mir hat es auch sehr gefallen, aber offenbar hat die Reihe nicht so richtig viele Liebhaber gefunden.
    Aufgefallen ist mir eigentlich zuerst das Cover zu Band 2, weil die Farbgebung so ungewöhnlich ist.

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    1. Hallo Kiya,

      ich war zunächst wenig begeistert von der Idee, das Buch zu lesen, weil der Klappentext doch reichlich merkwürdig klang. Aber dann zog es mich doch irgendwie an und ich habe mir die Leseprobe heruntergeladen. Danach war klar, dass ich weiterlesen muss!
      Es mag komisch klingen, aber es ist eine super Geschichte.
      Dass solche Ausnahmen kaum Leser finden, scheint mittlerweile Standart zu sein, was schade ist. Hier können aber bestimmt auch Klappentext und bedingt Cover zuzählen. Es schließt männliche Leser irgendwie aus, obwohl die sicher auch viel Spaß mit der Story hätten.
      Ach, man muss sich im Grunde wohl einfach mal auf etwas Neues einlassen können.
      Im Buchladen heute standen die drei Bücher übrigens :)

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  2. Schön, in einem Blog auf dieses Buch zu stoßen. Ich habe es nämlich gerade aus meiner Fantasy-Leserunde bekommen. Ein wenig habe ich ebreist aus Neugier hineingelesen. Erst einmal wirkt es sehr klischeehaft auf mich. Schwangere Frau klopft in Not an die Tür... Deine rezi macht mir wieder mehr Mut. ;-)

    Grüße von der Tintenelfe

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    1. Was ist an einer schwangeren Frau in Not denn Klischeehaft? *fragend in die Runde guckt*
      Es kommt sicher darauf an, aus welchem Blickwinkel man an den Roman herangeht und ob man generell etwas für das Genre übrig hat. Gib ihm einfach eine Chance, vielleicht weiß es Dich am Ende zu überzeugen? :)

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