Donnerstag, 8. Juli 2010

Was ist für den Leser an Fantasy interessant?


In den Suchanfragen, die regelmäßig Neugierige zu mir führen, gab es diesmal eine Frage, die ich nicht allein bewältigen konnte und wollte.
was ist für den lesern am fantasy interessant
Da ich glaube, dass es dafür keine eine Antwort gibt, eben eine, die als einzige Lösung des Problems angesehen werden kann, habe ich mich mal bei einigen Fans des Genres umgehört und hier ist, was dabei herausgekommen ist:


Kirsten M.:
Ich glaube, eine derartige Frage kann nur von sehr pragmatisch denkenden Menschen gestellt werden. Die Frage ansich sagt doch über den Menschen, der sie gestellt hat, schon viel aus. Ich meine, es scheint für diesen Menschen ja nicht mal vorstellbar zu sein, was andere Leser am Fantasy-Genre interessant ist, geschweige denn die Option, ein Buch aus diesem Genre überhaupt zu lesen. In meinem Freundeskreis befinden sich solche Menschen, für die käme Fantasy niemals in Betracht. Zeitgenössische Literatur, ja, aber alles, was irgendwie davon abweicht - Fantasy wäre das letzte, weit entfernteste Glied in dieser Kette -, taucht nicht mal in deren Dunstkreis auf. Romane wie "Glennkill", der Schafskrimi - weit davon entfernt, Fantasy zu sein - geht zum Beispiel gar nicht. Das ist nur ein Beispiel, welche Erfahrungen ich in diesem Bereich "No Fantasy!" gemacht habe. Oftmals ist da ebenfalls ein Desinteresse bei Filmen aus diesem Bereich vorhanden. "Herr der Ringe" oder "Raumschiff Enterprise" - ein absolutes No Go. Ich stelle mir hinter dieser Frage einen pragmatisch denkenden, nüchternen Menschen vor, der einen wichtigen Teil seines Gehirns (die Vorstellungskraft) ausspart und für den wahrscheinlich Fantasy die pure Zeitverschwendung ist. Ich habe jahrelang sehr gerne die Sendung "Lesen!" mit Elke Heidenreich im Fernsehen gesehen, bis zu dem Zeitpunkt, wo sie abwertend über Fantasy und das gesamte Genre urteilte und deswegen niemals ein Buch aus dieser Sparte in ihrer Sendung besprechen und wahrscheinlich auch niemals selbst lesen würde. Damals ging das um die Twilight Romane von Stephenie Meyer, als um Literatur, die ein Millionen Publikum anzieht. Ich fand das damals von Elke Heidenreich einfach unsäglich dumm, hatte ich von ihr so nicht erwartet, so von oben herabblickend und arrogant, das Urteil, dass es zwei Sparten Literatur gibt - auf der einen Seiten die intellektuellen Bücher und auf der anderen Seite der Trash, die Trivialliteratur, die es nicht verdient, gelesen zu werden. Fantasyliteratur fordert die gesamte Breite der Vorstellungskraft, wer sich in eine Fantasygeschichte versetzen, sich hineinfallen lassen kann, zeigt, dass er kreativ und neugierig ist. Ich will nicht über Leute wie Elke Heidenreich urteilen, aber ich denke, dass sie einen wichtigen Teil ihres Lebens ausgrenzen.

Darkstar
Was ich an Fantasy interessant finde ist, - neben dem Setting, das ich liebe - dass dieses Genre es Autoren wie Lesern erlaubt, über große, wichtige Fragen und Themen nachzudenken, mal mehr, mal weniger metaphorisch. Wie einst ein großer Denker (sinngemäß) sagte: Märchen sind nicht dazu da, die Existenz von Drachen zu beweisen, sondern um uns zu zeigen, dass wir sie besiegen können. Ich denke, das gilt auch für die Fantasy.

Feenfeuer
Tja, das ist so Sache mit dem Fantasy und den interessanten Aspekten.
Man könnte das ganze natürlich mit einem etwas romantisierten Blick betrachten und sagen, Fantasy Literatur ist die Weiterentwicklung einer Erzählweise, wie sie wohl existent ist, seit es so etwas wie "Kultur" gibt. Von jeher überliefern sich Menschen Geschichten mit fiktiven und fantastischen Elementen, sei es als freie Erfindung oder als etwas, an das tatsächlich geglaubt wird. Erwähnt seien hier z.B. bestimmte Formen von altertümlichem (aber auch aktuellem) Volksglauben oder diverse Naturreligionen. Fantastische Momente sind in jeder heutigen Kulturform enthalten, prägen sie sogar, und haben ihren festen Platz in der Gesellschaft.
D.h. das Fantastische ist uns in vielen Lebensbereichen näher, als wir eigentlich glauben.
Warum nun also auch noch dieses Zeug lesen? Hier ist es vermutlich wie bei unser aller Vorfahren. Es ist der Wunsch nach einem langem Arbeits- oder Lerntag, diesem gedanklich ein wenig zu entfliehen, etwas unbekanntes zu entdecken und vielleicht auch der leisen Hoffnung in uns selbst, das es in dieser Welt doch mehr geben könnte als das menschliche Auge zu sehen vermag, Nahrung zu geben.
Fantasy Literatur ist reizvoll, weil jedes Buch in sich die Möglichkeit einer unbekannten Entdeckung bietet. Sie ist stets um dieses unsichere Element reicher als manch anderes Genre, sie besitzt ein Mehr als wir aus unserem Alltag kennen bzw. uns in ihm vorstellen können. Dies ist das grundlegende und wohl entscheidene Moment warum jemand zu einem Fantasy Roman greift und nicht zu einem Krimi. Er / Sie möchte gedanklich etwas erleben, das wortwörtlich fantastisch ist.

Andrea von Katastrophengebiet sagt dazu dies

Jadé Lynn von Der Achte Turm sieht das soho

Seychella hat dazu auch etwas beigesteuert

Ich selbst mag die bunten, schillernden Farben am meisten, die sich beim Lesen einer Fantasygeschichte in meinem Kopf bilden. Scheinbar nichts ist unmöglich und auch, wenn viele dieser Geschichten Reales aufgreifen, so bleiben sie doch immer Fiktion. Und meistens gibt es ein (kleines) Happy End.
Ein bisschen Mut zum Abenteuer gehört vielleicht dazu, will man ins Genre abtauchen. Auf einem Drachen fliegen und den Wind im Gesicht spüren, das Volk in die Freiheit führen, durch Magie heilen, gegen den Dunklen König kämpfen ...
Die Welt hinter der Welt zu berühren, das macht für mich die Faszination der Fantasy aus. Und wer weiß ... vielleicht lebe ich ja sogar schon in ihr?
Bild von pixelio.de

Kommentare:

  1. hi there ^^! warm greeting.
    do you like African food?

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  2. Da sind wirklich schöne Beiträge zusammen gekommen! :)
    Und mir fällt mal wieder auf, dass ich daran wohl zu persönlich rangegangen bin. *hmpf* Dabei habe ich noch nicht einmal etwas zu Emotionen und Lieblingsfiguren geschrieben. ;)

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  3. "Fantasyliteratur fordert die gesamte Breite der Vorstellungskraft"
    Da kann ich einfach nur zustimmend nicken! Treffender kann es kaum formuliert werden.

    Btw: Ich sehe gerade,dass du demnächst "Die Geomantin" liest. Ich freu mich jetzt schon auf die Rezension. Mit "Die Seherin" habe ich leider noch nicht begonnen, bin aber schon richtig neugierig auf die ganze Geschichte.

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  4. Ich finde die verschiedenen Ansichten sehr interessant! Meiner Meinung nach braucht man einfach dieses fantastische Element in seinem Leben, dass einem hilft, aus dem Alltag auszusteigen und die Dinge mal auf andere - vielleicht sogar magische - Art und Weise zu sehen ^^

    Ganz furchtbar finde ich es, wenn Menschen über das Genre urteilen, ohne jemals etwas davon gelesen, oder eben nur ein einziges Buch gelesen zu haben. Dafür ist das Spektrum der Fantasy zu groß - da gibt es ja alles, was es in der Belletristik auch gibt - nur halt mit fantastischen Elementen.

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  5. Hallo Ihrs,

    @Baloon:
    Willkommen im Blog!
    Ich muss gestehen, es ist nicht wirklich meins. Zwar schmeckt es gut, aber ich vertrage viele Zutaten nicht und mag auch nicht gerne mit den Fingern essen ;)
    Was magst Du denn am liebsten?

    @Sey:
    Aber das finde ich gerade gut, dass alle von einer anderen Seite herangegangen sind und dadurch eine wirklich tolle Antwortlandschaft zusammengekommen ist!
    Ich glaube, hätte ich noch mehr Leute gefragt, wir würden alle das gleiche meinen, aber anfangen zu reden und zu reden ... falls dem Gegenüber nicht klar ist, was wir meinen *g*

    @phantasienreisen:
    Auch willkommen im Blog oder? ;)
    Die Geomantin habe ich schon mehrmals angefangen und gefiel mir am Beginn gut. Leider kommt immer ein anderes Buch dazwischen ...

    @Lisa:
    *nick*
    Die vielen (Vor-)Urteile über das Genre mag ich auch nicht gerne. Sie sind immer sehr einseitig und man merkt, dass die leute oft gar nicht wissen, worüber sie sprechen ...


    LG
    Soleil

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  6. Toller Beitrag! Da sind wirklich sehr interessante Ansichten vertreten. Für mich selbst macht der Reiz der Fantasy das "Abtauchen" in eine andere Welt aus (;

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  7. Nein,ich bin nicht neu hier ;) Ich habe dich schon länger auf meiner Liste, aber kommentiere nicht sooo oft wie viele andere hier *grins*

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  8. Toller Beitrag! Die Frage ist wirklich gut und die unterschiedlichen Ansätze und Antworten zeigen, dass Fantasy doch ein bisschen mehr ist, als nur Märchen.

    Kirsten M. würde ich gerne in einem Punkt widersprechen. Ich denke nicht, dass diese Frage zwingend von einem pragmatisch denkenden Menschen gestellt wurde. Genauso gut könnte man auch Leser von Thrillern, Krimis oder Liebesromanen fragen, was für sie interessant ist. Allerdings möchte ich ihr zustimmen, wenn es darum geht, dass Fantasy manchmal abgewertet wird.

    Lange Zeit habe ich kein Fantasy gelesen, sondern hauptsächlich das, was man „Sachbuch“ schimpft. Lustigerweise kann man feststellen, dass gerade in Sachbüchern, wenn es um Themen geht, die nicht wirklich greifbar sind, sehr oft spekuliert wird.

    Bestes Beispiel momentan ist Richard David Precht und sein Buch „Liebe – ein unordentliches Gefühl“. Er beschreibt in einem Kapitel auf welch kühnen Behauptungen, Thesen und Einzelbeobachtungen Wissenschaftler ihre Theorien stützen, die uns als neue Erkenntnisse präsentiert werden. Da ist manchmal mehr Phantasie im Spiel, als Wissenschaft.

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  9. Hallo,

    @Ines:
    ;) Für mich auch.

    @phantasienreisen:
    *schnüff* Na gut, dann lag ich da doch etwas falsch. Aber lieber einmal zu viel, als gar nicht *g*

    @Jo:
    Ich denke, manche Sachen muss man nicht bis ins kleinste Detail analysieren und verstehen. Sie sind einfach da. Oder wie soll man "Liebe" wissenschaftlich erklären? Mit Hormonen und dem Drang zur Fortpflanzung? Ach weißt Du ... da lese ich lieber einen Nackenbeißer, da gehts mir viel besser hinterher ;)

    LG
    Soleil

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