Dienstag, 31. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 6/8




Die Zeitung in der einen und den geschlossenen Becher Kaffee in der anderen Hand haltend, hangelte Kathleen sich durch die Untergrundbahn. Die Menschen wirkten seltsam unwirklich auf sie, als wären sie gar nicht real. Man sah ohnehin nur wenig von ihnen, die meisten hatten selbst hier ihre Mützen und Schals tief ins Gesicht gezogen.
‚Ich sollte ein Taxi nehmen an der nächsten Station’, dachte Kathleen, bis ihr einfiel, dass sie zu spät dran war und es sich obendrein in diesem Monat auch gar nicht mehr leisten konnte. Also fuhr sie stur weiter und ignorierte die Menschen ebenso wie den Geruch.
Im Büro war bereits die Hölle los, als sie aus dem Fahrstuhl stieg; die Telefone klingelten ohne Unterlass und die Angestellten hasteten mit ihren Papieren durch die dünnen Flure.
„Miss Foster, in mein Büro“, rief sie die strenge und nervtötende Stimme ihres Chefs, noch während sie den Mantel aufknöpfte. Kathleen nahm sich dennoch die Zeit, in den abgeteilten Bereich des Großbüros zu gehen, in dem sie arbeitete und dort Zeitung, Kaffee und ihre Tasche abzustellen.
„Du solltest dich beeilen“, raunte ihr Meggie zu, die sich über die Sperrwand lehnte und ihren tröstenden Tonfall angenommen hatte, als wäre Kathleen ein Kind, das es zu beruhigen galt. „Hannon wartet schon den ganzen Morgen auf dich. Ist selbst wieder eine halbe Stunde früher gekommen.“ Kathleen nickte gelassen, konnte aber nur daran denken, dass ihr Kaffee kalt werden würde. Sie zog ihre Bluse glatt, fuhr sich mit den Fingern durch das noch immer leicht feuchte Haar, setzte ihr falsches Lächeln auf und marschierte in Hannons Büro.


Sonntag, 29. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 5/8




Breannas Finger zogen sanft die feine Kontur seines Gesichtes nach. ‚Padraig mein Geliebter, man hat uns getrennt, für jetzt und für alle Zeit, die uns in dieser Welt geblieben wäre’, dachte sie und konnte doch nicht mehr trauern, denn es war nichts mehr in ihr, dass fühlen konnte.
Letztendlich hatte ihr Seelenfreund gegen die Folter und seine Verletzungen nicht mehr ankämpfen können. Man hatte ihr gesagt, er hätte seine Feinde zuletzt so sehr gereizt, dass sie ihm immer härter zugesetzt hatten. Breanna lächelte, denn sie wusste, dass dies sein letzter Beweis seiner Liebe zu ihr gewesen war. Nun würde auch sie frei sein können, doch eines hatte er nicht gewusst.
Valerius hatte ihr gestattet, die Sterbezeremonie für den Pendragon durchzuführen. Der Sohn des römischen Statthalters wusste, dass Breanna nun nicht mehr versuchen würde sich das Leben zu nehmen, wo ihr Bauch mit den Monaten immer runder geworden war. Es wäre Verleumdung der Großen Mutter selbst, würde sie dem ungeborenen Kind nicht gestatten das Licht dieser Welt zu erblicken. Valerius hoffte, es wäre ein Sohn, sein Sohn, den er nach römischer Art erziehen und schließlich in das Land seiner Mutter zurückschicken konnte, damit er die Stämme auslöschen würde.
Breanna lächelte wieder. O ja, es war ein Sohn, aber nicht vom Blute Valerius’.
Eine Träne rann ihre Wange hinab, als das Feuer den Leib ihres Königs mit sich nahm und sie an seine letzten Worte denken musste.


Freitag, 27. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 4/8




Kathleen schüttelte sich und stieg dann in die Dusche. Ihr war plötzlich so elend zumute, dass ihr bittere Galle hochkam und sie spucken musste. Sie zitterte und wusste nicht einmal warum. Als sie unter dem fließenden Wasser stand, überkam es sie erneut. Die Wassertropfen perlten auf ihrer Haut und sie legte den Kopf zurück, um das Gefühl zu genießen.
Dann weinte sie plötzlich und hemmungslos, fühlte, dass sie etwas verloren hatte und konnte sich einfach nicht erinnern, was es gewesen war. Und schmutzig, sie fühlte sich so schmutzig.
Es dauerte eine Ewigkeit, aber schließlich drehte sie das Wasser ab und griff nach ihrem Handtuch. Ein kleineres wand sie sich um ihr nasses, rötlichbraunes Haar und ging dann in die Küche. Es war kalt und sie fröstelte, aber sie sah keinen Sinn darin, für die wenigen Minuten, die sie noch hier sein würde, die Heizung aufzudrehen. Auf dem Fenster hatten sich Eisblumen gebildet.
Kathleen schlürfte ihren Kaffee und steckte sich eine Zigarette an. Zufällig fiel ihr Blick auf ihre Armbanduhr, die auf dem Küchentisch lag und sie zuckte zusammen. Sieben Uhr dreiundzwanzig. Verdammt, schon wieder zu spät!


Mittwoch, 25. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 3/8





Breanna saß zusammengekauert am Fluss und beobachtete den eintönigen Gang des Wassers. Wenn sie sich ganz auf das Rauschen der Wellen konzentrierte, konnte sie sich einreden, sie sei ganz allein, es gäbe kein Heereslager in ihrem Rücken. Und auch nicht den Krieger, der an ihrer Seite saß und sie bewachte. Valerius war ein besitzergreifender Mann, dem man nicht widersprach und am besten tat, was er wollte. Und er wollte viel, wollte alles, was sie zu geben hatte, doch gab es eines, das sie ihm niemals geben würde. Ihre Liebe.
Das andere hatte er sich einfach genommen, am Tag der Heiligen Weihe zum ersten Mal, als sie noch im Blut der anderen Priesterinnen gelegen hatte, die ganze Zeit über in die blicklosen Augen Ninivaes schauend und zur Großen Mutter betend. Es musste ihm gefallen haben, denn Breanna war nicht getötet worden, wie sehr sie sich danach auch gesehnt haben mochte und er hatte sie mitgenommen, als Zeichen seines Triumphes.
Eine Priesterin der Heiligen Insel. Verkauft in die Sklaverei eines Mannes. Breanna wusste, dass es ihre Aufgabe war, sich dem zu entziehen und in den Tod zu gehen, aber sie konnte es nicht. Noch konnte sie es nicht, denn sie war das einzige, was Padraig, ihren Geliebten, ihren Freund, ihren Seelenverwandten und König noch am Leben erhielt. „Sieh ihn dir an“, hatte Valerius gesagt, als Padraig zerschunden und gefesselt vor ihr am Boden gelegen hatte. „Der starke Pendragon, der, welcher die Völker Britanniens einen und in den Kampf gegen uns Römer führen sollte.“ Dann hatte er ausgespuckt und ihr auf schreckliche Art und Weise vor Augen geführt, was geschehen würde, wenn sie ihm nicht gehorchte. In allem.
Breanna schluchzte beim bloßen Gedanken daran, wie sehr es sie beschämte, dass sie auch einige der heiligen Zeremonien der Priesternschaft verraten hatte.


Montag, 23. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 2/8




Kathleen schreckte auf, als ihr Radiowecker Punkt sechs Uhr drei die letzte Hälfte des neuen Liedes von Robbie Williams abspielte. „Scheiße“, keuchte sie auf und konnte nur langsam in diese Zeit und diese Welt zurückfinden. Erfolglos angelte sie mit dem linken Arm nach der Stopptaste und quälte sich dann doch lustlos aus dem Bett. Dieser Traum ... so schnell verblasst. Einen wie diesen hatte sie in regelmäßigen Abständen seit ihrer Jugend, aber so oft hintereinander wie im letzten Monat noch nie.
„Verdammt“, setzte sie die Reihe ihrer Flüche fort und stand auf. Im Bad streckte sie ihrem Spiegelbild die Zunge heraus und drehte das Wasser in der Dusche auf, damit das kalte abfließen und das warme herauslaufen konnte. Mit der Zahnbürste im Mund zog sie ihren Schlafanzug aus und starrte dann eine Ewigkeit auf das strömende Wasser.


Samstag, 21. März 2009

Durch alle Zeit hinweg 1/8




Unheil zog über das Land, als sich die Priesterinnen und Druiden zur Heiligen Weihe zusammenfanden. Es war ihnen verboten worden, aber sie taten es dennoch, denn Christus war nicht ihr Gott und die Gebräuche der Römer viel zu einseitig und engstirnig für ihr Verständnis von Zeit und Wandel.
Breanna zitterte leicht, als die große Sonnenscheibe hinter dem Horizont auftauchte. Die Luft flirrte und verriet damit die nahende Hitze des Tages, obwohl es jetzt noch kühl war, aber das war es nicht, was das junge Mädchen erschauern ließ. Die älteren Priesterinnen lächelten sie aufmunternd an, Ninivae nahm sie sanft bei der Hand und führte sie zum ehernen Altar des Steinkreises. Hier würde Breanna der Großen Mutter huldigen, sich vereinigen mit ihm, der das Land beherrschen sollte, ihm, dem Pendragon, der gezeichnet war mit den heiligen Drachen.
Der Altar war hübsch geschmückt mit wilden Wiesenblumen, wie Breanna sie gern mochte und sie wunderte sich, dass sie dies überhaupt wahrnahm. Ihr Herz schlug bis in ihre Zehen hinab, war es doch das erste Mal, dass sie an solch einem Ritus teilnahm.
Der neue König schaute ihr bewundernd entgegen, er war jung und stark, wie das Land es brauchte und ihr Blick glitt über rotes Haar, muskulöse Arme und die noch durch einen Leinenschurz geschmückten Hüften.
Breanna selbst war bereits nackt, ihr langes Haar fiel ihr in Wellen bis an die Waden und sie trug Blumen darin. Ninivae drückte sie hinunter auf den Altar, bis sie ausgestreckt dalag. Breanna fühlte, wie der König sich neben sie legte und die anderen mit der Zeremonie begannen. „Ich bin die nährende Mutter, die Heilerin der Erde“, begann Mugain und Breannas Gedanken konzentrierten sich vollkommen auf ihre Worte. Dann zuckte sie zusammen, als sie spürte, wie der Mann neben ihr sanft ihre Hand ergriff und sie kurz drückte. Sie drehte ihr Gesicht und blickte ihm in die meergrünen Augen.
Die Zeit stand still und Erinnerungen kamen und gingen. Es war er, ihr Freund, Nährer und Geliebter seit Anbeginn allen Lebens. Sie kannten sich, sie liebten sich durch alle Gezeiten, durch alle Widrigkeiten, Leben für Leben und Welt für Welt hindurch.
Breanna blinzelte in den hellen Sonnenstrahlen und lächelte ihn dann an, ihren König und Geliebten, ihn, der auch sie wiedererkannt hatte. Sie hatten sich gefunden, er beugte sich lachend über sie und sie vereinten sich, so wie es ihnen vorherbestimmt war.
Und dann kamen die Römer.


Donnerstag, 19. März 2009

Kurzgeschichte in acht Teilen




Ich werde in den nächsten Wochen leider nicht dazu kommen, meine gelesenen Bücher vorzustellen. Aber vielleicht kann ich meine Besucher mit einer kleinen Kurzgeschichte unterhalten? Sie ist in mehrere Teile untergliedert, die ich nach und nach einstellen werde.


"Durch alle Zeit hinweg" lässt die Zeit der Kelten und Römer, den Kampf des Pendragon gegen die Unterdrücker aufleben. Gleichzeitig jedoch spielt sie auch in unserer heutigen Welt. Breanna und Kathleen sind so verschieden, wie die Zeiten, in denen sie leben. Und doch sind sie eins. Natürlich ist es eine Liebesgeschichte! Vor drei Jahren als Hommage an M.Z.B. erdacht.


Dienstag, 17. März 2009

Sturm (Der verwaiste Thron 01) - Claudia Kern




Überzeugende deutsche Fantasy!


Ana und Gerit sind die Kinder des Fürsten von Somerstorm. Das karge Land, das niemand hatte haben wollen, beherbergt viel Gold, was einige Neider auf den Plan ruft. An Anas siebzehnten Geburtstag gibt es ein Massaker auf der Burg, verübt von einer Gruppe als Gaukler verkleideter Nachtschatten. Diese Wechselgeschöpfe, die sowohl menschlich, als auch tierisch aussehen können (einfach Menschen mit Fell und großen Zähnen), okupieren die Burg und töten alle Menschen, die sie dort finden. Ana kann mithilfe ihres Leibwächters, für den sie sich nie sonderlich interessiert hat und der nur durch einen Eid an sie gebunden ist, fliehen. Gerit, der jünger ist, versteckt sich, wird aber gefunden. Als Sohn des ehemaligen Fürsten und in Anbetracht dessen, dass seine erbberechtigte Schwester noch nicht gefunden wurde, lässt man ihn leben und steckt ihn zu den Nachtschatten-Unteren. (Diener in diesem Sinne gibt es nicht). Dort muss er sich gegen alle behaupten. Inzwischen versucht seine Schwester zu ihrem Verlobten nach Westfall zu gelangen, um ihn um seine Hilfe zu bitten. Dieser war auf einer Schule und reist unwissend mit dem gelehrten Krüppel Craymorus zu seinen Eltern und schließlich in die Schlacht. Somerstorm ist reich und das will sich niemand entgehen lassen. Kaum sind sein Vater und er abgereist, kommt der König der vier Fürstentümer nach Westfall und schmiedet seine ganz eigenen Pläne. Und da sind auch noch die Ruinen der Vergangenen, einem geheimnisvollen Volk früherer Zeiten un der neue Kult, der sich um sie webt.


Schon lange konnte mich kein Fantasyroman mehr überzeugen, aber dieser hier hat es geschafft. Obwohl das Buch eigentlich ein wenig zu teuer für meinen Geldbeutel ist, habe ich es mir gekauft und das lag vor allem an der Autorin. Zwar kannte ich sie zuvor nicht, aber als ich mich ein bisschen in ihren Werdegang eingelesen hatte, war mir klar, dass sie für das Genre lebt. Nichts schön redet, nicht auftrumpft und besserweißt, sondern es einfach als Tatsache nimmt und sich der Sache verschreibt. Hinzu kommt, dass das Buch bei Blanvalet erschienen ist und ich bisher von keinem einzigen Roman (egal welchen Genres) dieses Verlages enttäuscht war.
Der Plot von Sturm (erster Teil einer Trilogie) klingt zunächst altbekannt. Doch mal ehrlich: in der Fantasy dreht sich ja doch immer alles ums eine. Umso erfrischender, dass es endlich, endlich mal keine Tolkienverschnitte enthält. Wer also auf Orks hofft oder Elfen, der ist hier falsch. Die Figuren sind mir sympathisch (oder eben nicht, je nachdem) und handeln nachvollziehbar. Das einzige, was mich stört ist die Tatsache, dass weder Ana, noch ihr Bruder Gerit an die toten Eltern denken (Wehmut, Trauer ...) und auch nicht aneinander. Gerade Ana, die ihren Bruder noch auf dem Turm gesehen hat, als sie floh, müsste sich doch fragen, was aus ihm geworden ist. Aber davon schreibt Claudia Kern nichts.
Die Handlung ist sehr spannend und vieles ist von einem Geheimnis umgeben. Auch ist nicht klar, ob Anas vermeindliche Verbündete wirklich so handeln werden, wie sie sich das wünscht. Sehr spannend. Am meisten fasziniert bin ich diesmal nicht von der weiblichen Hauptfigur, sondern von Gerit, der bei den Nachtschatten in der Burg seiner Eltern leben muss. Dieses Volk ist sehr durchdacht und mit vielen Facetten ausgestattet worden und Gerits Peinigungen und sein schließlicher Sieg über den Küchenjungen haben mir sehr gut gefallen. Ich werde mir auf jeden Fall auch den zweiten und sicher dann auch den dritten Teil (der erscheint aber erst im August) anschaffen und kann den Roman wirklich nur empfehlen!


Montag, 16. März 2009

Ich war böse!












Ich hab's schon wieder getan! Ich war heute mal etwas shoppen und da gab es einen Weltbild-Laden. Herausgekommen ist "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak und "Shopaholic" von Sophie Kinsella. So wirklich unglücklich bin ich aber immer noch nicht und schämen ...? Ich doch nicht!


Freitag, 13. März 2009

Traumelixier



Die Farben der Unendlichkeit
dem Auge des Sehers entschwunden
verloren geglaubt im Fluss der Zeit
auf Traumpfaden sind sie gefunden

Graue Schwere Dunkelheit
einsamer Streiter in der Nacht
ein Tränenschwert der schwarzen Maid
singend die Feuer der Sinne entfacht

Silberner Funke Wirklichkeit
ein mildes Glitzern aus Sternenstaub
fast vergessen im uralten Leid
tanzende Schatten aus goldenem Laub

Rote Weite Herrlichkeit
ein Sonnenstrahl dem reinen Licht
verrinnt der Sand voll Zärtlichkeit
hebt sich der Schleier des letzten Gericht

Eines meiner älteren Gedichte, die Phase, in der ich damals steckte, merkt man, glaube ich, sehr deutlich ;) Das Gedicht erschien in irgendeiner Ausgabe der "Bibliothek deutschsprachiger Gedichte".


Mittwoch, 11. März 2009

Marsha Mellow und ich - Maria Beaumont




Amy hat ein Buch geschrieben - einen ziemlich heftigen erotischen Roman, der so manchem Leser zufolge auch literarisch glänzen kann. Gut, dass sie ein Pseudonym gewählt hat, denn plötzlich geht eine Hexenjagt los, die Marsha Mellow - das Pseudonym - als Sünderin hinstellt. Die ist natürlich alles andere, denn Amy hatte seit zwei Jahren keinen festen Freund mehr und ist heimlich in ihren Chef bei Working Girl verliebt. Ihre Schwester, ihr genaues Gegenteil, macht ihr das Leben auch nicht leichter und ihre erzkonservative Mutter wettert gegen alles und jeden. Sie weiß noch nicht einmal, dass Amy raucht. Anthony, ihr bester Freund, ist schwul und eigentlich hat Amy ja sein Leben in den Roman gepackt, nur mit einer weiblichen Figur. Ein Privatdedektiv, der eigentlich Amys Vater beschattet soll, weil die Schwestern ihn verdächtigen eine Affäre zu haben, kommt dem Geheimnis um Marsha Mellow, die im Zuge der Hexenjagt plötzlich auf der Bestsellerliste ganz oben steht, auf die Schliche und erpresst Amy. Als die Mail ein Foto abdruckt, das Amy sehr ähnlich sieht, läuft irgendwie alles aus dem Ruder ...


Ich mochte das Buch wirklich sehr. Es war tatsächlich das scheußliche Cover, das mich zugreifen und der Mängelexemplarpreis, der es mich hat kaufen lassen. Vom Inhalt bin ich überzeugt worden. Mit viel Situationskomik, Espri und Charme erzählt Beaumont eine wirklich lesenwerte Geschichte. Ich stand den Charakteren anfangs skeptisch gegenüber, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, denn hier scheinen viele Klischees verwurstet worden zu sein. Die Autorin kann aber alles sehr glaubhaft wirken lassen und driftet so gut wie nie ab. Es war wie immer meine Vorliebe für junge Frauen im Literatursektor, die mich dazu verleitet hat, das Buch zu erwerben. Inzwischen habe ich mir weitere Romane der Autorin herausgesucht und kann mir gut vorstellen, noch mehr von ihr zu lesen. Denn eines hat sie super geschafft: sie hat mich glänzend unterhalten und ich mochte das Buch zwischendurch gar nicht zur Seite legen. Amy und ihre Tagträume sind mir ans Herz gewachsen, wem geht das nicht ab und an so? Gut, ihre Fantasien sind vielleicht etwas heavy, aber es geht ja ums Prinzip. Also: Idee, Plot und Umsetzung stimmen, der Hauptcharakter ist sympathisch und die Nebenfiguren glaubhaft. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen.


Montag, 9. März 2009

Totenmesse - Arne Dahl




Aller Laster Anfang ist das Öl und Arne Dahl hat einen ganzen Roman darum gesponnen. Ein sehr aktuelles Thema und wie sich hier zeigt, schon seit fast einem ganzen Jahrhundert. Cilla Hjelm ist und bleibt eine Staffagefigur, nach dem Banküberfall taucht sie nicht mehr auf, außer in zwei Nebensätzen am Schluß. Aber sie hat es ja selbst erkannt, sie ist und bleibt genau das. Vielleicht war sie in einem der Vorgängerromane mehr, das allerdings weiß ich nicht, da dies mein allererster Roman von Arne Dahl ist.


Der Anfang war recht schleppend, da diverse Personen etwas sehr Alltägliches taten und schließlich noch mehr Personen hinzukamen, die ich alle nicht kannte. Furchtbar auch, dass sie so ähnliche Namen hatten, die zum Verwechseln geradezu einluden. Aber nicht aufhalten lassen, einfach weiterlesen. Der Banküberfall sorgt für Spannung, doch just in dem Moment, als ich mich fragte, ob ich ein ganzes Buch mit einer langweiligen Geiselbefreiung verbringen muss, ändert sich alles, was ich als sehr erfreulich empfand. Man nimmt die Gangster gefangen und plötzlich sind sie verschwunden. Was nun? Hinzu kommen Auszüge aus einem Tagebuch, das ein deutscher Soldat im zweiten Weltkrieg geschrieben hat. Dabei habe ich mich allerdings gefragt, wie er alles verlieren kann, dieses kleine Büchlein aber immer bei sich behält und das über Monate, in denen er nichts einschreibt. Diese Auszüge lesen sich ausnehmend gut und da es sich bei dem Soldaten um einen studierten Mann handelte, will ich auch gern diese beinahe lyrische Sprache glauben.


Ein wenig konstruiert und an den Haaren herbeigezogen fand ich Teile der Handlung schon. Aber Arne Dahl versteht es geschickt, darüber hinweg zu täuschen. Wäre diese Geschichte von einem anderen Autoren geschrieben worden, man würde sie sicher in der Luft zerreißen. Nur das Ende, so leid es mir tut, ist einfach nur sehr enttäuschend. Ich hätte mir da mehr gewünscht, als dass plötzlich alles so nichtssagend ausläuft. Eine Menge Fragen zu diesem auch nicht nachvollziehbarem Ende - das ich nicht verraten will - haben sich in mir gebildet und so manches leuchtet mir einfach nicht ein. Beinahe bin ich enttäuscht, dass ich so lange durchgehalten habe und schließlich, gelinde gesagt, nichts passiert.


Dahl erzählt eine gelungene Geschichte mit kleinen Schwächen, die aber nicht weiter auffallen. Seine Sprache ist einfach, aber subtil, Spannung versteht er meisterhaft aufzbauen, so dass der Roman mehrere Schichten davon ausbildet. Das Ende ist gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem ist dies ein Buch, dass nicht nur Fans gefallen wird. Es liest sich wirklich schnell weg, aber es macht sicher Sinn, die Vorläufer gelesen zu haben. Ich hab einfach zugeschaut, was die einzelnen Figuren taten, aber erkannt oder sie mir gemerkt habe ich nicht. Alles Fremde bis zum Schluß.


Was mir auch sehr gefiel, war der versteckte Zeigefinger Dahls, was die Ölkriege anbelangt. Aus dieser Idee heraus einen ganzen Roman aufzubauen und dann auch noch den Kalten Krieg und seine Politik einzubauen stelle ich mir nicht einfach vor. Da kann ich gern die kleineren Ungerimtheiten vergessen. Obwohl ich kein Fan des Genres bin, möchte ich den Roman gern weiterempfehlen, denn er hat mir gut gefallen.


Sonntag, 8. März 2009

Bittersüße Tode - Laurell K. Hamilton




Anita Blake ist Animator (Totenerweckerin) und Vampirjägerin. Denn in ihrer Welt ist allen bekannt, dass es diese Wesen gibt und man arrangiert sich damit. Sie arbeitet für einen geldgierigen Chef von Animators Inc. in St. Louis und kommt um ihren neuesten Fall nicht herum. Der Obervampir der Gegegend, Jean-Claude, bittet sie, ihm behilflich dabei zu sein herauszufinden, wer seinen Clan reihenweise wirklich tötet. Dabei scheint er Interesse an ihr zu entwickeln, das ihr gar nicht gefällt. Dann taucht ein zweiter Obervampir auf - Nikolaos - und will ihr nichts Gutes. Obwohl sie nun also um ihr Leben fürchten muss, ist sie wild entschlossen, den Fall aufzuklären - und nicht in Jean-Claudes Bett zu landen.


Hamilton ist sicher nicht die beste aller Autoren, aber sie hat mich trotzdem begeistert. Alle bisher erschienenen Bücher habe ich gelesen, auch wenn das schon etwas zurückliegt. Um diesen ersten habe ich lange einen Bogen gemacht, dann aber doch zugegriffen, auf der Hälfte angekommen, habe ich Teil 2 und 3 bestellt. Anita ist inzwischen eine Berühmtheit, in ihrer und in unserer Welt und das hat einen Grund. Sie ist echt und sie übertreibt ihr "ich bin besser und schöner als alle anderen" nicht so maßlos, wie man das aus zahlreichen Nachahmerbänden kennt. Auch die Vampire sind keine graue Masse, alle gutaussehend und mächtig. Jede Menge Macken und "Fehler" machen sie einzigartig. So wie auch Anita Blake, die einige Vorlieben hat, die sie menschlich machen und die sie selbst wohl lieber verschweigen würde. Die Beziehung zu Jean-Claude (Was für ein Name!) enthält keinen Nervfaktor und bietet genug Abwechslung (und Pausen), wird damit glaubhaft. Anita ist keine Überheldin, was sie sehr sympathisch macht. Ich kann das Buch empfehlen, inhaltlich sehr überzeugend. Die Umsetzung ... nun gut, aber man kann damit leben und nach einer Weile überliest man es einfach.


Mittwoch, 4. März 2009

Landliebe gesucht - Emma Hamberg




Emma Hamberg überfällt den Leser mit drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - und Schwestern sind es auch noch. Dumm nur, dass sie so jedes Klischee, das es gibt, darstellen. Das wäre nicht weiter schlimm, denn was ist das Leben, wenn nicht ein einziges Klischee? Doch Hamberg hat sich die Extreme herausgesucht und ihre Kühe dazugegeben. Lena, verheiratet, drei Kinder, einfach nur müde und überarbeitet. Marie, älteste, Silikontitten, Barkeeperin, einsam. Asa, Computerspezialistin, kinderlos, verheiratet, unzufrieden.
Die Leben der Schwestern wirken zunächst glaubhaft, wenn auch immer einen Tick zu weit getrieben. Und dann diese Eifersucht, das viele BlaBla. Es dauert, ehe der Unglücksfall - der Tod des geliebten Vaters - eintritt. Fast die Hälfte des Romans ist rum und ab da, ist nichts mehr, wie zuvor. Zum einen verlässt Lena ihre kleine Familie, Marie kündigt später und Asa ... nun, sie schläft mit dem Mann ihrer Schwester. Alle sind sie verloren in sich selbst, aber ich kann nun einmal leider nicht glauben, dass es der Vater war, der ihrem Leben die Stabilität gegeben hat, der sie hat alles bisher durchstehen lassen. Ist es wirklich sein Tod, der sie alles überdenken lässt?
Es wirkt hanebüchen, wie Hamberg die Handlung vorantreibt. Ein Schicksalsschlag nach dem anderen und es scheint sich alles den agierenden Personen zu entziehen, sie geraten in einen Strudel aus Verzweiflung und Leidenschaft. Aber genau das kam bei mir nicht an. Ich fand es einfach viel zu übertrieben, viel zu sehr auf Pump gedacht. Natürlich heißt es in bekannten Schreibratgebern: "Lass sie länger leiden." aber deswegen muss man bitte nicht so sehr übertreiben. Das Ende ist völliger nonsens. Gerade was Marie betrifft, bin ich damit absolut nicht einverstanden, auch wenn Emma Hamberg noch so sehr ihrer Nachbarin einen Gefallen damit tun wollte, wie sie selbst schreibt. Es ist einfach too mouch und nebenbei auch unnötig. Vorhersehbar sollte ich vielleicht auch noch erwähnen. Und so leicht verzeiht es sich nicht, nicht einmal in einer Familie.
Warum ich das Buch zuende gelesen habe? Weil die Autorin eben doch etwas geschafft hat, nämlich, dass ich wissen wollte, wie es ausgeht. Denn von Gefühlen und wie man sie gut rüberbringt versteht sie was. Hätte sie sich bei den Figuren und auch der Handlung nur ein wenig zurückgenommen, ich könnte wohl glauben, dass es sich hier um einen neuen Bestseller handelt. Doch so muss ich leider annehmen, dass auch hier eine Marketingabteilung ihr Übriges dazu getan hat, was allein Titel und Aufmachung des Buches beweisen.


Montag, 2. März 2009

Verstoße nie gegen Gebote, die Du Dir auferlegst








Ich hab's getan! Ich kaufte mir Bücher ...
Niemals, so schwor ich mir, niemals werde ich gegen mein Gebot, keine Bücher zu kaufen, wenn noch massig ungelese rumliegen, verstoßen. Und nun? Da habe ich es doch getan. Amazon winkte mir einfach viel zu freundlich zu, mein Wunschzettel quoll über und als ich ihn mir mal genauer ansah, da stellte ich fest, dass mich die Bücher leise riefen. Kauf mich. Lies mich. Und schon hatte ich nichts Besseres zu tun, als mir ein paar Rezis reinzupfeifen und schließlich den Button "Bestellung abschicken" zu betätigen. Was ich gekauft habe:


"Tor der Verwandlung. Rai-kirah Trilogie 01." von Carol Berg
"Die Legende vom letzten König" von Ellen Kushner
"Mr. Cavendish, I Presume" von Julia Quinn


Ellen Kushner kenne ich bereits und habe "Die Dienerin des Schwertes" gelesen und für sehr gut befunden. Carol Berg hat fast ausnahmslos gute Rezis bekommen und mit Julia Quinn kann man sowieso nie etwas verkehrt machen. Außerdem muss ich mal wieder meine Englischkenntnisse aufbessern. Hach ja. Aber irgendwie macht es ja doch Spaß, gegen Gebote zu verstoßen ...


Sonntag, 1. März 2009

Film: Die fabelhafte Welt der Amélie




Amélie lebt ihr eigenes Leben inmitten von einer Reihe Personen. Sie ist nicht ganz von dieser Welt, sehr empfindsam und schafft sich in Ermangelung diverser Erfahrungen ihre eigene fabelhafte Welt. Sie wächst bei ihrem Vater auf, hat keine Freunde, zieht schließlich aus und arbeitet in einem Café am Montmartre. Dort bekommt sie es mit verschiedenen Personen zu tun, eifersüchtigen Liebhabern, gescheiterten Genies, fiesen Nachbarn usw. Eines Tages beschließt sie, die Welt so gut es geht zu verändern: sie verkuppelt ein Liebespärchen, fügt eine Familie wieder zusammen und macht den ein oder anderen Nachbarn glücklich. Nur in ihrem eigenen Leben fehlt etwas. Jemand zm kuscheln, dem sie alles anvertrauen kann: Mister Lover eben. Als sie ihn schließlich trifft, den Mann ihrer Träume - Nino, ist sie viel zu schüchtern, um ihn anzusprechen. Aber Gott sei Dank ist sie auch nicht auf den Kopf gefallen und weiß sich zu helfen. Denoch dauert es, bis das Glück zu ihr findet ...


Ich mag diesen Film wirklich sehr! Amélie ist anders und dieser Film erzählt ihre Geschichte auf eine grandiose Weise. Hautnah, gefühlvoll, nichts beschönigend, übrigens auch mit einem Erzähler. Die Bilder gefallen mir besonders und das Geheimnis um Nino und die zerissenen Passbilder hielt mich bis zum Schluß gefangen. Ein so scheues Wesen, die Amélie, aber unheimlich sympathisch und so interessant (wegen ihrer Macken, nicht trotz), dass man sie gern selbst kennenlernen würde. Schon die Nebenfiguren sind absolut liebevoll gestaltet. Zum Beispiel "der Mann aus Glas" Raymond Dufayel. Seine Knochen sind aufgrund einer angeborenen Krankheit so zerbrechlich wie Kristall und er hat seine Wohnung schon ewig nicht mehr verlassen. Er verbringt seine Zeit damit, das Werk "Frühstück der Ruderer" von Renoir zu kopieren. Oder Georgette, die Tabakwaren verkauft und ein Hypochonder ist, mit jeder eingebildeten Krankheit, die es gibt. Die Musik passt hervorragend zum Film und vermittelt mir ein Wohlfühl-Gefühl. Kein Wunder also, dass die Franzosen ganz verrückt nach diesem Film sind.


Frankreich/Deutschland 2001
Regie: Jean-Pierrre Jeunet.
Drehbuch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet.
Darsteller: Andrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau u.a.
Features Audiokommentar, Kinotrailer
FSK: ab 6 Jahre, farbig,
Spieldauer: 117 Minuten
Bild: Widescreen,
Ton: Dolby Mehrkanalton AC3
Sprache: Deutsch Untertitel: Französisch, Deutsch