Donnerstag, 9. August 2012

Nacht über Villjamur - Mark Charan Newton


Titel: Nacht über Villjamur
Autor: Mark Charan Newton
Originaltitel: Nights of Villjamur
Verlag: Egmont Lyx
ISBN: 3802584554
Euro: 12,99
Veröffentlichungsdatum: April 2012
Seiten: 512
Serie: Die Legende der Roten Sonne 01
Come in: Kauf







Inhalt

Die Hauptstadt des großen Inselimperiums Jamur, Villjamur, rüstet sich für die nächste Eiszeit, die von Kultisten angekündigt wurde. Nahrung und Heizmaterial für viele Jahrzehnte werden herangekarrt und Flüchtlinge machen sich auf den Weg aus ihren Dörfern, um in der Stadt Schutz zu suchen. Doch Einlass erhalten nur wenige Vermögende, der Großteil muss vor den Toren ausharren. Not und Gewalt gehen um.
In dieser Zeit stirbt Herrscher Johynn Jamur und seine älteste Tochter Rika tritt an seine Stelle, ohne recht auf das Amt vorbereitet zu sein. Auch die jüngere Schwester Eir kann wenig ausrichten, findet aber zumindest einige Muße in ihren Fecht- und Tanzstunden mit ihrem gutaussehenden Lehrer Randaru Estevu. Der wiederum ist nicht der, für den alle ihn halten und verfolgt seine ganz eigenen Pläne.
Und dann stirbt ein ranghohes Mitglied des Rates. Mit den Ermittlungen wird der Rumel Rumex Jeryd beauftragt, der wegen seiner langen Lebenszeit sehr erfahren in diesen Dingen ist. Was er herausfindet, zeichnet ein unschönes Bild der Stadt.
Und hinter allem tickt die Zeit, denn der erste Schnee fällt bereits vom Himmel.

Cover

Die Umschlaggstaltung stammt von Birgit Gitschier, die bei Hildendesign mitarbeitet. Die Illustration von Max Meinzold.
Stimmiges Bild, dass darstellt, worum es im Buch geht und durch seine Farben die richtige Atmosphäre vermittelt.
Leider fehlt eine Karte zur Geschichte, die unter Umständen über kleinere Ungewissheiten im Lageplan der Städte und Ortschaften hinweggeholfen hätte.

Meinung

"Nacht über Villjamur" ist ein Debüt und das merkt man ihm auch (noch) an. Kaum verwunderlich, dass der Autor nach Band 4 der Reihe ankündigt, eine bereinigte Version zu veröffentlichen. ("New and much cleaner edition coming in November 2012") Ob es diese in die deutsche Übersetzung schaffen wird, wage ich aber zu bezweifeln. Eine kleine Nachfrage beim Verlag hat ergeben, dass das Buch schon recht früh nach Einkauf der Lizenz übersetzt wurde und es sich daher um die ursprüngliche Version handelt. Obwohl es sich wohl nicht um wirklich dramatische Veränderungen handeln wird, werde ich der Versuchung, mal hineinzuschmökern wahrscheinlich nicht widerstehen können.
Doch abgesehen von kleinen Kinderkrankheiten, die Debüts nun einmal haben, ist Newtons Erstling ein wirklich lesenswerter Roman, der mit neuen Ideen aufwarten kann und zu unterhalten weiß.
Der Beginn des Romans holpert leider erheblich, so dass ein Abbruch zunächst in Sicht stand. Doch die Idee hinter der Geschichte und die Details, die sich schon früh eröffnen, ließen mich verweilen. Schnell gelangen die Dialoge ins Blickfeld, weil sie sich mehr als merkwürdig lesen. Der Versuch, eine alte Sprechweise nachzuahmen, der leider oftmals etwas überzogen wirkt. Was davon nun aber an der Übersetzung liegt und was so angedacht, sei dahingestellt. Dieses Hin und Her gerissen sein im frühen ersten Drittel wirft den Leser in innere Nöte, da Mark c. Newton leider auch mit allerhand Begriffen um sich haut, die bis dato unbekannt und unerklärt bleiben. Wie ein Lageplan der Inseln, so fehlt leider auch ein Glossar, das unter Umständen über die ersten Stolpersteine hinweg geholfen hätten. Die mitunter auch zu witzigen Leseerlebnissen führen können. So besitzt das Volk der Rumel einen bis auf den Boden reichenden Schwanz und wenn Jeryd an seine geliebte Frau denkt und im gleichen Satz noch sein Schwanz zuckt ... kann man da schon auf ganz andere Ideen kommen, sofern unklar war, was Rumel sind.
Da ergibt sich jedoch auch schon der nächste Punkt: Eine gewisse Oberflächlichkeit in Handlung und Figuren ist nicht von der Hand zu weisen, was die bereinigte Version jedoch beheben könnte. Es wirkt insgesamt auch nicht so störend, dass es schlecht wäre, zumal innerhalb der abwechslungsreichen Handlung viel passiert. Ein paar mehr Informationen hier und da wären jedoch nicht verkehrt gewesen.
Ein wenig undurchdacht wirkt das Gesellschaftssystem Villjamurs. In etwa sollen Frauen nicht gleichberechtigt und unterdrückt sein. Dabei findet man sie in sämtlichen Berufen, sogar den Söldnern und eine weitere regiert überdies die Stadt. Keine Frau muss verschleiert durch die Gegend wandern oder wird eingesperrt. Nur die älteren Damen am Hof, die schon lange nichts mehr von ihren jeweiligen Ehemännern erwarten dürfen, scheinen in ihrer ganz eigenen Welt zu leben und das Bedürfnis zu verspüren, aus dieser auszubrechen. Worin die Unterdrückung aber letztendlich wirklich bestehen soll, wird bis zum Ende nicht klar.
Aber der Autor spricht noch mehr (Gesellschafts- und Welt-)Themen an. Löblich in etwa Heeresführer Brynd, der sein Leben riskiert, weil er einen Mann liebt. Die Verteilung von Armut und Reichtum wird leider etwas überstrapaziert, gerade auch gegen Ende des Romans, was einige etwas stoisch wirkende Figuren bedingt. Der Staatsstreich am Ende ist so leider nicht glaubhaft. Der bevorstehende Klimawandel bleibt etwas dunkel, warum er kommt und warum auch Magie nichts auszurichten vermag, bleibt bisher unbekannt. Manchmal war es an (versteckten) Themen dann vielleicht doch ein bisschen zu viel, wenngleich sie für mehr Lebendigkeit gesorgt haben.
Abgesehen von diesen Kritikpunkten, die durchaus wegzustecken sind, liest sich die Geschichte der Stadt aber flüssig weg. Es ist nicht immer der Ermittler Jeryd, aus dessen Sicht erzählt wird, das Gesamtbild Villjamurs ergibt sich aus den Stimmen Vieler. Dies ist Newton dann wieder sehr gut gelungen, weil jede Figur eine eigene Perspektive und einen eigenen Charakter erhalten hat. Hilfreich dabei, dass diese Erzählfiguren unterschiedlichen Ständen, Geschlechtern und Völkern angehören.
Die Handlung selbst lebt immer ihren roten Faden und ist nach den ersten Holpereien sehr unterhaltsam. Newton ist es gelungen, dabei frische Ideen hineinzubringen und seien diese auch mal abseits der Hauptstraße gelegen, in etwa in Form von Magiejunkies.
Jeryd ist sehr sympathisch gelungen und auch, wenn sein Volk der Rumel noch etwas blass bleibt, wirkt er gut ausgearbeitet. Seine Liebe zu seiner Frau wirkt nie aufgesetzt, hätte jedoch - das ist aber eher persönlicher Geschmack - ruhig weniger vordergründig behandelt werden dürfen.
Der Spannungsbogen ist spürbar, richtet sich zwar etwas langsam auf, läuft aber am Ende sehr befriedigend aus. Für die Fortsetzung wird schon einiges angedeutet und auch, wenn die meisten Handlungsstränge vorerst abgeschlossen sind, bleibt einiges offen. Teil 2 "Stadt der Verlorenen" ist für Oktober angekündigt.
Gelungenes, aber ausbaufähriges Debüt, das zu unterhalten versteht.

Die Legende der Roten Sonne:
1. Nights of Villjamur (Nacht über Villjamur)
2. City of Ruin (Stadt der Verlorenen)
3. The Book of Transformations
4. The Broken Isles


Mark Charan Newton wurde 1981 geboren. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium arbeitete er als Buchhändler und Verlagslektor, bis er seinen ersten Roman an Pan Macmillan verkaufte. Newton lebt und arbeitet in Nottingham.

Kommentare:

  1. Bei diesem Roman bin ich ja sehr hin- und hergerissen, ob ich ihn mir kaufen soll. Ich glaube, ich habe ihn schon mehrmals von meiner Wunschliste gelöscht, um ihn dann doch nochmal draufzusetzen ... Und nach deiner Rezension bin ich jetzt weiterhin hin- und hergerissen. ;-) Klingt durchaus interessant, aber einige der Kritikpunkte schrecken mich schon ziemlich ab.
    Über den zuckenden Schwanz hab ich mich übrigens grad sehr amüsiert. *g*

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    1. Ich bin über englischsprachige Fantasyblogs auf den Autor und das Buch aufmerksam geworden. Überraschend gesehen, dass es übersetzt wurde und von wem :)
      Ich mochte es und ich kaufe auf jeden Fall auch den zweiten Teil. Wer öfter reinsieht, der weiß, dass ich geizig bin und eher Bücher tausche - und sei das auch ein halbes oder ganzes Jahr nach Erscheinen - als Geld auszugeben (großer SuB). Aber bei diesem Buch war ich dann doch recht neugierig und konnte nicht warten. Außerdem war mir klar, dass es wohl eher nicht bei Tauschbörsen auftauschen wird. Was schade ist, denn es ist lesenswert, weil auch mal was anderes. Ich hoffe schon jetzt, dass auch Teil 3 und 4 übersetzt werden.
      Die Kritikpunkte sind gar nicht so vordergründig. Es spricht eher für das Buch, dass ich mich so intensiv damit auseinander gesetzt habe. Es hat einfach auch so schön viele Facetten. Versuch es einfach, dann wirst Du ja sehen ;-)
      PS: Die Stelle mit dem Schwanz vergesse ich auch nicht so schnell, denn einen Absatz später musste ich selbst lauthals loslachen. :)

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  2. Das Buch liegt auch noch auf meinem SuB... Ich war auch nicht ganz sicher, ob es mir gefallen wird, und habe die englische Ausgabe (das abgebildete Cover, das ich besonders schön finde) für ca. 1 € über den Amazon Marketplace gekauft - sieht ungelesen aus und so kann ich auf jeden Fall nicht viel falsch machen ;-)

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    1. Das oben abgebildete Originalcover zeigt genau die Stadt, die im Buch auch beschrieben wird. Das mag ich für gewöhnlich sehr.
      Wenn aber jetzt alle nur das Original lesen, wird ja nix mehr übersetzt ;-) Trotzdem hast Du natürlich Recht.
      Ich wünsche schon mal viel Spaß beim lesen!

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  3. Das Buch liegt auch noch irgendwo auf einer meiner Listen. Blöd nur wenn man sich ständig neue Anregungen holt auf englischen Seiten, da rutscht das ein oder andere dann fix ins Abseits.

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    1. Bin gespannt wann Du es zum lesen herauskramst :) Ich schaue auch viel zu viel auf englischsprachige Seiten und hole mir da eine Anregung nach der nächsten. Siehe oben ... aber mittlerweile habe ich mir angelernt, nicht immer das Neueste zu lesen. Bücher sind nicht wie Lebensmittel und werden schlecht, nur weil sie ein Jahr alt sind ;-)

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