Montag, 22. Februar 2010

Sex und so im Heftroman


Sex und so behandelt die richtig schmuddeligen Hefte. Mit Liebe und Romantik hatten die meisten davon nicht viel am Hut, aber darum ging's auch gar nicht ...
Eine kleine Geschichte von Liebe und Sex in Heftromanform war gar nicht so einfach, da viele von ihnen schon vergriffen sind und sich kaum jemand die Mühe gemacht hat, darüber zu schreiben. Nicht nur "Groschenhefte" an sich, sondern auch noch mit diesem Thema ... das ja eigentlich keiner gelesen hat.
Doch eine Serie, nämlich "Amore" zunächst mit dem Untertitel "Zärtlicher Sex für Sie", dann auch "Romantische Liebe - Zärtlicher Sex", möchte ich Euch nicht vorenthalten. Jedes Heft umfasst 66 Seiten und wurde vom Franz Decker Verlag, Aalen herausgebracht.
Wie http://evolver.at/ uns wissen lässt, sorgte der Verlag "in den frühen 70ern vor allem beim "starken" Geschlecht für heiße Ohren und feuchte Unterhosen. Die beliebten Publikationen sogenannter Erwachsenenliteratur versprachen allein durch ihre Aufmachung anregende Reisen in die Welt der Erotik. Zumeist entpuppten sich die scharfen Appetitanreger amerikanischer Provenienz jedoch als Übersetzungsnieten, die wahrscheinlich auch nicht immer den gewünschten Effekt erzielten."

Einige Titel, auf die ich gestoßen bin und die sich von allein erklären:
Amora Nr. 03 Ekstase unterm Eifelturm (Norman A. King)
Amora Nr. 04 Die rote Sex-Katze (Dana Pitman)
Amora Nr. 05 Ich war mannstoll (Felix Valentine)
Amora Nr. 06 Maja mit den Schlafzimmeraugen (Philemon Schwarz)
Amora Nr. 07 Ein Teddy fürs Bett (Andrea Gast)
Amora Nr. 08 Komm doch öfter.... (J. H. Andreas)
Amora Nr. 10 Wenn Sexkätzchen schnurren (J. H. Andreas)

Diese Serie hat mich insofern fasziniert, als dass mir beim Anblick der Cover klar geworden ist, warum "Erotik- und Sittenromane" zu ihrem schlechten Ruf gekommen sind. Hinzu kommt, dass die meisten Autoren männliche Namen besitzen, was man heute nur äußerst selten antreffen würde.
Abgesehen davon waren diese Hefte zumeist gar nicht für Frauen gedacht. Einen wirklich unterhaltsamen Artikel (mit Zitaten) gibt es hier. Wer schnell rot wird, Finger weg, allen anderen wünsche ich viel Spaß beim lesen.

Aber schon 1950 gab es beispielsweise solch amürösen Romane wie den hier: "Dirne wider Willen - Der Intime Liebesabenteuer-Roman" vom Frank Verlag Nürnberg. Er umfasste ganze 50 Seiten, ich konnte mich aber nicht dazu druchringen, ihn zu lesen. Es sei mir verziehen ...

Warum es heute bei Bastei in den weiblichen Heftromanen eher keusch zugeht, erklärt dieser Artikel. "„Wir wagten vor einigen Jahren den Versuch eines erotischen Heftromans für Frauen”, erzählt Elfie Ligensa, „aber das lief nicht so gut.” Die normalen Heftroman-Leserinnen wollen entspannt, nicht erregt werden. (...)"

Wer und warum Heftromane liest, könnte dieser Artikel klären. Die Anzahl derer, die sich an der Umfrage beteiligt haben, finde ich spektakulär. Auch, dass viele noch Extrablätter mit Notizen beilegten, muss erwähnt werden.
Einen Stichpunkt aus dem Ergebnis möchte ich aufreifen:
Weibliche Leser würden keinen Sex in ihren Liebesgeschichten wollen. Diese Aussage verdutzt mich schon ein wenig. Denn ehrlich gesagt habe ich da nichts dagegen ...
Zitat: "Die Leserinnen von Liebesromanen unterscheiden sich deutlich, wenn es "um die Form" geht: Taschenbuch- (Heft-) Romanleserinnen haben eine höhere Bildung als Heftromanleserinnen. Die Heftroman-Leserin verlangt in ihrer Lektüre keinen Sex, die Taschenbuch-(Heft-)Romanleserin wohl. Die größte Gruppe dieser Leserinnen (Heft und Taschenbuch) sind die 20- bis 29-Jährigen."
Allerdings stammen die meisten dieser Untersuchungen aus Zeiten vor 20 Jahren ... ob sich da heute nicht einiges gewandelt hat?
Fest steht, dass es noch immer keinen Geschlechtsverkehr in Heftromanen gibt. Die Romane von Cora, die ja mehr Seiten umfassen und Übersetzungen aus dem Mutterverlag sind, dagegen schon. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob man die nicht ausklammern müsste.

So wirklich kann ich also nichts zu diesem ganz speziellen Thema beitragen, aber als Kurzinformation ist das sicher ausreichend.
Wie sehr Ihr das? Kann/ darf Sex in Euren Büchern vorkommen? Muss er es sogar? Oder schreckt Euch so etwas ab?


Kommentare:

  1. "Kann/darf" - ja. "Muss" - nein, nicht unbedingt.
    Prinzipiell: Sex gehört einfach zum Leben dazu, warum sollte er nicht in den Büchern sein?
    "Abschrecken" tut mich in meinem Alter dabei fast nichts mehr...
    Aber ich bevorzuge es, wenn auch Liebe und Romantik dabei ist. Die Erotic Romance ist eindeutig mein Lieblingsgenre.
    Was ich furchtbar finde, ist so eine blümchenhafte Ausdrucksweise (wie etwa "Lustgrotte" oder "Liebesstab" - bäh!) - entweder die Dinge beim Namen nennen, oder gleich bleiben lassen!

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  2. Der Unterschied, der zwischen Heftroman- und Taschenbuchleserinnen gemacht wird, ist beleidigend. Wieso wird dem einen mehr Intellekt und damit mehr Verlangen zugestanden und dem anderen weniger? Sehr verwirrend, kann eigentlich nur eine Untersuchung von einem Mann sein, oder? ;o)

    Ich finde auch, dass Sex dazu gehört. Ich finde, das ist das Salz in der Suppe. Es ist immer schön, wenn es irgendwo zwischen den Seiten knistert, auch wenn es erst irgendwo zum Schluss passiert und nur "nebenbei" oder nur angedeutet wird, das ganze Prozedere, wie es dazu kommt und die Plänkeleien zu Beginn, das machen es doch aus.

    Ich muss zugeben, mit Büchern von Nalini Singh und Lara Adrian husche ich auch etwas eiliger in die Straßenbahn als sonst. Bin ich mal mit einem Buch von Hesse oder Walser unterwegs - letzteres passiert nie -, würde ich das wahrscheinlich mit Stolz geschwollener Brust vor mir hertragen - auch wenn ich keine Ahnung vom Inhalt hätte ;o)

    Das ist ein wenig wie mit der Musik von Heino - alle kennen die Songs, aber keiner hat eine Platte im Haus.

    Es liegt vielmals an den verheißungsvollen Covern - Männer mit nackter Brust und hochgerollten Ärmeln, die barbusigen Fäuleins, die schmachtend in ihren Armen liegen - keine Ahnung, warum einem das etwas peinlich ist. Ich glaube, man möchte einfach nicht, dass andere Leute von diesen Bildern auf einen selbst schließen. Mir wäre es z.B. unangenehm, wenn ein männlicher Arbeitskollege mich mit so etwas in der Hand "erwischen" würde - als ob ich nur an das Eine denken täte...

    Ganz klar: Ohne Romance Fantasy niemals!

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  3. ...und ich dachte schon, ich bin die einzige hier, die Sex (in Büchern) mag und sich auch noch traut das zuzugeben...

    Also ich lass mich auch nicht gern in der Straßenbahn mit "sowas" erwischen, und dabei ist es ja nicht nur das Cover, man weiß ja nie, wer einem ev. grad über die Schulter guckt und heimlich mitliest...
    Deshalb hab ich unterwegs auch immer ein öffentlichkeitstaugliches Handtaschenbuch mit *gg*

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  4. Ich trau mich auch, so ist das nicht ;)
    Wenn ich weiß, dass es richtig erotisch wird, lese ich die Bücher lieber zuhause, damit ich auch etwas davon habe. Die Enge in einer Bahn zusammen mit Geruch und Lärm, sind da nichts für mich.
    Aber Nackenbeißer habe ich auch schon mal dabei, das macht mir nichts ;)
    Ausgewiesene erotische Romane mag ich meist gar nicht, weil mir die Ausdrücke nicht gefallen (Möse usw.) und weil ich Gefühle mag. Ob die vorausgehen oder danach folgen ist mir egal; Erotics setzen aber meist nur auf viele "sinnliche Szenen", egal was dazwischen folgt. Viele Erotics sind auch SM und das liegt mir nicht so sehr aus eben genannten Gründen.

    @Kirsten: Der Unterschied besteht vielleicht auch einmal im Alter der Leserinnen und einmal in den Gründen warum zu etwas Langem oder Kurzem gegriffen wird.

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